sanaa

Wie bereits angekündigt möchte noch jeweils einen Beitrag zu den zwei Stücken schreiben, die zwar auf dem Album go east veröffentlicht wurden, aber bisher noch nicht in das blog geschafft haben. Ja richtig, es muss heißen das blog und nicht der blog, denn es ist ja DAS Tagebuch, sozusagen.

2004 hatten wir das große Glück in den Jemen reisen zu dürfen. Ein Freundin hatte einen Job für die Entwicklungshilfe in der Hauptstadt des Jemen Sanaa beim Waterresearch-Programm angenommen, ihr Lebensgefährte wanderte mit aus und wir wurden eingeladen, sie besuchen zu kommen. Es war eine hoffnungsvolle Zeit für den Jemen. Das Land war gerade dabei sich zu öffnen und es wurden Versuche unternommen Demokratisierungsprozesse einzuleiten. Wie sich herausstellte, betraf dies aber eigentlich nur die Hauptstadt, denn die Strukturen auf dem Lande ließen sich auf keinen Fall von heute auf morgen verändern, auch wenn der Westen dies gerne gesehen hätte.

Wir wurden herzlich willkommen geheißen, denn weil die rot-grüne Schröder-Fischer Regierung die Beteiligung beim zweiten Irakkrieg (auch dritter Golfkrieg genannt) – vielleicht auch aus wahlpolitischen Gründen – verweigerte, wurden deutsche Touristen hoch angesehen und wir hatten unsere damaligen einjährige Tochter mit einer sehr blonden Haarpracht dabei, was die Einheimischen bewunderten.

Es ist zwar aus den Medien verschwunden, aber dem Jemen geht es in vielerlei Hinsicht sehr schlecht, ist er seit vielen Jahren der Schauplatz eines gräßlichen Stellvertreterkrieges Saudi-Arabiens mit dem Iran. Die ohnehin schon schlechten Bedingungen haben sich noch weiter verschlechtert, dem Jemen geht dramatisch das Wasser aus, Lebensmittel werden nicht produziert, außer der Volksdroge Kat, was die letzten Wasserreserven aufbraucht. Die Bevölkerung stirbt an Hunger und entsetzlichen Krankheiten. Erstaunlich ist, dass die Medien eine zeitlang von weltpolitischen Brennpunkten berichten und dann erlischt das mediale Interesse. Zur Zeit liest man nur Nachrichten aus Afghanistan, der Jemen kommt in der Berichterstattung nicht mehr vor.

2004 war wie gesagt eine Zeit, wo man noch einigermaßen beruhigt in das Land einreisen konnte und durch unsere Freunde von Ort, konnte wir das Land natürlich auf andere Art und Weise bereisen, als wenn wir ohne Kontakte einfach nur einen „normalen“ Urlaub versucht hätten. Der Jemen erlangte mal kurzfristig mehr westliche Aufmerksamkeit, als z.B. Günter Grass z.B. auf Einladung der Regierung einer Kulturaustauschtagung beiwohnte und die berühmte Stadt Shibam mit ihren mehrstöckigen Lehmbauten besuchte.

Nach wie vor bekommt das Land Jemen von der Bundesrepublik Deutschland viel Geld überwiesen. Es war mal Schwerpunktland der Entwicklungshilfe.

sanaa


Die Audiodatei dieses Beitrags verwendet die Originalaufnahme eines Muezzins, die ich damals mit einem Minidisc (MD) Recorder aufnahm. MD Recorder erlaubten in Gegensatz zu aufnahmefähigen Walkmans auf Kompaktkasettenbasis erstmals für den interessierten Laien digitale Aufnahmen auf einer kleinen Scheibe (Minidisk), die viel weniger rauschten, als die analogen Aufnahmegeräten.

Der mit flächigen Klangbildern ergänzte Soundscape zeichnet ein düsteres Bild, was zur aktuellen Lage im Jemen passt und dazu beitragen soll, den Jemen nicht zu vergessen.

Das Beitragsbild wurde 2004 in Sanaa aufgenommen und zeigt eine bizarre einzigartige Wolkenformation.