the flight from the clouds [soundalike]

Vor einigen Tagen meldete ein Google Mitarbeiter, er hätte ein Gespräch mit einer künstlichen Intelligenz geführt, die seines Erachtens ein Bewusstsein entwickelt hätte. Google war diese Einschätzung nicht recht und die Meldung wurde seitens des Konzerns negiert. Der Mitarbeiter wurde beurlaubt. Ich frage mich nun, ob der entscheidende Punkt bei der Entwicklung von KI-Systemen erreicht ist, der vor vielen Jahren bei der Kino Serie Terminator skizziert wurde, als das fiktive Netzwerk skynet künstliches Bewusstsein erreichte und die Maschinen begannen, die Menschheit auszurotten. Ganz so weit sind die Entwicklungen noch nicht, aber die Intelligenz der Maschinen bzw. Rechner nimmt deutlich zu. Oft wird ja KI mit einfachen Algorithmen verwechselt, allerdings nehmen die Programme, die durch sogenanntes machine learning sich selbst trainieren können, deutlich zu.

Als Spotify User bin ich erstaunt über die Güte der Algorithmen, die aufgerufen werden, wenn es darum geht bestimmte Playlist vorzuschlagen, die dem User gefallen könnten. Ich persönlich bin immer ganz positiv überrascht, wie viel Titel mir zum Beispiel in einer Jon Hopkins Radio Playlist von anderen Künstlern angeboten werden, die ich noch nicht kenne, aber durchaus meinen Geschmack treffen. Auch hier handelt es sich um eine Art künstliche Intelligenz bzw. um geschickt programmierte Algorithmen, die man für KI halten könnte. Dieses Thema werde ich bestimmt irgendwann wieder aufgreifen.

Bei einer dieser mir vorgeschlagenen Playlists bin ich auf das Stück the flight from the city des leider schon verstorbenen von mir geschätzten isländischen Komponisten Johann Johannsson gestoßen, was mich sofort fasziniert hat. Im Grunde handelt es sich um ein simples doch schönes Piano-Pattern, welches durch sparsame Streicher und am Ende durch Glockenklänge unterstützt wird. Am Anfang des Stückes tauchen sogenannte UKOs (unidentifierzte Klangobjekte) auf. Das besondere bei diesem Stück ist die ständige Tempoverzögerung in viertaktiken Abschnitten, die sich das komplett Stück hindurchzieht und bei mir einen ganz besonderen Effekt auslöst. Normalerweise komponiere ich fast ausschließlich im 4/4 Takt und mit durchgehend konstanten Tempi. Ich habe Johannssons Stück zum Anlass genommen ein soundalike im 5/8 Takt zusammenzustellen, welches die beschriebene Tempoverzögerung erstmalig für meine Stücke übernimmt und auch ansonsten dem Original in gewisser Weise nicht unähnlich ist.

the flight from the clouds


Das Beitragsbild zeigt passend zum Titel eine Wolkenformation über dem ehemaligen Kraftwerk Borkens.

dunetune • nighting

Man stelle sich vor die Nomaden oder wer auch immer haben ihr Zeltlager in der Nähe einer Oase errichtet und die Nacht herrscht. Mystische Klänge erklingen in arabischen Nächten. Vor ein paar Tagen begann der astronomische Sommer auf der Nordhalbkugel der Erde. Damit wird der höchste Stand der Sonne senkrecht über dem Wendekreis der eigenen Erdhälfte gekennzeichnet. Dieser Tag markiert gleichzeitig den längsten Tag im Jahr, die sogenannte Sommersonnenwende. Die Tage werden jetzt wieder kürzer. In einem Podcast mit der Unterrubrik Sternzeit erfuhr ich neulich, dass im Jahresmittel die Nordhalbkugel der Erde mehr Sonnenstunden hat, als die Südhalbkugel. Dies hängt mit der Neigung der Erdachse und der elliptischen Bahn der Erde um die Sonne zusammen. In den Sandwüsten der Erde – nicht nur da – , die in der Nähe des Äquators eher zu finden sind, gibt es ein bekanntes Phänomen: Je mehr man sich dem Äquator nähert, desto kürzer ist die Dämmerung. Innerhalb von wenigen Minuten wechselt der Tag in die Nacht und dies geschieht für uns Nordeuropäer unglaublich plötzlich. Da es in Sandwüstengegenden weniger große Städte gibt, sind wesentlich weniger Lichter vorhanden, so dass der Sternenhimmel deutlich strahlender herauskommt. Das heutige Beitragbild ist eine Montage aus einem Sand- bzw. Kieshaufen und einer Aufnahme des Nachthimmels, die ich dem Internet entnommen habe. Ein Sichelnd hat es auch noch in das Bild geschafft.

Heute stelle ich das dritte Stück der noch neuen DuneTune-Serie, welches sehr meditativ daherkommt, vor. An Bord wieder dabei der schon bekannte Duduk Sound, ein Grillen-Klang der zufallsgesteuert in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Tonhöhen abgespielt wird und ein ursprünglich mit der Laufzeitumgebung sonic pi erzeugte „Kling-Klong-Sound“. (Hier alle Stücke, die mit sonic pi etwas zu tun haben). Alle Klänge werden von einem tiefen Flöten-Klang untermalt, der bezeichnenderweise „cheesy-flute“ getauft wurde. Auf einen taktgebenden Rhythmusklang wurde diesmal komplett verzichtet.

dunetune • nighting


dunetune • caravaning

Die Karawane zieht weiter. Das zweite Stück der DuneTune-Serie wird veröffentlicht. Ich habe mich immer gefragt, wie sich die Nomaden bei ihren Wüstenreisen ernährt haben. Datteln spielten wohl eine große Rolle. Datteln gelten als sehr gesund und bieten, so sagt man, alles, was man zur Ernährung braucht. Ich persönlich mag Datteln allerdings leider nicht gerne. Vor einigen Wochen bekam ich Salz-Käse-Gebäck in einer lustigen Dattel-Verpackung geschenkt, die hier auch als Titelbild fungiert. Ob man allerdings in der Sandwüste zur Ernährung Salz-Käse-Gebäck auf die Karawane nimmt, sei dahingestellt. Satzgebäck selber ist aber schnell gebacken und kann nach Belieben variiert werden.

Das heute Stück verbindet zwei verschiedenen Melodien mit einem durchgehenden Udu-Rhythmus und wird von sphärischen Sounds umrahmt, die eine gleißende Wüstenhitze symbolisieren. Die Udu ist ein altes afrikanisches Perkussionsinstrument und hat sich aus Tontöpfen entwickelt, die beim Wassertragen Verwendung fanden.

Wir haben heute in Deutschland den bisher heißesten Tag just zu dem Moment, an dem ich dieses Stück fertigstelle. In Südfrankreich und Spanien werden gerade erschreckende Hitzerekorde eingefahren. Man kann hoffen, dass es bald wieder Zeiten mit Niederschlägen gibt, die dann hoffentlich nicht direkt als Unwetterkatastrophen daherkommen.

dunetune • caravaning


slave of time

Vor ein paar Monaten sah ich zufällig den Film 12 Years a Slave aus dem Jahre 2013 des Regisseurs Steve McQueen. Der Film dreht sich um einen freien schwarzen Violinisten aus den Nordstaaten der USA um 1841 , der von brutalen Menschhändlern widerrechtlich als Sklave in die Südstaaten portiert wird und dieser Sklaverei nach zwölf Jahren entfliehen kann. Teile der Filmmusik kamen mir bekannt vor. Es stellte sich heraus, dass einige Passagen der Filmmusik Hans Zimmers Time aus dem Film Inception aus dem Jahr 2010 des Regisseurs Christopher Nolan verblüffend ähnelten. Eine Recherche zeigte mir, dass auch Hans Zimmer der Komponist der Filmmusik von „12 Years a Slave“ ist. Ich war erstaunt wie stark Zimmer eigenes Material fast wiederholend verwendet, zumal es sich um völlig unterschiedliche Filme handelt. Dies ist nicht nur mir aufgefallen, sondern auch der Autor Michal Zak hat dazu einen bemerkenswerten Eintrag im Internet hinterlassen. Er philosophiert darüber, welche Motivation Zimmer gehabt haben könnten, drei Jahre nach Erscheinen von „Inception“ in „12 Years a Slave“ sein gekröntes Thema wiederzuverwenden.

Als ich den Film sah, arbeitete ich gerade an einem kleinen Stück, welches durchgehend vier Akkorde verwendet, so wie es Zimmer auch in Time gehalten hat und herausgekommen ist ein sogenanntes soundalike mit der Akkordfolge:

| Dm | Am | Em | G |

Ich habe ja schon öfters über die sogenannten sehr verbreiteten 4 chord progressions geschrieben, z.B. beim Beitrag 4 chords. Beim Musizieren merkte ich dann schnell, dass ich noch unterbewusst ein anderes Stück in Erinnerung hatte, was zumindest melodisch in das heutige Beitragstück eingeflossen ist. Es handelt sich um das unglaublich wundervolle Stück des englischen Komponisten Max Richter mit dem Titel On The Nature Of Daylight, welches am Anfang und Ende des Filmes Arrival verwendet wurde und Johann Johannson die Nomminierung zur Oskarverleihung gekostet hat, denn es dürfen nur Fimmusiken nominiert werden, die ausschließlich von einem Komponisten eines Filmes komponiert wurden. Auch darüber habe ich in dem Beitrag door arrival berichtet. So ist das vorliegende Stück eine schöne Mischung aus „Time“ und „On The Nature Of Daylight“ geworden.

slave of time


Der Titel „slave of time“ setzt sich aus den Titeln der ersten angesprochenen Filme zusammen und lässt sich aber auch darauf beziehen, dass unser Leben letztendlich endlich ist und wir mehr oder weniger immer unsere eigenen Sklaven der Zeit sind, je nachdem wie sehr wir uns zu Sklaven der Zeit machen lassen. Das Beitragsbild soll diesen Gedanken unterstützen, welches dieses Jahr in Osnabrück entstanden ist.

dunetune • opening

Mit diesem Beitrag eröffne ich die neue Dune-Serie. Als großer Fan des Romanzyklus von Frank Herbert DUNE habe ich mir natürlich mit Interesse die Neuverfilmung des Klassikers im Kino angesehen. Inhaltlich gefiel der Film mir weniger gut, er war nach meinem Geschmack inhaltlich zu sehr bemüht den Plot chronologisch abzuwickeln, darüber hinaus war es aber ein echtes cineastistisches Erlebnis. Der Cast, die Kostüme , die Bildsprache sind in einem echten Kino absolut sehenswert. Hinzu kommt die gelungene Filmmusik des Meisters Hans Zimmer, der diesmal ganz gegen seine Gewohnheit hier eine Filmmusik beigesteuert hat, die ohne die Filmbilder in meinen Ohren weniger eigenständig funktioniert, als wir es sonst von den Werken Zimmers gewohnt sind. Die Klangkulisse, die er beisteuert, faszinieren und die Musik bekam auch einen Oskar. Natürlich hat Zimmer einige Musiker eingeladen, die mit vorderasiatischen Instrumenten ein passendes musikalisches Bild zeichnen.

Mein erstes „dunetune“ Stück versucht eine Stimmung einzufangen, die meiner Vorstellung einer Wüstenmusik entspricht. Dabei habe ich mich ein wenig an Brian Eno & Jon Hassell – Fourth World, Vol. 1: Possible Musics (1980) Album orientiert, insbesondere der Bass ist im entferntesten nachempfunden. Ich habe mir einen Duduk-Sound mit meinem Mimic Sampler „gebastelt“. Die Duduk ist ein ursprünglich armenisches Blasinstrument mit Verbreitung in ganz Vorderasien und Nordafrika mit einem großen Doppelrohblatt aus Holz, die sehr facettenreich gespielt werden kann und ist aufgrund ihrer Spielweise mit einer Oboe verwandt. Für die Texture habe ich mich einer besonderen Technik bedient. Vor einigen Jahren experimentierte ich mit meinen Schüler auf der Suche nach neuen Klangvorlagen mit selbstgebastelten Gummibandgitarren.

Eines von diesen Samples lud ich aus schierer Experimentierfreude in das sogenannte PaulXStretch-PlugIn. PaulXStretch-PlugIn kann eine beliebige Audiodatei extrem verlangsamen, ohne dass es zu Klangverlusten kommt. Und mit extrem ist wirklich extrem gemeint. Man kann z.B. aus 10 Sekunden mehrere Minuten bzw. sogar Stunden errechnen lassen. Die Ergebnisse sind verblüffend und lassen in der Regel keinen Schluss auf das Ausgangsmaterial zu. Das originale Sample und das Ergebnis gebe ich hier separat wieder.

boxguitar 01 jannis & felix


boxguitar 01 paulstrech


Hier nun das erste DuneTune-Stück mit der PaulXStretch-Textur:

dunetune • opening


Für das Beitragsbild habe ich der nahe gelegenen Sandgrube ein paar Fotos geschossen und angepasst.

felt gatelab

Filziges Tor-Labor heisst das heutige Beitragsstück liebevoll übersetzt. Der Name bezieht sich auf den verwendeten Piano-Klang mit dem Titel Felt Piano der Softwareschmiede Spitfire Audio. Der Klang betont die filzigen Anteile der Hämmer, die es nunmal braucht, um bei einem echten Piano durch den Anschlag der Saite den typischen Klang zu erzeugen. Klavierstimmer arbeiten oft auch als sogenannte Intonierer, indem sie durch gezielte Stiche den Klavierhämmern der jeweiligen Saite eine spezifische Dichte verleihen, der den Klang wesentlich beeinflusst. Gute Konzertflügel müssen regelmäßig in dieser Hinsicht gewartet werden.

Filz ist eines der ältesten Werkstoffe um Textilien herzustellen mit fantastischen Eigenschaften. Im Sommer kühlend, im Winter wärmend und feuchtigkeitsaufsaugend und -fernhaltend hat er seit Jahrtausenden der Menschheit wertvolle Dienste geleistet. Man kann damit alle möglichen Formen erzeugen, neben Mänteln auch Hüte und Schuhe, nur um ein paar Beispiele zu nennen. Als Ausgangsstoff wird Schafwolle hergenommen, die durch einen speziellen handwerklichen Prozess miteinander regelrecht verfilzt wird. In den letzten Jahrzehnten ist das Handwerk wieder ein bisschen in Mode gekommen, auch wenn es industriell kaum noch eine Rolle spielt. Filz eignet sich auch gut als ökologischer Dämmstoff. Daher ist es sehr unverständlich, dass sich der Verkauf von Schafswolle der heimischen Schäfer nicht mehr lohnt, denn für die Wolle, bekommen die Schäfer kein angemessenes Entgelt. Dieser wertvolle Rohstoff wird meistens entsorgt. Auf Mittelaltermärkten sieht man öfters Menschen, die das Handwerk wiederbelebt haben und Zeugnis dieses Kunsthandwerkes abgeben.

Ich hatte das Glück in meiner ehemaligen Wohngemeinschaft eine Frau kennenlernen zu dürfen, die das Handwerk der Filzerin erlernt hat. Das heutige Beitragsbild zeigt einen gefilzte Wandschmuck, den sie mir als Geschenk gemacht hat.

Trackansicht felt gatelab

Das Stück felt gatelab bringt eine Pianosequenz, die durch ein sogenanntes Modulation-Gate in seinem Ausgangspegel rhythmisch zerschnitten wird. Es reiht sich in die Stückeserie – der von mir genannten mambial Stücke – ein und ist im wesentlichen dreiteilig: Zunächst erklingt nur der Pianoklang (blau). Dieser Abschnitt wird dann noch zweimal wiederholt, einmal ergänzen Streicher (gelb) das Piano und im dritten Teil kommt eine Percussionsspur (grün) dazu. Das Stück erhält dadurch einen deutlichen IDM Charakter.

felt gatelab


funny banking

Der heutige Beitrag zeigt zwei Dinge: 1. Lachen ist gesund und 2. Manchmal reicht eine kleine Änderung, um den Dingen eine ganz andere Richtung zu geben.

Der indische Arzt Madan Kataria entwickelte im Jahr 1995 das „Hasya-Yoga“, das Yoga des Lachens, und gründete in Bombay den ersten Lachclub. Drei Jahre später rief er den ersten Weltlachtag ins Leben. Mittlerweile wird der 1. Mai als sogenannter Weltlachtag begangen. Die Teilnehmer der Clubs treffen sich in aller Frühe und beginnen einfach mit Lachen. Dies wird etliche Minuten durchgehalten. Soll sehr gesund sein! Wenn du magst, schaue dieses Video.

Vor einigen Jahren sah ich eine Werbung einer bekannten Bank. Die getroffenen Aussagen erschienen mir übertrieben seriös. Banken stellen sich gerne in einem besondern Licht dar, letztendlich ist das Betreiben einer Bank ein Geschäftsmodell und dient weniger dem Wohl des einzelnen Menschen, als vielmehr der Vermehrung des Einkommens der Bank. Banken haben auf das Weltgeschehen einen riesigen Einfluß. Kryptowährungen wurden mit dem Ansatz gegründet, den Banken das Kapitalmonopol zu nehmen. Inzwischen sind sie selber zum Spielball kapitalistischer Agitatoren geworden und verfehlen die Ziele, die ursprünglich gedacht waren. Kurzum hatte ich die einfache Idee, die Audiospur der Werbung zu manipulieren, indem ich diese um weitere Klänge – dreimal dürft ihr raten um welche – ergänzt habe. Die veränderte Werbung entfaltet eine völlig andere Wirkung als das Original.

funny banking

Die Fotografie des Geldes entstand, weil ich ausnahmsweise wegen einer besonderen Anschaffung einmal besonders viel Bargeld brauchte. Ich habe daher diesen Moment festgehalten, um auch mal meinen Kinder zu zeigen, wie eine Menge Bargeld ausschaut.

lost in the cavern

Wie ich durch einen Dialog in einer interessanten Fernsehserie – undone – erfahren habe, pflegen die Kogi Indianer aus Kolumbien eine uns zunächst sehr befremdlich vorkommende Tradition. Wenn man mehr über dieses uralte Volk erfahren hat, kann man es einordnen. Die Weisheitshüter der Kogi heißen Mamos und Sakas. Einige ihrer Babys kommen in eine dunkle Höhle, erhalten besondere Nahrung und werden bestens versorgt und ausgebildet. Erst im Alter von 9 bzw. 18 Jahren erblicken Sie zum ersten Mal das Licht der Welt. Bevor sie aus der Höhle gelassen werden erzählt man ihnen von der Natur mit Pflanzen, Tieren und Geistern. Ihre Sinne werden unglaublich gestärkt. Wenn sie dann in die Außenwelt entlassen werden, sind sie in der Lage, die Umwelt und Natur regelrecht zu spüren, ihre Lebendigkeit zu erkennen und wahrzunehmen. Danach handeln sie. Die Kogi beanspruchen für sich das uralte Wissen der Welt im Gegensatz zu allen anderen Völkern bewahrt zu haben und öffneten sich erst 1990 ein wenig anderen Völkern. Sie prophezeien eine baldige und düstere Zukunft. Wer jetzt darüber mehr wissen möchte, liest bitte diesen Artikel. Vielleicht muss die Menschheit erst wieder durch eine Zeit der dunklen Höhle gehen, damit sie erkennt, wie es gelingen kann, die Welt zu retten.

Und dies spüre ich in der letzten Zeit immer mal wieder. Jahrzehntelang gehörte ich zu den Menschen, die immer an eine besserer Zukunft geglaubt haben und sah in diese sehr optimistisch. Die Ereignisse in den letzten Jahren und die Häufigkeit von katastrophalen Ereignissen betrüben meine inneren Gefühle. Das heutige Beitragsstück ist im Grunde der Ausdruck meiner inneren Welt, die ich versuche durch das Musizieren „derational“ zu ergründen. Es verwundert nicht, dass hier ein relativ düsteres Klangstück herausgekommen ist, was diese Stimmung wiedergibt. Immerhin habe ich meine Gitarre mal wieder zur Hand genommen.

Interessanterweise lautet der Name eines Klanges, der in diesem Stück Verwendung findet „lost in the cavern“ und dies passt zu den Kogi Indianern und deren Geschichte.

lost in the cavern


Das Beitragsbild wurde 2019 in der Burgruine Hanstein in Thüringen aufgenommen. Sie gilt als eine der schönsten Burgruinen Deutschlands.

a soft murmur

Soft murmur könnte man mit „ein sanftes Murmeln“ übersetzen, wenn man dies denn so möchte. Wenn ich in meiner Tätigkeit als Medienberater Elternabende zu Jugendmedienschutzthemen organisiere, plane ich gerne Phasen für sogenannte „Murmelgruppen“ ein. Eltern bekommen Gelegenheit sich für einige Minuten in kleinen Gruppen zu einer bestimmten Fragestellung auszutauschen. Es entsteht ein leichtes „Murmeln“ im Raum.

Der Name soft murmur entstammt einer Webseite, die es interaktiv ermöglicht sogenannte Ambient-Sounds zu Entspannungszwecken miteinander zu mischen. Ich stieß neulich zufällig bei der Durchsicht von Nachrichten auf einer bekannten Internetseite – vielleicht war es der Spiegel oder die Süddeutsche-Zeitung – auf einen sogenannten Ambient-Sound-Generator. Ich konnte die Seite zunächst nicht wieder finden und habe dann mal versuchsweise „ambient sound generator“ eingeben und wurde daraufhin fündig. Ich war erstaunt, wie viele Seiten es gibt, die es ermöglichen aus einer Auswahl von verschiedenen Klängen, sogenannte soundscapes zu erstellen.

Dank dieser Linkliste könnt ihr dies mal selber ausprobieren, eure eigenen soundscapes zu mischen und zusammenzubauen.

Einen Beispielmix möchte ich hier wiedergeben. Dabei kommen die Klänge Rain, Thunder, Waves, Wind, Fire Birds, Crickets und Singing Bowl zum Einsatz:

a soft murmur


Das Beitragsbild wurde bei einer kleinen Fahrradtour in der Umgebung aufgenommen. Es handelt sich nicht um eine Montage, sondern der Rahmen steht wahrhaftig in der Landschaft.

the forestmaker

Ich wurde diese Woche spontan zu einem Dokumentarfilm in einem Programmkino eingeladen. Der dargebotene Film unter Regie keines geringeren als Volker Schlöndorff wirft einen facettenreichen Blick auf das Afrika der Sahelzone. Der junge australische Agrarwissenschaftler Tony Rinaudo kommt mit seiner Familie 1981 in den Niger und hilft etlichen LandwirtInnen bei der Aufforstung der verkarsteten Landschaften. Nach vielen Jahren des Misserfolgs kann er endlich Afrikaner für seine natürlichen Beschattungsprojekte gewinnen und hilft die Lebensgrundlage vieler Menschen deutlich zu verbessern. Für sein Engagement erhält er 2018 den alternativen Nobelpreis. Er kehrt dann Jahre später zurück in den Niger und in die Sahelzone. Dort trifft er alte Bekannte und Freunde wieder. Darüber berichtet der Film. Der Film DER WALDMACHER hat mich sehr beeindruckt und ich möchte hier eine Empfehlung aussprechen.

Ganz unter dem Eindruck des Filmes habe ein kleines Stückchen komponiert, welches verschiedene afrikanische Instrumente, wie Kora, Bolon, Balafon, Dunun und Calabash verwendet. Vorletzte Woche habe ich mit einem befreundeten Musiker einen sogenannten Sampleday veranstaltet. Ein Sampleday ist ein Tag, bei dem man gemeinsam Klänge aufnimmt und diese dann weiterverarbeitet. Dazu in Zukunft in einem anderen Beitrag mehr. Der Klang eines afrikanischen Instrumentes, eine Art Harfe, man nennt diese Adungu , dient in diesem Stück als Bassklang und eine Abbildung dieses Instrumentes liefert auch das Beitragsbild.

Gleichzeitig wurde in dieser Woche ein neues Instrument meiner Musiksoftware reasonstudio eingeführt. Es handelt sich um einen sogenannten Vocoder, der Stimmen mit einer Trägerfrequenz vereint und interessante vokale Spielarten zulässt. Dieser Vocoder kommt für verschiedene afrikanische Gesänge bei dem Stück zum Einsatz und ich widme natürlich das Stück dem bemerkenswerten Mann Tony Rinaudo, auch bekannt als der Waldmacher.

the forestmaker


bladerunner mournful heart

Mit schwermütigem Herz – wie der Titel verrät – beende ich die Bladerunner Serie, die nunmehr aus neun Titel besteht. In den nächsten Wochen werde ich die Stücke zu einem neuen Album zusammengefasst auf den gängigen Streamingdiensten veröffentlichen. Der Titel beschreibt einerseits den leichten Schwermut, den ich bei der Beendigung dieser Konzeptarbeit habe und andererseits auch wieder einem Soundnamen eines virtuellen Instrumentes, welches letztendlich namengebend war. Andererseits gibt der Titel die Stimmung des Stückes ziemlich gut wieder und dies passt wiederum zu der Idee der fiktiven Filmmusik zu einer Bladerunner Fortsetzung, die noch nicht produziert wurde.

Das Stück beginnt mit nichttonalen Klangspuren, die von Flächenklängen abgelöst und dann von einer perkussiven Sequenz untermalt werden. Gelegentlich deuten sich Motive an, die ihrerseits durch einen Chor eine klangliche Tiefe erlangen. Das Stück endet mit den gleichen Sounds, die auch den Anfang bildeten.

bladerunner mournful heart


Das Beitragsbild basiert auch auch diesmal wieder auf einer Aufnahme innerhalb des Erfurter Danakils, wo eine Wüstenlandschaft museal abgebildet wurde.

when dark turns light

Das Osterfest gilt als das höchste Fest der Christen. Wie auch zum Weihnachtsfest vermischen sich nichtchristliche mit christlichen Bräuchen. (Letztes Jahr habe ich auch zur Osterzeit dazu einige Gedanke in dem Blogbeitrag go east[er] dargelegt.) In mancher Hinsicht wird allerdings ein gemeinsamer Gedanke gepflegt. Der Gedanke der möglichen Transformation. Im Christentum stirbt zunächst der Sohn Gottes am Karfreitag und wird dann am Ostersonntag als unsterbliche Seele wiedergeboren. Das Beispiel Jesu Christus soll die Möglichkeit aufzeigen, dass sich der Mensch in einen höheren Zustand verwandeln kann. Dieser Gedanke der Transformation wohnt vielen Religionen und anderen Geschichten inne. Vor ein paar Tagen stieß ich auf einen Artikel im Internet bei ntv, der sich mit der Bedeutung und den kulturellen Bräuchen des Osterfestes beschäftigt. Interessant war in diesem Zusammenhang zu lesen, dass der Brauch des Osterhasens erst im 17. Jahrhundert aufkam und demnach relativ jung ist, hingegen die Eiersymbolik schon bis auf das Urchristentum zurückgeht bzw. in nichtchristlichen Traditionen schon sehr lange eine bestimmte Bedeutung hatte.

Musik kann bisweilen auch spirituelle Gefühle bedienen oder sogar spirituelle Beschäftigungen unterstützen bzw. begleiten. Insbesondere die indische Musiktraditionen haben eine besondere Wirkung auf mich. Musikalische Schnittstellen zwischen indischer und westlicher Musik haben mich schon immer sehr fasziniert und ich möchte diesmal auf das Stück des letzten Mahavishnu Orchestras when blue turns gold aus dem Jahre 1984 verweisen, was diesmal als Referenzstück fungiert. Referenzstücke sind für mich Stücke, auf die sich manche meiner Kompositionen beziehen, die ich sozusagen im Hinterkopf habe, wenn ich an bestimmten Ideen arbeite oder mich während der Entdeckung von Motiven an ganz bestimmte Stimmungen erinnern. Referenzstücke begleiten mich mit großem Anteil bei meinem kreativen Prozess, der oft intuitiv funktioniert.

when dark turns light


Das Beitragsbild zeiht eine Dämmerungssituation am frühen Morgen an meinem Wohnungsort.

colored market

Dem geneigte Leser dieses Blogs ist es nicht entgangen, dass ich eine Vorliebe für Wheather Reports Stück black market habe. Von Zeit zu Zeit versuche ich mich der Stimmung dieses Stück ein wenig musikalisch zu nähern. Black market beginnt mit einem Soundscape eines afrikanischen Marktes. Ich habe bei meinem heutigen Beitragsstück die Nebelhörner des in Soundscape-Kreisen berühmten Stückes Horns & Whistles der Vancouver Soundmark-Reihe als Einleitung und am Ende benutzt, um der Form gerecht zu werden.

Der Soundscape ist ein akustisches Zeitzeugnis längst vergangener auditiver Eindrücke, denn durch moderne Navigationsmöglichkeiten, wie zum Beispiel die Verwendung von GPS Systemen, braucht es keine Nebelhörner mehr, um Schiffe durch Nebelbänke zu navigieren.

Das Stück hat ein variantenreiches Hauptthema, welches durch verschiedenen Synchronläufe umrahmt wird. Die Motivlinien werden durch die Mischung von Saxophon-Klängen und einer vocoderartigen Spur organisch. Bei Interesse sind weitere „Market“-Stücke nachzuhören: yellow market und grey market. Das Stück erinnert ein wenig an Stücke des Soloalbums von Joe Zawinul Dialects.

colored market


Das Betragsbild wurde 2012 während eines Besuches eines mallorquinischen Marktes aufgenommen und mit einen Sketchprogramm analogisiert.

feel the funk

Als ich kürzlich bei einem Ebaykleinanzeiger-Verkäufer aufkreuzte, um einen Kauf abzuschließen, fotografierte ich einen verrosteten Oldtimer, der laut Angaben des Verkäufers eigens zu Deko-Zwecken in dem Vorgarten platziert wurde. Ich kann nicht sagen, um welche Automarke es sich handelt, aber man wird direkt an ältere Zeiten erinnert, wenn man dieses Ausstellungsstück betrachtet.

Musik aus früheren Zeiten werden gerne heute als Retro bezeichnet. Als ich einen guten alten Freund vor zwei Wochen besuchte, erzählte er mir von dem dänischen Film Der Rausch, der einige Aufmerksamkeit erregt hat. Mehrere abgehalfterte Lehrer erklimmen pädagogische Höhenflüge, indem sie sich bewusst mit kontrollierten Dosen von Alkohol in dienliche Stimmungen versetzten und ernten mit dieser Methode vor allen Dingen auch bei ihren Schülern erstaunliche Erfolge. Teilweise wird während des Films die Musik der Funk-Fusion Band The Meters verwendet. Mein Freund spielte mir aus einer CD Kompilation mehrere Stücke der Gruppe vor und ich bin extrem begeistert von dieser Musik. Das Stück Cissy Strut ist wohl sehr bekannt und ist auf ihrem ersten Album 1969 erschienen. Wie ich finde ein extrem wegweisendes Werk, was für seine Zeit als unglaublich innovativ einzustufen ist. Irgendwie ist diese Gruppe bisher weitestgehend unter meinem Radar geblieben und ich habe mich dank meines Freundes sehr gefreut, diese Gruppe finden zu dürfen.

Wenige Tage später fand ich auf meiner Festplatte eine Aufnahmesession mit mir selbst aus dem Jahr 2018, die eigentlich auch ein Retrofunk-Stück ist. Ergänzt mit ein paar Gesangslinien habe ich es fertig gemischt und diesem Beitrag zugeordnet. Viel Spass beim Hören!

feel the funk


silent djembe • quiet africa

Ich war sehr erstaunt als ich vor einigen Wochen im Flur eines Freundes dieses ungewöhnliche Instrument entdeckte. Eine „silent djembe“ war mir noch nicht untergekommen. Normalerweise ist das Ziegen-Fell einer Djembe Trommel an der Spielfläche rasiert, damit der klare Trommelklang besser wirken kann. Hier war es anders. Schnell entwickelte sich der Gedanke ein Stück zu diesem Thema zu komponieren und in Form des Albums „quiet africa“ auszubauen. Dabei kamen dann doch aber Djembe mit dem gewohnten Fell zum Einsatz.

Drum & Hand Free Stock Photo - Public Domain Pictures

Africa ist natürlich gar nicht „ruhig“ und „still“, wenn man die afrikanische Zivilisation betrachtet. Besonders was ist die Entwicklung des Rhythmus allgemein betrifft, hat es afrikanische Musik zu besonderer Ausprägung gebracht. Wie auf keinen anderen Kontinent ist afrikanische Musik sehr oft ohne Bewegung und Tanz für die Afrikaner schlichtweg nicht vorstellbar. Wenn ich mit meinen Schülern über die Elemente der Musik spreche, verdeutlichte ich gerne die Verbindung des Elements Rhythmus mit dem afrikanischen Kontinent, obwohl ich mir natürlich klar darüber bin, dass es sich hier nur um ein vereinfachtes Stereotyp handelt, an dem allerdings ein bisschen etwas dran ist. Gleichwohl könnte man die kunstvolle Melodik dem asiatischen Raum und die meisterschaftliche Verwendung der Harmonie dem europäischen Kontinent zuordnen.

silent djembe • quiet africa

chicken song

Neulich verirrte sich abermals ein Huhn auf die Straße. Beheimatet beim unmittelbaren Nachbarn, gelingt es vereinzelten Tieren ihren Hof zu verlassen und ihre Neugierde und Neigung zur Futtersuche auf die nähere Umgebung auszuweiten. Wir haben auch schon gelegte Eier in unserem Vorgarten gefunden. Sie schmeckten köstlich.

Hühner geben interessante Geräusche bzw. Gesänge von sich. Die Mär vom dummen Huhn ist weit verbreitet, sollte aber längst Geschichte sein. Hühner können zum Beispiel auf die Entfernung bis zu hundert Menschen unterscheiden und sich an sie erinnern. Ich konnte dies selber erleben, als meine Kinder im Rahmen eines Schulprojektes drei kleine Küken zur Aufzucht mit nach Hause brachten. Nachdem die Tiere erwachsen waren und sie woanders untergebracht werden mussten, erkannten sie meine Tochter noch nach vielen Monaten, wenn sie besucht wurden.

Das Huhn des Beitragsbildes veranlasste mich aus Hühnergesängen ein kleines Stück zu basteln. Bei manchen Samples, die ich verwendet habe, bin ich mir nicht sicher, ob es sich wirklich um eine Originalaufnahme handelt, am Anfang und am Ende des Stückes hören wir auf jeden Fall eine solche.

Das Thema Hühner findet sich auch im Bereich der klassischen Musik wieder. Viele kennen die geniale Komposition von Modest Mussorgsky in seinem Werk Bilder einer Ausstellung mit dem Titel Ballett der Küchlein (Küken) in ihren Eierschalen und Camille Saint-Saëns Hühner und Hähne aus dem Karneval der Tiere.

Im Netz findet man schnell bei Youtube auch andere Stücke, die mit Hühnerklängen arbeiten und sich großer Beliebtheit erfreuen. Es handelt sich bei meinem Stück nicht um eine Coverversionen des von Pee Wee Ellis komponierten und von Jaco Pastorius gecoverte Stück the chicken, was durch die Coverversionen große Berühmtheit erlangt hat.

chicken song


do you hear me?

Ich glaubte eigentlich Präsident Putin rasselt nur mit dem Säbel und würde niemals einfach in die Ukraine einmarschieren. Ich wollte gerne glauben, was Frau Wagenknecht kürzlich noch zum Besten gegeben hatte, aber auch sie wurde eines Besseren belehrt, wie sie allerdings selber einräumte. Ich kann mich noch an die Rede von Putin im deutschen Bundestag im September 2001 erinnern und hätte es gut gefunden, Putin die Hand zu reichen. Ich weiß auch noch wie ich mir wünschte mit Russland zu einer umfassenden Versöhnung und Zusammenarbeit zu kommen. Aus vielerlei Gründen ist es ja anders gekommen – es ist Geschichte – und man weiß nicht, ob sich Putin möglicherweise durch Hass- und Rachegefühle in den letzten Jahren stark in Richtung eines Despoten verändert, oder ob er schon lange an seinem Expansionsplan gearbeitet hat. Der Einmarsch der Russen in die Ukraine stellt jedenfalls eine enorme Zäsur in der Nachkriegszeit für Europa dar. Plötzlich ist das militärische Kriegsdenken und alles was damit zusammenhängt wieder in den Köpfen. Deutschland wird über Nacht zu einer Miltitärmacht bzw. möchte jetzt schlagartig wieder dahin kommen. Schlimmer noch, ein Atomkrieg scheint wieder wahrscheinlicher zu werden.

In Großstätten hat man Bunkeranlagen errichtet, die das Überleben von nach einem atomaren Schlag mindestens für 20 Tage sichern sollen. Wenn aber alles für zehntausende von Jahren verstrahlt und zerstört ist, nützt dies reichlich wenig. Daher fehlt mir in diesem Zusammenhang das logische Verständnis für die Prepper-Bewegung. 2016 konnten wir die Bunkeranlage unter dem Kuhdamm in Berlin besichtigen. Von diesem Besuch stammt die Aufnahme eines Lichtschalters, die erstaunlicherweise den Nationalfarben der Ukraine entspricht und hier als Beitragsbild fungiert. Der besuchte Bunker dient nur noch musealen Zwecken.

Zu Recht nimmt ein beachtenswerter Anteil der europäischen Bevölkerung Anteil an dem Schicksal und solidarisiert sich mir der Ukraine. Dabei kommt heraus, dass anscheinend die Ukrainer den Europäer näher sind, als es die Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan waren bzw. sind. Ich gehöre zu den Menschen, die noch immer glauben wollen, dass es auch eine nichtmilitärische Kraft gibt, die Kriegshandlungen beeinflussen können und finde es durchaus nützlich und notwendig, wenn Menschen ihre Stimmen erheben, demonstrieren und für den Frieden werben, um geistig zu wirken. Die Ukrainer haben sich entschieden mit Waffen zu kämpfen und sich nicht kampflos dem Feind zu ergeben. Diese Entscheidung kann man nachvollziehen. Ich hätte aber einen waffenlosen Widerstand für sinnvoller gehalten, um die Tötung von Menschenleben und die Zerstörung von Städten zu vermeiden. Die Ukraine wird sowieso in absehbarer Zeit und möglicherweise zeitlich begrenzt an die Russen fallen, ob bis dahin die zahllosen Opfer und die grauenvollen Zerstörungen etwas ändern, wage ich zu bezweifeln.

Das Stück „do you hear me?“ solidarisiert sich mit allen, die ihre Stimme erheben und sich für Lösung der Konflikte mit nichtmilitärischen Mitteln einsetzen. Diese Stimmen sollen in Russland, im Kreml und in der ganzen Welt gehört werden.

do you hear me?


klüngelskerl

Wer kennt sie nicht, die Melodie, die ertönt, wenn Schrotthändler mit älteren Lieferwagen durch das Dorf fahren? Dann hört man schon von Ferne immer eine bestimmte Melodie, die als Klüngelskerl-Melodie bezeichnet wird und landbekannt ist. Gerade die letzten Tage hörte ich die Wagen fast täglich. Vornehmlich in Nordrhein-Westfalen wird ein fahrender Schrotthändler als Klüngelskerl bezeichnet.

Wer die Melodie komponierte, ist unklar. Da die Händler bisweilen sehr häufig durch die Ortschaften kurven, werden sie lokal als Plage empfunden und mancherorts Verbote ausgesprochen. Der Schrotthändler braucht einen Gewerbeschein und eine Betriebserlaubnis für seinen Lautsprecher. Verschiedene Zeitungsberichte geben darüber Auskunft.

Um der Melodie einen klanglich metallenen Anstrich zu verleihen, habe ich die Melodie mit rhythmisierten Samples der Schülerkomposition „metal dreams“ unterlegt, die 1994 den ersten Preis des Kompositionswettbewerbs zu Neuer Musik „ear sinn“ des Hessischen Rundfunks in Zusammenarbeit mit der DAK in der Kategorie Kompostion gewonnen hatte. Damals zogen wir zu einem Schrottplatz aus und fertigten aus den mitgebrachten Metallteilen verschiedenste Instrumente. Aus Aufnahmen der erzeugten Klänge arrangierten wir in einem der ersten Sampler der Marke Akai S612, die im Heimbereich erschwinglich waren, unser Teilnahmestück.

klüngelskerl


Hier die ursprüngliche Komposition „metal dreams“.

metal dreams


Das Beitragsbild zeigt einen Klüngelskerl-Lieferwagen, wie er bei uns im Sommer zu sehen und zu hören war.

the last speculoos

Es gibt immer diesen einen bestimmten Tag im Jahr, der bis zur Vorweihnachtszeit eine betrübliche Zensur hinterlässt. Ich lege mir einen ordentlichen Vorrat an Spekulatius einer ganz speziellen Sorte an, der dann natürlich irgendwann verbraucht ist. Der Tag definiert sich durch den Verzehr des letzten verfügbaren Spekulatius und löst bei mir eine betrübliche Stimmung aus. Die Komposition dieses Beitrags drückt diese Stimmung in Ansätzen aus.

Das Stück bringt eine kleine minimalistische Klavierkomposition in zwei Varianten. Einmal der reine Klavierklang und die zweite Version hat noch eine sogenannte Soundscape bzw. Ambient-Spur dazu gemischt, wodurch die Musik auf einmal in einer Yoga & Mediation Playlist auftauchen könnte. Wenn es um den reinen Klavierklang geht, dann wäre dies ein klassisches Instrumentalstück. Mische ich Ambient Klänge dazu, dann verwandelt sich das ganze in etwas Meditatives und es wird sozusagen funktionale Gebrauchsmusik. Ähnliche Überlegungen wurden schon in dem Beitrag water therapy vorgebracht. Wo bei wir bei der Frage währen, was denn die Einteilung in sogenannte Ernste-Musik und Unterhaltungs-Musik rechtfertigt, die die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA), vornimmt. Man könnte sagen, dies ist eine dämliche Einteilung. Wirtschaftlich ist dies aber von großer Bedeutung für die KomponistInnen, denn für ernste Musik bekommt der Künstler viel mehr Ausschüttung, als für Unterhaltungsmusik. Einerseits würde eine Aufführung einer ernsten Komposition z.B. im Radio eine größere Ausschüttung nach sich ziehen, andererseits wird ernste Musik viel weniger als Unterhaltungsmusik im Radio gespielt.

Das Stück „the last speculoos“ basiert auf einer simplen Akkordfolge, die Jonny May in einer seiner Klavier Instruktionen vorgeschlagen hat. Interessanterweise kategorisiert er die Akkordfolge der Tonart C zugehörig und beziffert die Akkordfolge basierend auf dem Dreiklang C in sogenannter Stufenschreibweise. Dabei würde der Gm Dreiklang auf der V Stufe in C Dur normalerweise gar nicht auftauchen, ganz zu schweigen von einem Bb Dreiklang. Hier müsste man schon etwas mehr ausholen, um die Verwandtschaft dieser Klänge in Beziehung zu der Tonart C Dur zu setzen. Die Jazzer bezeichnen so etwas als modal interchange. Bezieht man allerdings die Klänge auf die Tonart F Dur, ergibt sich eine übliche Zuordnung zu den Stufen der Tonart.

the last speculoos (classic edit)

the last speculoos (yoga edit)


Das Beitragsbild zeigt wahrhaftig den letzten von mir mit Genuss verspeisten Spekulatius dieses Winters, allerdings ins All befördert …

chipstuned

Kartoffelchips sind die beliebtesten salzigen Knabberartikel der Deutschen. Im Jahr 2021 wurden ca. 125.000 Tonnen Chips produziert. Im Durchschnitt werden ca. 900g Knabberartikel pro Kopf der Bevölkerung konsumiert, dies wären dann fast fünf Tüten Chips im Jahr. Klingt erstmal wenig. Da man aber bedenken muss, dass manche gar keine Chips zu sich nehmen, sieht die Statistik für einzelne Personen schon wieder ganz anders aus.

Der Titel des heutigen Beitrages ist ein kleines Wortspiel: Aus „chiptune“ wurde „chipstuned“. Chiptune steht ja bekanntermaßen für eine Musikrichtung, ein Genre, welches 8-bit Klänge älterer Spielhöllenautomaten und längst totgeglaubter Heimcomputer als Klangideal verwendet. Chiptune Musik hat weltweit eine große Fangemeinde vor allen Dingen in Japan und USA sowie in der Gamer-Szene. Ich möchte an dieser Stelle gerne an meinen ersten Ausflug zu diesem Genre erinnern: little chiptune.

Das Stück chipstuned bedient sich solcher Klänge und erinnert auch an die oben angesprochene Musikszene. Geholfen hat mir dabei der neue Bassline Generator meiner Musiksoftware reasonstudio, mit dem man spielerisch schnell zu bestimmten Effekten und Linien kommt. Fehlen darf auch nicht der Klang von gerade verzehrten Chips, der hier als Intro und Outro dient. Ganze Sounddesigner-Mannschaften werden von großen Lebensmittelfirmen beauftragt, den passenden Klang beim Öffnen von Chipspackungen und beim Verzehren von Chips zu erzeugen. Dazu gibt es einen schönen Beitrag vom Deutschlandfunk Nova.

chipstuned


Passend zum Thema heute ein paar Kartoffelchips drapiert auf einem Keyboard.

indian horns

Neulich bin ich in der SZ-Rubrik Bester Dinge auf einen bemerkenswerten Artikel gestoßen. Der indische Verkehrsminister hat verkündet, dass die Autohupen in seinem Land mit Klängen indischer Instrumente ersetzt werden sollen. Dies würde das Klangbild indischer Großstätte erheblich verändern. Bekannterweise wird in asiatischen Ländern erheblich mehr gehupt, als es bei uns üblich ist.

Ganz abwegig ist dieser Gadankie wirklich nicht. Namhafte europäische Autohersteller sind aktuell dabei ihre soundbrandings der wachsenden Elektroautoflotten auditiv völlig neu aufzustellen. BMW hat sich dabei sogar die kompetente Unterstützung eines Hans Zimmer eingekauft, der mit vollem Einsatz an dieser Idee mitarbeitet.

Ich biete heute zwei Soundscapes im Vergleich an. Das erste Stück lässt eine Zufallswahl von Hupenklängen diverser Autos über einer Verkehrstextur erklingen. Beim zweiten Soundscape werden die Hupenklänge von Klängen indischer Instrumente ersetzt. Vielleicht erhält man eine Idee der Vision des indischen Verkehrsministers.

indian horns (horn version)

indian horns (instrument version)


Das Beitragsbild ist eine verfremdete Aufnahme von verschiedenen Spielzeugsautos mit einem Hintergrund eines Straßenspielteppichs. Leider war ich noch nie in Indien und hatte noch keine Gelegenheit, dort den Verkehr zu fotografieren.

water therapy

Die Musikwissenschaftler beschäftigen sich unter anderem damit Musik zu kategorisieren. Je nach Betrachtungswinkel gibt es unterschiedliche Systeme mit denen man unterschiedliche Aussagen treffen kann. Zu Zeiten der sogenannten Wiener Klassik im 19. Jahrhundert wurde gerne zwischen absoluter und programmatischer Musik unterschieden, später kam die Kategorie der funktionalen Musik dazu.

Die absolute Musik lebt in sich selbst und dient keinem Zweck. Die Musik spricht für sich, wie beispielsweise Sinfonien Mozarts. Der programmatischen Musik unterstellt man ein Programm, ein Bild oder eine Geschichte an der die Musik angelehnt ist. Man denke da zum Beispiel an Edvard Griegs Peer Gynt Suite. Die funktionale Musik dient einem bestimmten Zweck. Filmmusik gehört in großen Teilen bestimmt zu dieser Gruppe, auch wenn Grenzen fließend sind. Suche ich Musik bei bestimmten Streaming-Diensten, kann ich zum Beispiel die Kategorie „Yoga & Meditation“ auswählen. Es gibt Musiker, die ganz genau für solche Zwecke ihre Musik produzieren. Dies gibt es schon seit den 30er Jahren, als sogenannte MUZAK Musik für bestimmte Zwecke produziert wurde; beispielsweise für Aufzüge und Supermärkte.

Das Stück „water therapy“ würde auch in die Kategorie „Yoga & Mediation“ passen, zumindest fast, und bedient wieder meine sogenannte mambial-music.

water therapy


Das Beitragsbild zeigt ein selbstgemaltes Bild meiner Tochter, welches gut zum Stücke-Titel passt.

the number is not available

Es gibt bestimmte Entwicklungen, die werden als sogenannte Sprunginnovationen bezeichnet. Sprunginnovationen sind meistens bestimmte Erfindungen, die einen enormen Wandel in der Gesellschaft hervorbringen können. Die Erfindung des Buchdrucks ist eine der bekanntesten aus dieser Liste und es wird auch keiner bezweifeln, dass die Erfindung des Telefons mit dem Vorläufer des Telegraphen eine solche Innovation darstellte, konnten die Menschen sozusagen nunmehr mit ihrer Stimme auf Reisen gehen. Vorher war die Infomationsvermittlung nicht schneller als das schnellste Pferd mit Reiter, wenn man mal von Rauchzeichen, Brieftauben, Lichtzeichen und der Kommunikation mittels der Pfeifsprache El Silbo auf Gomera absieht. Die Integration des Telefons in einen Hosentaschen großen Mikrocomputer in Forms eines Smartphones stellt eine weitere Sprunginnovation dar.

Rafael Laguna, der Chef der relativ neuen Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND verrät in einem sehr lesenswertem Interview, warum die Gesellschaft die liebevoll bezeichneten HIPOS – was für „High Potentials“ steht – braucht und welche Anreize diese bekommen müssen. Dabei entlarvt er die selbstverliebten Eigenansichten der Hipster aus dem Silicon Valley – denn nicht jede gepriesene Innovation ist auch gleichzeitig eine Sprunginnovation – und berichtet über eine Liste des „The Atlantic“ der 100 wichtigsten Sprunginnovationen, die aufgrund von Befragungen zusammen getragen wurde.

Das heutige sounddesign stellt die wunderbaren Geräusche des Telefons in den Mittelpunkt, die mit der Benutzung die auditive Welt in diesem Bereich maßgeblich geprägt haben. Es sind Geräusche, die das Telefon beim Wählen von sich gibt bzw. gab und die wundervollen Signale, die uns akustisch anzeigen, ob wir auf den Verbindungsaufbau warten oder der Teilnehmer als besetzt markiert wird bis hin zu automatisierten Ansagen. Die Geräusche wurden auch diesmal wieder auf der Seite freesound.org mit einer einfachen Suche nach telephon ring zusammengetragen und mittels generativen Prozessen und Zufallsgeneratoren miteinander verknüpft. Hierzu die Wortwolke auf der freesound.org Seite.

the number is not available


Das heutige passende Beitragsbild habe ich abermals im Freilichtmuseum Hessenpark in einem Gewächshaus „gefunden“.

bladerunner quadragrainic world

In einem Forum tauchte neulich die Frage auf, wie man denn für einen neuen Song einen geeigneten Namen finden könnte. Über einen Titel-Generator hatten wir ja schonmal gesprochen. Dies kann man bei dem Beitrag sad will lead the way nachlesen. Für einige der letzten Songs habe ich einfach den Namen eines Sounds, den ich verwendet habe, ausgewählt. Und man muss wirklich konstatieren, dass die Sound-Bastler in dieser Hinsicht sehr kreativ sind. Auch für das heutige Stück habe ich den Namen eines Sounds benutzt, der für das vorliegende Stück charakteristisch ist.

Den heutige musikalische Beitrag zu meinem in baldiger Zukunft zu veröffentlichen Bladerunner Album würde in der aktuellen Jugendsprache als „episch“ bezeichnet werden. Viele Jugendliche sind sich der eigentlichen Bedeutung des Wortes nicht bewusst, sondern bei ihnen wird das Wort eher für „dramatisch“ oder „opulent“ benutzt. Dabei bezeichnet episch mehr die ausführliche Länge eines erzählenden Werkes und grenzt ursprünglich gegen das Drama, also eine Handlung auf einer Bühne, ab, wobei der ausschweifende Charakter durchaus gemeint sein kann.

Mein Stück heute ist auch eher episch im eigentlichen Sinne und unterstreicht durch die schleppende Akkordfolge mit sphärischen Stringsounds und einer klassischen erweiterten Kadenzform durch die Folge C D Em | Am G F#m Em | G F#m Em | diesen Charakter. Ich kann mir das Stück sehr gut als finalen Song meines virtuellen Bladerunner Nachfolgefilms vorstellen, der bis in den Abspann hineinreicht.

bladerunner quadragrainic world


Auch diesmal habe ich den Ausflug ins Erfurter Danakil benutzt und aus dem Wüsten-Abschnitt der Stätte ein passendes Bild für das heutige Stück und die Bladerunner Thematik ausgewählt.

mercury voyager

Im Jahr 1977 startete die NASA zwei Voyager Sonden, um weit von der Erde entfernte Planeten unseres Sonnensystems wie Saturn, Jupiter (die beiden Riesen), Uranus und Neptun zu erkunden. Es sollte eine der erfolgreichsten Missionen der NASA werden. Noch heute besteht Kontakt zu den Sonden, die faktisch unser Sonnensystem verlassen haben. Dabei muss man bedenken, dass die Grenze, wo unserer Sonnensystem eigentlich endet, natürlich reine Abmachungssache ist. Man kann aber zumindest sagen, dass die Sonden über die Umlaufbahn des Planeten Pluto, der ja gemäß des bestehenden Protokolls eigentlich nicht mehr als Planet eingestuft wird, hinaus geflogen sind und neben einer anderen Sonde damit zwei Objekte sind , die von Menschenhand geschaffen sich am weitesten von der Erde entfernt haben. Wer mehr darüber erfahren möchte, schaut sich diesen sehr gut gemachten Artikel vom Wissenschaftsjounalisten Friedrich List an. Hier sieht man auch eine Reihe von Aufnahmen, die die beiden Sonden zur Erde gefunkt haben.

Die Voyager Sonden erlangten Berühmtheit, weil sie jeweils eine goldene Schallplatte – golden record – dabei haben, die Zeugnis von der Existenz und Kultur der Menschheit geben soll, falls diese jemals mal von intelligenten außerirdischen Bewohner gefunden würde. Dazu wurde von einem schlauen Team ein einfach zu entschlüsselnder Code erfunden und damit Musik, Bilder, Texte und gesprochene Textnachrichten in mannigfaltigen Sprachen codiert. Man hat seitens der Musik unter anderem Bach, Beethoven, Mozart, sowie eine Aufnahme von Chuck Berry beigelegt, neben einer Reihe von Volksmusik verschiedenster Völker der Erde. Mich wundert, dass keine Jazzmusik in der Auswahl zu finden ist.

Die Audiobotschaften – Grußworte in 55 Sprachen, die frei gewählt werden durften, hat das Duo Falkfest 2002 bei dem Stück mercury vojager im Stil eines 4 to the floor beats verwendet und an die Mission erinnert. Der Name mercury voyager stammt von einem amerikanischem Auto, welches die für die damalige Zeit typischen „Raketen-Flügel“ hatte. Übrigens hieß das erste Weltraumprogramm der NASA auch mercury. Mercury war ursprünglich ein beliebter Name für große Segelschiffe verschiedenster Flotten.

mercury voyager


Das Beitragsbild ist diesmal ausnahmsweise keine eigene Fotografie, sondern eine zur freien Verwendung herausgegebene Abbildung der erwähnten goldenen Scheibe (golden record).