sleeping stone

Wer kennt nicht das Spiel Werwolf, welches sich bei Jugendlichen einer großen Beliebtheit erfreut. Ich hatte die Freude einmal im Jahr mit einer Gruppe unterwegs zu sein, die genau dieses Spiel abends zum Ausklang des Tages spielte. Immer wenn der Erzähler, der bei dem Spiel die einzelnen Runden moderiert, die Formel „Das Dorf schläft ein!“ intonierte, fiel ich wie von einem geheimen hypnotischen Befehl getrieben in einen leichten Dämmerzustand. Schnell hatte ich den Indianernamen „Schlafender Stein“ bekommen und brauchte mich seitdem auch nicht mehr bemühen, diesen Namen wieder los zu werden. Man beachte bei dem Namen „Schlafender Stein“ diese schöne Tautologie. Nicht das der Stein schon an sich – in sich ruhen bzw. schlafen würde. Anlass genug für ein kleines, ruhiges und minimalistisches „Kling-Klang-Stück“. Die sonore Männerstimme spendete Amal. Amal arbeitet bei der indischen Windows-Hotline, die mich ab und zu ungefragt, aber stets freundlich, anruft, um mir zu verkünden, dass mein Windows-Computer verseucht sei und er mir sofort helfen könnte, obwohl ich gar nicht mit einem Windows-Computer arbeite. Ich fragte ihn, ob er mir ein tiefes „Om“ aufsingen könne und wir wurden uns sofort einig, wie man hören kann.

sleeping stone

Den ruhenden Stein, der mit Moos bewachsen ist, habe ich 2017 bei einer kleines Wanderung in den Bergen der Vogesen – in der Nähe der Moselquelle – aufgenommen. Diese Gegend ist für Wanderung wärmstens zu empfehlen.

my foolish heart is dark?

Das dieser Song etwas mit dem berühmte Song My Foolish Heart – hier im Link eine wundervolle Version des Jazzpianisten Bill Evans – zu schaffen haben könnte, konnte ich nicht ahnen, als ich heute morgen mit einer kleinen minimalistischen Pianosequenz mit dem Klang aus der LAB Serie von spitfireaudio begann. Aber manchmal passieren Dinge unerwartet und man ordnet sie dem Zufall zu. Ob es Zufälle gibt oder aber Schicksal, lässt sich wohl niemals vollends ergründen. Auf jeden Fall fand ich die Übersetzung des Textes zu „My Foolish Heart“ interessant. Das Stück ist ein sehr bekannter Jazzstandard und unzählige Mal gecovert worden. Diese Seite zählt alleine 108 Versionen. Gesungen wird die kurze  Gesangspassage von einer in London ansässigen Sängerin namens Elisa Le Bon. Elisa tauchte natürlich nicht persönlich – warum eigentlich nicht? – bei mir im Studio auf, sondern man kann ihre Stimme bei einer Sample-Library-Bude, so möchte ich es nennen, ausleihen. Diese Libraries finden sich  zur Zeit vermehrt im Netz. Neulich flatterte mir ein gutes Angebot ins Haus, welches ich seither manchmal benutzte. Die andere Stimme habe ich mir bei freesoundorg besorgt. Diese Quelle ist immer wieder lohnend, wenn man zu bestimmten Orten, Ländern und Schlagwörtern Klänge sucht, die nicht kommerziell produziert sind und dadurch oft eine gewissen Authenzität haben.

 

my foolish heart is dark?

 

Das Beitragsbild, welches ich dieses Jahr aufgenommen hab, zeigt eine Kartoffel, die ich im Feld fand. Amüsiert hat mich die Herzform der Kartoffel.

monoemoticon one

„monoemoticon one“ ist ein Stück ohne Schlagzeug, wenngleich es natürlich auch Rhythmus hat, hier vor allen Dingen getragen von einem Synthesizerarpeggio. Der Name verrät, dass es hier nicht um Spannungskurven geht, sondern um den „Transport“ eines einzelnen durchgehenden Ausdrucks bzw. einer Emotion. Dies erinnert ein wenig an die Monochromes von Yves Klein in der bildenden Kunst. Ulrich Pontes schreibt zu Emotionen:

Emotionen machen das Leben lebenswert, sind zentraler Bestandteil unseres Seelenlebens. Aber sie sind noch mehr: mächtige Bewertungssysteme, die uns viele Situationen automatisch einschätzen lassen, so dass wir schnell und richtig reagieren können.

Dieser einzelne Ausdruck – diese eine Emotion – wird im Laufe des Stückes nur ein wenig verdichtet und durch die Sologitarre verstärkt. „monoemoticon one“ ist möglicherweise der Auftakt zu Stücken gleicher Machart in der Zukunft.

monoemoticon one

Der Emotionsforscher Robert Plutchik entwarf ein gängiges Modell der Emotionen. Zu welcher Emotion würde man das Stück „monoemoticon one“ zuordnen?

 

Das Beitragsbild zeigt meine Kellertür, die in einem mediterranen Blau monochromatisch gehalten ist. Das Bild wurde 2011 aufgenommen.

hymn

Das Beitragsbild inspirierte mich zu einem hymnenartigen Stück. Das Bild wurde unlängst im Watt in der Nähe von Cuxhaven von einer guten Freundin aufgenommen, die es mir dankenswerterweise zur Verfügung stellt. Wie man nachlesen kann, ist die Hymne ein Lobpreisung bzw. ein Lobgesang und in der ursprünglichen griechischen Bedeutung des Wortes wahrhaftig ein Tongefüge. Na, dann habe ich ja alles richtig gemacht und preise sozusagen das Watt der Nordsee.

Das Stück basiert auf einer lydischen Tonleiter, die sich durch eine erhöhte Quarte (#4) von einer ionischen Tonleiter, besser bekannt als eine „normale“ Durtonleiter,  unterscheidet und verwendet viele metallische Klänge, die ich zur Zeit besonders liebe. Angereichert wird das Stück von einem sanft klingenden Pianoklang, weichen Streicherklängen und einer Elektrogitarre, die ein bisschen soliert.

hymn

selinas spiegel

Der Titel des Beitragsstückes leitet sich von dem Stück Spiegel im Spiegel des estnischen Komponisten Arvo Pärt ab, der auf 1978 auf dem Album Alina veröffentlichte. Pärt erlangte mit seinen mutig einfach gehaltenen Stücken, die nur einen Teil seines Schaffens ausmachen, Berühmtheit in der Klassik-Szene. Ich bin froh, das es solche Komponisten gibt. Zu dem Stück „Spiegel im Spiegel“ habe ich eine besondere persönliche Beziehung, daher widme ich mein „soundalike“ dazu meiner jüngsten Tochter. Das Stück „Selinas Spiegel“ darf man getrost als „soundalike“ betrachten, bedient es sich der gleichen Mittel, sowohl in Auswahl der Instrumente, des Klanges und der musikalischen Strukturen, die weitestgehend auf Dreiklangsbrechungen beruhen.

selinas spiegel

Selinas Spiegel – Partitur

Das Beitragsbild anstand vor zwei Wochen in der Nähe des Ortes Wega in den Morgenstunden, als der Nebel noch über dem Land lag. Das Rauschen des Digitalbildes wirkt hier fast wie ein guter Analogeffekt.

pianologie one

Nein, bei dem abgebildeten Piano handelt es sich NICHT um DIE Pianoklänge, die man im Audifile hört. Das Piano stand eine zeitlang auf dem Hof der Ölmühle in Dorla, die ganz nebenbei gesagt, sehr wohl schmeckendes Öl aus regionalen Saaten produziert.

„Pianologie one“ ist nach stringologie one ein weiteres Stück der „Ologie-Reihe“. Auch hier kommen drei Pattern-Automaten (Arpeggiatoren)  zum Tragen, die „live“ gefüttert ein minimalistisches Geflecht ergeben. Das Stück wurde einmalig aufgenommen und ist NICHT ein Stück eines durchlaufenden Sequenzers. Den Arpeggiatoren liegt jeweils eine 12/8 Matrix  zu Grunde. Beim ersten Arpeggiator lautet der Rhythmus • + • • + • • + • • • + , wobei die Punkte einen gespielten Ton symbolisieren, hingegen das Pluszeichen eine Pause in gleicher Länge bedeutet. Der zweite Arpeggiator hat den Rhythmus • • • + • + • • + • • +, der dritte gibt den gleichen Rhythmus wieder. Das erste Piano ist um eine Oktave nach oben versetzt, das dritte Piano eine Oktave erniedrigt.

Das Wort „piano“ für das Klavier ist eigentlich eine Abkürzung der Bezeichnung „Pianoforte“. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Klavieranschlagsmechanik so stark verbessert, dass es problemlos möglich wurde, leise (piano) und laute (forte) Klänge differenziert und ohne große Mühe dem Klavier zu entlocken. Das Wort „Piano“ für das Klavier ist daher als eine Abkürzung zu verstehen und nennt nur die halbe Wahrheit. Heutzutage ist man ja nicht mehr auf die Mechanik der Klangerzeugung angewiesen, denn der Computer bietet eine Vielzahl von digitalen Pianos, die zuvor aufgenommen wurden.

pianologie one

wibble do one

Dieses Jahr findet wieder ein Bundeskongress des „Bundes für Musikunterricht – BMU“ diesmal in Hannover statt. Fünf Tage lang wird es mannigfaltige Veranstaltungen rund um das Thema „Bildung • Musik • Kultur: Am Puls der Zeit“ geben. Ich werde eine Veranstaltung zum Thema Live Coding mit Sonic Pi anbieten, weil es mich fasziniert, mit wie viel wenig Programmierung (code) schon sehr spannende akustische Ergebnisse erzielt werden können. Um den Kurs ein wenig vorzubereiten, habe ich vor einigen Tagen Beispiele durchforstet und ausprobiert. Ein Beispiel habe ich gefunden, welches ich um ein paar Zeilen und Änderungen ergänzt habe. Es klingt richtig schön avant­gar­dis­tisch oder nach sogenannter Neuer Musik und ergibt sich aus drei Klängen (samples), die unterschiedlich lang und in verschiedenen Tonhöhen zusammentreffen. Hier ist der Programmcode – der einfach in sonic pi eingefügt werden kann – abgebildet:

#wibble do
live_loop :wibble do
sample :ambi_piano, rate: rrand(0.6, 1.4), amp:1
sleep rand(4)
end
live_loop :glass do
sample :ambi_glass_hum, rate: rand(0.8), amp:0.6, attack: 0.5, release: 0.75, cutoff: rrand(60, 110)
sleep rand(8)
end
live_loop :lunar do
sample :misc_cineboom, rate: rand(1), amp:0.3, attack: 0.5, release: 0.75, cutoff: rrand(60, 110)
sleep rand(16)
end

wibble do one

Das Beitragsbild ist ein Blick im Parthenon der Bücher von Marta Minujín, der bei der Dokumenta XIV 2017 auf dem Friedrichplatz begehbar ausgestellt war.

 

boom do

Bei dem Stück „boom do (mx)“ handelt es sich um einen langen EDM Song, der das Subgenre „dark minimal“ bedient. Er ist extrem minimalistisch, werden doch bestimmte Parameter nur langsam graduell verändert. Die sogenannte Wave-Darstellung des Tracks zeigt schön die allmähliche Verdichtung des Stückes.

Die Grundwelle wurde abermals mit der Laufzeitumgebung  sonic pi „berechnet“, wobei verschiede Parameter „live“ verändert wurden. Hinzugemischt habe ich zwei grains, die im Sinne von UKOs ein ganz bisschen Abwechslung erzeugen.

boom do

Das Beitragsbild zeigt eine Bildschirmaufnahme eines Zeitpunktes des laufenden Stückes, indem die Frequenzen des Tracks als sogenannte Lissajous Wellen dargestellt werden, die auf den gleichnamigen Physiker zurückgehen.

max random

Bei dem Elektro-Stück „max random“ habe ich mich abermals durch einen Beitrag aus dem Internet inspirieren lassen. Nicht nur YouTube ist eine unendliche Quelle guter Ideen, sondern auch auf Instagram kann man inspirierende Beiträge finden, wie der Beitrag Randomized Melodies von Propellerhead. Kurz gesagt geht es darum, einen Matrix Player zufällige Tonfolgen herauszulocken, die dann so gefiltert werden, dass die Tonhöhen in eine bestimmte Tonart passen. Dies geschieht bei dem vorliegenden Stück mit dem metallisch klingenden Grundpattern. Die unterschiedlich gefilterte Tonfolge wird flankiert von sogenannten SFX-Klängen, auch „textures“ genannt. SFX steht für S = sounds und FX = lautmalerisch für Effekte, so ist es im Internet nachzulesen. Der Name des Stückes ergibt sich wegen der Verwendung der Zufallsfolgen (= random) und der Verwendung des Matrix Players, der dies ermöglicht.

max random

Das ganze Stück Stück klingt sehr elektrisch, daher erscheint mir das Beitragsbild passend, welches ich in einer Sandgrube aufgenommen habe. Die Baggerschaufel sieht aus wie ein angriffslustiger Roboter, der entfernt an die besonders in den U.S.A. beliebten sogenannten Robot Wars erinnert.

always on simply

Das Stück „always on“ kommt hier in einer „minimal“ Version daher (simply). Geplant ist eine zweite Version mit Stimme und Drums. Aber dazu irgendwann mehr. Das Stück beinhaltet sogenannte UKOs. Wir wissen ja alle, was UFOs sind, aber UKOs? UKO steht für „Unbekanntes Klang Objekt“ und ist ein Begriff der schweizerischen Musikwissenschaftlerin Barbara Flückiger, die in ihrem Buch „Sound Design: Die virtuelle Klangwelt des Films“ (Marburg, 2001) den Begriff prägte. Insbesondere meinte Sie damit bestimmte Teile – besser Klangschichten – einer Filmmusik, die sich nicht direkt akustisch zuordnen lassen:

„UKO: ‚unidentifizierbares Klangobjekt‘,
 dessen Quelle weder im Bild sichtbar ist noch
aus dem Kontext erkennbar wird.“

Heutzutage wird es einem ja relativ leicht gemacht Sounds von bestimmten elektronischen Klangerzeugern zu verwenden und so einzustellen, dass man den Klang nicht mehr direkt zuordnen kann. Dies gibt einem Stück etwas Unvorhersehbares, vielleicht Geheimnisvolles.

always on (simply)

Das Beitragsbild zeigt eine aktuelle Ausstellung in Berlin in der Bekini-Galerie. Farbige Scheiben werfen bunte Flächen auf den Boden. Ich finde diesen Eindruck ganz passend zu der Musik.

sky so blue so clear

Man will es ja kaum glauben. Heute ist ein wunderschöner Tag; kein Wölkchen am Himmel. Der Himmel ist kristallklar und einfach nur blau, wie das Beitragsbild augenscheinlich bezeugt. Es handelt um ein „wirkliches“ Foto ohne jegliche spätere Bearbeitung. Das Stück „sky so blue so clear“ passt hier gut ins Bild. Eine einfache Akkordfolge im tonalen Bereich unterstützt durch zwei verschiedene Grainsamples (Granularsynthese), die dem ganzen Stück ein wenig Mysteriöses verleihen, gespickt mit einer kleinen Pianomelodie. In dem Beitrag chewbacca potato haben wir die Granulatsynthese ja schon einmal kurz kennengelernt. Dieses Stück wurde von einem Post auf Youtube inspiriert. Evenant zeigt in dem Video Harmony Fundamentals – Cinematic Music Tutorial wie sich einfache Akkorde zu einer Melodie finden lassen und brachte mich auf die Idee, die Melodie von einem Pianoklang übernehmen zu lassen.

sky so blue so clear

stringologie one

Das Stück „stringologie one“ arbeitet mit Hilfe von Arpeggiatoren, also auch wieder musikalische Automaten,  die jeweils Stringsounds (Geigenklänge) ansteuern. Aus dem Zusammenklang  von drei Violinen ergibt sich eine Stimmung, die mich an Steve Reichs Different Trains erinnert. Stringologie One ist eine „Live-Aufnahme“, die nicht „durchprogrammiert“ bzw. „sequenziert“ ist, sondern wurde „einmalig“ aufgenommen und stellt somit ein Unikat dar.

stringologie one

Das Beitragsbild bringt den Schreibtisch meiner Tochter. Die Aufnahme wurde mit der App Prisma verfremdet. In der Mitte zeigt es eine Art Flächenmuster. Flächenmuster werden manchmal herangezogen, um Minimal Music zu visualisieren. In genialer Art und Weise wurden Flächenmuster von M.C. Escher illustriert.

streich

Ich bin ein großer Fan sogenannter minimal music, eine spezielle Richtung zeitgenössischer klassischer Musik mit Mut zu durchgehenden Rhythmen und einfachen Harmonien. Die bekanntesten Vertreter sind: Steve Reich, Phil Glas und John Adams. Schon als Schüler habe ich Steve Reichs „Music For 18 Musicians“ rauf und runter gehört. Während des Studiums wurde von Dr. Ulli Götte aus Kassel In Prozess, das erste Minimal-Orchester Deutschlands in den achtziger Jahren gegründet. Ich durfte als Gründungsmitglied die ersten Jahre mitspielen, was mir sehr gut gefallen hat. Alle zehn Jahre werde ich zum Jubiläumskonzert eingeladen und spiele dann auch manchmal bei einem Stück mit; das Orchester existiert noch immer und tritt auf. Regelmäßig wird in Kassel ein internationales Minimal-Festival veranstaltet.

Meine Schüler kommen an meiner Vorliebe zur Minimal Music auch nicht vorbei und sie müssen z.B. beim Kurs „Form in der Musik“ so manches Minimalstück im Unterricht spielen und ergründen. Daher lasse ich mir manchmal auch selber etwas einfallen. Herausgekommen ist zum Beispiel das Stück „Streich“, ein Steve Reich „soundalike“ für Piano, Mallet, Flöte und Posaune.

streich

Das Bild wurde im Herbst im Hochmoor der hessischen Rhön aufgenommen und erinnert mich mit seinen Strukturen an minimalistische Musik.