signaltower of hope

Als 1992 anlässlich der dokumenta IX der afrikanische Künstlers Mo Edoga seinen Signalturm der Hoffnung aus Schwemmhölzern auf dem Friederichplatz in Kassel errichtete, ahnte keiner, dass das letzte Stück Holz dieses vergänglichen Kunstwerkes seit 1992 hier in unserem Dorf vor dem Hause steht und uns in den warmen Monaten des Jahres als ausgezeichnete Bank dienlich ist. Die Kinder entdeckten das Kunstwerk in Kassel schnell als außergewöhnliche Klettergelegenheit, was den Veranstaltern und der Stadt Kassel nicht gefiel. Der Signalturm wurde zunächst wegen der Sicherheit abgesperrt und sollte dann abtransportiert werden. Unsere damalige WG durfte sich bedienen und wir konnten mit dem Holz des Kunstwerkes einen Winter lang die Öfen des Fachwerkhauses heizen. Das große Holzblock blieb übrig. Ich finde, es wurde jetzt mal Zeit diesem außergewöhnlichen Stück Eichenholz ein Musikstück zu widmen. Dabei habe ich überwiegend Klänge benutzt, die an Xylophone erinnern.

signaltower of hope

Das Beitragsbild zeigt das erwähnte Stück Eichenholz vor dem Haus.

sonntagmorgen

Heute mal wieder seit langem ein klassischer Soundscape. [Wenn man die Kategorien benutzt, kann man alle soundscapes dieses blogs schnell finden.] Ich saß letzten Sonntagmorgen ein paar Minuten an der Bushaltestelle, weil mir aufgefallen war, dass es im Dorf außerordentlich ruhig war. Die in der nähe gelegene Autobahn verhielt sich einigermaßen zurückhaltend, obwohl man das Grundrauschen der Autobahn immer noch heraushört. Dies kommt bevorzugt an Sonntagvormittagen vor, wenn die Menschen noch nicht mit ihren KFZ in der Gegend herum fahren. Die Vögel waren gut zu hören. Ich bin leider kein Vogelstimmenexperte und kann nicht sagen, um welche Vogelarten es sich handelt. Aber vielleicht erkennst du ja sofort eine Art und teilst mir das mit?

Ich habe zwei Aufnahmen durchgeführt: 1. Mit einem iPhone SE und 2. mit einem ZOOM H2n Handy Recorder. Grundsätzlich ist es unglaublich, mit welcher Aufnahmequalität Aufnahmen heutzutage möglich sind. Ich kann mich noch gut an Zeiten in meiner Jugend erinnern, da zogen wir mit SONY Walkmans – also auf Compact-Kassette basierende Systeme – los, die aufgrund ihrer Technik natürlich noch enorm viel mit dem Thema „Rauschen“ zu tun hatten. Ein UHER Tonband hätten wir gerne benutzten wollen und die digitalen Aufnahmesysteme standen noch nicht zur Verfügung. Einige Jahre später kamen die ersten MD Recorder mit Aufnahmefunktion heraus. Diese eigneten sich hervorragend um rauschfreie Aufnahmen zu machen, waren aber empfindlich und zunächst natürlich auch sehr kostspielig.

Das iPhone nimmt ohne ein zusätzliches Ansteckmikrofon nicht in Stereo auf. Die Aufnahme wurde manipuliert, so dass wir hier ein Pseudostereo hören. Beide Aufnahmen wurden leicht mit einem Equalizer behandelt und mit ein bisschen zusätzlichem Raumklang versehen.

sonntagmorgen 1

sonntagmorgen 2

Das Beitragsbild zeigt eine Heckenrosenknospe nah des Aufnahmeplatzes.

old time funk

Funk ist ursprünglich eine Musik afroamerikanischer Musiker. Dabei handelt es sich um eine Spielart der Soulmusik, die wiederum Einflüsse aus Jazz, Rhythm & Blues und Rock ´n´Roll verarbeitete. Funk beeinflusste stark auch moderne Spielarten wie HipHop und House. Funk und Fusion bzw. JazzRock liegen teilweise eng beieinander.

Über Funk lässt sich nachlesen:

Die Bedeutung des Begriffes „Funk“ geht auf afroamerikanischen Slang der 1950er Jahre zurück, in dem „funky“ ein Synonym für „erdig“, „schmutzig“ oder auch „erregt“ war. Die anfängliche Bedeutung des Wortes war Rauch, schlechter Geruch. Erstmals im Zusammenhang mit afroamerikanischer Musik erscheint der Begriff um 1900 in einem (in Aufnahmen nicht überlieferten) Proto-Jazz-Stück von Buddy Bolden, das, der Überlieferung nach, entweder den Titel „Funky Butt“ oder aber „Buddy Bolden’s Blues“ hatte (von einem festen Titel ist für diese Zeit nicht auszugehen), wobei sich das „funky butt“ (stinkiger Hintern) im Text auf die schweißgetränke Atmosphäre in den Tanzlokalen bezog, in denen Boldens Band aufspielte.

wörtlich zitiert aus dem Wikipediaeintrag zu Funk

Der heutige „snapshot“ ist rhythmisch auch nicht „ganz sauber“, zwar schön synkopisch und rhythmisch treibend, aber nicht 100% exakt gespielt und daher ein wenig „dreckig“, ganz nach der Wortbedeutung des Wortes „funky“. Tipp: Das Stückchen direkt mehrmals hintereinander hören, denn der bald einsetzende Sologitarrenpart entpuppt sich dann als echte Melodie und dies hört man dann auch, wenn sie wiederholt wird.

Wer jetzt ein bisschen mehr über Funkmusik erfahren möchte, dem sei dieses aufschlußreiche Youtubevideo über die Geschichte der Funkmusik empfohlen.

Das Beitragsbild habe ich letztes Jahr bei der Terasse des Pfannkuchenhauses in Hüddingen aufgenommen. Das von zwei Niederländern betriebene Pfannkuchenhaus erinnert mit seiner Ausstattung an einen Setzkasten, wie sie in früheren Zeiten als Möbelstücke verbreitet waren, nur in groß. Der Clown kommt auch ein wenig „oldschool“ rüber.

rostnomo

Rostnomo ist der Name eine Synthesizers, der zufällig Klänge erzeugt. Man drückt einen Knopf und schon zaubert das Gerät einen neuen Klang. Drei von diesen Instanzen habe ich benutzt um wiederum mit einer zufällig erzeugten Tonhöhenspur gefüttert, die Grundlage für den heutigen Beitrag zu erzeugen. Das ganze wurde dann resampelt, – also das sample nochmals gesampelt – mit Celloklängen ergänzt und erneut „resampelt“, wobei eine Spur in umgekehrter Reihenfolge zu hören ist. Hier wurde jetzt mein geliebter Spitfireaudio Labs Chor dazugekommen. Das ganze habe ich dann nochmals vom Webdienst Schnalz mastern lassen.

Wer seit einigen Monaten mein blog aufmerksam verfolgt, dem ist nicht verborgen geblieben, dass ich Sounds liebe, die eigentlich gar nicht den Gepflogenheiten der Musik Folge leisten. Musik im herkömmlichen Sinne hat in verschiedenen großen Anteilen Melodie, Harmonie, Rhythmus und Form, die nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten wie Tonart und Zusammenklang funktionieren. Aber auch Gewohnheiten können bestimmte Formmodelle wie zum Beispiel Verse-Chorus-Strukturen (Strophe & Refrain) ausbilden und gelten dann gemeinhin als Musik. Hierzu gibt es einen lesenswerten Artikel von dem Musipsychologen Karsten Schäfer, der die gleiche Auffassung vertritt.

Diese Stück hier besteht eigentlich nur aus Klang bzw. sogenannten Klangtrauben, die in der modernen klassischen Musik auch gerne als Cluster oder Texturen bezeichnet werden. Hört selber einmal hin und fragt euch: Ist dies Musik? Und wenn ihr zu einem Ergebnis gekommen seit, dann bitte, teilt mir das mit!

Das Beitragsbild zeigt die Zuckerfabrik in Wabern. Es handelt sich, wie ihr ja schon herausbekommen habt, um eines meiner Lieblingsmotive. Auch diesmal wurde es grafisch leicht verändert. Ich habe diese Motiv, was hier allerdings zu einer anderen Zeit an einem anderen Datum aufgenommen wurde, in einer anderen Form schon mal für den Beitrag a swell to help you sleep benutzt und lege euch diesen erneut warm ans Herz.

mahavishnu is coming

1971 machte das frisch gegründete Mahavishnu Orchestra um den englischen Gitarristen John McLaughlin auf sich aufmerksam und unterstrich die Bedeutung der aufkommenden Jazz/Rock Ära. Das Orchester wurde in einer kompletten Neubesetzung 1975 formiert und dann noch einmal 1981, konnte aber an die erstmaligen Erfolge nicht komplett anknüpfen. Nach wie vor werden aber die Stücke – gerade der ersten Besetzung – aufgeführt. Bemerkenswert sind die Umsetzungen des Wieners Radio String Quartetts, die die Kompositionen ihrer Gewaltigkeit entrissen haben und auf ihre wahre Essenz zurückführen konnten. John hat dies selber bemerkt und mehrfach gelobt. Neulich stieß ich beispielsweise auf ein YouTube Video, bei dem John selber mit einer amerikanischen Formation die alten Kompositionen letztes Jahr wiederbelebte. Dabei bemerkte ich, wie gut mir gerade die Komposition gefallen hatten. In nebulöser Erinnerung war mir das zweite Stück Dawn (06:42) des ersten Albums The Inner Mounting Flame geblieben. Das heutige Beitragsstück versucht als sogenanntes soundalike ein bisschen die Art und Weise der Mahavishnu Kompositionen aufzugreifen. Dabei konkurriert die aufsteigende Melodie- mit der absteigenden Basslinie. Das Leadsheet verwendet dabei den kürzlich in CC Lizenz veröffentlichen Musikfont Pori, der sich jetzt auch in der Notationsoftware Sibelius verwenden lässt.

John wurde als Anhänger des Gurus Sri Chinmoy, dem übrigens damals auch Carlos Santana angehörte, der Name Mahavishnu verliehen, so erklärt sich der Name der Gruppe. Mahavishnu bedeutet Vishnu in einer besonders großartigen Form. Vishnu wiederum ist ein Aspekt des Göttlichen. Im Vedanta ist Vishnu ein Teil der Trinität, Brahma, Vishnu und Shiva. Brahma – der Schöpfer, Vishnu – der Erhalter, Shiva – der Zerstörer. Im Vaishnavismus ist Vishnu der wichtigste aller Götter. Vaishnavismus ist eine Hauptströmung des indischen Hinduismus. John wurde laut eigener Angaben fünf Jahre direkt von Sri Chinmoy unterwiesen und findet nach wie vor dankbare Worte für den Spiritualisten.

Das Beitragsbild zeigt die Schönheit der Natur in Form der Frühjahrsblüte einer Zierkirsche unseres Dorfplatzes – also letztendlich auch ein Aspekt des Göttlichen.

kalimbaba and the fourty sufis

Zugegeben, ein etwas merkwürdiger Titel, der dem Märchen aus 1000 und eine Nacht „Ali Baba und die vierzig Räuber“ entlehnt ist, welches ja hinlänglich bekannt sein sollte. Der Titel rührt daher, dass ich den Song mit einer Kalimbasequenz begonnen habe. Das Kalimba wird hierzulande auch als „Daumenklavier“ bezeichnet; dieser Name verrät uns ein bisschen über die Spielweise dieses Instruments. Als ich neulich meine kleine Enkelin besuchte, fand ich zufällig ein Kalimba in ihrem Musikinstrumentenkorb und machte ein Photo für diesen Beitrag, welches mit der Software prisma verändert wurde. Ich war der Meinung, es fehlen ein bisschen vokale Klänge, daher benutzte ich das sample von einem Sufi. Sufis sind Anhänger des islamischen Sufismus und werden auch Derwisch genannt. Zu ihrer spirituellen Praxis gehören die Kreistänze, die dem Derwisch ermöglichen bestimmte Zustände zu erreichen, um ihrem Transformationsziel näher zu kommen. In der sufistischen Tradition spielt dabei die Intuition eine große Rolle.

Intuition wiederum ist auch ein wichtiger Bestandteil des Erfindungsreichtum Musikschaffender. Während ich an diesem Stück arbeitete, fragte ich mich, welchen Anteil eigentlich Komposition und welchen Anteil Improvisation hat. Moderne elektronische Musik wird meistens nicht herkömmlich komponiert, also Note für Note „auf dem Papier“, sondern der Musiker spielt ein bisschen mit seinem Instrumentarium herum – er improvisiert – und setzt dann intuitiv einzelne Teile zusammen. Dabei entstehen Abschnitte während des Improvisieren, aber auch in den Schaffenspausen, wenn ihm neue Ideen in den Sinn kommen. Zumindest ist es mir so bei diesem Stück so widerfahren. Wen das interessiert, der kann bei diesem blog darüber etwas nachlesen. Wenn du jetzt das Stück hörst, scheu dich nicht, dich dabei tanzend im Kreis zu drehen!

kalimbaba and the fourty sufis

absynth morph

Das legendäre Synthesizer Plugin der Firma Native Instruments Absynth wurde im Jahre 2000 erstmals vertrieben. Für die damalige Zeit war es sehr innovativ, vereinte es doch erstmals verschiedenste Möglichkeiten und Kombinationen von Klangsynthese in einem Gerät. Die Modulationsmöglichkeiten waren enorm und stießen sofort auf mein Interesse. Durch die Schnittstelle VST konnte der Synthesizer in allen gängigen DAWs eingesetzt werden. Ich hatte eine Demoversion für eine bestimmte Zeit zur Verfügung und experimentierte mit den Klangmöglichkeiten herum und nahm ein paar Klänge auf, die ich absynthmorph getauft habe. „Morph“ steht dabei für sich wandelnde akustische Texturen.

Vom Wort „absynth“ ist es nicht weit zu dem legendären Getränk „absinth“ mit Kultstatus, was es sogar geschafft hatte für über 80 Jahre verboten zu sein, bis man durch wissenschaftliche Untersuchungen nachweisen konnte, dass das Getränk keine anderen besonderen Wirkungen wie anderer sehr hochprozentiger Alkohol hat. Auf jeden Fall ist der Anteil an dem Stoff Thujon – von dem die besondere Wirkung wie zum Beispiel Halluzinationen ausgehen sollte – nur so gering, dass dies nachweislich nicht der Fall ist. Absinth wurde auch die grüne Fee genannt, kommt doch die Spirituose „grün“ daher, weil das verwendete Wermutkraut die Färbung verursacht. Über die besondere Geschichte des Absinth kann man sich aufgrund vieler Artikel schlau machen, auch der Wikipediaeintrag ist sehr aufschlußreich.

Ich habe heute drei variierende Audios im Angebot. Das erste Sounddesign bringt die erwähnten Absynthdateien mit einem Holzblockrhythmus und einigen Streicher- und Chorklängen zusammen. Das zweite Sounddesign verwendet ausschließlich die ursprünglichen Dateien, die ich vor vielen Jahren aufgenommen habe. Das dritte Sounddesign letztendlich ist ein Resample des Zweiten, angereichert mit einem Drumbeat und einem lustigen elektronischen Bass.

absynth mix

absynth morph

absynth resample

Das Beitragsbild habe ich neulich bei einer Frühjahrsgartenparty geknipst. Dort war die ca. 2 Meter große Figur ausstellig und wurde mit der Software Comic Life verfremdet.

falling down

Auf den Titel „falling down“ brachten mich die spärlichen Melodien des Stückes, ist doch manchmal eine herabplätschernde Pianolinie auszumachen. Erst später fiel mir auf, dass falling down ja auch ein Filmtitel mit Michael Douglas in der Hauptrolle aus dem Jahre 1993 ist. Er spielt in diesem Film einen Geschäftsmann, dem immer mehr in der Gesellschaft auf den Zeiger geht und zunehmend radikale Methoden anwendet, um diesen Umstand sorge zu tragen. Wenn man sich manche gesellschaftliche Entwicklungen heutzutage anschaut – ich meine damit insbesondere wie mit dem Lebewesen Planet Erde umgegangen wird -, dann kann man sich gut vorstellen, wenn man aufgrund eines Ohnmachtsgefühles zu radikalen Methoden greifen möchte. Ich finde zwar, dies kann nicht der richtige Weg sein, allerdings ein Stück weit verständlich ist dies (leider) doch für mich.

Doch dies ist nicht das Thema heute. Ich bin in der letzten Woche auf ein PlugIn für meine Musiksoftware aufmerksam geworden, welches mich sehr fasziniert. Dieses PlugIn lädt Klänge, teilt diese in rhythmus- und tempogerechte „Häppchen“, sogenannte samples und gibt diese auf Tastendruck in neu gewünschter Reihenfolge wieder. Diesen Vorgang nennt man Resample, also ein Samplen der Sample. Herausgekommen ist ein schönes Stück mit einer ganz eigenen Atmosphäre, die mich an meinen sehr guten Freund P. erinnert hat. Ich widme dieses Stück P.

falling down

Das Betragsbild hat diesmal meine Tochter beigesteuert, die das Bild im Mai 2018 fotografierte. Der sanfte Flug einzelner Samen einer Pusteblume passt meiner Meinung nach sehr gut zu den Klängen des Stückes.

would you sit on a sitar?

Ich hatte letzte Woche die große Freude einem überaus gelungenes Livekonzert der Gruppe Hattler im Theaterstübchen Kassel beizuwohnen. Helmut Hattler, der ja schon früher mit den Gruppen Kraan und Tap Two auf sich aufmerksam gemacht hat und durch außerordentliche Spielfreude auffällt, hat sich auf der Bühne furios zurück gemeldet. Vor zwei Jahren erreichte mich die Nachricht, dass er schwer erkrankt sei, um so erfreulicher ist, dass Helmut nun wieder live spielen kann. Mit im Gepäck war auch der begnadete Gitarrist Torsten de Winkel, der mich insbesondere mit seinen „sounds“ – hier mal Stück 5 anspielen – überraschte, spielte er doch ein Seiteninstrument, was ich nicht ausmachen konnte, denn das Theaterstübchen war überaus gefüllt, und ich konnte das Instrument nicht sehen, da Torsten dieses im Sitzen spielte. Auf jeden Fall klang es manipuliert ein bisschen wie eine indische Sitar. So inspiriert musste ich direkt ein Stück mit einem Sitarsound ausprobieren und heraus kam das Stück „would you sit on a sitar?“. Diese Frage habe ich im Netz gefunden und fand es durchaus aus passend als Songtitel.

would you sit on a sitar?

Das Beitragsbild, so könnte man meinen, ist aus den Archiven der NASA entnommen und zeige Bilder des Saturns. Aber in Wirklichkeit handelt es sich um einen Ausschnitt einer gefüllten Kaffeetasse von oben. Wenn man keinen Maßstab hat, fehlt somit der Bezugsrahmen und man kann sich alles Mögliche denken. So hatte auch Stanley Kubrick in seinem berühmten Epos „2001 Odyssee im Weltraum“ gearbeitet, als er am Ende des Filmes die Entstehung von Galaxien darstellte. Wie nach über 10 Jahren nach Drehende bekannt wurde, filmte die Filmcrew in Zeitlupe Farbtropfen, die in einen sich bewegenden Farbeimer tröpfelten.

silversurfer solutions

Silver Surfer kommt in zwei Bedeutungen daher. Einmal bezeichnet Silver Surfer eine Figur aus dem Marvel Universum und ist Kennern der Comics bekannt. Der Silver Surfer steht im Zusammenhang mit den Fantastic Four, wo er als Bösewicht aus dem Universum mit seinem intergalaktischen Surfbrett aufgetreten ist. Die Kenner der Netzkultur wissen hingegen auch, dass Silver Surfer liebevoll ältere Semester bezeichnen, die schon ergraut sind. Silver Surfer spielen in der Netzkultur eine bedeutende Rolle, sind sie einerseits oft gut betucht und kauffreudig im Onlinehandel unterwegs, haben Zeit sich im Netz aufzuhalten und besuchen häufig Gesundheits- und Reiseseiten. Ich selber darf mich getrost auch als Silver Surfer bezeichnen, mancher geht sogar noch weiter und bezeichnet unsereins als Silberrücken.

Neulich hatte ich das Vergnügen bei einer Fortbildung teilzunehmen. Ich wurde doch wahrhaftig gefragt, warum ich mir dies in meinem Alter noch antue. Und außerdem hätte doch der Staat, der diese Fortbildung bezahlt hat, in meinem Fall keinen rechten Nutzen mehr davon, werde ich doch in einigen Jahren aus dem Staatsdienst ausscheiden. Das habe ich aber getrost weggelächelt und behaupte, jedes Jahr im Dienst kann noch ein gutes und aktives Jahr sein. Und ehrlich gesagt habe ich überhaupt noch nicht den Spass an Fort- und Weiterbildung verloren.

Die besagte Fortbildung – und jetzt kommen wir zum eigentlichen Thema – beschäftigte sich mit der lösungsfokussierten Gesprächsführung. In den 90er Jahren zunächst für therapeutische Zwecke entwickelt, hat sich der lösungsfokussierte Geprächsansatz längst für andere Felder wie zum Beispiel die Wirtschaft und die Pädagogik weiterentwickelt. Wir hatten das Glück eine ausgezeichnete Trainerin vorzufinden, die für die Schweizer solution sufers arbeitet und Gruppen anleitet. Der Grundgedanke der lösungsfokussierten Gesprächsführung ist nach der möglichen Zukunft zu fragen, ohne sich im Inhalt zu vertiefen, geschweige denn durch sogenannte Warum-Fragen im Problem herumzustochern. Als Methode dient das aufmerksame Zuhören, damit aus dem Gehörten sogenannte Triggerfragen entwickelt werden können, die den Gesprächspartner aufgrund seiner eigenen Ressourcen in der jeweiligen Situation weiterbringen können. Die Methode erscheint zunächst verblüffend einfach, sie ist allerdings sehr wirkungsvoll!

Bei dem heutigen Stück habe ich einige der erwähnten Triggerfragen aus dem Netz bei den solution surfers aus der Schweiz kopiert und durch eine schon einmal erwähnte text to speech Lösungen geschickt, um Sprachdateien zu erzeugen, die im Stück verarbeitet worden sind. So gesehen ist dies dann auch eine „solution“, um das Stück des Silver Surfers (ich selber) mit Vokals zu versehen. So kann man auch den Titel des heutigen Beitrages ableiten.

Das Beitragsbild zeigt – mal wieder – ein paar Wolken. Könnte man Wolken nicht auch als Silver Surfer bezeichnen, wie sie als immer wieder neuformierte Gebilde in der Luft schweben? Das Foto wurde im Januar 2019 aufgenommen.

whats behind the curtain

Diese Textzeile verwendete die Performancekünstlerin und Musikerin Laurie Anderson in ihrem Stück Born Never Ask auf dem Album Big Science aus dem Jahre 1981.

It was a large room. Full of people. All kinds
And they had all arrived at the same building
At more or less the same time
And they were all free. And they were all
Asking themselves the same question:
What is behind that curtain?

https://genius.com/Laurie-anderson-born-never-asked-lyrics

Die Frage „what is behind the curtain?“ hatte mich damals unglaublich in den Bann gezogen, stößt sie doch – jedenfalls für mich -, wenn sie gerade ausgesprochen ist, eine Tür in die Welt des Geheimnisvollen auf. Klar, etwas ist vor dem Vorhang, aber was ist eigentlich dahinter? Man kann dies auch ein bisschen auf die akustische Welt übertragen, zum Beispiel wenn wir an das Spiel „Ich sehe was, was du nichts siehst„, denken und es als akustisches Spiel ummünzen, indem wir einen Klang bzw. einen Sound hören und nun vermuten, wer oder was den Klang erzeugt hat oder wo und unter welchem Umständen der Klang aufgenommen wurde beziehungsweise entstanden ist.

Wollen wir mit dem Spiel beginnen? Höre dir den Klang an und vermute, was den Klang erzeugt hat? Wenn du noch genauer hinhören möchtest, aus welchen verschiedene Geräuschen setzt sich der Klang zusammen?

Hast du richtig vermutet? Dann hast du gewonnen. Klopfe dir auf die Schulter, halte kurz inne und beglückwünsche dich! Atme tief ein und erlaube dir, diese wunderbare Erfahrung in den morgigen Tag mitzunehmen. Wer jetzt Spaß an diesem akustischen Spiel bekommen hat, der darf sich eine ganze Präsentation mit weiteren Höraufgaben gleichen Formates herunterladen. Die Klänge wurde 2018 im Rahmen eines KLANGSAMMLER PROJEKTES einer Klasse des 5. Jahrgangs zusammengestellt und für einen Medienwettbewerb eingereicht.

Das Beitragsbild kann hier nicht direkt der Klangerzeuger sein, sonst wäre der Spielwitz des heutigen Beitrages verloren. Ich habe ein Bild gewählt, welches mir ausreichend skurril vorkommt, um hier als Platzhalter zu fungieren. Bei einer Tagung im Hochtaunus bot sich als erster Blick in einen Raum des Hotels eine Rasenmäherauststellung. Mit diesem Anblick hatte ich wahrhaftig nicht gerechnet.

composition 1960 #7

Die Composition #7 aus dem Jahre 1960 von La Monte Young hat mich schon immer unglaublich fasziniert. Meine armen Schüler lernen sie meistens dann kennen, wenn wir ein bisschen minimal music hören und spielen wollen [oder will ich das und die sollen? – okay, anderes Thema …]. Dazu erzähle ich meistens folgende Geschichte, die ich erstmals im Buch Durch Musik zum Selbst von Peter Michael Hameln gefunden habe.

Ein Mann besaß ein Cello mit (nur) einer Saite, über die er stundenlang den Bogen führte, die Finger immer auf derselben Stelle haltend. Seine Frau ertrug diesen Klang sieben Monate lang, in der geduldigen Erwartung, dass der Mann entweder vor Langeweile sterben oder das Instrument zerstören würde. Da sich jedoch weder das eine noch das andere ereignete, sagte sie eines Abends in sehr sanftem Tone: „Ich habe bemerkt, dass dieses wundervolle Instrument, wenn es andere spielen, vier Saiten hat, über welche der Bogen geführt wird, und dass die Spieler ihre Finger ständig hin- und her bewegen.“ Der Mann hörte einen Augenblick lang auf zu spielen, warf einen Blick auf seine Frau, schüttelte das Haupt und sprach: „Natürlich bewegen sie ihre Finger hin und her. Sie suchen den richtigen Ton. Ich habe ihn gefunden.“  Armenische Fabel

composition #7 sine

Man könnte die Komposition als eine der urtümlichsten der sogenannten minimal music bezeichnen, ist sie doch in ihrer Reduzierung auf zwei – in einer Quinte – gleichzeitig erklingenden Töne, auf das Wesentliche beschränkt. Das Internet hat viele Beispiele für das Stück gesammelt. Was mir erst neulich dazu aufgefallen ist: Young benutzt das hashtag Zeichen # in aller Voraussicht, ohne zu ahnen, dass dieses Zeichen eines der bedeutendsten Zeichen der aktuellen Jugendkultur werden würde, denken wir beispielsweise nur mal an die Verwendung beim social media Dienstleister instagram.

Als Studenten führten wir in einem Kurs folgendes akustisches Experiment durch: Wir haben die beiden oben abgebildeten Töne mittels eines Modularen-Synthesizers als Sinuswellen ausgegeben und 20 Minuten erklingen lassen. Sinuswellen kommen in der Natur isoliert nicht vor. Eine Sinuswelle muss immer elektronisch erzeugt werden. Jeder in der Natur vorkommende Ton ist eine Mischung aus verschiedenen Sinustönen und ergibt eine periodisch wiederkehrende Welle, die einen Klang formt. Sie folgt den Gesetzmäßigkeiten der Obertonreihe. Sind Klänge aus nicht periodischen Wellen zusammengesetzt, sprechen wir von einem Geräusch.

Die beiden Sinustöne sollten sich die Kursteilnehmer anhören und danach ihr Hörerlebnis beschreiben. Nicht wenige waren der Auffassung, dass sich der Klang der Töne im Laufe der Zeit verändert hätte. Manche meinten, der Klang wäre voller geworden, hätte Varianten gezeigt, hätte sich irgendwie verändert. Jedoch, dem war physikalisch nicht so. Es zeigt sich, dass das Hörerlebnis immer ein psychisches Erlebnis bleibt, Musik entsteht in unserem Kopf. Mit ein Grund dafür, warum manche Zuhörer minimal music nervig finden, andere empfinden sie sehr angenehm.

Wir können in diesem Beitrag drei Varianten der Komposition hören. (Die erste Version findet sich weiter oben.) Die ersten beiden Aufnahmen wurden direkt mit der schon oft erwähnten Laufzeitumgebung sonic pi generiert. Ich habe den code in einem sonic pi Forum gefunden und leicht variiert. Die erste Version rechnet mit Sinuswellen. Die zweite Variante benutzt einen komplexeren Sound, der ein bisschen moduliert wird. Es folgt der Code in sonic pi.

# coded by MrSkeletal adapted by falk

with_synth :sine do
  with_fx :ixi_techno, phase_offset: 0.2, phase: 44 ,res: 0.6 do
    play :b3, amp: 2, attack: 25, release: 1000, pan: -0.8
    play :fs4, amp: 2, attack: 25, release: 1000, pan: 0.8
  end
end

composition #7 dark ambience

Die dritte Variante verwendet acht verschiede Klangfarben. Zwei davon sind Sinuswellen, die anderen Klangerzeuger sind verschieden Padsounds, die in ihrer Lautstärke variiert werden.

composition #7 pad version

Das Beitragsbild habe ich in der Disco des letztjährigen 35C3 Computerkongresses in Leibzig fotografiert.

so far away

Jedes Jahr fahren wir mit unseren drei Musikklassen der Schule – Jahrgang 5 bis 7 – am Ende des Schulhalbjahres auf eine Musikfreizeit. Diesmal ging es zum Knüllköpfchen. Da haben wir dann drei Tage Zeit ausführlich an Stücken zu arbeiten. Die Freizeit beschließen wir mit einem Abschlusskonzert. Zwischendurch werden Instrumente umgeräumt und man muss manchmal auch ein wenig warten, weil die nächste Phase noch nicht begonnen werden kann, denn einer der Mitspieler muss zum Beispiel noch etwas holen oder ähnliches. In einer dieser spontan entstandenen Pausen klimperte ich ein wenig auf dem Klavier herum und hatte gerade einen Doppelsound aufliegen – Klavier mit Streichern. Aus dieser Idee entstand dies kleine, extrem minimalistische Stück, was ich dann sofort festgehalten habe. Es besteht im ersten und zweiten Teil nur aus drei Harmonien: F – Dm – Am und dann Bb – C – D, die stets im gleichen Arpeggio vorgetragen werden.

Das Stück So Far Away (Dieser Link führt zu einer „online klingenden“ Partitur) wird am 17.02.2019 in Bad Wildungen uraufgeführt. (Zum Begriff Uraufführung hatte ich mal diesen Artikel empfohlen). Hier kann man die Partitur von So Far Away downloaden. Mit dem Titel ist natürlich eine Sehnsucht gemeint. Um welche Sehnsucht es sich handelt, bleibt ungewiss. Aber Sehnsucht bedeutet gleichzeitig auch immer Entfernung bzw. eine Distanz, entweder ausgedrückt in Kilometern oder in einer zeitlichen Entfernung wie z.B. die Vorstellung, die man von der Zukunft hat; dass in der Zukunft etwas eintrifft, was man sich wünscht. Allerdings ist nicht immer klar, was man sich genau wünscht, allein das Gefühl der Sehnsucht ist auch manchmal schön. Der Pianoklang wird aus einer Mischung von zwei Klaviersounds mit unterlegten Streichern erzeugt, während mir abermals für die Solostreicher die Spitfire Frozen-Strings-Library gute Dienste leistete. Überschwängliche Verwendung von Hallprogrammen verstärken den Eindruck der Entfernung der Klänge. Das kürzlich in meinem Dorf aufgenommene Beitragsfoto zeigt ein wundervolles Abendlicht. Als ich dieses Licht gesehen habe, stoppte ich sofort meine Fahrt und bin sofort begeistert aus meinem Auto ausgestiegen, um den Moment einzufangen. Man merkt, dass die Tage doch wieder etwas länger werden. Die Weite des Himmels passt ausgezeichnet zu dem Titel des Stückes. Die Bildaufnahme wurde mit dem Programm Sketcher verändert.

sad will lead the way

Neulich probierte ich ein wenig mit der Playerfunktion in meiner Digital Audi Workstation (DAW) herum, um eine Akkordfolge zu erzeugen und stieß auf die hier veröffentlichte Melodie, die mir dazu passend zu den Harmonien erschien. Das Stück hört sich ein bisschen traurig an, allein mir wollte kein passender Titel einfallen. Kein Problem, gibt es doch unzählige Song-Title-Generatoren im Netz, die einem da schnell weiterhelfen können. Auch der heutige Titel ist nach Eingabe des Wortes „sad“ aus einem solchen Generator „herausgepurzelt“. Gibt man nun dem Netz die Suchanfrage nach der saddest songs list, wird man auch erstaunlicherweise schnell fündig, wie hier zum Beispiel. Je nach Geschmack des Sammlers fällt diese Liste natürlich sehr unterschiedlich aus. Welchen Platz würde mein Song in dieser Liste bekommen, was meint ihr?

sad will lead the way

Hier das Stück in herkömmlicher Notation.

Das Beitragsbild zeigt das hier in den Landen weiterverbreitete Schilfrohrgras Phragmites australis und wurde im Gegenlicht bei einem Spaziergang 2019 aufgenommen.

go(o)d morning

Diese kleine Akkordfolge „besuchte“ mich eines schönen Morgens in den letzten zwei Wochen, als ich ein bisschen rufgeklimpert habe. Es handelt sich abermals um eine der „4 bar chords“ Geschichten, die ja hier auch schon mal Thema waren und dem ein eigener Beitrag gewidmet wurde. Diesmal liegt die simple Folge: C Am Fma7 Db zugrunde. Das kleine typografische Wortspiel ergibt sich aus der Tatsache, dass der Hacker GOD – so berichteten zumindest die Medien – für das letzte große Datenleak verantwortlich gewesen sein soll. Hier passt auch gut das Beitragsphoto, welches Gehackte Stühle auf dem 35 CCC in Leibzig am Ende des Jahres 2018 zeigt und von mir dort aufgenommen wurde. Auf dem Chaos Communication Congress ging es ja bekanntermaßen auch um die Herausforderungen unserer sogennanten modernen Mediengesellschaft, die sich immer mehr eingestehen muss, dass die Geister, die sie rief, immer weniger kontrollieren kann. Wir müssen uns fragen, ob wir jeden medialen Trend mitmachen wollen, aber zumindest müssen wir versuchen „schlau“ zu agieren. Schlau agieren setzt eine gewisse Entspannung des Denkens voraus, dieser kleine Song mag dazu helfen. Hört selbst!

go(o)d morning

m.f.b cut

2006 fand am 02. September eine Museumsnacht in Kassel unter dem Motto „Sterne“ statt. Zu diesem Anlass gründeten wir das Trio M.F.B. Die Buchstaben stehen einfach für die Nachnamen der Mitspieler. Abends, als es schon dunkel war, spielten wir vor einer hübsch illuminierten Kulisse direkt vor dem Staatstheater mit drei Computern, die über eine MIDI Clock so verbunden waren, dass sich unsere Musiksoftware im Tempo synchronisierten. Wir benutzen Motive des Kasseler Minimal Komponisten Dr. Ulli Götte, in dessen Minimal Orchester wir jahrelang zusammengespielt hatten. Jörg & Michael spielen noch immer in diesem Orchester. Wir hatten für diesen Auftritt mehrfach geprobt, aber trotzdem war das Ergebnis jedesmal ein anderes, allein doch die Improvisationsanteile immens waren.

m.f.b. music to go

Hier sieht man das Cover der nach dem Auftritt herausgegebenen CD, die ein Live-Mitschnitt war. Der musikalische Beitrag ist eine Mischung aus verschiedenen Stücken der CD. Das Beitragsbild wurde 2004 im Jemen aufgenommen und war Bestandteil des CD Covers.

player piano (pianologie two)

Conlon Nancarrow (1912 – 1997) gehört sicherlich zu den Pionieren der Musik für Musikautomaten. Er erkannte das Potential der sogenannten player pianos und nutzte die Möglichkeiten Kompositionen zu kreieren, die ohne den Automaten nicht möglich gewesen wäre. Dazu fertigte er umfangreiche Lochbändern an und übertrug akribisch seine Werke auf dieses Medium, um seine Kompositionen zu Klang zu bringen. Es gibt einige schöne Webseiten zu diesem außerordentlichen Komponisten. Eine davon ist von Beatrix Hocker ins Netz gestellt worden. Hier sieht man die Arbeitsweise und einige Original Dokumente Nancarrows.

pianoroll

Aktuelle Musikverarbeitsprogramme – sogenannt DAWs – bedienen sich alle einer sogenannten Pianorollen-Darstellung, die im Prinzip den guten alten Lochbändern der ersten Musikautomaten nachempfunden sind. Auf einer X/Y Achse werden die Zeit, die Tondauer und die Tonhöhe in einem Koordinatensystem dargestellt. Das Bild zeigt den Anfang des heutigen Beitragstückes in dieser Art der Darstellung, welches von einem sogenannten Player errechnet wird. Der Player liefert unter Einschränkung bestimmter Parameter, die während der Aufnahme verändert wurden, die Tonhöhen- und Längendaten. Das Stück hat mich auch aufgrund der Arbeitsweise an die Arbeiten von Conlon Nancarrow erinnert. Es ist ein minimalistisches Stück und mal wieder überwiegend in einer lyrischen Tonleiter mit dem Grundton D verfasst. Ab ca. 04:50h passiert etwas Eigenartiges. Der Rechner scheint sich zu „verschlucken“, wirkt „irritiert“, als wenn er sich verspielt hätte und fängt sich dann aber wieder, um das Stück fortzusetzen. Das Stück setzt die „Ologie-Reihe“ fort und ist das zweite Stück der Version für Pianoklänge. Bitte einfach mal den Beitrag pianologie one oder stringologie one aufsuchen.

player piano (pianologie two)

Das Beitragsbild ist ein screenshot des Bildschirms mit dem Anfang des Stückes in der erwähnten Pianorolldarstellung. Aus verschiedenen Farbvariaten des screenshots habe ich ein kleines Video gebastelt.

player piano (pianologie two) • pianoroll

yambient

Jedes Jahr erwartet uns fast pünktlich um 24:00h nachts das gleiche Schauspiel. Tonnenweise Feinstaub wird unter dem Vorwand böse Geister zu vertreiben in die Luft entlassen, weil wir angeblich Freude am Knallen, Zischen, Böllern und bunten Glitzereffekten haben. Sogar das Bundes Umweltamt weist darauf hin. Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich als Kind wirklich Freude an Silvester hatte, mich danach sehnte endlich Knaller loslassen und Raketen abschießen zu dürfen. Aber dies hat sich bei mir verändert. Eher fürchte ich mich vor den lauten Knallern und die Raketen üben schon lange nicht mehr die gleiche Faszination auf mich aus. Ich meine sogar, dass in den letzten Jahren die Raketen mit extra lauten Knalleffekten ausgestattet sind, die es früher in dieser Ausprägung nicht gegeben hat. Aber vielleicht täusche ich mich auch. Heute kam mir eine Petition zu Gehör, die die Silvesterknallerei abschaffen will. In der Begründung wurde behauptet, dass in der Silvesternacht genauso viel Feinstaub in die Luft entlassen wie im ganzen Jahr durch PKWs erzeugt wird. Diese Zahl erscheint mir etwas hoch. Doch die grundsätzliche Überlegung scheint in die richtige Richtung zu gehen. Auf der einen Seite werden in diesem Jahr innerstädtisch Fahrverbote verhängt, weil die Autos zu viel umweltbelastendes Material ausstoßen, aber zu Neujahr dürfen wir dieses Einsparungen wieder mit einem Schlag zu Nichte machen.
Das heutige Beitragsstück „yambient“ – dies Kunstwort ergibt sich aus „new year ambient“ – bringt einige der Knall- und Zischlaute zu Gehör, die über einer Textur, die ich mit einem sonic pi code habe errechnen lassen, erklingen, während eine getragene Melodie, erzeugt durch die frozen strings libraries von Spitfireaudio die ganze Textur melancholisch klingen lässt. Wir wissen nicht was das Neue Jahr bringen wird. Es stehen viele Herausforderungen an, denken wir an die politische Lage, die Vergiftung der Welt, die Umwelt und das tumorartige Wachstum des Neokapitalismus, aber wir wünschen uns gerade deswegen alle das Beste und hoffen abermals auf ein gutes Neues Jahr!

yambient

Das Beitragsbild habe ich aktuell heute morgen in der Neujahrsnacht in meinem Dorf aufgenommen.

Hier ist der sonic pi code, der als Grundlage von yambient verwendet wurde:

# Coded by Darin Wilson adapted by falk
#
# The piece consists of three long loops, each of which
# plays one of two randomly selected pitches. Each note
# has different attack, release and sleep values, so that
# they move in and out of phase with each other. This can
# play for quite awhile without repeating itself :)

use_synth :hollow
with_fx :reverb, mix: 1, room: 0.5 do
  
  live_loop :note1 do
    play choose([:D4,:E4]), pan: rrand(-1, 1), attack: 8, release: 7
    sleep rrand(6,10)
  end
   
  live_loop :note2 do
    play choose([:F2,:G4]), pan: rrand(-1, 1), attack: 10, release: 6
    sleep rrand(6, 8)
  end
  
  live_loop :note3 do
    play choose([:A1, :C5]), pan: rrand(-1, 1), attack: 12, release: 8
    sleep rrand(8, 12)
  end
end

indian waterdrops

Zu dem Stück „indian waterdrops“ brachten mich zwei Dinge. Zum einen erinnerte ich mich daran, meine Gitarre mal (wieder) in einer offenen Stimmung (open tuning) zu stimmen. Verwendung findet die Stimmung „Open D“ mit den Tönen D – A – D – F# – A – D. Zum anderen stieß ich bei Youtube auf eine Reihe von indischen Musikern: An der Sitar die Tochter von Ravi Shankar Anoushka Shankar , an der Flöte den unvergleichlichen Rakesh Chaurasia und an der Sarod, ein Instrument was mir bis dato noch nie aufgefallen war, Debasmita Bhattacharya. Letzteres Instrument inspirierte mich meine Gitarre in der offenen Stimmung mit einem Bottleneck zu spielen, um den Klang der Sarod im entferntesten nachzuahmen. Den Titel bekam das Stück aufgrund des Synthesizer-Sounds, der entfernt an Wassertropfen erinnert.

indian waterdrops

Das Beitragsbild wurde 2004 bei einer Reise in den Jemen aufgenommen, eine Zeit, die es noch zuließ, in den Jemen zu reisen. Das Farbenspiel des arabischen Fenster hat mich stark beeindruckt.

silent night

Letzte Woche hatte ich beruflich in Frankfurt zu tun. Wegen einer Zugpreisbindung fand ich noch Gelegenheit nach der Veranstaltung auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt am Römer eine kleine Tonaufnahme zu machen, welche ich in einem Ausschnitt hier vorstelle. Das Beitragsbild entstand an der besagten Stelle. Mich fasziniert immer wieder das fast babylonische Stimmengewirr auf solchen Märkten, welches sich mit Musik aus den Lautsprechern der Ständebetreiber mischt. Wenn man bei dem folgenden soundscape genau hinhört,, kann man Stille Nacht, heilige Nacht von Franz Xaver Gruber im Hintergrund erklingend heraushören. Was es mit soundscapes auf sich hat, kann man in älteren Beiträgen nachlesen, wenn man beispielsweise in der rechten Seitenleiste die Kategorie soundscape anklickt oder diesem Link folgt.

silent night frankfurt

Bei Stille Nacht, heilige Nacht handelt es sich vermutlich um das bekannteste traditionellen Weihnachtslied. Es wurde von Franz Xaver Gruber im Jahre 1818 zum ersten Male aufgeführt und ist seitdem nicht mehr aus der Weihnachtzeit wegzudenken. Eigentlich hätte es diese Lied verdient bewußt gehört zu werden, aber auf Weihnachtsmärkten verkommt es zur Geräuschkulisse, indem es funktionalisiert wird.

Vor einigen Jahren fand ich eine interessante Reharmonization des Stückes von Martan Mann. Ich hoffe, er erlaubt mir seine Reharmonization hier wiederzugeben.

 

In der folgenden Version wird der Klang des Klaviers noch durch einen Stringsound aufgehübscht.

silent night piano & strings