„relauch“

Liebe Besucher, ganz der Jahreszeit und meiner regionalen Verknüpfung angemessen, freue ich mich ganz besonders und nach langjähriger Vorüberlegung (»grübel, schwitz, …“) den überfälligen »relauch« meines blogs präsentieren zu dürfen.

Ich werde in lockerer Folge – ich versuche jede Woche einen neuen Beitrag zu veröffentlichen – kleine aktuelle, ältere und ganz alte audiditive Beiträge ins große WWW stellen, um diese zu teilen. Dabei handelt es sich [fast] ausschließlich um Eigenkomposition.

BITTE, so tragt die frohe Botschaft, die so kurz vor Weihnachten eintraf, um die ganze Welt. DENN, bei 1.000 Klicks meiner Website werde ich mir selber 1€ auszahlen und davon gehen 34% als Spende an bedürftige und ins Alter gekommene Computermusiker. [Rolf hat sofort „HIER“ geschrien!] Um das zu unterstützen habe ich jetzt auch einen Spendenbutton in der Seitenleiste eingerichtet.

Und, liebe Leute, schreibt mir doch mal, wie euch die Seite und welche Stücke euch gefallen! Das würde mich sehr freuen! Ihr könnt diese Emailadresse benutzen:

sound[at]bossasworld.de (Die Zeichenfolge [at] durch das Emailzeichen ersetzen, ist klar!)

Besonders gerne Teile ich meine Arbeiten. Wenn du gerne die Stücke als MP3 Datei haben möchtest, oder du bestimmte Musiknoten meiner Beiträge brauchst, oder auch die Originaldateien meiner Reason DAW verwenden möchtest, so kontaktiere mich bitte unter der angegebenen Emailadresse.

Es gibt auch einen Spendenbutton in der Seitenleiste unter den Blogeinträgen.

Du kannst auch eine Auswahl meiner Stücke auf Soundcloud wiederfinden.

Frisch dazugekommen ist ein RSS feed. Wenn man diesen Link verfolgt, hat man auch eine einfache Möglichkeit die Audiobeiträge herunterzuladen UND man kann sich für einen RSS Feed Email Newsletter eintragen, so dass man dann immer eine Nachricht erhält, wenn ein neuer Beitrag „gepostet“ wurde.

Immer wenn das kleine schwarze Dreieck auftaucht – also so etwas  ► – hat man ein Audio-Beispiel gefunden. Klickt man auf das kleine schwarze Dreieck, sollte etwas zu hören sein. Mir haben wirklich schon Menschen erzählt: „Deine Seite sieht gut aus, aber ich kann nichts hören!“ „Hast du denn das kleine schwarze Dreieck angeklickt?“ „Nee, wusste ich gar nicht!“

Das kann man hier direkt ausprobieren. Getreu des Mottos, welches ich 2017 für mich entdeckt habe:

„Ich höre am liebsten Audio!“  

der lauch

Kommentare sind auch herzlich willkommen. Die Seite „mich“ verrät eine E-Mailadresse. »Shit-Stürme« werden sofort demokratisch »dialysiert«.

kalimbaba and the fourty sufis

Zugegeben, ein etwas merkwürdiger Titel, der dem Märchen aus 1000 und eine Nacht „Ali Baba und die vierzig Räuber“ entlehnt ist, welches ja hinlänglich bekannt sein sollte. Der Titel rührt daher, dass ich den Song mit einer Kalimbasequenz begonnen habe. Das Kalimba wird hierzulande auch als „Daumenklavier“ bezeichnet; dieser Name verrät uns ein bisschen über die Spielweise dieses Instruments. Als ich neulich meine kleine Enkelin besuchte, fand ich zufällig ein Kalimba in ihrem Musikinstrumentenkorb und machte ein Photo für diesen Beitrag, welches mit der Software prisma verändert wurde. Ich war der Meinung, es fehlen ein bisschen vokale Klänge, daher benutzte ich das sample von einem Sufi. Sufis sind Anhänger des islamischen Sufismus und werden auch Derwisch genannt. Zu ihrer spirituellen Praxis gehören die Kreistänze, die dem Derwisch ermöglichen bestimmte Zustände zu erreichen, um ihrem Transformationsziel näher zu kommen. In der sufistischen Tradition spielt dabei die Intuition eine große Rolle.

Intuition wiederum ist auch ein wichtiger Bestandteil des Erfindungsreichtum Musikschaffender. Während ich an diesem Stück arbeitete, fragte ich mich, welchen Anteil eigentlich Komposition und welchen Anteil Improvisation hat. Moderne elektronische Musik wird meistens nicht herkömmlich komponiert, also Note für Note „auf dem Papier“, sondern der Musiker spielt ein bisschen mit seinem Instrumentarium herum – er improvisiert – und setzt dann intuitiv einzelne Teile zusammen. Dabei entstehen Abschnitte während des Improvisieren, aber auch in den Schaffenspausen, wenn ihm neue Ideen in den Sinn kommen. Zumindest ist es mir so bei diesem Stück so widerfahren. Wen das interessiert, der kann bei diesem blog darüber etwas nachlesen. Wenn du jetzt das Stück hörst, scheu dich nicht, dich dabei tanzend im Kreis zu drehen!

kalimbaba and the fourty sufis

absynth morph

Das legendäre Synthesizer Plugin der Firma Native Instruments Absynth wurde im Jahre 2000 erstmals vertrieben. Für die damalige Zeit war es sehr innovativ, vereinte es doch erstmals verschiedenste Möglichkeiten und Kombinationen von Klangsynthese in einem Gerät. Die Modulationsmöglichkeiten waren enorm und stießen sofort auf mein Interesse. Durch die Schnittstelle VST konnte der Synthesizer in allen gängigen DAWs eingesetzt werden. Ich hatte eine Demoversion für eine bestimmte Zeit zur Verfügung und experimentierte mit den Klangmöglichkeiten herum und nahm ein paar Klänge auf, die ich absynthmorph getauft habe. „Morph“ steht dabei für sich wandelnde akustische Texturen.

Vom Wort „absynth“ ist es nicht weit zu dem legendären Getränk „absinth“ mit Kultstatus, was es sogar geschafft hatte für über 80 Jahre verboten zu sein, bis man durch wissenschaftliche Untersuchungen nachweisen konnte, dass das Getränk keine anderen besonderen Wirkungen wie anderer sehr hochprozentiger Alkohol hat. Auf jeden Fall ist der Anteil an dem Stoff Thujon – von dem die besondere Wirkung wie zum Beispiel Halluzinationen ausgehen sollte – nur so gering, dass dies nachweislich nicht der Fall ist. Absinth wurde auch die grüne Fee genannt, kommt doch die Spirituose „grün“ daher, weil das verwendete Wermutkraut die Färbung verursacht. Über die besondere Geschichte des Absinth kann man sich aufgrund vieler Artikel schlau machen, auch der Wikipediaeintrag ist sehr aufschlußreich.

Ich habe heute drei variierende Audios im Angebot. Das erste Sounddesign bringt die erwähnten Absynthdateien mit einem Holzblockrhythmus und einigen Streicher- und Chorklängen zusammen. Das zweite Sounddesign verwendet ausschließlich die ursprünglichen Dateien, die ich vor vielen Jahren aufgenommen habe. Das dritte Sounddesign letztendlich ist ein Resample des Zweiten, angereichert mit einem Drumbeat und einem lustigen elektronischen Bass.

absynth mix

absynth morph

absynth resample

Das Beitragsbild habe ich neulich bei einer Frühjahrsgartenparty geknipst. Dort war die ca. 2 Meter große Figur ausstellig und wurde mit der Software Comic Life verfremdet.

falling down

Auf den Titel „falling down“ brachten mich die spärlichen Melodien des Stückes, ist doch manchmal eine herabplätschernde Pianolinie auszumachen. Erst später fiel mir auf, dass falling down ja auch ein Filmtitel mit Michael Douglas in der Hauptrolle aus dem Jahre 1993 ist. Er spielt in diesem Film einen Geschäftsmann, dem immer mehr in der Gesellschaft auf den Zeiger geht und zunehmend radikale Methoden anwendet, um diesen Umstand sorge zu tragen. Wenn man sich manche gesellschaftliche Entwicklungen heutzutage anschaut – ich meine damit insbesondere wie mit dem Lebewesen Planet Erde umgegangen wird -, dann kann man sich gut vorstellen, wenn man aufgrund eines Ohnmachtsgefühles zu radikalen Methoden greifen möchte. Ich finde zwar, dies kann nicht der richtige Weg sein, allerdings ein Stück weit verständlich ist dies (leider) doch für mich.

Doch dies ist nicht das Thema heute. Ich bin in der letzten Woche auf ein PlugIn für meine Musiksoftware aufmerksam geworden, welches mich sehr fasziniert. Dieses PlugIn lädt Klänge, teilt diese in rhythmus- und tempogerechte „Häppchen“, sogenannte samples und gibt diese auf Tastendruck in neu gewünschter Reihenfolge wieder. Diesen Vorgang nennt man Resample, also ein Samplen der Sample. Herausgekommen ist ein schönes Stück mit einer ganz eigenen Atmosphäre, die mich an meinen sehr guten Freund P. erinnert hat. Ich widme dieses Stück P.

falling down

Das Betragsbild hat diesmal meine Tochter beigesteuert, die das Bild im Mai 2018 fotografierte. Der sanfte Flug einzelner Samen einer Pusteblume passt meiner Meinung nach sehr gut zu den Klängen des Stückes.

would you sit on a sitar?

Ich hatte letzte Woche die große Freude einem überaus gelungenes Livekonzert der Gruppe Hattler im Theaterstübchen Kassel beizuwohnen. Helmut Hattler, der ja schon früher mit den Gruppen Kraan und Tap Two auf sich aufmerksam gemacht hat und durch außerordentliche Spielfreude auffällt, hat sich auf der Bühne furios zurück gemeldet. Vor zwei Jahren erreichte mich die Nachricht, dass er schwer erkrankt sei, um so erfreulicher ist, dass Helmut nun wieder live spielen kann. Mit im Gepäck war auch der begnadete Gitarrist Torsten de Winkel, der mich insbesondere mit seinen „sounds“ – hier mal Stück 5 anspielen – überraschte, spielte er doch ein Seiteninstrument, was ich nicht ausmachen konnte, denn das Theaterstübchen war überaus gefüllt, und ich konnte das Instrument nicht sehen, da Torsten dieses im Sitzen spielte. Auf jeden Fall klang es manipuliert ein bisschen wie eine indische Sitar. So inspiriert musste ich direkt ein Stück mit einem Sitarsound ausprobieren und heraus kam das Stück „would you sit on a sitar?“. Diese Frage habe ich im Netz gefunden und fand es durchaus aus passend als Songtitel.

would you sit on a sitar?

Das Beitragsbild, so könnte man meinen, ist aus den Archiven der NASA entnommen und zeige Bilder des Saturns. Aber in Wirklichkeit handelt es sich um einen Ausschnitt einer gefüllten Kaffeetasse von oben. Wenn man keinen Maßstab hat, fehlt somit der Bezugsrahmen und man kann sich alles Mögliche denken. So hatte auch Stanley Kubrick in seinem berühmten Epos „2001 Odyssee im Weltraum“ gearbeitet, als er am Ende des Filmes die Entstehung von Galaxien darstellte. Wie nach über 10 Jahren nach Drehende bekannt wurde, filmte die Filmcrew in Zeitlupe Farbtropfen, die in einen sich bewegenden Farbeimer tröpfelten.

silversurfer solutions

Silver Surfer kommt in zwei Bedeutungen daher. Einmal bezeichnet Silver Surfer eine Figur aus dem Marvel Universum und ist Kennern der Comics bekannt. Der Silver Surfer steht im Zusammenhang mit den Fantastic Four, wo er als Bösewicht aus dem Universum mit seinem intergalaktischen Surfbrett aufgetreten ist. Die Kenner der Netzkultur wissen hingegen auch, dass Silver Surfer liebevoll ältere Semester bezeichnen, die schon ergraut sind. Silver Surfer spielen in der Netzkultur eine bedeutende Rolle, sind sie einerseits oft gut betucht und kauffreudig im Onlinehandel unterwegs, haben Zeit sich im Netz aufzuhalten und besuchen häufig Gesundheits- und Reiseseiten. Ich selber darf mich getrost auch als Silver Surfer bezeichnen, mancher geht sogar noch weiter und bezeichnet unsereins als Silberrücken.

Neulich hatte ich das Vergnügen bei einer Fortbildung teilzunehmen. Ich wurde doch wahrhaftig gefragt, warum ich mir dies in meinem Alter noch antue. Und außerdem hätte doch der Staat, der diese Fortbildung bezahlt hat, in meinem Fall keinen rechten Nutzen mehr davon, werde ich doch in einigen Jahren aus dem Staatsdienst ausscheiden. Das habe ich aber getrost weggelächelt und behaupte, jedes Jahr im Dienst kann noch ein gutes und aktives Jahr sein. Und ehrlich gesagt habe ich überhaupt noch nicht den Spass an Fort- und Weiterbildung verloren.

Die besagte Fortbildung – und jetzt kommen wir zum eigentlichen Thema – beschäftigte sich mit der lösungsfokussierten Gesprächsführung. In den 90er Jahren zunächst für therapeutische Zwecke entwickelt, hat sich der lösungsfokussierte Geprächsansatz längst für andere Felder wie zum Beispiel die Wirtschaft und die Pädagogik weiterentwickelt. Wir hatten das Glück eine ausgezeichnete Trainerin vorzufinden, die für die Schweizer solution sufers arbeitet und Gruppen anleitet. Der Grundgedanke der lösungsfokussierten Gesprächsführung ist nach der möglichen Zukunft zu fragen, ohne sich im Inhalt zu vertiefen, geschweige denn durch sogenannte Warum-Fragen im Problem herumzustochern. Als Methode dient das aufmerksame Zuhören, damit aus dem Gehörten sogenannte Triggerfragen entwickelt werden können, die den Gesprächspartner aufgrund seiner eigenen Ressourcen in der jeweiligen Situation weiterbringen können. Die Methode erscheint zunächst verblüffend einfach, sie ist allerdings sehr wirkungsvoll!

Bei dem heutigen Stück habe ich einige der erwähnten Triggerfragen aus dem Netz bei den solution surfers aus der Schweiz kopiert und durch eine schon einmal erwähnte text to speech Lösungen geschickt, um Sprachdateien zu erzeugen, die im Stück verarbeitet worden sind. So gesehen ist dies dann auch eine „solution“, um das Stück des Silver Surfers (ich selber) mit Vokals zu versehen. So kann man auch den Titel des heutigen Beitrages ableiten.

Das Beitragsbild zeigt – mal wieder – ein paar Wolken. Könnte man Wolken nicht auch als Silver Surfer bezeichnen, wie sie als immer wieder neuformierte Gebilde in der Luft schweben? Das Foto wurde im Januar 2019 aufgenommen.

whats behind the curtain

Diese Textzeile verwendete die Performancekünstlerin und Musikerin Laurie Anderson in ihrem Stück Born Never Ask auf dem Album Big Science aus dem Jahre 1981.

It was a large room. Full of people. All kinds
And they had all arrived at the same building
At more or less the same time
And they were all free. And they were all
Asking themselves the same question:
What is behind that curtain?

https://genius.com/Laurie-anderson-born-never-asked-lyrics

Die Frage „what is behind the curtain?“ hatte mich damals unglaublich in den Bann gezogen, stößt sie doch – jedenfalls für mich -, wenn sie gerade ausgesprochen ist, eine Tür in die Welt des Geheimnisvollen auf. Klar, etwas ist vor dem Vorhang, aber was ist eigentlich dahinter? Man kann dies auch ein bisschen auf die akustische Welt übertragen, zum Beispiel wenn wir an das Spiel „Ich sehe was, was du nichts siehst„, denken und es als akustisches Spiel ummünzen, indem wir einen Klang bzw. einen Sound hören und nun vermuten, wer oder was den Klang erzeugt hat oder wo und unter welchem Umständen der Klang aufgenommen wurde beziehungsweise entstanden ist.

Wollen wir mit dem Spiel beginnen? Höre dir den Klang an und vermute, was den Klang erzeugt hat? Wenn du noch genauer hinhören möchtest, aus welchen verschiedene Geräuschen setzt sich der Klang zusammen?

Hast du richtig vermutet? Dann hast du gewonnen. Klopfe dir auf die Schulter, halte kurz inne und beglückwünsche dich! Atme tief ein und erlaube dir, diese wunderbare Erfahrung in den morgigen Tag mitzunehmen. Wer jetzt Spaß an diesem akustischen Spiel bekommen hat, der darf sich eine ganze Präsentation mit weiteren Höraufgaben gleichen Formates herunterladen. Die Klänge wurde 2018 im Rahmen eines KLANGSAMMLER PROJEKTES einer Klasse des 5. Jahrgangs zusammengestellt und für einen Medienwettbewerb eingereicht.

Das Beitragsbild kann hier nicht direkt der Klangerzeuger sein, sonst wäre der Spielwitz des heutigen Beitrages verloren. Ich habe ein Bild gewählt, welches mir ausreichend skurril vorkommt, um hier als Platzhalter zu fungieren. Bei einer Tagung im Hochtaunus bot sich als erster Blick in einen Raum des Hotels eine Rasenmäherauststellung. Mit diesem Anblick hatte ich wahrhaftig nicht gerechnet.

composition 1960 #7

Die Composition #7 aus dem Jahre 1960 von La Monte Young hat mich schon immer unglaublich fasziniert. Meine armen Schüler lernen sie meistens dann kennen, wenn wir ein bisschen minimal music hören und spielen wollen [oder will ich das und die sollen? – okay, anderes Thema …]. Dazu erzähle ich meistens folgende Geschichte, die ich erstmals im Buch Durch Musik zum Selbst von Peter Michael Hameln gefunden habe.

Ein Mann besaß ein Cello mit (nur) einer Saite, über die er stundenlang den Bogen führte, die Finger immer auf derselben Stelle haltend. Seine Frau ertrug diesen Klang sieben Monate lang, in der geduldigen Erwartung, dass der Mann entweder vor Langeweile sterben oder das Instrument zerstören würde. Da sich jedoch weder das eine noch das andere ereignete, sagte sie eines Abends in sehr sanftem Tone: „Ich habe bemerkt, dass dieses wundervolle Instrument, wenn es andere spielen, vier Saiten hat, über welche der Bogen geführt wird, und dass die Spieler ihre Finger ständig hin- und her bewegen.“ Der Mann hörte einen Augenblick lang auf zu spielen, warf einen Blick auf seine Frau, schüttelte das Haupt und sprach: „Natürlich bewegen sie ihre Finger hin und her. Sie suchen den richtigen Ton. Ich habe ihn gefunden.“  Armenische Fabel

composition #7 sine

Man könnte die Komposition als eine der urtümlichsten der sogenannten minimal music bezeichnen, ist sie doch in ihrer Reduzierung auf zwei – in einer Quinte – gleichzeitig erklingenden Töne, auf das Wesentliche beschränkt. Das Internet hat viele Beispiele für das Stück gesammelt. Was mir erst neulich dazu aufgefallen ist: Young benutzt das hashtag Zeichen # in aller Voraussicht, ohne zu ahnen, dass dieses Zeichen eines der bedeutendsten Zeichen der aktuellen Jugendkultur werden würde, denken wir beispielsweise nur mal an die Verwendung beim social media Dienstleister instagram.

Als Studenten führten wir in einem Kurs folgendes akustisches Experiment durch: Wir haben die beiden oben abgebildeten Töne mittels eines Modularen-Synthesizers als Sinuswellen ausgegeben und 20 Minuten erklingen lassen. Sinuswellen kommen in der Natur isoliert nicht vor. Eine Sinuswelle muss immer elektronisch erzeugt werden. Jeder in der Natur vorkommende Ton ist eine Mischung aus verschiedenen Sinustönen und ergibt eine periodisch wiederkehrende Welle, die einen Klang formt. Sie folgt den Gesetzmäßigkeiten der Obertonreihe. Sind Klänge aus nicht periodischen Wellen zusammengesetzt, sprechen wir von einem Geräusch.

Die beiden Sinustöne sollten sich die Kursteilnehmer anhören und danach ihr Hörerlebnis beschreiben. Nicht wenige waren der Auffassung, dass sich der Klang der Töne im Laufe der Zeit verändert hätte. Manche meinten, der Klang wäre voller geworden, hätte Varianten gezeigt, hätte sich irgendwie verändert. Jedoch, dem war physikalisch nicht so. Es zeigt sich, dass das Hörerlebnis immer ein psychisches Erlebnis bleibt, Musik entsteht in unserem Kopf. Mit ein Grund dafür, warum manche Zuhörer minimal music nervig finden, andere empfinden sie sehr angenehm.

Wir können in diesem Beitrag drei Varianten der Komposition hören. (Die erste Version findet sich weiter oben.) Die ersten beiden Aufnahmen wurden direkt mit der schon oft erwähnten Laufzeitumgebung sonic pi generiert. Ich habe den code in einem sonic pi Forum gefunden und leicht variiert. Die erste Version rechnet mit Sinuswellen. Die zweite Variante benutzt einen komplexeren Sound, der ein bisschen moduliert wird. Es folgt der Code in sonic pi.

# coded by MrSkeletal adapted by falk

with_synth :sine do
  with_fx :ixi_techno, phase_offset: 0.2, phase: 44 ,res: 0.6 do
    play :b3, amp: 2, attack: 25, release: 1000, pan: -0.8
    play :fs4, amp: 2, attack: 25, release: 1000, pan: 0.8
  end
end

composition #7 dark ambience

Die dritte Variante verwendet acht verschiede Klangfarben. Zwei davon sind Sinuswellen, die anderen Klangerzeuger sind verschieden Padsounds, die in ihrer Lautstärke variiert werden.

composition #7 pad version

Das Beitragsbild habe ich in der Disco des letztjährigen 35C3 Computerkongresses in Leibzig fotografiert.

so far away

Jedes Jahr fahren wir mit unseren drei Musikklassen der Schule – Jahrgang 5 bis 7 – am Ende des Schulhalbjahres auf eine Musikfreizeit. Diesmal ging es zum Knüllköpfchen. Da haben wir dann drei Tage Zeit ausführlich an Stücken zu arbeiten. Die Freizeit beschließen wir mit einem Abschlusskonzert. Zwischendurch werden Instrumente umgeräumt und man muss manchmal auch ein wenig warten, weil die nächste Phase noch nicht begonnen werden kann, denn einer der Mitspieler muss zum Beispiel noch etwas holen oder ähnliches. In einer dieser spontan entstandenen Pausen klimperte ich ein wenig auf dem Klavier herum und hatte gerade einen Doppelsound aufliegen – Klavier mit Streichern. Aus dieser Idee entstand dies kleine, extrem minimalistische Stück, was ich dann sofort festgehalten habe. Es besteht im ersten und zweiten Teil nur aus drei Harmonien: F – Dm – Am und dann Bb – C – D, die stets im gleichen Arpeggio vorgetragen werden.

Das Stück So Far Away (Dieser Link führt zu einer „online klingenden“ Partitur) wird am 17.02.2019 in Bad Wildungen uraufgeführt. (Zum Begriff Uraufführung hatte ich mal diesen Artikel empfohlen). Hier kann man die Partitur von So Far Away downloaden. Mit dem Titel ist natürlich eine Sehnsucht gemeint. Um welche Sehnsucht es sich handelt, bleibt ungewiss. Aber Sehnsucht bedeutet gleichzeitig auch immer Entfernung bzw. eine Distanz, entweder ausgedrückt in Kilometern oder in einer zeitlichen Entfernung wie z.B. die Vorstellung, die man von der Zukunft hat; dass in der Zukunft etwas eintrifft, was man sich wünscht. Allerdings ist nicht immer klar, was man sich genau wünscht, allein das Gefühl der Sehnsucht ist auch manchmal schön. Der Pianoklang wird aus einer Mischung von zwei Klaviersounds mit unterlegten Streichern erzeugt, während mir abermals für die Solostreicher die Spitfire Frozen-Strings-Library gute Dienste leistete. Überschwängliche Verwendung von Hallprogrammen verstärken den Eindruck der Entfernung der Klänge. Das kürzlich in meinem Dorf aufgenommene Beitragsfoto zeigt ein wundervolles Abendlicht. Als ich dieses Licht gesehen habe, stoppte ich sofort meine Fahrt und bin sofort begeistert aus meinem Auto ausgestiegen, um den Moment einzufangen. Man merkt, dass die Tage doch wieder etwas länger werden. Die Weite des Himmels passt ausgezeichnet zu dem Titel des Stückes. Die Bildaufnahme wurde mit dem Programm Sketcher verändert.

sad will lead the way

Neulich probierte ich ein wenig mit der Playerfunktion in meiner Digital Audi Workstation (DAW) herum, um eine Akkordfolge zu erzeugen und stieß auf die hier veröffentlichte Melodie, die mir dazu passend zu den Harmonien erschien. Das Stück hört sich ein bisschen traurig an, allein mir wollte kein passender Titel einfallen. Kein Problem, gibt es doch unzählige Song-Title-Generatoren im Netz, die einem da schnell weiterhelfen können. Auch der heutige Titel ist nach Eingabe des Wortes „sad“ aus einem solchen Generator „herausgepurzelt“. Gibt man nun dem Netz die Suchanfrage nach der saddest songs list, wird man auch erstaunlicherweise schnell fündig, wie hier zum Beispiel. Je nach Geschmack des Sammlers fällt diese Liste natürlich sehr unterschiedlich aus. Welchen Platz würde mein Song in dieser Liste bekommen, was meint ihr?

sad will lead the way

Hier das Stück in herkömmlicher Notation.

Das Beitragsbild zeigt das hier in den Landen weiterverbreitete Schilfrohrgras Phragmites australis und wurde im Gegenlicht bei einem Spaziergang 2019 aufgenommen.

go(o)d morning

Diese kleine Akkordfolge „besuchte“ mich eines schönen Morgens in den letzten zwei Wochen, als ich ein bisschen rufgeklimpert habe. Es handelt sich abermals um eine der „4 bar chords“ Geschichten, die ja hier auch schon mal Thema waren und dem ein eigener Beitrag gewidmet wurde. Diesmal liegt die simple Folge: C Am Fma7 Db zugrunde. Das kleine typografische Wortspiel ergibt sich aus der Tatsache, dass der Hacker GOD – so berichteten zumindest die Medien – für das letzte große Datenleak verantwortlich gewesen sein soll. Hier passt auch gut das Beitragsphoto, welches Gehackte Stühle auf dem 35 CCC in Leibzig am Ende des Jahres 2018 zeigt und von mir dort aufgenommen wurde. Auf dem Chaos Communication Congress ging es ja bekanntermaßen auch um die Herausforderungen unserer sogennanten modernen Mediengesellschaft, die sich immer mehr eingestehen muss, dass die Geister, die sie rief, immer weniger kontrollieren kann. Wir müssen uns fragen, ob wir jeden medialen Trend mitmachen wollen, aber zumindest müssen wir versuchen „schlau“ zu agieren. Schlau agieren setzt eine gewisse Entspannung des Denkens voraus, dieser kleine Song mag dazu helfen. Hört selbst!

go(o)d morning

m.f.b cut

2006 fand am 02. September eine Museumsnacht in Kassel unter dem Motto „Sterne“ statt. Zu diesem Anlass gründeten wir das Trio M.F.B. Die Buchstaben stehen einfach für die Nachnamen der Mitspieler. Abends, als es schon dunkel war, spielten wir vor einer hübsch illuminierten Kulisse direkt vor dem Staatstheater mit drei Computern, die über eine MIDI Clock so verbunden waren, dass sich unsere Musiksoftware im Tempo synchronisierten. Wir benutzen Motive des Kasseler Minimal Komponisten Dr. Ulli Götte, in dessen Minimal Orchester wir jahrelang zusammengespielt hatten. Jörg & Michael spielen noch immer in diesem Orchester. Wir hatten für diesen Auftritt mehrfach geprobt, aber trotzdem war das Ergebnis jedesmal ein anderes, allein doch die Improvisationsanteile immens waren.

m.f.b. music to go

Hier sieht man das Cover der nach dem Auftritt herausgegebenen CD, die ein Live-Mitschnitt war. Der musikalische Beitrag ist eine Mischung aus verschiedenen Stücken der CD. Das Beitragsbild wurde 2004 im Jemen aufgenommen und war Bestandteil des CD Covers.

player piano (pianologie two)

Conlon Nancarrow (1912 – 1997) gehört sicherlich zu den Pionieren der Musik für Musikautomaten. Er erkannte das Potential der sogenannten player pianos und nutzte die Möglichkeiten Kompositionen zu kreieren, die ohne den Automaten nicht möglich gewesen wäre. Dazu fertigte er umfangreiche Lochbändern an und übertrug akribisch seine Werke auf dieses Medium, um seine Kompositionen zu Klang zu bringen. Es gibt einige schöne Webseiten zu diesem außerordentlichen Komponisten. Eine davon ist von Beatrix Hocker ins Netz gestellt worden. Hier sieht man die Arbeitsweise und einige Original Dokumente Nancarrows.

pianoroll

Aktuelle Musikverarbeitsprogramme – sogenannt DAWs – bedienen sich alle einer sogenannten Pianorollen-Darstellung, die im Prinzip den guten alten Lochbändern der ersten Musikautomaten nachempfunden sind. Auf einer X/Y Achse werden die Zeit, die Tondauer und die Tonhöhe in einem Koordinatensystem dargestellt. Das Bild zeigt den Anfang des heutigen Beitragstückes in dieser Art der Darstellung, welches von einem sogenannten Player errechnet wird. Der Player liefert unter Einschränkung bestimmter Parameter, die während der Aufnahme verändert wurden, die Tonhöhen- und Längendaten. Das Stück hat mich auch aufgrund der Arbeitsweise an die Arbeiten von Conlon Nancarrow erinnert. Es ist ein minimalistisches Stück und mal wieder überwiegend in einer lyrischen Tonleiter mit dem Grundton D verfasst. Ab ca. 04:50h passiert etwas Eigenartiges. Der Rechner scheint sich zu „verschlucken“, wirkt „irritiert“, als wenn er sich verspielt hätte und fängt sich dann aber wieder, um das Stück fortzusetzen. Das Stück setzt die „Ologie-Reihe“ fort und ist das zweite Stück der Version für Pianoklänge. Bitte einfach mal den Beitrag pianologie one oder stringologie one aufsuchen.

player piano (pianologie two)

Das Beitragsbild ist ein screenshot des Bildschirms mit dem Anfang des Stückes in der erwähnten Pianorolldarstellung. Aus verschiedenen Farbvariaten des screenshots habe ich ein kleines Video gebastelt.

player piano (pianologie two) • pianoroll

yambient

Jedes Jahr erwartet uns fast pünktlich um 24:00h nachts das gleiche Schauspiel. Tonnenweise Feinstaub wird unter dem Vorwand böse Geister zu vertreiben in die Luft entlassen, weil wir angeblich Freude am Knallen, Zischen, Böllern und bunten Glitzereffekten haben. Sogar das Bundes Umweltamt weist darauf hin. Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich als Kind wirklich Freude an Silvester hatte, mich danach sehnte endlich Knaller loslassen und Raketen abschießen zu dürfen. Aber dies hat sich bei mir verändert. Eher fürchte ich mich vor den lauten Knallern und die Raketen üben schon lange nicht mehr die gleiche Faszination auf mich aus. Ich meine sogar, dass in den letzten Jahren die Raketen mit extra lauten Knalleffekten ausgestattet sind, die es früher in dieser Ausprägung nicht gegeben hat. Aber vielleicht täusche ich mich auch. Heute kam mir eine Petition zu Gehör, die die Silvesterknallerei abschaffen will. In der Begründung wurde behauptet, dass in der Silvesternacht genauso viel Feinstaub in die Luft entlassen wie im ganzen Jahr durch PKWs erzeugt wird. Diese Zahl erscheint mir etwas hoch. Doch die grundsätzliche Überlegung scheint in die richtige Richtung zu gehen. Auf der einen Seite werden in diesem Jahr innerstädtisch Fahrverbote verhängt, weil die Autos zu viel umweltbelastendes Material ausstoßen, aber zu Neujahr dürfen wir dieses Einsparungen wieder mit einem Schlag zu Nichte machen.
Das heutige Beitragsstück „yambient“ – dies Kunstwort ergibt sich aus „new year ambient“ – bringt einige der Knall- und Zischlaute zu Gehör, die über einer Textur, die ich mit einem sonic pi code habe errechnen lassen, erklingen, während eine getragene Melodie, erzeugt durch die frozen strings libraries von Spitfireaudio die ganze Textur melancholisch klingen lässt. Wir wissen nicht was das Neue Jahr bringen wird. Es stehen viele Herausforderungen an, denken wir an die politische Lage, die Vergiftung der Welt, die Umwelt und das tumorartige Wachstum des Neokapitalismus, aber wir wünschen uns gerade deswegen alle das Beste und hoffen abermals auf ein gutes Neues Jahr!

yambient

Das Beitragsbild habe ich aktuell heute morgen in der Neujahrsnacht in meinem Dorf aufgenommen.

Hier ist der sonic pi code, der als Grundlage von yambient verwendet wurde:

# Coded by Darin Wilson adapted by falk
#
# The piece consists of three long loops, each of which
# plays one of two randomly selected pitches. Each note
# has different attack, release and sleep values, so that
# they move in and out of phase with each other. This can
# play for quite awhile without repeating itself :)

use_synth :hollow
with_fx :reverb, mix: 1, room: 0.5 do
  
  live_loop :note1 do
    play choose([:D4,:E4]), pan: rrand(-1, 1), attack: 8, release: 7
    sleep rrand(6,10)
  end
   
  live_loop :note2 do
    play choose([:F2,:G4]), pan: rrand(-1, 1), attack: 10, release: 6
    sleep rrand(6, 8)
  end
  
  live_loop :note3 do
    play choose([:A1, :C5]), pan: rrand(-1, 1), attack: 12, release: 8
    sleep rrand(8, 12)
  end
end

indian waterdrops

Zu dem Stück „indian waterdrops“ brachten mich zwei Dinge. Zum einen erinnerte ich mich daran, meine Gitarre mal (wieder) in einer offenen Stimmung (open tuning) zu stimmen. Verwendung findet die Stimmung „Open D“ mit den Tönen D – A – D – F# – A – D. Zum anderen stieß ich bei Youtube auf eine Reihe von indischen Musikern: An der Sitar die Tochter von Ravi Shankar Anoushka Shankar , an der Flöte den unvergleichlichen Rakesh Chaurasia und an der Sarod, ein Instrument was mir bis dato noch nie aufgefallen war, Debasmita Bhattacharya. Letzteres Instrument inspirierte mich meine Gitarre in der offenen Stimmung mit einem Bottleneck zu spielen, um den Klang der Sarod im entferntesten nachzuahmen. Den Titel bekam das Stück aufgrund des Synthesizer-Sounds, der entfernt an Wassertropfen erinnert.

indian waterdrops

Das Beitragsbild wurde 2004 bei einer Reise in den Jemen aufgenommen, eine Zeit, die es noch zuließ, in den Jemen zu reisen. Das Farbenspiel des arabischen Fenster hat mich stark beeindruckt.

silent night

Letzte Woche hatte ich beruflich in Frankfurt zu tun. Wegen einer Zugpreisbindung fand ich noch Gelegenheit nach der Veranstaltung auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt am Römer eine kleine Tonaufnahme zu machen, welche ich in einem Ausschnitt hier vorstelle. Das Beitragsbild entstand an der besagten Stelle. Mich fasziniert immer wieder das fast babylonische Stimmengewirr auf solchen Märkten, welches sich mit Musik aus den Lautsprechern der Ständebetreiber mischt. Wenn man bei dem folgenden soundscape genau hinhört,, kann man Stille Nacht, heilige Nacht von Franz Xaver Gruber im Hintergrund erklingend heraushören. Was es mit soundscapes auf sich hat, kann man in älteren Beiträgen nachlesen, wenn man beispielsweise in der rechten Seitenleiste die Kategorie soundscape anklickt oder diesem Link folgt.

silent night frankfurt

Bei Stille Nacht, heilige Nacht handelt es sich vermutlich um das bekannteste traditionellen Weihnachtslied. Es wurde von Franz Xaver Gruber im Jahre 1818 zum ersten Male aufgeführt und ist seitdem nicht mehr aus der Weihnachtzeit wegzudenken. Eigentlich hätte es diese Lied verdient bewußt gehört zu werden, aber auf Weihnachtsmärkten verkommt es zur Geräuschkulisse, indem es funktionalisiert wird.

Vor einigen Jahren fand ich eine interessante Reharmonization des Stückes von Martan Mann. Ich hoffe, er erlaubt mir seine Reharmonization hier wiederzugeben.

 

In der folgenden Version wird der Klang des Klaviers noch durch einen Stringsound aufgehübscht.

silent night piano & strings

advent orison

Es heißt ja immer so schön „Jetzt beginnt die besinnliche Zeit!“, die Zeit des Advents. „Advent“ meint ja die Zeit des Wartens oder die Zeit der Ankunft. Auf welche Ankunft warten wir? Und ich frage mich dann, was ist eigentlich mit „besinnlicher“ Zeit gemeint? Ich wundere mich jedes Jahr, wie schnell die Zeit vergangen ist und rufe aus „Was, schon wieder Weihnachten?“ Und jedes Jahr der gleiche Trubel. Immer wieder die gleichen Lieder. Selbst die Familie möchte an ganz bestimmten Bräuchen festhalten. Eigentlich habe ich zunächst meistens gar keine Lust auf Weihnachten. Es wird zwar immer so getan, dass es sich um ein „besinnliches“ Fest handelt, aber im Vordergrund steht doch der Kommerz. Wie viel wird wann wie verkauft? Welche Lichterkette ist noch prunkvoller als die des Nachbarn? Wer hat die teuersten und die meisten Geschenke gekauft? Daran habe ich keinen Spass! Und die heuchlerische Vermischung mit dem Christentum. Jesus sei geboren, die heiligen drei Könige und das ganze Trallala. Und nur, weil die Christen die Wintersonnenwende für ihre Zwecke ausgenutzt haben. Im Nachhinein freue ich mich dann meistens doch. Die Familie hat schön gefeiert, Verwandte und Freunde kamen zu Besuch, es wurde schön gekocht und gegessen und man hat ein bisschen Zeit für sich und die Familie, wenn man sich diese nimmt.

So auch gestern, als ich ein bisschen Musik gemacht habe und nur kurz etwas ausprobieren wollte. Da entstand dieses kleine Stück, was mich persönlich besinnlich macht und mir hilft, mich ein bisschen zurückzunehmen und durchzuatmen, mich zu beruhigen! Daher hat es auch den Namen „advent orison“  bekommen, meine besinnliche Zeit. Orison ist eine altes Wort für so etwas wie Gebet. Musikalisch handelt es sich um ein diatonische – also einer bestimmten Tonleiter folgende – Akkordfolge, die wie die alte Tradition heterophoner Musik (Mehrstimmgkeit) des Organum aus dem Mittelalter mit allerlei anderen Klängen und verschiedenen Oktaven die Akkordtöne parallel verdoppelt, um das Frequenzspektrum nach oben und unten zu bereichern. Hinzu kommen die Synthesizer Arpeggios, die das ganze Stück untermalen und eine indische Sängerei einer Samplelibrary, die mir ihre Stimme geliehen hat.

advent orison

Das Beitragsbild zeigt eine verfremdete Aufnahme unserer Lichterkette im Flur mit einer Schale in der die Geschenktütchen für die Kinder lagerten, die am Nikolaustag an die Tür klopfen, ein Gedicht aufsagen und sich kleine Geschenke, bestehend vor allen Dingen aus Süßigkeiten, wünschen.

sleeping stone

Wer kennt nicht das Spiel Werwolf, welches sich bei Jugendlichen einer großen Beliebtheit erfreut. Ich hatte die Freude einmal im Jahr mit einer Gruppe unterwegs zu sein, die genau dieses Spiel abends zum Ausklang des Tages spielte. Immer wenn der Erzähler, der bei dem Spiel die einzelnen Runden moderiert, die Formel „Das Dorf schläft ein!“ intonierte, fiel ich wie von einem geheimen hypnotischen Befehl getrieben in einen leichten Dämmerzustand. Schnell hatte ich den Indianernamen „Schlafender Stein“ bekommen und brauchte mich seitdem auch nicht mehr bemühen, diesen Namen wieder los zu werden. Man beachte bei dem Namen „Schlafender Stein“ diese schöne Tautologie. Nicht das der Stein schon an sich – in sich ruhen bzw. schlafen würde. Anlass genug für ein kleines, ruhiges und minimalistisches „Kling-Klang-Stück“. Die sonore Männerstimme spendete Amal. Amal arbeitet bei der indischen Windows-Hotline, die mich ab und zu ungefragt, aber stets freundlich, anruft, um mir zu verkünden, dass mein Windows-Computer verseucht sei und er mir sofort helfen könnte, obwohl ich gar nicht mit einem Windows-Computer arbeite. Ich fragte ihn, ob er mir ein tiefes „Om“ aufsingen könne und wir wurden uns sofort einig, wie man hören kann.

sleeping stone

Den ruhenden Stein, der mit Moos bewachsen ist, habe ich 2017 bei einer kleines Wanderung in den Bergen der Vogesen – in der Nähe der Moselquelle – aufgenommen. Diese Gegend ist für Wanderung wärmstens zu empfehlen.

my foolish heart is dark?

Das dieser Song etwas mit dem berühmte Song My Foolish Heart – hier im Link eine wundervolle Version des Jazzpianisten Bill Evans – zu schaffen haben könnte, konnte ich nicht ahnen, als ich heute morgen mit einer kleinen minimalistischen Pianosequenz mit dem Klang aus der LAB Serie von spitfireaudio begann. Aber manchmal passieren Dinge unerwartet und man ordnet sie dem Zufall zu. Ob es Zufälle gibt oder aber Schicksal, lässt sich wohl niemals vollends ergründen. Auf jeden Fall fand ich die Übersetzung des Textes zu „My Foolish Heart“ interessant. Das Stück ist ein sehr bekannter Jazzstandard und unzählige Mal gecovert worden. Diese Seite zählt alleine 108 Versionen. Gesungen wird die kurze  Gesangspassage von einer in London ansässigen Sängerin namens Elisa Le Bon. Elisa tauchte natürlich nicht persönlich – warum eigentlich nicht? – bei mir im Studio auf, sondern man kann ihre Stimme bei einer Sample-Library-Bude, so möchte ich es nennen, ausleihen. Diese Libraries finden sich  zur Zeit vermehrt im Netz. Neulich flatterte mir ein gutes Angebot ins Haus, welches ich seither manchmal benutzte. Die andere Stimme habe ich mir bei freesoundorg besorgt. Diese Quelle ist immer wieder lohnend, wenn man zu bestimmten Orten, Ländern und Schlagwörtern Klänge sucht, die nicht kommerziell produziert sind und dadurch oft eine gewissen Authenzität haben.

 

my foolish heart is dark?

 

Das Beitragsbild, welches ich dieses Jahr aufgenommen hab, zeigt eine Kartoffel, die ich im Feld fand. Amüsiert hat mich die Herzform der Kartoffel.

monoemoticon one

„monoemoticon one“ ist ein Stück ohne Schlagzeug, wenngleich es natürlich auch Rhythmus hat, hier vor allen Dingen getragen von einem Synthesizerarpeggio. Der Name verrät, dass es hier nicht um Spannungskurven geht, sondern um den „Transport“ eines einzelnen durchgehenden Ausdrucks bzw. einer Emotion. Dies erinnert ein wenig an die Monochromes von Yves Klein in der bildenden Kunst. Ulrich Pontes schreibt zu Emotionen:

Emotionen machen das Leben lebenswert, sind zentraler Bestandteil unseres Seelenlebens. Aber sie sind noch mehr: mächtige Bewertungssysteme, die uns viele Situationen automatisch einschätzen lassen, so dass wir schnell und richtig reagieren können.

Dieser einzelne Ausdruck – diese eine Emotion – wird im Laufe des Stückes nur ein wenig verdichtet und durch die Sologitarre verstärkt. „monoemoticon one“ ist möglicherweise der Auftakt zu Stücken gleicher Machart in der Zukunft.

monoemoticon one

Der Emotionsforscher Robert Plutchik entwarf ein gängiges Modell der Emotionen. Zu welcher Emotion würde man das Stück „monoemoticon one“ zuordnen?

 

Das Beitragsbild zeigt meine Kellertür, die in einem mediterranen Blau monochromatisch gehalten ist. Das Bild wurde 2011 aufgenommen.

instinct

Schweinen wird ein besonders guter Geruchsinn nachgesagt. Sie wühlen im Boden, erschnüffeln sich Leckereien und graben dabei in kurzer Zeit eine abgesteckte Weide um. So auch die ungarischen Wollschweine, die im Beitragsbild zu sehen sind. Die Grasnarbe der Wiese war binnen zwei Wochen vollständig abgetragen.

Wenn jemand ein besonderes Gespür für bestimmte Situationen hat, attestiert der Volksmund diesem einen „guten Riecher“. Manche sprechen auch von einem guten Instinkt. Dem Hauptdarsteller – Dr. Dylan Reinhart – der amerikanischen Fernsehserie Instinct wird auch dieser Spürsinn nachgesagt, löst er doch Kriminalfälle auf geniale Weise. Ich frage mich allerdings, ob nicht der Begriff Instinkt mit Intuition verwechselt wird. Zum Beispiel vielleicht wie hier in dieser Aufnahme einer Kriminalserie zu hören ist:

Intuition ist eine kognitive Fähigkeit, die auf Erfahrungen beruht und unbewusst und manchmal schnell abgerufen werden kann, Instinkt hingegen ist eine angeborene Verhaltensweise, die uns zu automatischen Reaktionen verhilft. Beim Menschen ist möglicherweise der „gute Riecher“ eine gelungene Mischung von beidem, von Instinkt und Intuition. Sogenannte Experten im Netz sehen den Unterschied ähnlich wie ich.

instinct

Der kleine „Snapshot“ des heutigen Beitrages ist ein „Soundalike“ des TV Serien Musik Themas und versucht das Original etwas verändert nachzustellen. Ich glaube, es ist bis jetzt der kürzeste auditive Beitrag dieses blogs. Das Original kann natürlich aus urheberrechtlichen Gründen nicht wiedergeben werden. Ich habe das Original auch im weiten Netz nicht isoliert finden können. Hier der Score zum Audiobeitrag.