virabhadra

Bei einem Musik-Forumsbeitrag wurde mal die Frage aufgeworfen, wie die Mitglieder eigentlich auf ihre Stücke-Namen kommen. Dazu hatte ich ja mal sogenannte Song-Title-Generatoren ins Spiel gebracht: sad will lead the way. Eine andere Methode hatte ich auch schon mal beschrieben: Man nimmt als Ausgangspunkt den Titel eines bestimmten Sounds für ein Instrument, welches in dem entsprechenden Stück Verwendung findet. So auch wieder (fast) geschehen bei dem heutigen Beitragstück. Ich war mir sicher, dass der ursprüngliche Name „vira blahtra“ bestimmt eine Entsprechung in irgendeiner Geschichte der indischen Kultur hat. Trotz ausführlicher Recherche konnte ich diesen Namen nicht zurückverfolgen, stieß aber auf Virabhadra, was mich dazu bewegte, meine Hymne umzubenennen.

Virabhadra ist der Name eines Sohnes von Shiva und wird von manchen als „guter Held“ übersetzt. Ich zitiere: Er war sehr leidenschaftlich im Kampf und furchterregend. So strahlte er großen Ruhm aus und schmückte den Halbmond. Er trug die Haut eines Tigers, war bluttriefend und hatte einen großen Bauch. Sein gewaltiger Mund war mit eindrucksvollen Stoßzähnen bewaffnet.

Im Yoga ist die Stellung Virabhadrasana die Stellung des guten Helden und soll u.a. zur Stärkung der Oberschenkel- und Gesäßmuskeln dienlich sein. Im Jahr 2023 gaben 3% der deutschen Bevölkerung an, häufig Yoga zu praktizieren, immerhin 8% äußerten, ab und zu Yoga durchzuführen. Also betreiben ca. 2.5 Millionen Bundesbürger häufig Yoga. Beachtlich! Ich habe allerdings den Eindruck, dass hierzulande Yoga vor allen Dingen als eine Art Gymnastik verstanden wird und vermeintlich der körperlichen Ertüchtigung dienen soll. Dabei sind die körperlichen Übungen ursprünglich eigentlich nur Mittel zum Zweck. Yoga gehört zu den klassischen Transformationstechniken, die von weisen Menschen unterrichtet wurden, um Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben ihre Seele zu transformieren, ein System an die Hand zu geben. Dabei ist der Weg des Yogi ein Weg, der beschreibt, wie der Geist auf die Transformation vorbereitet werden muss. Die körperlichen Yogaübungen sollen also dem Geist dienen, damit sich dieser konzentrieren kann. Der körperliche Ertüchtigungseffekt ist demzufolge eine Nebensache.

Das heutige Beitragsstück wurde zunächst ohne Metrumswahl frei eingespielt und erst danach in herkömmlicher Notenschrift festgehalten, was mir erhebliche Mühe bereitete. Im Prinzip ist es eine Art Hymne, die einem Räume öffnen könnte, über mögliche Transformationen des Geistes bzw. der Seele nachzudenken. Eine Hymne war in der Musik der griechischen Antike ursprünglich ein feierlicher Preis- und Lobgesang, der sich an die Götter richtete. Für mich transportiert das Stück genau das Gefühl, dass es noch mehr als das irdische Dasein unserer menschlichen Existenz gibt.

Hier gibt es das Leadsheet und die Partitur zum herunterladen.

virabhadra


Das Beitragsbild zeigt einen Regenbogen 2015 aufgenommen in Nordhessen. Der Regenbogen könnte für ein Symbol des Göttlichen stehen.