sanaa

Wie bereits angekündigt möchte noch jeweils einen Beitrag zu den zwei Stücken schreiben, die zwar auf dem Album go east veröffentlicht wurden, aber bisher noch nicht in das blog geschafft haben. Ja richtig, es muss heißen das blog und nicht der blog, denn es ist ja DAS Tagebuch, sozusagen.

2004 hatten wir das große Glück in den Jemen reisen zu dürfen. Ein Freundin hatte einen Job für die Entwicklungshilfe in der Hauptstadt des Jemen Sanaa beim Waterresearch-Programm angenommen, ihr Lebensgefährte wanderte mit aus und wir wurden eingeladen, sie besuchen zu kommen. Es war eine hoffnungsvolle Zeit für den Jemen. Das Land war gerade dabei sich zu öffnen und es wurden Versuche unternommen Demokratisierungsprozesse einzuleiten. Wie sich herausstellte, betraf dies aber eigentlich nur die Hauptstadt, denn die Strukturen auf dem Lande ließen sich auf keinen Fall von heute auf morgen verändern, auch wenn der Westen dies gerne gesehen hätte.

Wir wurden herzlich willkommen geheißen, denn weil die rot-grüne Schröder-Fischer Regierung die Beteiligung beim zweiten Irakkrieg (auch dritter Golfkrieg genannt) – vielleicht auch aus wahlpolitischen Gründen – verweigerte, wurden deutsche Touristen hoch angesehen und wir hatten unsere damaligen einjährige Tochter mit einer sehr blonden Haarpracht dabei, was die Einheimischen bewunderten.

Es ist zwar aus den Medien verschwunden, aber dem Jemen geht es in vielerlei Hinsicht sehr schlecht, ist er seit vielen Jahren der Schauplatz eines gräßlichen Stellvertreterkrieges Saudi-Arabiens mit dem Iran. Die ohnehin schon schlechten Bedingungen haben sich noch weiter verschlechtert, dem Jemen geht dramatisch das Wasser aus, Lebensmittel werden nicht produziert, außer der Volksdroge Kat, was die letzten Wasserreserven aufbraucht. Die Bevölkerung stirbt an Hunger und entsetzlichen Krankheiten. Erstaunlich ist, dass die Medien eine zeitlang von weltpolitischen Brennpunkten berichten und dann erlischt das mediale Interesse. Zur Zeit liest man nur Nachrichten aus Afghanistan, der Jemen kommt in der Berichterstattung nicht mehr vor.

2004 war wie gesagt eine Zeit, wo man noch einigermaßen beruhigt in das Land einreisen konnte und durch unsere Freunde von Ort, konnte wir das Land natürlich auf andere Art und Weise bereisen, als wenn wir ohne Kontakte einfach nur einen „normalen“ Urlaub versucht hätten. Der Jemen erlangte mal kurzfristig mehr westliche Aufmerksamkeit, als z.B. Günter Grass z.B. auf Einladung der Regierung einer Kulturaustauschtagung beiwohnte und die berühmte Stadt Shibam mit ihren mehrstöckigen Lehmbauten besuchte.

Nach wie vor bekommt das Land Jemen von der Bundesrepublik Deutschland viel Geld überwiesen. Es war mal Schwerpunktland der Entwicklungshilfe.

sanaa


Die Audiodatei dieses Beitrags verwendet die Originalaufnahme eines Muezzins, die ich damals mit einem Minidisc (MD) Recorder aufnahm. MD Recorder erlaubten in Gegensatz zu aufnahmefähigen Walkmans auf Kompaktkasettenbasis erstmals für den interessierten Laien digitale Aufnahmen auf einer kleinen Scheibe (Minidisk), die viel weniger rauschten, als die analogen Aufnahmegeräte.

Der mit flächigen Klangbildern ergänzte Soundscape zeichnet ein düsteres Bild, was zur aktuellen Lage im Jemen passt und dazu beitragen soll, den Jemen nicht zu vergessen.

Das Beitragsbild wurde 2004 in Sanaa aufgenommen und zeigt eine bizarre einzigartige Wolkenformation.

worldplug

Die aktuelle Flutwasser Katastrophe hat mich an das Hochwasser Ereignisse vergangener Jahre erinnert. Vor vielen Jahren besuchte ich einen alten Studienfreund in Bonn, der inzwischen Vater geworden war. Als wir mit seiner vierjährigen Tochter am Rhein spazieren gingen und uns den Hochwasserstand ansahen, sagte das kleine Mädchen: „Da hat einer den Weltstöpsel gezogen!“ Ich konnte da nur beipflichten und war von dieser Aussage oder sollte ich besser sagen Einsicht begeistert!

Wenn enorme Wassermassen wie im Westen und Süden Deutschlands herunterkommen, hat man auch den Eindruck, dass jemand einen Stöpsel entfernt hat. Man kann von Glück sprechen, wenn man gerade in einer Gegend wohnt, die nicht betroffen ist. Die Betroffenen brauchen jede Hilfe und Unterstützung.

Jeden Morgen, wenn ich meinen Kaffee koche und Wasser in den Abfluss läuft, macht dieser aufwendige Geräusche und ich denke an die Geschichte über den Weltstöpsel zurück. Anlass genug, um mal wieder für die Reihe „from Soundscape to Sounddesign“ ein Stück beizutragen.

worldplug

In der Vergangenheit liegende Beiträge beschäftigten sich auch mit veränderten Soundscape Aufnahmen. An erster Stelle möchte ich den Beitrag door arrival in Erinnerung rufen und man kann auch nochmal bei holiday on ice schauen. Grundsätzlich kann man auch die Eingrenzung mittels der Kategorien in der Seitenleiste vornehmen um gezielter eine bestimmte Art von Beiträgen zu finden. Die Kategorien in diesem Fall wären soundscape und sounddesign.

sink drain original


Dreimal darf geraten werden, um welches Objekt es sich beim dem Beitragsbild handelt!

yellow market

Was verbindet wirklich alle Menschen auf der Erde? Ja richtig, das Essen. Und wo kauft man die Lebensmittel ein? Meistens im Supermarkt, aber nicht nur. Es gibt ja noch gelegentlich die kleinen Läden, die man unbedingt unterstützen sollte und es gibt den Wochenmarkt. Hier bei uns am Samstag auf dem Marktplatz. Diese Saison geht gerade wieder los. Gemüse, was von meiner Frau nicht selber aus dem Garten geholt wird, wird bevorzugt vom Biobauern auf dem Markt – wer Bio will, der geht zu Till – besorgt, oder vom kleinen Bioladen. Erst dann geht es in den Supermarkt. Die meisten Seiten im Internet drehen sich – sieht man man von Seiten mit pornographischen Inhalt ab – ums Essen und natürlich um dessen Zubereitung. Es gehört zu den angenehmen Möglichkeiten des WWW, dass man sich die herrlichsten Rezepte besorgen kann. Bisher habe ich jedes Rezept gefunden, was ich gesucht habe.

Das Beitragsbild zeigt einen Stand in Mallorca, der vor etlichen Jahren von uns besucht wurde. Die Mittelmeeranrainer, dazu zähle ich jetzt auch mal die Mallorquiner, haben natürlich eine lange Marktplatztradition und ich habe den Eindruck, dass die Märkte dort selbstverständlicher genutzt werden, als bei uns in Mitteleuropa. Das Foto mit dem Marktstand von Schwämmen wurde mit der Software Sketcher verändert.

yellow market


Zugegeben: Ich habe den Titel des Stückes dem Titel Black Market der Gruppe Weather Report entlehnt, da es sich bei dem heutigen Beitragsstück um so eine Art soundalike handelt. Die Idee, den Anfang mit einem Soundscape eines exotischen Marktplatzes zu belegen, habe ich übernommen, indem ich aus mehreren Samples von freesound.org etwas zusammengestellt habe, sowie die Basslinie, die doch deutlich an das Original erinnert. In der Mitte des Stückes habe ich ein kleines musikalisches Zitat eingebaut. Entstanden ist das Stück eigentlich, weil ich meinen Oberstufenschülern die Anwendung des sogenannten Fauxbourduns klingend erklären wollte. Der Fauxbourdun – auch „Bordun“ geschrieben – erweitert eine Melodiestimme um parallel geführte Terzen und Sexten und fand in der weltlichen Musik – auch in der kirchlichen – des Mittelalters häufige Anwendung. Man bekommt damit schnell einen sogenannten Sound hin, der an die Voicings von Joe Zawinul (Gründer der Gruppe Weather Report) erinnert. Am Ende des Stückes benutze ich erstmals ein Gitarren Synthesizer Plug-In. Einen schnellen Rechner vorausgesetzt, ersetzt das Plug-In einen eigenständigen Gitarrensynthesizer mit einem speziellen Tonabnehmer, da das Plug-In in der Lage ist, in Echtzeit die Gitarrensignale einem Klangerzeuger zur Verfügung zu stellen. Natürlich hätte ich diese Stimme auch direkt mit dem Keyboard einspielen können, aber ich spiele mit der Gitarre andere Linien und daher war es einen Versuch wert. Mal schauen, wohin diese Reise noch führt!

detroit algoritm

Mit dem heutigen Beitragsstück nehme ich an der Songchallange initiiert von DJs vor Climate & Greenpeace teil. Aufgabe war es Samples des Greenpeace Folders zu benutzen und in beliebiger Form in einem Track zu verwenden. Einige Samples sind unschwer zu erkennen, andere, wie z.B. die des zunächst einsetzenden Schlagzeugs nicht von anderen Drumsounds zu unterscheiden.

Bis auf die elektronische Gitarre stammen alle Sounds von einem neuartigen FM Synthesizer der Firma reasonstudios mit dem Namen Algoritm, der eine breite Palette von druckvollen Pluck- and Bellssounds liefert und darüber hinaus knarzende Bässe, sowie wundervolle retrospektivische Leadklänge bereitstellt. Dieses virtuelle Instrument ist einfach zu bedienen und das Besondere ist, auf Knopfdruck werden zufällige neue Klänge geliefert. Detroit fand Einzug in den Titel, da ein verwendeter Drumsound so benannt ist.

detroit algoritm (djs for climate one)


Die Corona-Pandemie hat viele Themen verdrängt, aber allmählich kommt das Thema „Klimawandel“ wieder ins Bewusstsein zurück. Gestern wurde ein Statistik des deutschen Wetterdienstes verflicht, die besagt, dass obwohl wir zwei wirklich kalte Winterwochen – hier wurden bis zu -24° Celsius gemessen – mit Schnee hatten, der gesamte Winter schon wieder durchschnittlich zu warm und trocken war. In wie weit diese Klimaveränderung menschlich bedingt ist, kann schwer eingeschätzt werden. Sicher ist, die menschliche Umweltverschmutzung trägt deutlich bei und die Art und Weise der Landwirtschaft begünstigt das Sterben der Böden. Ich hatte vor etlichen Monaten in dem Beitrag we live in a strange world feat. greta thunberg schon mal ähnliche Gedanken ausgeführt.

DJs for climate & Greenpeace wollen auf dem kulturellen Weg einen Betrag zum Klimawandel leisten und schreiben:

We believe that culture and music can play an important role in the climate movement, offering inspiring visions, unity and the opportunity for the music community to come together and get involved. We are looking for inspiring visions of the future, trying to create an opportunity for momentum and change from a time of huge uncertainty.

The CLIMATE SAMPLE PACK offers an entry point to dig into this question. Using field recordings made by Greenpeace during years of vital action on behalf of our planet, we’ve crafted a wild array of unique sounds: Arctic ice claps, Amazonian storm loops, Pacific wave crashes, Synth whales and many more sparks for sonic exploration.These sounds have stories and we’re excited to hear you channel them into an amazing track which inspires, elevates or simply moves butts. We’ll release our favorites next year, and pick a select few to press on greenest vinyl ever made.

Das Beitragbild wurde vor wenigen Wochen aufgenommen und zeigt eine Schneelandschaft, die symbolisch für das Weltklima steht.

westworld

Und aller guten Dinge sind Drei. Auch diesmal lässt mich das Thema „tundra“ nicht los, allerdings in einem ganz anderen Zusammenhang. Wie man als aufmerksamer Leser dieses blogs schon mitbekommen hat, liebe ich es bisweilen an „competitions“ teilzunehmen. Diesmal schrieb die „Samplebude“ Spitfireaudio – hier schon vielfach erwähnt – die #westworldscoringcompetition2020  aus und ich beschloß schlagartig teilzunehmen. Ich montierte in Windeseile meine beiden letzten Tundra-Stücke unter den Trailer und fand diese moodtechnische Vorgehensweise durchaus machbar. Das Ergebnis findet sich bei Youtube.

Der Begriff Westworld traf mich sehr mindestens in zweierlei Hinsicht.

1. Der Film Westworld aus dem Jahre 1973 hatte mich als Jugendlicher enorm fasziniert. Der Aspekt, dass geniale Technik nicht mehr zu beherrschen ist, hat man sie einmal erschaffen, beeindruckte mich nachhaltig, genauso wie der ganze Plot des Films. 2016 wurde eine Serie mit dem gleichen Titel produziert und erfreute sich in Amerika großer Beliebtheit. Anscheinend kommt 2020 die Season 3 dieser Serie heraus.

2. In dem Namen Westworld steckt ja, der sogenannte Westen, die westliche Welt. Jahrzehntelang hat der Westen, gespeist aus den besten Jahren der USA, den Ton angeben und arrogant behauptet, dass der Neokapitalismus die einzig richtige Staatsform sei und die den anderen Staaten imperialistisch aufgedrückt werden müsste. In den letzten Tagen stellt sich heraus, dass dieses Modell höchst krankhaft bis morbide ist. Blicke in die Zukunft könnten sehr düster ausfallen. Amerika ist ein Scherbenhaufen, hat weder Staatsfinanzen noch den selbsterschaffenen Rassismus im Griff und wird überdies noch von einem verwirrten Narzissten geführt.

UPDATE: Die Competition ist beendet und die Gewinner wurden gekührt. Es hatten sich 11.000 Einsender beteiligt! Die YouTube Kommentar-Gemeinde war nicht schlecht erstaunt, welche Filmmusik gewonnen hat und hat dies auch unmissverständlich in den Kommentarzeilen zum Ausdruck gebracht. Ich persönlich bin auch sehr erstaunt und wundere mich, hatte ich doch einen ganz anderen Beitrag als Gewinner vermutet. Man kann dieses Youtubevideo zu Bekanntgabe der Gewinner aufrufen.

Das Beitragsbild zeigt diesmal schon eher eine Tundralandschaft als die beiden Beitragsbilder der letzten Einträge, aber die Gräser, die hier abgebildet sind, sind zu saftig, zu gut genährt, als das hier eine wahrhaftige Tundra-Graslandschaft abgebildet sein könnte.

tundra one

So ist es manchmal: Die erste Episode folgt der Zweiten. So zumindest in der Abfolge der „tundra sounds“ innerhalb dieses blogs. Wir bleiben also nochmal bei den Klängen der Labs Serie „Tundra“. Ich habe einige der angebotenen Klänge zusammengestellt und ein atmosphärisches Sounddesign erstellt. Allmählich stellt sich ein Rhythmus der „tundra sticks“ ein und ein tonhöhenmanipulierter Pianoklang tropft melodienartig Akzente in das Geflecht, sodass die Verdichtung zunimmt. Hört doch bitte selbst!

tundra one

Das Beitragsbild zeigt das gleiche Feld des letzten Beitrages!

the sound of silence

Compose 1 minute of sound about „Silence“, and describe your choices/idea. Ich interessieren mich momentan sehr für die vielfältigen und netten Competitions bei metapop. Anlässlich des Eufonia Festivals, welches just an diesem Wochenende in Berlin stattfindet, begegnet man auf der Seite eine Einladung zur producer competion mit dem Thema the sound of silence. Nun würde man ja direkt denken, eine Minute „sound“ und gleichzeitig „silence“, ein Widerspruch in sich, ein nicht lösbares Rätsel. [Mein Nachbar klärte mich darüber auf, dass man so etwas ein conundrum nennt, aber dies nur sei nur nebenbei erwähnt.] Wenn wir uns aber erinnern, wie in einem Film Stille dargestellt wird, müssen wir feststellen, dass Stille dort niemals mit NICHT-KLANG einhergeht, also es die totale Stille meistens nicht gibt. Vielmehr begegnet man einem Klang von Wassertropfen, den Sound von Wind, sehr tiefe lange Töne oder sogenannte UKOs (Zur Klärung dieses Begriffs bitte den Beitrag always on nachlesen), um nur einige Möglichkeiten zu nennen. Milosz Jeziorski hat sich in dem ausgezeichneten Beitrag music vs. silence mit dieser Thematik beschäftigt und gibt einige sehr interessante Gedanken dazu preis.

Ich fand die Idee auf jeden Fall sehr spannend und habe selbst eine Minute Stille erzeugt, die keine Stille ist, sondern doch deutlich ein sounddesign im Sinne Jeziorski. Ich bin sehr erstaunt wie vielfältig die Beiträge der Einsender sind und mit welchen Worten sie die Einsendungen beschreiben. Schaut bitte mal selbst bei dieser Seite von metapop nach. Ich habe als Ausgangsmaterial eine soundscape Aufnahme verwendet (sonntagmorgen) und diese mit dem schon mehrfach erwähnten Grain-Sampler verändert. Dazu gesellt sich u.a. auch eine Aufnahme mit Eiswürfeln in einem Weinglas (Beitrag holiday on ice). Die Klänge wurden mehrfach in ihrer zeitlichen Ausdehnung sowie in ihrer Tonhöhe verändert und erneut hinzugenommen (resample).

the sound of silence


Das Beitragsbild wurde vorletztes Jahr im Januar an einem Sonntagvormittag aufgenommen. An einem Sonntagmorgen stellt sich manchmal eine besondere Stille ein.

sonntagmorgen

Heute mal wieder seit langem ein klassischer Soundscape. [Wenn man die Kategorien benutzt, kann man alle soundscapes dieses blogs schnell finden.] Ich saß letzten Sonntagmorgen ein paar Minuten an der Bushaltestelle, weil mir aufgefallen war, dass es im Dorf außerordentlich ruhig war. Die in der nähe gelegene Autobahn verhielt sich einigermaßen zurückhaltend, obwohl man das Grundrauschen der Autobahn immer noch heraushört. Dies kommt bevorzugt an Sonntagvormittagen vor, wenn die Menschen noch nicht mit ihren KFZ in der Gegend herum fahren. Die Vögel waren gut zu hören. Ich bin leider kein Vogelstimmenexperte und kann nicht sagen, um welche Vogelarten es sich handelt. Aber vielleicht erkennst du ja sofort eine Art und teilst mir das mit?

Ich habe zwei Aufnahmen durchgeführt: 1. Mit einem iPhone SE und 2. mit einem ZOOM H2n Handy Recorder. Grundsätzlich ist es unglaublich, mit welcher Aufnahmequalität Aufnahmen heutzutage möglich sind. Ich kann mich noch gut an Zeiten in meiner Jugend erinnern, da zogen wir mit SONY Walkmans – also auf Compact-Kassette basierende Systeme – los, die aufgrund ihrer Technik natürlich noch enorm viel mit dem Thema „Rauschen“ zu tun hatten. Ein UHER Tonband hätten wir gerne benutzten wollen und die digitalen Aufnahmesysteme standen noch nicht zur Verfügung. Einige Jahre später kamen die ersten MD Recorder mit Aufnahmefunktion heraus. Diese eigneten sich hervorragend um rauschfreie Aufnahmen zu machen, waren aber empfindlich und zunächst natürlich auch sehr kostspielig.

Das iPhone nimmt ohne ein zusätzliches Ansteckmikrofon nicht in Stereo auf. Die Aufnahme wurde manipuliert, so dass wir hier ein Pseudostereo hören. Beide Aufnahmen wurden leicht mit einem Equalizer behandelt und mit ein bisschen zusätzlichem Raumklang versehen.

sonntagmorgen 1

sonntagmorgen 2

Das Beitragsbild zeigt eine Heckenrosenknospe nah des Aufnahmeplatzes.

whats behind the curtain

Diese Textzeile verwendete die Performancekünstlerin und Musikerin Laurie Anderson in ihrem Stück Born Never Ask auf dem Album Big Science aus dem Jahre 1981.

It was a large room. Full of people. All kinds
And they had all arrived at the same building
At more or less the same time
And they were all free. And they were all
Asking themselves the same question:
What is behind that curtain?

https://genius.com/Laurie-anderson-born-never-asked-lyrics

Die Frage „what is behind the curtain?“ hatte mich damals unglaublich in den Bann gezogen, stößt sie doch – jedenfalls für mich -, wenn sie gerade ausgesprochen ist, eine Tür in die Welt des Geheimnisvollen auf. Klar, etwas ist vor dem Vorhang, aber was ist eigentlich dahinter? Man kann dies auch ein bisschen auf die akustische Welt übertragen, zum Beispiel wenn wir an das Spiel „Ich sehe was, was du nichts siehst„, denken und es als akustisches Spiel ummünzen, indem wir einen Klang bzw. einen Sound hören und nun vermuten, wer oder was den Klang erzeugt hat oder wo und unter welchem Umständen der Klang aufgenommen wurde beziehungsweise entstanden ist.

Wollen wir mit dem Spiel beginnen? Höre dir den Klang an und vermute, was den Klang erzeugt hat? Wenn du noch genauer hinhören möchtest, aus welchen verschiedene Geräuschen setzt sich der Klang zusammen?

Hast du richtig vermutet? Dann hast du gewonnen. Klopfe dir auf die Schulter, halte kurz inne und beglückwünsche dich! Atme tief ein und erlaube dir, diese wunderbare Erfahrung in den morgigen Tag mitzunehmen. Wer jetzt Spaß an diesem akustischen Spiel bekommen hat, der darf sich eine ganze Präsentation mit weiteren Höraufgaben gleichen Formates herunterladen. Die Klänge wurde 2018 im Rahmen eines KLANGSAMMLER PROJEKTES einer Klasse des 5. Jahrgangs zusammengestellt und für einen Medienwettbewerb eingereicht.

Das Beitragsbild kann hier nicht direkt der Klangerzeuger sein, sonst wäre der Spielwitz des heutigen Beitrages verloren. Ich habe ein Bild gewählt, welches mir ausreichend skurril vorkommt, um hier als Platzhalter zu fungieren. Bei einer Tagung im Hochtaunus bot sich als erster Blick in einen Raum des Hotels eine Rasenmäherauststellung. Mit diesem Anblick hatte ich wahrhaftig nicht gerechnet.

silent night

Letzte Woche hatte ich beruflich in Frankfurt zu tun. Wegen einer Zugpreisbindung fand ich noch Gelegenheit nach der Veranstaltung auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt am Römer eine kleine Tonaufnahme zu machen, welche ich in einem Ausschnitt hier vorstelle. Das Beitragsbild entstand an der besagten Stelle. Mich fasziniert immer wieder das fast babylonische Stimmengewirr auf solchen Märkten, welches sich mit Musik aus den Lautsprechern der Ständebetreiber mischt. Wenn man bei dem folgenden soundscape genau hinhört,, kann man Stille Nacht, heilige Nacht von Franz Xaver Gruber im Hintergrund erklingend heraushören. Was es mit soundscapes auf sich hat, kann man in älteren Beiträgen nachlesen, wenn man beispielsweise in der rechten Seitenleiste die Kategorie soundscape anklickt oder diesem Link folgt.

silent night frankfurt

Bei Stille Nacht, heilige Nacht handelt es sich vermutlich um das bekannteste traditionellen Weihnachtslied. Es wurde von Franz Xaver Gruber im Jahre 1818 zum ersten Male aufgeführt und ist seitdem nicht mehr aus der Weihnachtzeit wegzudenken. Eigentlich hätte es diese Lied verdient bewußt gehört zu werden, aber auf Weihnachtsmärkten verkommt es zur Geräuschkulisse, indem es funktionalisiert wird.

Vor einigen Jahren fand ich eine interessante Reharmonization des Stückes von Martan Mann. Ich hoffe, er erlaubt mir seine Reharmonization hier wiederzugeben.

In der folgenden Version wird der Klang des Klaviers noch durch einen Stringsound aufgehübscht.

silent night piano & strings

cityIncityOut

cityIncityOut

Was passiert eigentlich, wenn man mindestens 30 Klänge auf einmal abspielt? Genau, es entsteht ein großer Krach. Vielleicht nicht so ganz wie beim bekannten Urknall, aber immerhin. So geschehen beim Stück „cityIncityOut“. Und dies war eigentlich ein Zufallsprodukt. Kommen alle Frequenzen des hörbaren Spektrums auf einmal zu Gehör, entsteht ein großflächiges Rauschen. Wenn diese Frequenzen nur kurz gleichzeitig erklingen, gibt es einen lauten Knall.

Vor vielen Jahren hatten wir die Gelegenheit mit mehreren computerinteressierten Kollegen mehrere Tage zusammen zu sitzen und uns unter anderem mit sogenannten „soundwalks“ zu beschäftigen. Bei einem „soundwalk“ spaziert man schweigend durch die Landschaft und lauscht den Klängen, die während des Spaziergangs zu hören sind. Man kann natürlich die Klänge der Umgebung mit einem Aufnahmegerät aufnehmen. Wir nahmen auch Klänge der Stadt Kassel auf. Geleitet und theoretisch unterfüttert wurden diese „soudwalks“ von dem WDR Reporter, Klangökologen und Hochschulprofessor Hans Ulrich Werner. Hier gibt es einen interessanten Artikel zu seinem Beschäftigungsfeld.

Die aufgenommen Klänge überspielten wir auf unsere Rechner, um sie zu collagieren und akustisch auszuwerten. Als ich den Sampler mit den Stadtklängen lud, passierte, dass unterschiedlich lange Klänge auf einen Tastendruck gemeinsam erklangen, aber zu unterschiedlichen Zeiten endeten. Dieser zufällige Effekt wird in dem Stück zunächst rückwärts (reverse) wiedergeben und dann vorwärts in der ursprünglichen Abspielrichtung. Unterlegt werden die Klänge von einer digital verfremdeten Aufnahme von Schritten über einen Kiesweg. Grafisch lässt sich das Stück so darstellen:

Das Beitragsbild zeigt eine Aufnahme eines Außenaustellungsplatzes der italienischen Künstlerin Lara Favaretto hinter dem alten Hauptbahnhof in Kassel während der dokumenta 13, die verschiedene Altmetallteile sorgfältig zu einem Ensemble zusammengestellt hatte.

 

rana temporaria

Rana Temporaria ist die lateinische Bezeichnung für den – ursprünglich – in ganz Europa weit verbreiteten Grasfrosch. Diese Froschart ist vor allem deshalb gefährdet, weil ganz einfach die Lebensräume für Amphibien in Deutschlang durch Landversiegelung stark zurückgehen. Mir hat neulich jemand erzählt, dass in der Bundesrepublik täglich eine Fläche von ca. 94 Fußballfeldern  versiegelt werden. Dies wollte ich zunächst gar nicht glauben. Das kann man aber beim Umweltinstitut München e.V. im Flyer „Naturnahe Gärten“ nachlesen. Das heutige Beitragsaudio ist sozusagen eine RAW-Datei. Sie ist ungeschnitten und unbearbeitet. Aufgenommen wurden die Grasfrösche am 04.05.2014 in einer ehemaligen Sandgrube unweit von Gudensberg Obervorschütz nahe des Golfparkes.

Bemerkenswert erscheint mir, dass gerade ehemalige Industriegebiete teilweise zu den letzten Refugien aussterbender Amphibien zählen. Dies klingt nach ein wenig Ironie. Das „Froschkonzert“ ist ein soundscape im eigentlichen Sinne, so wie es der bereits im Beitrag Cityscape Peru erwähnte kanadische Komponist und Klangökologe R. Murray Schafer in seinen Arbeiten ausführte. Er war der Auffassung, dass man die Bevölkerung nicht mit Appellen und Verboten zu mehr Klangsensibilät bewegen könnte, sondern ihnen Möglichkeiten aufzeigen sollte, wie man sich mit den Klängen der unmittelbaren Umgebung tiefergehend auseinandersetzten kann. Dazu hat er ein  wertvolles und sehr praktisches Buch mit über 100 Übungen und dem Titel Anstiftung zum Hören herausgebracht. Als ich vor einigen Jahren an der Kasseler Uni einen Lehrauftrag an der Fakultät ästhetische Erziehung zum Thema „Vom Soundscape zum Sounddesign“ hatte, habe ich nach diesem Vorbild einige Übungen übernommen und eigene hinzugefügt, die man hier nachlesen kann: Anstiftung zum Hören -Studentenversion.

rana temporaria

Der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky schrieb  1931 in: ›Der Mensch – Die Weltbühne‹ mal folgenden bemerkenswerten Satz:

Der Mensch hat, neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören.

In relativer Nähe zum Froschkonzert – ca. 1,5 km Luftlinie – verläuft die Autobahn (A) 49. In der Woche stellt die Lärmbelastung schon eine große Beeinträchtigung der Lebensqualität dar. Hier ein kleiner Eindruck von vorbeifahrenden Autos. Allerdings ist die Aufnahme während eines Sonntages entstanden, also am Wochenende, während das Verkehrsaufkommen im Vergleich zu einem Werktag doch deutlich geringer ist.

cityscape peru

Das Beitragsbild stammt von meinem Kunstpädagogen Kollegen Achim aus Kassel. Mit einer Gruppe Jugendlicher wandelte er 2006 zwecks Austausch in Peru und als passionierter Fotograf brachte er schöne Fotos mit. Eines dieser Fotos gefiel mir besonders gut.

Damit sich auch die Daheimgebliebenen ein „Bild“ machen konnten, wurde eine Ausstellung organisiert, die so aufgebaut war, dass alle Besucher einen kleinen Parcours durchlaufen mussten. Daher bat Achim mich, durch einen kleinen auditiven Beitrag, den Durchlauf sinnlicher zu gestalten. Herausgekommen ist eine „soundscape composition“ mit dem Titel „cityscape peru“.

Für diese „soundscape composition“ (soundscape = Kunstwort für Klanglandschaft) hatte ich mich seinerzeit abermals auf der Internetseite freesound.org bedient, bewußt Klänge aus Peru herausgesucht und zusammengestellt. Da es sich überwiegend um urbane Klänge handelt, wurde der Begriff „cityscape“ – in Anlehnung an „soundscape“ – geprägt.

cityscape peru 

Immer, wenn ein ursprünglicher „soundscape“ einer Manipulation wie Schnitt und technischer Veränderung, wie zum Beispiel hinzufügen von Hall, unterliegt, oder auch einzelne Teile neu zusammengestellt werden, handelt es sich im strengen Sinne schon um „sounddesign“.

Der 1933 geborene kanadische Komponist Raymund Murray Schafer gilt als einer der „soundscape“ Pioniere. In Vancouver rief er 1971 mit dem World Soundscape Project eine Art auditive Ontologie ins Leben. Ihm kam es besonders darauf an, dass Klänge einer Umgebung (acoustic environment) in einem Sinnzusammenhang bleiben und nannte die beteiligten Klänge „sound events“. Damit war er der Gründer der sogenannten acoustic ecology Bewegung. Wird mit „sound events“ gearbeitet, kann man von einer „soundscape composition“ sprechen.

Der 1910 in Frankreich geborene Komponist Pierre Schaeffer, bekannt für seine musique concrète, arbeitete auch gerne mit Klängen, die er aus Natur und Umgebung bezog. Er legte aber keinen Wert auf einen lokalen oder sinnstiftenden sozialen Zusammenhang der Klänge. Solche Klänge werden dann als „sound objects“ tituliert. Die Zusammenstellung solch verwendeter Klänge zu Kompositionen grenzt man dann als „soundobject composition“ ab.

Bemerkenswert finde ich, dass beide Komponisten SCHA[E]F[F]ER heißen.

wie klingt weimar?

Wie klingt [eigentlich] Weimar? Können Städte einen eigenen, individuellen Klang haben? Und wenn ja, durch welche Klänge wird dieser Eindruck geprägt? Dieser Frage ging ich mit meinem Freund Olaf Pyras (Musiker und Klangsammler) im Sommer 2012 nach, als wir Klänge zur Vorbereitung unserer gleichnamigen Seminarreihe für den ersten gemeinsamen Bundeskongress der damaligen Schulmusikerverbände AfS und VDS (jetzt BMU – Bund für Musikunterricht) aufnahmen. Die Seminare wurden durch einen Artikel, der in der Zeitschrift „Musik und Unterricht 110“ erschien, dokumentiert. Hier kann der Artikel nachgelesen werden. Das Youtube-Video lässt die gesammelten Klänge in annähernd chronologischer Reihenfolge erklingen, während die passenden Bilder dazu angezeigt werden.

waldkuh

Bei meinen Workshops zum Umgang mit AUDACITY, gehört die Übung „Waldkuh“ zu meinen liebsten Übungen. Das Stück „Waldkuh“ ist eigentlich kein echter soundscape, es ist eher Sounddesign, denn Klänge werden gemischt, die ursprünglich aus unterschiedlichen Zeiten und aus unterschiedlichen Orten stammen. Bei dieser Übung lernt man, wie man mit einfachen Mitteln dadurch Raum erzeugen kann, dass man die sounds in ihrer Lautstärke und in ihrem Panorama (links – rechts) anordnet. Im Hintergrund läuft eine klangliche Textur, eine sogenannte „keynote“. Hier sind das die Waldvögel.

waldkuh

Das Bild mit der Waldkuh wurde mir freundlicherweise von Claudia Hinz zur Verfügung gestellt.