bladerunner artic

Heute mal wieder ein neuer Betrag zur unglaublich beliebten Bladerunner Serie, diesmal mit dem vierten Stück dazu. Wir hören ein harmonisches Geflecht, welches ausschließlich auf sogenannten Medianten basiert. Medianten sind Akkordverbindungen, die sich die Terzverwandschaft zunutze machen. Gebräuchlicher ist ja die Quint/Quartverwandschaft, wie wir sie aus der „normalen“ Kadenz kennen. Die Mediantentechnik wurde vor allen Dingen von den Komponisten der Romantik und Spätromantik verwendet, die ihr musikalisches Vokabular erweitern wollten und findet sich heute zuhauf in moderner Filmmusik sowie im Jazz wieder.

Ich habe ausschließlich die Abfolge der Akkorde F A Db und D verwendet. Man kann sich das Leadsheet des Stückes hier herunterladen: bladerunner artic. Hier der Anfang des Stückes:

Wer mehr über die Mediatentechnik erfahren möchte, schaut bei den Lehrklängen vorbei, oder schaut sich dieses gut nachvollziehbare Video von MusicTheoryForGuitar an. Ein anderes Video geht u.a. darauf ein, wie in der Filmmusik Medianten Verwendung finden.

bladerunner artic


Das Beitragsbild entstand zufällig bei einem Spaziergang. Von der Farbwahl her gesehen passt es.

bladerunner oseney

Das dritte Stück aus der Bladerunner Fortsetzungsreihe. Das Stück erinnert ein wenig an den 1980 Jahre Technosound des dystopischen Filmes die Klapperschlange (englischer Originaltitel = Escape from New York) aus dem Jahre 1981 von John Carpenter, der nicht nur Regie führte, sondern auch die Filmmusik beisteuerte. In der Hauptrolle war Kurt Russel zu sehen. Ich war damals von der Musik so begeistert, dass ich mir sofort die LP kaufen musste. Die Ähnlichkeiten meines Stückes sind unter anderem dem durchgehenden rhythmischen Synthibeat und der Verwendung analoger Synthesizerklänge geschuldet.

bladerunner oseney


Das Stück besteht aus einer großen Kadenz, die dreimal wiederholt wird. Bei jeder Wiederholung kommen andere Diskantklänge hinzu. Die letzte Wiederholung schließt mit einer fast orchestralen Klangverdichtung. Einer der verwendeten Klänge aus dem Spitfireaudio Labs Universum trägt den Namen oseney, der dann namensgebend wurde.

Das Betragsbild wurde in einer Baugrube aufgenommen und farblich wiederum ins Orange verschoben und erinnert ein bisschen an eine Marslandschaft. Auch dazu sollte man wieder die Bildsprache des Filmes Bladerunner 2049 vergleichen.

panta rhei

panta rhei

Eigentlich sollte dieses Stück eine Fortsetzung der Bladerunner Serie werden, doch ich merkte schnell, dass das Stück zu wenig distopisch klingt und wie der Zufall so wollte, flatterte gerade ein Newsletter von der Seite neueswort.de ins Haus. Neueswort.de schickt alle paar Tage Fremdwörter des Tages und erklärt ihre Herkunft. Einige Wörter sind mir bekannt, andere sind wahrhaftig neu für mich und panta rhei kannte ich noch gar nicht. Allerdings passt dieser Name wunderbar zu dem heutigen Stück, denn es bedeutet so viel wie „alles fließt“. Ich zitiere jetzt mal aus dem Newsletter wörtlich:

  • Der aus dem Griechischen stammende Aphorismus panta rhei bedeutet wörtlich „alles fließt“ und beschreibt, dass alles in unaufhörlicher Bewegung ist. Die Welt steht also nicht still, alles ist im Werden. Dinge, Wesen und Zustände entstehen und vergehen unablässig.
  • Die Formel geht auf den vorsokratischen Philosophen Heraklit zurück, der damit die grundlegende Struktur der Realität als prozesshafte Einheit aus Sein und Werden beschreibt. Er vergleicht die Realität dabei mit einem Fluss, der als Ding begrenzt und erkennbar ist, sich aber gleichzeitig (durch das Fließen des Wassers) in stetigem Wandel befindet. Er sagt: „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen“.

pantha rhei


Das Beitragsbild entstand auf einem Spaziergang im hessischen Kellerwald leicht oberhalb der Schneegrenze unlängst zwischen den Jahren – wie man so schönt sagt – und symbolisiert das Fließen der Natur im Wechsel der Jahreszeiten.

the advent begins

Die renommierte Musikzeitschrift „MusicImpress“ schrieb unlängst in der weihnachtlichen Jahresendausgabe dieses Jahres mit dem Titel »Stücke, die die Welt verzaubern« zu diesem wundervollen Stück:

Falkbossa alias bossanova nimmt uns mit diesem zauberhaften Stück auf eine dreiminütige Reise mit, die uns in dieser in mehrfacher Hinsicht dunklen Zeit ein Licht am Ende des Tunnels offenbart und uns die Hoffnung auf bessere Zeiten zurückgibt, indem unser persönliches Gefühl für eine verheißungsvolle Zukunft angesprochen wird. Seinem Alias bossanova macht er dabei alle Ehre, wenn er sich geschmackvolle Bossanovarhythmen zu Nutze macht. Weiterhin bedient er sich feingestrickter mehrteiliger Melodiekaskaden, die von gegenläufigen Rhythmen versetzt begleitet werden und sich erst allmählich als konsistent entpuppen. Die glockengestützte Pianofigur ist dabei das stabile Gerüst, welches durch den krude gewagt inszenierten Bass bisweilen in Frage gestellt wird. Aber das Ergreifendste an diesem Stück sind die geschickt verwobenen Klangtrauben der Modulation im Melodieklang, wenn violoneske Artikulationen mit pluckartigen Untertönen fröhlich ondulieren. (Raga Columna 2020 MusicImpress)

MusicImpress X-Mas Special „Pieces that enchant the world“ 2020

the advent begins


Das Beitragsbild zeigt abermals unseren alljährlichen Fluradventslichterschmuck, der die vorweihnachtliche Zeit häuslich begleitet. Wer mag, der schaut sich nochmal den Betrag advent orizon an, der ein ähnliches Motiv benutzt hat. 

bladerunner cyclosa

Heute gibt es nicht viel Text zu der Musik. Ich habe mich entschlossen Bladerunner-Stücke zu einer Serie zusammenzufassen. Hier nun das zweite Stück dieser Serie. Namensgebend abermals ein Sound der Spitfireaudio Lab Serie, die kostenlos zur Verfügung gestellt wird und mir immer wieder eine große Inspiration gerade für sphärische Stücke geworden ist. Ich möchte darum bitten, nochmals den Beitrag bladerunner durchzulesen, weil ich da einiges zur Musik des Films gesagt habe und dies trifft auch auf das heutige Stück zu.

Vor vielen Jahren beschäftigten sich ein paar Kollegen mit den Möglichkeiten mittels eines Computers Musik zu machen. Dazu wurden verschiedene Wettbewerbe (siehe hier S. 16) für junge Menschen gestartet. Einer dieser Wettbewerbe hatte das Thema „music without films“ frei nach Brian Enos music for films. Bei der Aufgabe ging es darum zu einem fiktiven Film bzw. einer Szene Musik mit dem Computer zu komponieren, ohne das der Film oder die Filmszene wahrhaftig vorlag. Ähnlich ist es mit meiner Bladerunner Serie.

bladerunner cyclosa


Das Beitragsbild zeigt einen Wolkenhimmel, der farblich ins Organgene verschoben wurde, um dem Thema gerecht zu werden. Wer genau hinschaut entdeckt einen fliegenden Greifvogel.

bladerunner

Der Film Blade Runner 2049 – die Fortsetzung des Originals aus dem Jahre 1982 – besticht in zweierlei Hinsicht, sowohl durch seine Bildgewaltigkeit als auch durch die Filmmusik. Beide Aspekte stellen sich in den Dienst der Ausgestaltung des Filmes, der sehr dystopisch ist. Die Bilder sind einzigartig, die Musik sehr passend, der Inhalt ist meiner Meinung zu vernachlässigen. Ich werde mir den Film, den ich vor ein paar Monaten zum ersten Mal sah, unbedingt ein zweites Mal anschauen, alleine schon wegen der Bild- und Lichtsprache und der Filmmusik, die Hans Zimmer zusammen mit Benjamin Wallfisch komponierte. Die beiden Musiker haben sich in einigen Kompositionen sehr an die Musik der Originals von Vangelis gehalten und sogar einzele Motive und Themen wieder verwendet.

Als ich das Stück einspielte, kamen mir unweigerlich die Bilder und Stimmungen des Filmes in den Sinn und somit stand der Titel fest. Es handelt sich um eine Klangskulptur, die Flächen zeichnet und keiner Form zu gehorchen braucht.

bladerunner


Das Betragsbild zeigt den misslungenen Versuch den Vollmond hinter Wolken mit einem normalen Smartphone aufzunehmen, während die Straßenlaternen den Kontrast vermindern. Dabei sind die Farben ins rötlich Orange abgeglitten.

chakalaka (home edit)

Ich möchte hier noch die „Heim-Version“ des Titelstücks des Live-Konzerts im Rahmen der Soundfromwood-Reihe der letzten Woche nachreichen. Viel Freude beim konzentrierten Hören! Ich empfehle diesmal dringend einen Kopfhörer, um den feinen Veränderungen der Wiederholungen nachgehen zu können! Ich danke an dieser Stelle auch nochmals dem Musiker Cameron alias Venus Theory – er nennt sich anscheinend wirklich so – für die interessanten Soundpatches des Friktion-PlugIns, welche maßgeblich zum Timbre des Stückes beigetragen haben.

chakalaka (home edit)