raceme

Das Stück „raceme“ erinnert mich an eine Klangtraube. Daher habe ich für das Beitragsbild eine Aufnahme des Blütenstandes der Pflanze Wilde Karde ausgewählt, die ich vor ein paar Wochen in einer Sandgrube fotografierte. „raceme“ ist der botanische Name für eine Traube bei Pflanzen  auf englisch. Die wilde Karde wird im Volksmund auch Hausdistel oder Rotdistel genannt.

raceme

Die Firma Spitfire Audio produziert fantastisch klingende Soundbibliotheken. In letzter Zeit bringen sie im LAB kostenlose Klänge heraus. Aus diesem Fundus habe ich mich für das Stück „raceme“ bedient und die Chor- sowie eine String-Bibliothek benutzt. Hinzu kommt meine Elektrogitarre, die hier dank bestimmter Effekte  eher wie eine klingende Säge daherkommt. Als UKO dienen diesmal synthetisch erzeugte Klänge, die abermals mit sonic pi herausgerechnet wurden. Zu UKOs habe ich ja schon etwas geschrieben. UKOs sind Unbekannte Klang Objekte. Man kann es hier in diesem Beitrag nochmal nachlesen: Always on simple. Es ist immer wieder erstaunlich, mit wie viel wenig „code“ man bemerkenswerte Klanggebilde mit sonic pi erstellen kann. Die errechneten Klänge wurden transponiert und zeitlich gedehnt.

Update: Mein Freund – ein begnadeter Musiker, Tontechniker und Filmkomponist – hat mir „auf die Schnelle“ eine alternative Tonmischung zu „raceme“ gezaubert.

racem alternative mix

Hier ist der Klang und der Programmcode des sonic pi Stückes:

16 times mod do II

use_bpm 65
use_debug false

with_fx :reverb do
16.times do
use_synth :mod_fm
play rrand(50, 60), cutoff: rrand(40, 80), attack: 0.5, release: rrand(0.1, 0.5), cutoff_max: 110
sleep 0.25
play rrand(60, 70)
sleep 0.75
end

16.times do
play rrand(70, 90)
sleep 0.25
play rrand(50, 60)
sleep 0.5
end

16.times do
play rrand(50, 60)
sleep 0.25
play rrand(60, 70)
sleep 0.25

4.times do
use_synth :mod_tri
play rrand(50, 60), cutoff: rrand(40, 80), release: rrand(0.1, 1), cutoff_max: 110
sleep 0.25
play rrand(60, 70)
sleep 0.015
end
end
end

wibble do one

Dieses Jahr findet wieder ein Bundeskongress des „Bundes für Musikunterricht – BMU“ diesmal in Hannover statt. Fünf Tage lang wird es mannigfaltige Veranstaltungen rund um das Thema „Bildung • Musik • Kultur: Am Puls der Zeit“ geben. Ich werde eine Veranstaltung zum Thema Live Coding mit Sonic Pi anbieten, weil es mich fasziniert, mit wie viel wenig Programmierung (code) schon sehr spannende akustische Ergebnisse erzielt werden können. Um den Kurs ein wenig vorzubereiten, habe ich vor einigen Tagen Beispiele durchforstet und ausprobiert. Ein Beispiel habe ich gefunden, welches ich um ein paar Zeilen und Änderungen ergänzt habe. Es klingt richtig schön avant­gar­dis­tisch oder nach sogenannter Neuer Musik und ergibt sich aus drei Klängen (samples), die unterschiedlich lang und in verschiedenen Tonhöhen zusammentreffen. Hier ist der Programmcode – der einfach in sonic pi eingefügt werden kann – abgebildet:

#wibble do
live_loop :wibble do
sample :ambi_piano, rate: rrand(0.6, 1.4), amp:1
sleep rand(4)
end
live_loop :glass do
sample :ambi_glass_hum, rate: rand(0.8), amp:0.6, attack: 0.5, release: 0.75, cutoff: rrand(60, 110)
sleep rand(8)
end
live_loop :lunar do
sample :misc_cineboom, rate: rand(1), amp:0.3, attack: 0.5, release: 0.75, cutoff: rrand(60, 110)
sleep rand(16)
end

wibble do one

Das Beitragsbild ist ein Blick im Parthenon der Bücher von Marta Minujín, der bei der Dokumenta XIV 2017 auf dem Friedrichplatz begehbar ausgestellt war.

 

boom do

Bei dem Stück „boom do (mx)“ handelt es sich um einen langen EDM Song, der das Subgenre „dark minimal“ bedient. Er ist extrem minimalistisch, werden doch bestimmte Parameter nur langsam graduell verändert. Die sogenannte Wave-Darstellung des Tracks zeigt schön die allmähliche Verdichtung des Stückes.

Die Grundwelle wurde abermals mit der Laufzeitumgebung  sonic pi „berechnet“, wobei verschiede Parameter „live“ verändert wurden. Hinzugemischt habe ich zwei grains, die im Sinne von UKOs ein ganz bisschen Abwechslung erzeugen.

boom do

Das Beitragsbild zeigt eine Bildschirmaufnahme eines Zeitpunktes des laufenden Stückes, indem die Frequenzen des Tracks als sogenannte Lissajous Wellen dargestellt werden, die auf den gleichnamigen Physiker zurückgehen.

a swell to help you sleep

Ich habe heute erfahren, dass der isländische Komponist Johann Johannsson plötzlich unerwartet im Alter von 48 Jahren gestorben ist, was mich sehr schockiert hat. Die Todesursache ist momentan noch unklar. Der Grammygewinner hatte zuletzt als innovativer Filmkomponist auf sich aufmerksam gemacht und ich hatte gehofft, noch einige Musik von ihm erwarten zu dürfen. In dem Beitrag door arrival hatte ich bereits davon berichtet.

Ich veröffentliche daher heute – etwas früher als ursprünglich geplant – das Stück „a swell to help you sleep“, weil es mich atmosphärisch an Arbeiten Johannssons erinnert und möchte ihm diese Soundscapearbeit widmen. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Code von Zach Mandeville, den er für die – auch schon mehrfach erwähnte -Laufzeitumgebung  sonic pi herausgeben hat. Zach will damit Menschen helfen durch Sounds besser einschlafen zu können. Ob dies für das vorliegende Sounddesign auch noch gelten mag, mag der Hörer gerne selber beurteilen. Ich habe diesen Code leicht verändert und dann in drei unterschiedliche Oktaven zeitlich leicht versetzt wiedergeben. Dazu kommen übereinander gelegte Stimmensamples.

a swell to help you sleep ex

Das Beitragsbild fängt eine Morgenstimmung an der Zuckerfabrik Wabern (Bezirk Hessen) ein, die direkt am Bahnhof gelegen ist. Es trifft die Stimmung des Stückes ganz gut, so meine ich.

wie schön wär es mit dir in panama

Bleiben wir thematisch noch in Mittel/Südamerika. Ich kenne kaum ein Kind, was nicht zuletzt wegen des Autors Janosch davon träumt, einmal Panama kennenzulernen. Und wenn ich dann noch dich zu dieser Reise mitnähme [hier habe ich extra den Konjunktiv I benutzt, weil der so schön ist], das wär so schön …

Von sonic pi habe ich ja schon gesprochen. Im Beitrag guitar do 3 kann man ein wenig dazu nachlesen. Diesmal habe ich die App so programmiert, dass aus einem Ordner mit gesprochenen Wörtern eben des Satzes „Wie schön wär es mit dir in Panama“ mittels Zufallbefehl Wörter ausgewählt und abgespielt werden. Interessant dabei ist zu hören, wie lange es dauert, bis zum ersten Mal das Wort „Panama“ auftaucht. Es scheint sich auch nicht um echte Zufallszahlen zu handeln, denn es kommt immer wieder die gleiche Reihenfolge heraus; so scheint es zumindest. Es kann ja selber ausprobiert werden.

wie schön wär es mit dir in panama

Hier noch der Code für dieses Sprechstück.

#wie schön wär es mit dir in panama
#coded by falk
live_loop :panama do
with_fx :reverb, room: 0.7, mix: 0.4 do
with_fx :pan, pan: rrand(-0.7, 0.7) do
samps = „/users/bossa/music/sonicsamples/sonic_panama“
sample samps, rrand_i(0, 7), rate: rrand(0.95, 1.1)
sleep rrand(0.7 ,1.30)
end
end
end
live_loop :panama2 do
with_fx :reverb, room: 0.7, mix: 0.5 do
with_fx :pan, pan: rrand(-1, 1) do
samps = „/users/bossa/music/sonicsamples/sonic_panama“
sample samps, rrand_i(0, 7), rate: rrand(0.75, 1.5)
sleep rrand(4 ,8)
end
end
end
live_loop :panama3 do
with_fx :reverb, room: 0.7, mix: 0.5 do
with_fx :pan, pan: rrand(-0.9, 0.9) do
samps = „/users/bossa/music/sonicsamples/sonic_panama“
sample samps, rrand_i(0, 7), rate: rrand(0.65, 1.6)
sleep rrand(5 ,9)
end
end
end

guitar do 3

Sonic pi ist eine Laufzeitumgebung für Klänge. Schon mit wenigen Programmzeilen kann man erstaunliche Stücke generieren. Besonders gut gelingt dies für EDM, Minimal Music und experimentelle Stücke. Sonic Pi wurde ursprünglich für den Minicomputer Raspberry Pi entwickelt, aber ist inzwischen auch für die verbreiteten Betriebssysteme Windows, macOS und Linux erschienen. Das Besondere der Laufzeitumgebung ist die Möglichkeit, während der Liveperformance die Parameter zu verändern und somit auf das Klangereignis direkt Einfluß zu nehmen, dies nennt man dann Live Coding.

Bei dem minimalistischem Stück „guitar do 3“ wurden bespielsweise nur die Parameter „sleep“ und „rate“ verändert und bestimmte Klänge durch das „#“-Zeichen aus- und eingeblendet. Es besteht nur aus folgenden Zeilen:

live_loop :guit do
with_fx :echo, mix: 0.6, phase: 0.25 do
sample :guit_em9, rate: 1
end
sleep 8
#sample :guit_em9, rate: -1
sleep 1
#sample :guit_em9, rate: 0.5
sleep 1
end

live_loop :boom do
with_fx :reverb, room: 0.5 do
#sample :bd_boom, amp: 5, rate: 1
end
sleep 2
end

guitar do 3

grain jazz

Das Stück „grain jazz“ entstand beim Ausprobieren neuer Möglichkeiten mit dem Grain Synthesizer von Reason 10. Mit Grain kann man beliebige „samples“ laden. Hier verwende ich eine Audiodatei, die mit sonic pi herausgerechnet wurde. „Grain“ bedeutet ja direkt übersetzt so etwas wie „Korn“, daher passt das Bild ganz gut. Es ist zwar kein Mais, aber immerhin sind es Bohnensamen, die sich aus zufälligen Kreuzungen verschiedener Bohnensorten im Garten ergeben haben und reichhaltige Mutationen zeigen. Das Stück nimmt an der Reason 10 Challenge teil.

grain jazz