twelfth night

Der Begriff twelth night ist das englische Pendant für Rauhnächte. Die heutige Nacht macht dem Namen alle Ehre, ist doch die Landschaft in Raureif (nach neuer Rechtschreibung wahrhaftig richtig geschrieben) getaucht. Das heutige Beitragsbild wurde nach einer vergleichsweisen gleichen kalten Nacht am Neujahrstag 2017 im Habichtswald bei Bad Emstal aufgenommen. Von Neujahr sind wir ja nicht weit entfernt. Den sogenannten Rauhnächten werden unterschiedliche Bedeutungen zugesprochen. Ich denke, je nach Zeit und Region treffen das Eine oder Andere, oder auch ein Kombinationen der Bedeutungen zu. Sehr wahrscheinlich erscheint mir, dass die Rauhnächte die Zeit waren, um u.a. den Mondkalender mit 12 x 29,5 Tagen – die sogenannte Lunation – für einen Monat mit dem Sonnenkalender mit durchschnittlich 30,4 Tagen für einen Monat anzugleichen, da sich eine eine Differenz von ungefähr 11 bzw. 12 Tagen ergibt, je nachdem, wie gerechnet wird. Dieser Brauch fand vor allen Dingen vor der Christianisierung Anwendung. Daher werden die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr bzw. bis zum 5. oder 6. Januar auch als Tage Zwischen den Jahren bezeichnet, was für die Bedeutung des Kalederangleiches ja genau zutreffend wäre.

twelfth night


Man sollte sich das Stück „twelfth night“ unbedingt über eine richtige Anlage anhören, da die tiefen Töne entscheidend für den Gesamtklang und Höreindruck sind. Das Stück spiegelt die Zeitlosigkeit dieser Tage wieder, gibt es doch keinen wirklichen Rhythmus, geschweige denn einen erkennbaren Beat. Es hat gewisse Ähnlichkeiten zu Stücken, die Brian Eno und Robert Fripp in den 70er Jahren zusammen zum Beispiel auf dem Album Evening Star aufnahmen. Legendär ist die Verwendung später sogenannter genannter Frippertronics, ein Vorläufer digitaler Delay-Effekte, die mit Bandmaschinen erzeugt wurden. Die Klänge des vorliegenden Stückes werden von einer Gitarre erzeugt, die sehr lange Töne spielt und keinen Attack (Einschwingverhalten) aufweist, weil der Lautstärkeregler erst nach dem Anschlag aufgedreht wird. Dabei wird eine Gitarrenspur um eine Oktave nach oben versetzt, verändert und rückwärts gespielt. Eine weitere Kopie der Spur wird ebenfalls verlängert und um eine Oktave nacht unten versetzt. Alle Klänge werden mit einem sehr langen Delay (Echo) versehen und tragen die Töne in eine weite Ferne. Hinzukommt eine Linie, die mit einem Streichsound der Spitfire Audio Serie Labs in Form eines kleinen Weihnachtsgeschenkes ins Haus trudelte. Im Grunde werden nur Töne eines Bb Dreiklanges mit Zusatztönen gespielt und geben dem ganzen Stück etwas sehr zeitloses mit auf den Weg.

merry christmas

Zum Abschluss des Jahres gibt es einen kleinen Weihnachtsgruß in Form einer Klangcollage. Wer frühere Beiträge aufmerksam verfolgt hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass die Seite freesound.org eine wunderbare Quelle für Klänge von Amateuren zum Collagieren ist. Ich habe den Begriff „Christmas“ eingegeben und aus den Ergebnissen ein kleines Sounddesign gebastelt und grüße euch damit herzlich zu Weihnachten. Ich hoffe, dass ihr meine Seite auch nächstes Jahr wieder besucht.

merry christmas


Das Beitragsbild zeigt ein illuminiertes Weihnachtshäuschen unseres Hausflures, welches aktuell zur Weihnachtszeit aufgestellt ist.

pianologie three

In dieser vorweihnachtlichen Adventszeit brauchen wir mal wieder etwas Besinnliches, so dachte ich mir und ein neues Stück aus der beliebten „Ologie-Reihe“ wäre eigentlich mal wieder angebracht. Wie ich unlängst herausfinden konnten, firmieren solche minimalistischen Stücke unter dem Oberbegriff generativ music (generative Musik). Ich glaube, ich hatte etwas anderes gesucht, stieß dann aber auf eine Präsentation eines finnischen Programmierers, der sich dem Thema gründlich gewidmet hat, auch in die Historie der Musikgeschichte dieses Themas einsteigt und sich mit Stücken des Minimal Komponisten Steve Reich beschäftigt. Dessen Stück pendulum music wurde von dem berühmten und von mir sehr geschätzten Sounddesigner und Klangkünstlers Brian Eno in seiner music for airports aufgegriffen und erweitert. Hier eine kleine Linksammlung dazu. Diese Beiträge sind extrem interessant, möchte man sich mit dem Thema generative Musik befassen.

generativ music (links)

Mein heutiges Stück verwendet zwei Techniken, die das generative und repetitive Element ausmachen. Zum einen werden pro Spur Arpeggiatoren verwendet und gleichzeitig wird jeder klangliche Output mit einem sehr langen Delay (Echo) belegt, sodass die einzelnen Motive zunächst miteinander verschmelzen und sich dann langsam allmählich sozusagen „aus dem Staub machen“. Dabei entwickeln die Melodie schnell ihren ganz eigenen Zauber. Was damit gemeint ist, merkt man ganz schnell, wenn man sich das Stück anhört (→ Anspieltipp!) Wem solche Musik Freude macht, dem darf ich gerne vorherige Arbeiten der Ologie-Reihe ans Herz legen, die ich als frühere Beiträge gepostet habe: pianologie one, player piano (pianologie two) und stringologie one. Diese Reihe möchte ich unbedingt fortsetzen.

pianologie three


Das Beitragsbild zeigt die Fliesen unseres Hausflures. Die Fliesen wurden leicht in Richtung Brauntöne verändert. Man könnte fast meinen hier handelt es sich um ein Mandala.