guitar do 3

Sonic pi ist eine Laufzeitumgebung für Klänge. Schon mit wenigen Programmzeilen kann man erstaunliche Stücke generieren. Besonders gut gelingt dies für EDM, Minimal Music und experimentelle Stücke. Sonic Pi wurde ursprünglich für den Minicomputer Raspberry Pi entwickelt, aber ist inzwischen auch für die verbreiteten Betriebssysteme Windows, macOS und Linux erschienen. Das Besondere der Laufzeitumgebung ist die Möglichkeit, während der Liveperformance die Parameter zu verändern und somit auf das Klangereignis direkt Einfluß zu nehmen, dies nennt man dann Live Coding.

Bei dem minimalistischem Stück „guitar do 3“ wurden bespielsweise nur die Parameter „sleep“ und „rate“ verändert und bestimmte Klänge durch das „#“-Zeichen aus- und eingeblendet. Es besteht nur aus folgenden Zeilen:

live_loop :guit do
with_fx :echo, mix: 0.6, phase: 0.25 do
sample :guit_em9, rate: 1
end
sleep 8
#sample :guit_em9, rate: -1
sleep 1
#sample :guit_em9, rate: 0.5
sleep 1
end

live_loop :boom do
with_fx :reverb, room: 0.5 do
#sample :bd_boom, amp: 5, rate: 1
end
sleep 2
end

guitar do 3

chant on the beach

Das kann passieren: Man sitzt gemütlich während des Urlaubs am Strand, macht sich eine Dose Bier auf, kichert in sich hinein, döst so vor sich hin, hört die spielenden Kinder und das Meeresrauschen und erreicht dann fast einen meditativen Zustand. Plötzlich stellen sich weitere – unheimliche – Stimmen ein. So könnte es bei dem folgenden Stück gewesen sein.

chant on the beach

 

Das Stück „chant on the beach“ ist aus der „Randomizations-Reihe„. Die Randomizations-Stücke haben folgendes Format: Man gehe auf die interessante Seite von freesound.org. Dort stellen Benutzer aus der ganzen Welt ihre Aufnahmen (samples) zur Verfügung. Das Spiel besteht jetzt darin, aus den letzten 20 Klängen, die hoch geladen worden sind, spontan ein Klangstück zusammenzustellen, indem man den Beginn und Dauer des Klanges bestimmt. Hier werden weitere Stücke aus der Randomazitions-Reihe folgen.

Das Beitragsbild wurde im Oktober von mir an der Mittelmeerküste bei Izmir in der Türkei aufgenommen und ich finde, es passt ganz gut zu den Klängen.

undercover

Es gibt einen schönen Film mit dem Namen Mr. Nobody aus dem Jahre 2010. Es handelt sich um einen belgisch, fränzösisch, kanadisch, deutschen Science-Fiction-Fantasyfilm, der aber nicht das Action-Genre bedient. Er handelt vielmehr vom Leben an sich, von der Sterblichkeit und  – natürlich – der Liebe. Mehrere mögliche Vergangenheiten werden angeboten. Mir gefiel das schöne Gitarrenlied im Abspann sehr. Ich konnte keine Transkription finden und musste das Stück selber notieren. Meines Wissens lebt der Komponist nicht mehr.

undercover

Das Original kann man sich hier anhören.

Und wer die Transkription haben möchte, findet diese hier: Undercover.

discreet

2014 habe ich mich mit meinem Musikfreund Peter für drei Tage nach Floh Seligenthal zurückgezogen, um an unser erstes Duo aus Schulzeiten anzuknüpfen. Floh-Seligenthal in Thüringen liegt am Südhang des Thüringer Waldes, am Fuße des Rennsteigs. Aus meiner Studienzeit ist uns ein sehr ausgedehnter Spaziergang im Park Wilhelmshöhe in Kassel in Erinnerung geblieben, denn wir hörten dabei stundenlang – noch mit einem Walkman – das unglaublich geschlossene Album „discreet music“ des Ambientkünstlers Brian Eno, den ich sehr bewundere. Dieses Album war prägend für mich. Unser Duo hieß „ZMB“, dies steht für „Zwischen-Menschliche-Beziehung“, daher ist der Album Titel „The Return Of The ZMB“ gewählt. Das Stück „floh discreet“ erinnert mich an Brian Enos Klänge.

floh discreet

arvomata one

Die Welturaufführung des Stückes „ArvoMata One“ für Mensch & Computer fand auf dem Gelände des Weltkulturerbe „Zeche Zollverein“ in Essen  am 24.07.2016 statt – siehe hierzu das Beitragsbild, welches in der Zeche aufgenommen wurde. Zu dem Begriff „Welturaufführung“ oder dem Akronym „WUA“ habe ich einen schönen Artikel von Stefan Fricke aus dem Ensemble Modern Magazin Nr. 45 gefunden. Der Name »ArvoMata« ist ein Kunstwort. ArvoMata One ist das erste Stück einer Reihe. Es setzt sich aus dem Namen des estnischen Komponisten Arvo Pärt und dem Wort Automat zusammen. Das minimalistische Konzept des Stückes erinnerte mich an Werke Pärts. Ausgelöst werden die Töne von einem Automaten, einem sogenannten Player in einer Digitalen-Audio-Workstation-Umgebung (DAW). Das Spielen einer Taste löst eine ganze Reaktion – hier verschieden klingende Töne hintereinander – aus, gleichsam eines Automaten. Die Komposition ist bewusst gewollt. Aus der Unzahl der möglichen Modelle, werden lediglich vier verschiedene Modelle, hier „cells“ genannt, verwendet und in einer bestimmten Reihenfolge wiederholt. In der Studioversion schließt sich eine komplette Wiederholung mit einem „padsound“ an.

Am Klang habe ich etwas herumgedreht. Die Idee für den Sound des Pianos bekam ich von dem Intro des Filmes »Snowpiecers« mit der Musik von Marco Beltrami, ein iranischer und in den USA lebender Komponist. Da habe ich gedacht, „Mensch, so einen gedämpften Piano Sound müsste man doch hinbekommen“. Einen nicht unerheblichen Anteil an der Komposition haben die »Player« Funktionen in Propellerheads Reason.

Der in Berlin lebende Klangkünstler Wolfram der Spyra schrieb netterweise zu „ArvoMata One“:

Das Stück gefällt mir ausgesprochen gut. Simpel und doch komplex, erwartungsgemäß und doch überraschend – großartig! Der Rechner nicht nur als „schlechterer Mensch“, sondern die einzige Lösung, das Stück zu spielen. Repekt Zollverein!

„Arvomata One“ wird im Rahmen der „Klangland 17 Ausstellung“ mit dem passenden Titel MASCHINENMUSIKMASCHINEN in Kassel ab dem 08.12.2017 im Kunsttempel aufgeführt werden.

Die Studiofassung von „ArvoMata One erklingt hier:

arvomata one