angel fly

Ich ließ meinen Engel lange nicht los … , so dichtete Rainer Maria Rilke beginnend eines seiner bekanntesten Gedichte. Der Künstler Stephan Küster widmete diesem Gedicht eine Arbeit mit dem Titel „Engel flieg …“, wie weiter unten zu sehen ist.

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte in meinen Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.
Da hab ich ihm seinen Himmel gegeben, –
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt …

link

Am 19.09.2019 wird die Ausstellung Sehenden Auges • Künstler und der Tod in Melsungen um 18:00h eröffnet und ich habe die Ehre zusammen mit Sanne für musikalische Beträge zu sorgen. Eine Gedichtsvertonung des besagten Gedichts gesprochen von Stephan wird auch zum Besten gegeben. Da mir keine Aufnahme vorliegt, habe ich mir die Gedichtsrezitation von YouTube besorgt. Zu dieser Ausstellungseröffnung sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

angel fly …

Bei Besichtigung der Ausstellungsräume begegnete mir eine in den Boden eingelassene Panzerglasplatte, die darunter eine Installation um einen Schädel beherbergt.

the birthday complex

Das Stück „the birthday complex“ ergab sich aus einer Spielerei. Der eingesetzte Akkordionklang veranlasste meinen Nachbarn das Genre des Stückes als Cajun Musik, eine Spielart der Countrymusik aus Louisiana, zu bezeichnen. Ich persönlich finde, dass das Stück mehr wie ein Stück von Josef Zawinul, der Keyboarder von Weather Report und von Syndicat, klingt, der gerne Akkordionsounds eingesetzt hatte. Anläßlich meines nun schon einige Monate zurückliegenden Geburtstages, gönnte ich mir den Erwerb eines neuen Softwaresynthesizers für mein Musikprogramm (DAW) – man ahnt es schon – mit dem Namen complex. Dieser ist einem sogenannten Modularen Synthesizer nachempfunden. Modulare Synthesizer bestehen – wie der Name schon andeutet – aus unterschiedlichen Modulen, die zusammengeschaltet und verkabelt unterschiedliche Klänge erzeugen. In den letzten Jahren erfreuen sich analoge modulare Synthesizer wieder recht großer Beliebtheit, fast täglich werden neue Module herausgebracht, die in einem Rack zu komplexen Strukturen zusammengeschaltet werden können. Modulare Synthesizer werden auch als Software angeboten. Wer das mal ausprobieren möchte, lädt sich das VCV Rack herunter.

Hier sieht man Steve Pocaro der Gruppe Toto auf der Suche nach neuen Klängen im Jahre 1982.

Als ein Komplex wird in der Psychologie auch eine assoziative und psychoenergetische Einheit von Bildern und Vorstellungen, Gefühlen und Gedanken verstanden und dies kann man ja auch auf ein Musikstück übertragen, was mit einer Idee beginnend, sich zu einem komplexen Gebilde entwickelt.

the birthday complex

Das Beitragsbild zeigt die damals noch unverputzte Verkabelung unseres Hausflures und erinnert an die Strippen eines modularen Synthesizer.

mr. room

Hans Zimmer gehört mittlerweile zu den bekanntesten Komponisten des letzten Jahrzehnts. Er hat seine Musik mit zahlreichen Filmmusiken bekannt gemacht. Wie schon der berühmte klassische Komponist Joseph Haydn hat er einen Mitarbeiterstab aus bis zu zwanzig Musikern, die ihm bei der Ausarbeitung seiner Kompostion zur Seite stehen. Die Anzahl der Aufträge, die er zu bearbeiten hat, ließen sich alleine auch gar nicht stemmen. Eine der bekanntesten Zusammenarbeiten ist die Musik zu Fluch der Karibik, die inzwischen von fast alle Schulorchestern in ganz Deutschland gespielt wurde und die Eltern bei Schulkonzerten fragen lässt, ob es auch noch andere Musik gibt, die gespielt werden könnte. Als Komponist von Fluch der Karibik liest man immer den Namen Klaus Badelt. Klaus Badelt gehörte dem Mitarbeiterstab Hans Zimmers an. Hans Zimmer war während der Kompostion zu Fluch der Karibik durch Verträge rechtlich an andere Aufträge gebunden und durfte seinen Namen nicht als Hauptkomponist nennen. Stattdessen wurde Klaus Badelt, der zusammen mit Hans Zimmer an Fluch der Karibik arbeitete, als Hauptkomponist eingesetzt.

mr. room

Das vorliegende ninimalistische Stück (Kategorie simple) Stück „mr. room“ – in Anspielung an „Zimmer“ – startete als Idee als ein sogenanntes soundalike, was es dann aber nur in Ansätzen wurde. Zimmer verwendet gerne für seine Komposition die“ Four Chord Technik“, d.h. 4 Akkorde sind wiederholend zu hören und werden durch geschickte Instrumentation zu einem Stück verdichtet. [Vergleiche bitte den Beitrag 4 chords dazu.] Man höre dazu gerne das Stück Time aus dem Film Inception, wo Zimmer diese Technik mit Bravur anwendet. Zimmer gelingt es mit profanen kompositorischen Mitteln einen eigenen Sound zu kreieren, der als sogenannter Zimmersound bekannt ist, nicht zuletzt deswegen, weil er Klangfarben eines digitalen Film-Orchesters unvergleichlich zusammenstellen kann. Eine schöne Betrachtung und warum Zimmer die Hollywoodfilmusik verändert hat findet man hier auf Youtube [ab 06:13].

Das vorliegende Beitragsstück verwendet Klänge von Handglocken, die spitfire audio in ihrer Labs Serie neuerdings zur Verfügung stellen. Sie passten gut zu der Melodie, die jeweils in der Wiederholung des ersten Teils in der Solo Violine auftaucht und die Grundidee des Stückes lieferte. Das Beitragsbild zeigt ein Gebäude an einem kleinen Havelnebenarm in Rathenow in Brandenburg, der die Altstadt umfließt. Ich habe mich gefragt, was in dieser Räumlichkeit wohl früher gemacht wurde. Wer hat darin gelebt, gearbeitet, gedacht und geschwitzt oder gefroren?

we are dancer (we create the dream)

Bevor ich mich jetzt für zwei Wochen verabschiede und einen kleinen Sommerurlaub im Kreise der Familie antrete, möchte ich gerne noch ein Stückchen mit euch teilen.

Manchmal ist es witzig selber zu beobachten wie der kreative Prozess von statten geht. Ursprünglich war das folgende Stück ganz anders geplant und dann sah ich in der Mediathek des ZDF einen Film eines jungen Filmemachers mit dem Titel Smile. Da geht es um eine junge weibliche Protagonistin, die unbedingt auf einer EDM Location einen DJ treffen möchte, den sie zuvor auf einem anderen Event kenngelernt hatte. Die Location nennt sich „Heimat“. Schon zu Beginn des Filmes wird eine Stimme eingeblendet, die anscheinend zu der jungen Frau spricht und ihr Versprechungen für ihre weitere Entwicklung offenbart.

Diese Stimme faszinierte mich sofort und kurzerhand fand sie Eingang in mein neues Stück und war dann auch namensgebend. Verwendung findet ein neuer Softwaresyntheziser, der auf physical modeling beruht und den elektronischen Klängen etwas natürlich Akustisches verleiht, daher auch der Name des Synthis Akoustic. Unterlegt wird die Sequenz mit sehr harmonischen Geigenakkorden.

Hier nochmal der Hinweis, dass einige meiner Stücke auch bei youtube unter dem Namen Mr.Falkbossa zu finden sind.

we are dancer (we create the dream)

Das Beitragsbild steuerte abermals meine Tochter bei, der ich dieses Motiv in Auftrag gegeben hatte. Es zeigt eine Heckenrose im Abendlicht nahe der Autobahn A49.

zingaro requiem

Vor einigen Wochen schenke mir ein guter Freund zum Geburtstag ein Buch mit dem Titel „Der Mensch im Tier – Warum Tiere uns im Denken, Fühlen und Verhalten oft so ähnlich sind“ von Norbert Sachser. Dem Klappentext ist zu entnehmen, dass uns der Autor eine Revolution in der menschlichen Betrachtung der Verhaltensweise der Tiere verspricht. Ehrlich gesagt, kann ich die Aufregung nicht verstehen: Auf einmal gilt es als etwas Besonderes, wenn dem Tier Persönlichkeit und Individualität zugesprochen wird. Jeder Haustierbesitzer weiß dies doch schon längst, lediglich die Wissenschaft hatte sich lange gegen ein Bild des Tieres gewehrt, das vielleicht als zu stark anthromorphisiert daher kam. Ich persönlich war schon immer der Meinung, Tiere habe eine Persönlichkeit und Individualität, aber man darf – auch meine Meinung – nicht den Fehler machen, diese Persönlichkeit zu stark mit der menschlichen Persönlichkeit gleich zu setzten. So haben ein Hund oder eine Katze durchaus ganz individuelle Geisteszüge, dies heißt aber noch lange nicht, dass er oder sie sich wie ein Mensch verhalten. Das Faß, ob es sich um Geist oder Seele handelt, will ich heute an dieser Stelle nicht aufmachen. [Vielleicht ist es sogar manchmal eher andersherum: Der Mensch verhält sich manchmal wie eine Katze oder wie ein Hund, oder?]

In den 80er Jahren habe ich mal Biologie studiert. Die Ethologie damals hatte ein stark mechanistisches Bild des Verhaltens der Tiere: Tiere haben keine Gefühle und nur eingeschränkte Schmerzempfindlichkeit; Instinkte beherrschen das Tier und Verhaltensreaktion sind weitestgehend angeboren; ausgelöst werden Sie durch Schlüsselreize. Das Reiz- Reaktionskonzept hat in der modellhaften Betrachtung durchaus seine Berechtigung, darf aber nicht überbewertet werden. Fische galten lange als dumm und stumm. Heute weiß man, dass es durchaus soziale, lernfähige Tiere sind, die stark miteinander kommunizieren. Vögel sind noch lernfähiger und haben darüber hinaus sogar erstaunliche kognitive Fähigkeiten.

Wenn an der Evolutionstheorie etwas „dran“ ist, dann kann ja der menschliche Geist auch nicht vom Himmel gefallen sein, sondern muss sich gemäß der Evolution entwickelt haben, demnach hat der menschliche Geist und die Verarbeitung von Gefühlen ihren biologischen Vorläufer bei den Tieren gefunden. Und klar muss dann auch sein, dass Tiere wie Katzen und Hunde auch in ihrer Persönlichkeit und Individualität weiter entwickelt sind, als eine Ameise oder ein Frosch.

In unserem Haushalt lebten zuletzt zwei Katzen. Ein Kater namens Zingaro ist vor einigen Tagen tödlich verunglückt, hat er sich doch in einem Schäferzaun verfangen und ist daran gestorben. Unsere familiäre Trauer war bzw. ist groß. Zingaro, was übrigens mit „Zigeuner“ übersetzt werden kann, war ein hochgeschätztes Mitglied der Familie. Wir und insbesondere meine Kinder und Frau hatten ein sehr enges Verhältnis zu diesem Tier. Keiner von uns in der Familie wäre auf die Idee gekommen, dass Zingaro keine eigene Persönlichkeit und Individualität (hätte) und keiner wäre auf die Idee gekommen, dass er keine Gefühle hätte.

zingaro requiem

Die Trauer war so groß, dass ich ein kleines Stück komponiert habe, was ich Zingaro in Gedenken widmen möchte und mir geholfen hat, meine Gefühle zu verarbeiten. Ich habe es Requiem genannt, obwohl es im strengen musikalischen Sinne kein Requiem ist, weil dafür weder die musikalische noch die religiöse Form stimmt. In der weiteren Bedeutung kann das Stück allerdings als Requiem durchgehen, weil es wahrhaftig eine Trauermusik ist. Die Partitur von Zingaro Requiem kann hier heruntergeladen werden. Es ist ein minimalistisches Stück mit einer ostinaten Pianostimme, die die gleiche Figur durch verschiedene Akkorde beibehält. Hinzu kommen einfache Streicher- und Hornstimmen, später ein Chor, die sich allmählich verdichten. Kurz vor dem Ende des Stückes begleitet eine Flöte im hohen Register das Ostinato. Als Soundquelle diente mir u.a. abermals die Klänge der Lab-Serie von Spitfire Audio.

Das Beitragsbild stammt von meiner Tochter und zeigt natürlich Zingaro.

i dont want this groove to ever ends (soundalike)

Als ich vor einigen Wochen mit unseren Kindern eine Kletterhalle in Nordhessen besuchte, fand ich Gelegenheit, während die Kinder kletterten, einen Kaffee zu trinken. Zunächst merkte ich nicht, dass ich leicht zu wippen begann, dann allmählich brachte ich diese kleine ideomotorische Ertüchtigung in Zusammenhang mit Musik, die im Aufenthaltsraum zu hören war. Ich bin sofort zum freundlichen Mitarbeiter der Kletterhalle vorgedrungen und habe mir den Link zur Quelle der Musik mit dem Titel I Dont Want This Groove To Ever Ends von LTJ Xperience mit immerhin mehr als 6 Millionen Klicks aushändigen lassen, der sich in einer YouTube Playlist befand.

Wow, was für ein groove! Und schnell merkte ich: Hier hat jemand konsequent den groove in den Vordergrund gestellt, es gibt keine Songstruktur, wie Verse und Chorus oder Ähnliches, sondern eine viertaktige Sequenz ist mit kleinen Variationen über sechs Minuten einfach durchgehend zu hören. Viele Musiker oder DJ bzw. Komponisten der elektronischen Popmusik kämpfen mit der sogenannten 4 or 8 bar loop hell. Zeugnis davon geben z.B. diese Forumsdiskussion, oder diese Diskussion und dieser Artikel ab. Bei dem Entkommen der „loop hell“ geht es darum nicht in der Schleife von 4 bis 8 Takten gefangen zu bleiben, sondern eine „groovige“ Idee im Sinne einer künstlerischen Weiterverarbeitung des musikalischen Material entwickelnd weiter zu spinnen. Der DJ des oben verlinkten Stückes machte sich aber darum keine Sorgen. Und genau dies habe ich aufgegriffen. Befreit von der Sorge habe ich es gewagt und selber im Sinne eines soundalike eine eigene Schleife im gleichen Tempo des Referenzstückes (bpm 102) mit leichten Variationen anzubieten und gänzlich auf Strukturen wie Verse, Chorus, Bridge und Soli zu verzichten. Es hat einen riesigen Spaß gemacht und ich werde nach dem gleichen Prinzip bestimmt noch den einen oder anderen „groove“, der nicht mehr enden soll, hier veröffentlichen.

i dont want this groove to ever ends (soundalike)

Das Beitragsbild zeigt ein funktionierendes Klein-Grammophon, welches ich vor etlichen Jahren in Duisburg bei einer lieben Verwandten fand. Leider kann ich die passende Soundaufnahme dazu nicht mehr finden. Das Grammophon passt zum house Sound, spielte doch zu Beginn der housemusic der Plattenteller eine entscheidende Rolle.

Ich habe mit diesem Song begonnen meine Songs auch auf Youtube unter Mr.Falkbossa zu distribuieren, um meine digitale Skalierung zu erweitern. Die Anzahl der Klicks macht mir dazu Mut.

sometime summertime

Jetzt ist es – endlich – wieder so weit. Die Sommerferien haben begonnen. Passend dazu zeigt das Beitragsbild eine Abendimpression eines fast erntereifen Feldes, während der leichte laue Abendwind darüber streicht. Gut vorstellbar wäre ein Ausritt mit dem Pferd. Dies Bild schafft die Verbindung zum Song, den ich fast in das Genre world country einordnen würde. Ich habe einige Spuren mit der Gitarre eingespielt und der Klang erinnert mich ein bisschen an Country Music. In einem speziellen Forum poste ich auch meine Stücke. Dort wünscht man sich die jeweilige Zuordnung des präsentierten Stückes zu einem Genre.

Aber das schöne, friedliche Bild trübt. So schön ein warmer, sonnenreicher Sommer auch bisweilen ist, so unheimlich sind die Dürremeldungen der letzten beiden Jahre. Bekannt ist die aktuelle Dürrekarte der Republik, die das dramatische Ausmaß zeigt. In vielen Gebieten der Landes haben die Regenmengen bei weitem nicht ausgereicht, den Grundwasserspiegel wieder annähernd zu füllen. Schnell wird der Klimawandel für dieses Phänomen ausgemacht. Wir bleiben genau wie letzte Woche noch ein bisschen beim Thema. Meine Meinung dazu: Natürlich gibt es Klimawandel. Klimawandel aber hat es schon immer gegeben. Die Frage ist nur: Wie groß ist der anthropogene Anteil daran? Was den Menschen seitens der Politik dazu angeboten wird, erscheint mir in vielen Teilen viel zu undifferenziert und unwissenschaftlich und „veräppelt“ nur wieder den normalen Bürger. Als Stichwort möchte ich dazu nur mal den weltweiten CO2 Emmisionshandel mit Zertifikaten nennen. Das ganze wird uns als Klimaziele verkauft und verändert letztendlich nur die Geldströme der Wirtschaft. Neue Märkte für noch mehr Konsum werden künstlich geschaffen und gehen an dem Problem komplett vorbei. Wo der menschliche Einfluß viel direkter nachweisbar ist – und dies treibt mich eigentlich mehr um – ist die Vergiftung der Welt. Zum Beispiel werden Felder regelmäßig mit Gift besprüht und wenige Woche danach werden Erzeugnisse dieser Felder als Lebensmittel verkauft. Ein Außerirdischer, der dies betrachten würde, müsste zu dem Schluß kommen, dass der Mensch völlig verrückt sei. Ein weiteres Stichwort zur Vergiftung der Welt ist das Thema Mikroplastik. Doch dazu werde ich mich mit einem zukünftigen Beitrag beschäftigen.

sometime summertime

we live in a strange world feat. greta thurnberg

We live in a strange world, so prononcierte Greta Thurnberg bei der Goldenen Kamera Verleihung 2019. Es ist schon verwunderlich, dass gerade die Wesen unserer Erde, die nachweislich in der Lage sind in einer metareflexiven Weise über den den Untergang der Welt nachdenken zu können, auch diejenigen sind, die den Untergang höchstwahrscheinlich auslösen oder zumindest gewaltig beschleunigen werden.

Vielleicht habe ich das Glück den Untergang nicht mehr zu erleben, aber um das Leben meiner Kinder mache ich mir echte große Sorgen. Ein Lichtschein am Horizont ist die Tatsache, dass sich – auch meine – Kinder durchaus bewusst sind, dass Ihnen die Zukunft gehört und sie haben begonnen ihre Politiklustlosigkeit des letzten Jahrzehnts abzulegen und Initiativen gegründet, die in den letzten Monaten in der Republik schon Erstaunliches bewirkt haben. Sie beteiligen sich auch an einer Regionalgruppe der europaweiten friday for future Bewegung, die ja von Greta angestoßen wurde. Erst heute, fand wieder eine Freitagsdemonstration statt. Plötzlich ist das Thema Klimawandel und Umweltzerstörung, Nachhaltigkeit und Müllvermeidung ein Thema aller Strömungen und Parteien. Jutta Ditfurth, eine ehemalige Politikerin der Grünen und im damaligen sogenannten Fundi-Flügel verortet, hat einmal in einem Interview gesagt, dass letztendlich alle maßgeblichen politischen Veränderungen in der Bundesrepublik durch die APO (Außerparlamentarische Opposition) bewirkt wurden. Auch konnte ich beobachten, dass Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung anfangen Dinge in ihrem Alltag zu ändern, denn sie haben erkannt, dass man nur dann etwas ändern kann, wenn man persönlich handelt. Gut so! Das heutige Stück möchte diese Gedanken musikalisch unterstreichen.

we live in a strange world feat. greta thurnberg

Das Stück „we live in a strange world“ bedient sich der Worte Greta Thurnbergs, die durch ihr hartnäckiges Handel zum Thema Klimawandel eine ganze Generation wachgerüttelt hat.

Das Beitragsbild zeigt eine Sammlung von Elektroschrott in einem Container einer Kasseler Berufsschule. Es ist erschreckend, was alles weggeschmissen wird und dann irgendwo in Afrika landet. Jeder ist aufgerufen etwas zur Nachhaltigkeit beizutragen. Muss es jedes Jahr ein neues Smartphone sein? Wie lange kann ich mein „altes“ Gerät noch nutzen? Wann muss ich wirklich Dinge neu kaufen und Altes in den Müll schmeißen?

signaltower of hope

Als 1992 anlässlich der dokumenta IX der afrikanische Künstlers Mo Edoga seinen Signalturm der Hoffnung aus Schwemmhölzern auf dem Friederichplatz in Kassel errichtete, ahnte keiner, dass das letzte Stück Holz dieses vergänglichen Kunstwerkes seit 1992 hier in unserem Dorf vor dem Hause steht und uns in den warmen Monaten des Jahres als ausgezeichnete Bank dienlich ist. Die Kinder entdeckten das Kunstwerk in Kassel schnell als außergewöhnliche Klettergelegenheit, was den Veranstaltern und der Stadt Kassel nicht gefiel. Der Signalturm wurde zunächst wegen der Sicherheit abgesperrt und sollte dann abtransportiert werden. Unsere damalige WG durfte sich bedienen und wir konnten mit dem Holz des Kunstwerkes einen Winter lang die Öfen des Fachwerkhauses heizen. Ein ganz großer Holzblock aus Eichenholz, blieb übrig. Ich finde, es wurde jetzt mal Zeit diesem außergewöhnlichen Stück Eichenholz ein Musikstück zu widmen. Dabei habe ich überwiegend Klänge benutzt, die an Xylophone, also an Selbsttöner (Idiophone), die mittels Holz Klänge erzeugen, erinnern.

signaltower of hope

Das Beitragsbild zeigt das erwähnte Stück Eichenholz vor dem Haus. Da es der alljährlichen Witterung ausgesetzt ist, hat der Zahn der Zeit am unbehandelten Holz teilweise schon erhebliche Spuren hinterlassen.

sonntagmorgen

Heute mal wieder seit langem ein klassischer Soundscape. [Wenn man die Kategorien benutzt, kann man alle soundscapes dieses blogs schnell finden.] Ich saß letzten Sonntagmorgen ein paar Minuten an der Bushaltestelle, weil mir aufgefallen war, dass es im Dorf außerordentlich ruhig war. Die in der nähe gelegene Autobahn verhielt sich einigermaßen zurückhaltend, obwohl man das Grundrauschen der Autobahn immer noch heraushört. Dies kommt bevorzugt an Sonntagvormittagen vor, wenn die Menschen noch nicht mit ihren KFZ in der Gegend herum fahren. Die Vögel waren gut zu hören. Ich bin leider kein Vogelstimmenexperte und kann nicht sagen, um welche Vogelarten es sich handelt. Aber vielleicht erkennst du ja sofort eine Art und teilst mir das mit?

Ich habe zwei Aufnahmen durchgeführt: 1. Mit einem iPhone SE und 2. mit einem ZOOM H2n Handy Recorder. Grundsätzlich ist es unglaublich, mit welcher Aufnahmequalität Aufnahmen heutzutage möglich sind. Ich kann mich noch gut an Zeiten in meiner Jugend erinnern, da zogen wir mit SONY Walkmans – also auf Compact-Kassette basierende Systeme – los, die aufgrund ihrer Technik natürlich noch enorm viel mit dem Thema „Rauschen“ zu tun hatten. Ein UHER Tonband hätten wir gerne benutzten wollen und die digitalen Aufnahmesysteme standen noch nicht zur Verfügung. Einige Jahre später kamen die ersten MD Recorder mit Aufnahmefunktion heraus. Diese eigneten sich hervorragend um rauschfreie Aufnahmen zu machen, waren aber empfindlich und zunächst natürlich auch sehr kostspielig.

Das iPhone nimmt ohne ein zusätzliches Ansteckmikrofon nicht in Stereo auf. Die Aufnahme wurde manipuliert, so dass wir hier ein Pseudostereo hören. Beide Aufnahmen wurden leicht mit einem Equalizer behandelt und mit ein bisschen zusätzlichem Raumklang versehen.

sonntagmorgen 1

sonntagmorgen 2

Das Beitragsbild zeigt eine Heckenrosenknospe nah des Aufnahmeplatzes.

old time funk

Funk ist ursprünglich eine Musik afroamerikanischer Musiker. Dabei handelt es sich um eine Spielart der Soulmusik, die wiederum Einflüsse aus Jazz, Rhythm & Blues und Rock ´n´Roll verarbeitete. Funk beeinflusste stark auch moderne Spielarten wie HipHop und House. Funk und Fusion bzw. JazzRock liegen teilweise eng beieinander.

Über Funk lässt sich nachlesen:

Die Bedeutung des Begriffes „Funk“ geht auf afroamerikanischen Slang der 1950er Jahre zurück, in dem „funky“ ein Synonym für „erdig“, „schmutzig“ oder auch „erregt“ war. Die anfängliche Bedeutung des Wortes war Rauch, schlechter Geruch. Erstmals im Zusammenhang mit afroamerikanischer Musik erscheint der Begriff um 1900 in einem (in Aufnahmen nicht überlieferten) Proto-Jazz-Stück von Buddy Bolden, das, der Überlieferung nach, entweder den Titel „Funky Butt“ oder aber „Buddy Bolden’s Blues“ hatte (von einem festen Titel ist für diese Zeit nicht auszugehen), wobei sich das „funky butt“ (stinkiger Hintern) im Text auf die schweißgetränke Atmosphäre in den Tanzlokalen bezog, in denen Boldens Band aufspielte.

wörtlich zitiert aus dem Wikipediaeintrag zu Funk

Der heutige „snapshot“ ist rhythmisch auch nicht „ganz sauber“, zwar schön synkopisch und rhythmisch treibend, aber nicht 100% exakt gespielt und daher ein wenig „dreckig“, ganz nach der Wortbedeutung des Wortes „funky“. Tipp: Das Stückchen direkt mehrmals hintereinander hören, denn der bald einsetzende Sologitarrenpart entpuppt sich dann als echte Melodie und dies hört man dann auch, wenn sie wiederholt wird.

Wer jetzt ein bisschen mehr über Funkmusik erfahren möchte, dem sei dieses aufschlußreiche Youtubevideo über die Geschichte der Funkmusik empfohlen.

Das Beitragsbild habe ich letztes Jahr bei der Terasse des Pfannkuchenhauses in Hüddingen aufgenommen. Das von zwei Niederländern betriebene Pfannkuchenhaus erinnert mit seiner Ausstattung an einen Setzkasten, wie sie in früheren Zeiten als Möbelstücke verbreitet waren, nur in groß. Der Clown kommt auch ein wenig „oldschool“ rüber.

rostnomo

Rostnomo ist der Name eine Synthesizers, der zufällig Klänge erzeugt. Man drückt einen Knopf und schon zaubert das Gerät einen neuen Klang. Drei von diesen Instanzen habe ich benutzt um wiederum mit einer zufällig erzeugten Tonhöhenspur gefüttert, die Grundlage für den heutigen Beitrag zu erzeugen. Das ganze wurde dann resampelt, – also das sample nochmals gesampelt – mit Celloklängen ergänzt und erneut „resampelt“, wobei eine Spur in umgekehrter Reihenfolge zu hören ist. Hier wurde jetzt mein geliebter Spitfireaudio Labs Chor dazugekommen. Das ganze habe ich dann nochmals vom Webdienst Schnalz mastern lassen.

Wer seit einigen Monaten mein blog aufmerksam verfolgt, dem ist nicht verborgen geblieben, dass ich Sounds liebe, die eigentlich gar nicht den Gepflogenheiten der Musik Folge leisten. Musik im herkömmlichen Sinne hat in verschiedenen großen Anteilen Melodie, Harmonie, Rhythmus und Form, die nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten wie Tonart und Zusammenklang funktionieren. Aber auch Gewohnheiten können bestimmte Formmodelle wie zum Beispiel Verse-Chorus-Strukturen (Strophe & Refrain) ausbilden und gelten dann gemeinhin als Musik. Hierzu gibt es einen lesenswerten Artikel von dem Musipsychologen Karsten Schäfer, der die gleiche Auffassung vertritt.

Diese Stück hier besteht eigentlich nur aus Klang bzw. sogenannten Klangtrauben, die in der modernen klassischen Musik auch gerne als Cluster oder Texturen bezeichnet werden. Hört selber einmal hin und fragt euch: Ist dies Musik? Und wenn ihr zu einem Ergebnis gekommen seit, dann bitte, teilt mir das mit!

Das Beitragsbild zeigt die Zuckerfabrik in Wabern. Es handelt sich, wie ihr ja schon herausbekommen habt, um eines meiner Lieblingsmotive. Auch diesmal wurde es grafisch leicht verändert. Ich habe diese Motiv, was hier allerdings zu einer anderen Zeit an einem anderen Datum aufgenommen wurde, in einer anderen Form schon mal für den Beitrag a swell to help you sleep benutzt und lege euch diesen erneut warm ans Herz.

mahavishnu is coming

1971 machte das frisch gegründete Mahavishnu Orchestra um den englischen Gitarristen John McLaughlin auf sich aufmerksam und unterstrich die Bedeutung der aufkommenden Jazz/Rock Ära. Das Orchester wurde in einer kompletten Neubesetzung 1975 formiert und dann noch einmal 1981, konnte aber an die erstmaligen Erfolge nicht komplett anknüpfen. Nach wie vor werden aber die Stücke – gerade der ersten Besetzung – aufgeführt. Bemerkenswert sind die Umsetzungen des Wieners Radio String Quartetts, die die Kompositionen ihrer Gewaltigkeit entrissen haben und auf ihre wahre Essenz zurückführen konnten. John hat dies selber bemerkt und mehrfach gelobt. Neulich stieß ich beispielsweise auf ein YouTube Video, bei dem John selber mit einer amerikanischen Formation die alten Kompositionen letztes Jahr wiederbelebte. Dabei bemerkte ich, wie gut mir gerade die Komposition gefallen hatten. In nebulöser Erinnerung war mir das zweite Stück Dawn (06:42) des ersten Albums The Inner Mounting Flame geblieben. Das heutige Beitragsstück versucht als sogenanntes soundalike ein bisschen die Art und Weise der Mahavishnu Kompositionen aufzugreifen. Dabei konkurriert die aufsteigende Melodie- mit der absteigenden Basslinie. Das Leadsheet verwendet dabei den kürzlich in CC Lizenz veröffentlichen Musikfont Pori, der sich jetzt auch in der Notationsoftware Sibelius verwenden lässt.

John wurde als Anhänger des Gurus Sri Chinmoy, dem übrigens damals auch Carlos Santana angehörte, der Name Mahavishnu verliehen, so erklärt sich der Name der Gruppe. Mahavishnu bedeutet Vishnu in einer besonders großartigen Form. Vishnu wiederum ist ein Aspekt des Göttlichen. Im Vedanta ist Vishnu ein Teil der Trinität, Brahma, Vishnu und Shiva. Brahma – der Schöpfer, Vishnu – der Erhalter, Shiva – der Zerstörer. Im Vaishnavismus ist Vishnu der wichtigste aller Götter. Vaishnavismus ist eine Hauptströmung des indischen Hinduismus. John wurde laut eigener Angaben fünf Jahre direkt von Sri Chinmoy unterwiesen und findet nach wie vor dankbare Worte für den Spiritualisten.

Das Beitragsbild zeigt die Schönheit der Natur in Form der Frühjahrsblüte einer Zierkirsche unseres Dorfplatzes – also letztendlich auch ein Aspekt des Göttlichen.

kalimbaba and the fourty sufis

Zugegeben, ein etwas merkwürdiger Titel, der dem Märchen aus 1000 und eine Nacht „Ali Baba und die vierzig Räuber“ entlehnt ist, welches ja hinlänglich bekannt sein sollte. Der Titel rührt daher, dass ich den Song mit einer Kalimbasequenz begonnen habe. Das Kalimba wird hierzulande auch als „Daumenklavier“ bezeichnet; dieser Name verrät uns ein bisschen über die Spielweise dieses Instruments. Als ich neulich meine kleine Enkelin besuchte, fand ich zufällig ein Kalimba in ihrem Musikinstrumentenkorb und machte ein Photo für diesen Beitrag, welches mit der Software prisma verändert wurde. Ich war der Meinung, es fehlen ein bisschen vokale Klänge, daher benutzte ich das sample von einem Sufi. Sufis sind Anhänger des islamischen Sufismus und werden auch Derwisch genannt. Zu ihrer spirituellen Praxis gehören die Kreistänze, die dem Derwisch ermöglichen bestimmte Zustände zu erreichen, um ihrem Transformationsziel näher zu kommen. In der sufistischen Tradition spielt dabei die Intuition eine große Rolle.

Intuition wiederum ist auch ein wichtiger Bestandteil des Erfindungsreichtum Musikschaffender. Während ich an diesem Stück arbeitete, fragte ich mich, welchen Anteil eigentlich Komposition und welchen Anteil Improvisation hat. Moderne elektronische Musik wird meistens nicht herkömmlich komponiert, also Note für Note „auf dem Papier“, sondern der Musiker spielt ein bisschen mit seinem Instrumentarium herum – er improvisiert – und setzt dann intuitiv einzelne Teile zusammen. Dabei entstehen Abschnitte während des Improvisieren, aber auch in den Schaffenspausen, wenn ihm neue Ideen in den Sinn kommen. Zumindest ist es mir so bei diesem Stück so widerfahren. Wen das interessiert, der kann bei diesem blog darüber etwas nachlesen. Wenn du jetzt das Stück hörst, scheu dich nicht, dich dabei tanzend im Kreis zu drehen!

kalimbaba and the fourty sufis

absynth morph

Das legendäre Synthesizer Plugin der Firma Native Instruments Absynth wurde im Jahre 2000 erstmals vertrieben. Für die damalige Zeit war es sehr innovativ, vereinte es doch erstmals verschiedenste Möglichkeiten und Kombinationen von Klangsynthese in einem Gerät. Die Modulationsmöglichkeiten waren enorm und stießen sofort auf mein Interesse. Durch die Schnittstelle VST konnte der Synthesizer in allen gängigen DAWs eingesetzt werden. Ich hatte eine Demoversion für eine bestimmte Zeit zur Verfügung und experimentierte mit den Klangmöglichkeiten herum und nahm ein paar Klänge auf, die ich absynthmorph getauft habe. „Morph“ steht dabei für sich wandelnde akustische Texturen.

Vom Wort „absynth“ ist es nicht weit zu dem legendären Getränk „absinth“ mit Kultstatus, was es sogar geschafft hatte für über 80 Jahre verboten zu sein, bis man durch wissenschaftliche Untersuchungen nachweisen konnte, dass das Getränk keine anderen besonderen Wirkungen wie anderer sehr hochprozentiger Alkohol hat. Auf jeden Fall ist der Anteil an dem Stoff Thujon – von dem die besondere Wirkung wie zum Beispiel Halluzinationen ausgehen sollte – nur so gering, dass dies nachweislich nicht der Fall ist. Absinth wurde auch die grüne Fee genannt, kommt doch die Spirituose „grün“ daher, weil das verwendete Wermutkraut die Färbung verursacht. Über die besondere Geschichte des Absinth kann man sich aufgrund vieler Artikel schlau machen, auch der Wikipediaeintrag ist sehr aufschlußreich.

Ich habe heute drei variierende Audios im Angebot. Das erste Sounddesign bringt die erwähnten Absynthdateien mit einem Holzblockrhythmus und einigen Streicher- und Chorklängen zusammen. Das zweite Sounddesign verwendet ausschließlich die ursprünglichen Dateien, die ich vor vielen Jahren aufgenommen habe. Das dritte Sounddesign letztendlich ist ein Resample des Zweiten, angereichert mit einem Drumbeat und einem lustigen elektronischen Bass.

absynth mix

absynth morph

absynth resample

Das Beitragsbild habe ich neulich bei einer Frühjahrsgartenparty geknipst. Dort war die ca. 2 Meter große Figur ausstellig und wurde mit der Software Comic Life verfremdet.

falling down

Auf den Titel „falling down“ brachten mich die spärlichen Melodien des Stückes, ist doch manchmal eine herabplätschernde Pianolinie auszumachen. Erst später fiel mir auf, dass falling down ja auch ein Filmtitel mit Michael Douglas in der Hauptrolle aus dem Jahre 1993 ist. Er spielt in diesem Film einen Geschäftsmann, dem immer mehr in der Gesellschaft auf den Zeiger geht und zunehmend radikale Methoden anwendet, um diesen Umstand sorge zu tragen. Wenn man sich manche gesellschaftliche Entwicklungen heutzutage anschaut – ich meine damit insbesondere wie mit dem Lebewesen Planet Erde umgegangen wird -, dann kann man sich gut vorstellen, wenn man aufgrund eines Ohnmachtsgefühles zu radikalen Methoden greifen möchte. Ich finde zwar, dies kann nicht der richtige Weg sein, allerdings ein Stück weit verständlich ist dies (leider) doch für mich.

Doch dies ist nicht das Thema heute. Ich bin in der letzten Woche auf ein PlugIn für meine Musiksoftware aufmerksam geworden, welches mich sehr fasziniert. Dieses PlugIn lädt Klänge, teilt diese in rhythmus- und tempogerechte „Häppchen“, sogenannte samples und gibt diese auf Tastendruck in neu gewünschter Reihenfolge wieder. Diesen Vorgang nennt man Resample, also ein Samplen der Sample. Herausgekommen ist ein schönes Stück mit einer ganz eigenen Atmosphäre, die mich an meinen sehr guten Freund P. erinnert hat. Ich widme dieses Stück P.

falling down

Das Betragsbild hat diesmal meine Tochter beigesteuert, die das Bild im Mai 2018 fotografierte. Der sanfte Flug einzelner Samen einer Pusteblume passt meiner Meinung nach sehr gut zu den Klängen des Stückes.

would you sit on a sitar?

Ich hatte letzte Woche die große Freude einem überaus gelungenes Livekonzert der Gruppe Hattler im Theaterstübchen Kassel beizuwohnen. Helmut Hattler, der ja schon früher mit den Gruppen Kraan und Tap Two auf sich aufmerksam gemacht hat und durch außerordentliche Spielfreude auffällt, hat sich auf der Bühne furios zurück gemeldet. Vor zwei Jahren erreichte mich die Nachricht, dass er schwer erkrankt sei, um so erfreulicher ist, dass Helmut nun wieder live spielen kann. Mit im Gepäck war auch der begnadete Gitarrist Torsten de Winkel, der mich insbesondere mit seinen „sounds“ – hier mal Stück 5 anspielen – überraschte, spielte er doch ein Seiteninstrument, was ich nicht ausmachen konnte, denn das Theaterstübchen war überaus gefüllt, und ich konnte das Instrument nicht sehen, da Torsten dieses im Sitzen spielte. Auf jeden Fall klang es manipuliert ein bisschen wie eine indische Sitar. So inspiriert musste ich direkt ein Stück mit einem Sitarsound ausprobieren und heraus kam das Stück „would you sit on a sitar?“. Diese Frage habe ich im Netz gefunden und fand es durchaus aus passend als Songtitel.

would you sit on a sitar?

Das Beitragsbild, so könnte man meinen, ist aus den Archiven der NASA entnommen und zeige Bilder des Saturns. Aber in Wirklichkeit handelt es sich um einen Ausschnitt einer gefüllten Kaffeetasse von oben. Wenn man keinen Maßstab hat, fehlt somit der Bezugsrahmen und man kann sich alles Mögliche denken. So hatte auch Stanley Kubrick in seinem berühmten Epos „2001 Odyssee im Weltraum“ gearbeitet, als er am Ende des Filmes die Entstehung von Galaxien darstellte. Wie nach über 10 Jahren nach Drehende bekannt wurde, filmte die Filmcrew in Zeitlupe Farbtropfen, die in einen sich bewegenden Farbeimer tröpfelten.

silversurfer solutions

Silver Surfer kommt in zwei Bedeutungen daher. Einmal bezeichnet Silver Surfer eine Figur aus dem Marvel Universum und ist Kennern der Comics bekannt. Der Silver Surfer steht im Zusammenhang mit den Fantastic Four, wo er als Bösewicht aus dem Universum mit seinem intergalaktischen Surfbrett aufgetreten ist. Die Kenner der Netzkultur wissen hingegen auch, dass Silver Surfer liebevoll ältere Semester bezeichnen, die schon ergraut sind. Silver Surfer spielen in der Netzkultur eine bedeutende Rolle, sind sie einerseits oft gut betucht und kauffreudig im Onlinehandel unterwegs, haben Zeit sich im Netz aufzuhalten und besuchen häufig Gesundheits- und Reiseseiten. Ich selber darf mich getrost auch als Silver Surfer bezeichnen, mancher geht sogar noch weiter und bezeichnet unsereins als Silberrücken.

Neulich hatte ich das Vergnügen bei einer Fortbildung teilzunehmen. Ich wurde doch wahrhaftig gefragt, warum ich mir dies in meinem Alter noch antue. Und außerdem hätte doch der Staat, der diese Fortbildung bezahlt hat, in meinem Fall keinen rechten Nutzen mehr davon, werde ich doch in einigen Jahren aus dem Staatsdienst ausscheiden. Das habe ich aber getrost weggelächelt und behaupte, jedes Jahr im Dienst kann noch ein gutes und aktives Jahr sein. Und ehrlich gesagt habe ich überhaupt noch nicht den Spass an Fort- und Weiterbildung verloren.

Die besagte Fortbildung – und jetzt kommen wir zum eigentlichen Thema – beschäftigte sich mit der lösungsfokussierten Gesprächsführung. In den 90er Jahren zunächst für therapeutische Zwecke entwickelt, hat sich der lösungsfokussierte Geprächsansatz längst für andere Felder wie zum Beispiel die Wirtschaft und die Pädagogik weiterentwickelt. Wir hatten das Glück eine ausgezeichnete Trainerin vorzufinden, die für die Schweizer solution sufers arbeitet und Gruppen anleitet. Der Grundgedanke der lösungsfokussierten Gesprächsführung ist nach der möglichen Zukunft zu fragen, ohne sich im Inhalt zu vertiefen, geschweige denn durch sogenannte Warum-Fragen im Problem herumzustochern. Als Methode dient das aufmerksame Zuhören, damit aus dem Gehörten sogenannte Triggerfragen entwickelt werden können, die den Gesprächspartner aufgrund seiner eigenen Ressourcen in der jeweiligen Situation weiterbringen können. Die Methode erscheint zunächst verblüffend einfach, sie ist allerdings sehr wirkungsvoll!

Bei dem heutigen Stück habe ich einige der erwähnten Triggerfragen aus dem Netz bei den solution surfers aus der Schweiz kopiert und durch eine schon einmal erwähnte text to speech Lösungen geschickt, um Sprachdateien zu erzeugen, die im Stück verarbeitet worden sind. So gesehen ist dies dann auch eine „solution“, um das Stück des Silver Surfers (ich selber) mit Vokals zu versehen. So kann man auch den Titel des heutigen Beitrages ableiten.

Das Beitragsbild zeigt – mal wieder – ein paar Wolken. Könnte man Wolken nicht auch als Silver Surfer bezeichnen, wie sie als immer wieder neuformierte Gebilde in der Luft schweben? Das Foto wurde im Januar 2019 aufgenommen.

whats behind the curtain

Diese Textzeile verwendete die Performancekünstlerin und Musikerin Laurie Anderson in ihrem Stück Born Never Ask auf dem Album Big Science aus dem Jahre 1981.

It was a large room. Full of people. All kinds
And they had all arrived at the same building
At more or less the same time
And they were all free. And they were all
Asking themselves the same question:
What is behind that curtain?

https://genius.com/Laurie-anderson-born-never-asked-lyrics

Die Frage „what is behind the curtain?“ hatte mich damals unglaublich in den Bann gezogen, stößt sie doch – jedenfalls für mich -, wenn sie gerade ausgesprochen ist, eine Tür in die Welt des Geheimnisvollen auf. Klar, etwas ist vor dem Vorhang, aber was ist eigentlich dahinter? Man kann dies auch ein bisschen auf die akustische Welt übertragen, zum Beispiel wenn wir an das Spiel „Ich sehe was, was du nichts siehst„, denken und es als akustisches Spiel ummünzen, indem wir einen Klang bzw. einen Sound hören und nun vermuten, wer oder was den Klang erzeugt hat oder wo und unter welchem Umständen der Klang aufgenommen wurde beziehungsweise entstanden ist.

Wollen wir mit dem Spiel beginnen? Höre dir den Klang an und vermute, was den Klang erzeugt hat? Wenn du noch genauer hinhören möchtest, aus welchen verschiedene Geräuschen setzt sich der Klang zusammen?

Hast du richtig vermutet? Dann hast du gewonnen. Klopfe dir auf die Schulter, halte kurz inne und beglückwünsche dich! Atme tief ein und erlaube dir, diese wunderbare Erfahrung in den morgigen Tag mitzunehmen. Wer jetzt Spaß an diesem akustischen Spiel bekommen hat, der darf sich eine ganze Präsentation mit weiteren Höraufgaben gleichen Formates herunterladen. Die Klänge wurde 2018 im Rahmen eines KLANGSAMMLER PROJEKTES einer Klasse des 5. Jahrgangs zusammengestellt und für einen Medienwettbewerb eingereicht.

Das Beitragsbild kann hier nicht direkt der Klangerzeuger sein, sonst wäre der Spielwitz des heutigen Beitrages verloren. Ich habe ein Bild gewählt, welches mir ausreichend skurril vorkommt, um hier als Platzhalter zu fungieren. Bei einer Tagung im Hochtaunus bot sich als erster Blick in einen Raum des Hotels eine Rasenmäherauststellung. Mit diesem Anblick hatte ich wahrhaftig nicht gerechnet.

composition 1960 #7

Die Composition #7 aus dem Jahre 1960 von La Monte Young hat mich schon immer unglaublich fasziniert. Meine armen Schüler lernen sie meistens dann kennen, wenn wir ein bisschen minimal music hören und spielen wollen [oder will ich das und die sollen? – okay, anderes Thema …]. Dazu erzähle ich meistens folgende Geschichte, die ich erstmals im Buch Durch Musik zum Selbst von Peter Michael Hameln gefunden habe.

Ein Mann besaß ein Cello mit (nur) einer Saite, über die er stundenlang den Bogen führte, die Finger immer auf derselben Stelle haltend. Seine Frau ertrug diesen Klang sieben Monate lang, in der geduldigen Erwartung, dass der Mann entweder vor Langeweile sterben oder das Instrument zerstören würde. Da sich jedoch weder das eine noch das andere ereignete, sagte sie eines Abends in sehr sanftem Tone: „Ich habe bemerkt, dass dieses wundervolle Instrument, wenn es andere spielen, vier Saiten hat, über welche der Bogen geführt wird, und dass die Spieler ihre Finger ständig hin- und her bewegen.“ Der Mann hörte einen Augenblick lang auf zu spielen, warf einen Blick auf seine Frau, schüttelte das Haupt und sprach: „Natürlich bewegen sie ihre Finger hin und her. Sie suchen den richtigen Ton. Ich habe ihn gefunden.“  Armenische Fabel

composition #7 sine

Man könnte die Komposition als eine der urtümlichsten der sogenannten minimal music bezeichnen, ist sie doch in ihrer Reduzierung auf zwei – in einer Quinte – gleichzeitig erklingenden Töne, auf das Wesentliche beschränkt. Das Internet hat viele Beispiele für das Stück gesammelt. Was mir erst neulich dazu aufgefallen ist: Young benutzt das hashtag Zeichen # in aller Voraussicht, ohne zu ahnen, dass dieses Zeichen eines der bedeutendsten Zeichen der aktuellen Jugendkultur werden würde, denken wir beispielsweise nur mal an die Verwendung beim social media Dienstleister instagram.

Als Studenten führten wir in einem Kurs folgendes akustisches Experiment durch: Wir haben die beiden oben abgebildeten Töne mittels eines Modularen-Synthesizers als Sinuswellen ausgegeben und 20 Minuten erklingen lassen. Sinuswellen kommen in der Natur isoliert nicht vor. Eine Sinuswelle muss immer elektronisch erzeugt werden. Jeder in der Natur vorkommende Ton ist eine Mischung aus verschiedenen Sinustönen und ergibt eine periodisch wiederkehrende Welle, die einen Klang formt. Sie folgt den Gesetzmäßigkeiten der Obertonreihe. Sind Klänge aus nicht periodischen Wellen zusammengesetzt, sprechen wir von einem Geräusch.

Die beiden Sinustöne sollten sich die Kursteilnehmer anhören und danach ihr Hörerlebnis beschreiben. Nicht wenige waren der Auffassung, dass sich der Klang der Töne im Laufe der Zeit verändert hätte. Manche meinten, der Klang wäre voller geworden, hätte Varianten gezeigt, hätte sich irgendwie verändert. Jedoch, dem war physikalisch nicht so. Es zeigt sich, dass das Hörerlebnis immer ein psychisches Erlebnis bleibt, Musik entsteht in unserem Kopf. Mit ein Grund dafür, warum manche Zuhörer minimal music nervig finden, andere empfinden sie sehr angenehm.

Wir können in diesem Beitrag drei Varianten der Komposition hören. (Die erste Version findet sich weiter oben.) Die ersten beiden Aufnahmen wurden direkt mit der schon oft erwähnten Laufzeitumgebung sonic pi generiert. Ich habe den code in einem sonic pi Forum gefunden und leicht variiert. Die erste Version rechnet mit Sinuswellen. Die zweite Variante benutzt einen komplexeren Sound, der ein bisschen moduliert wird. Es folgt der Code in sonic pi.

# coded by MrSkeletal adapted by falk

with_synth :sine do
  with_fx :ixi_techno, phase_offset: 0.2, phase: 44 ,res: 0.6 do
    play :b3, amp: 2, attack: 25, release: 1000, pan: -0.8
    play :fs4, amp: 2, attack: 25, release: 1000, pan: 0.8
  end
end

composition #7 dark ambience

Die dritte Variante verwendet acht verschiede Klangfarben. Zwei davon sind Sinuswellen, die anderen Klangerzeuger sind verschieden Padsounds, die in ihrer Lautstärke variiert werden.

composition #7 pad version

Das Beitragsbild habe ich in der Disco des letztjährigen 35C3 Computerkongresses in Leibzig fotografiert.