halloween

Jetzt war es wieder soweit. Die Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November wird vielerorts als Halloween gefeiert und erfreut sich insbesonders bei den Kindern großer Beliebtheit, allein einige Erwachsene auch an diesem Fest Gefallen finden. Die Kinder haben nunmal Spaß an der Verkleidung, Süßigkeiten springen auch heraus, wenn sie von Haus zu Haus ziehen und der Mensch ansich nimmt gerne offensichtliche Gründe her, um ein Fest zu feiern. Ich selber habe kein Spaß an Halloween, nicht weil ich ein humorloser Mensch bin, sondern weil ich immer der Meinung war, bei Halloween handelt es sich um ein amerikanisches Fest. Und amerikanische Festbräuche brauche ich eigentlich nicht. Man spricht von einem sogenannten kulturellen Re-Import. Schaut man sich allerdings im großen Netz zu dem Thema um, merkt man schnell, dass die ganze Geschichte so einfach auch mal wieder nicht ist. Eine große Gruppe meint, dass das Halloweenfest auf sehr alte keltische Gebräuche zurück geht (‚Samhain‘ heißt der Tag zum Abschied von der hellen Jahreszeit und das Fest des Erntedanks.), andere sehen mitteleuropäische Feste als ursprünglich an. Manche andere können Zusammenhänge mit der Christianisierung herstellen. Die Christen waren ja stets bemüht ihre Feste – in diesem Fall Allerheiligen – mit heidnischen Festen zu verschmelzen, um der Bevölkerung die Akzeptanz der christlichen Feste zu erleichtern. Petra vom Atelier Tetebrec in Frankreich schreibt dazu interessante Dinge, auch beim Weserkurier lohnt es sich nachzulesen und ein teilweise anderes Bild wirft Timo innerhalb seines Blog(s) auf das Thema Halloween.

Auch gefällt mir die Nähe Halloweens zu dem Genre des Horrorfilms fast gar nicht, alldieweil ich überhaupt kein Horrorfilm Zuschauer bin. Was allerdings auf mein Interesse stößt, sind die Sounddesigns in Horrorfilmen oder Psychothrillern. Da finde ich sehr spannend, wie die skurrilen Klänge gemacht und erzeugt werden und welche Wirkung sie entfalten.

Daher war ich auch sofort wieder von einer erneuten Competition zum Anlass Halloweens begeistert – das Wort passt ja gerade gut in den Zusammenhang – und habe einen auditiven Beitrag „zusammengeschraubt“. Gesucht wird eine Stück, dass Schauer bei den Zuhörern erzeugt. Erlaubt war alles unter der Bedingung, dass man aus einem Ordner mit bestimmten Klängen mindestens einen dieser Klänge verwendet. Ich habe mehrere dieser Klänge in das Stück einfließen lassen. Herausgekommen ist eine Komposition mit einer speziellen Atmosphäre. Einige der zu hörenden Melodien werden durch Zufallsgeneratoren errechnet.

halloween


Das Beitragsbild ist abermals ein Foto meines Lieblingsmotives, allerdings diesmal in einer sehr dunklen Ausführung. Hast du es erkannt? Schreibe mir, die richtige Antwort erhält einen Preis!

the sound of silence

Compose 1 minute of sound about „Silence“, and describe your choices/idea. Ich interessieren mich momentan sehr für die vielfältigen und netten Competitions bei metapop. Anlässlich des Eufonia Festivals, welches just an diesem Wochenende in Berlin stattfindet, begegnet man auf der Seite eine Einladung zur producer competion mit dem Thema the sound of silence. Nun würde man ja direkt denken, eine Minute „sound“ und gleichzeitig „silence“, ein Widerspruch in sich, ein nicht lösbares Rätsel. [Mein Nachbar klärte mich darüber auf, dass man so etwas ein conundrum nennt, aber dies nur sei nur nebenbei erwähnt.] Wenn wir uns aber erinnern, wie in einem Film Stille dargestellt wird, müssen wir feststellen, dass Stille dort niemals mit NICHT-KLANG einhergeht, also es die totale Stille meistens nicht gibt. Vielmehr begegnet man einem Klang von Wassertropfen, den Sound von Wind, sehr tiefe lange Töne oder sogenannte UKOs (Zur Klärung dieses Begriffs bitte den Beitrag always on nachlesen), um nur einige Möglichkeiten zu nennen. Milosz Jeziorski hat sich in dem ausgezeichneten Beitrag music vs. silence mit dieser Thematik beschäftigt und gibt einige sehr interessante Gedanken dazu preis.

Ich fand die Idee auf jeden Fall sehr spannend und habe selbst eine Minute Stille erzeugt, die keine Stille ist, sondern doch deutlich ein sounddesign im Sinne Jeziorski. Ich bin sehr erstaunt wie vielfältig die Beiträge der Einsender sind und mit welchen Worten sie die Einsendungen beschreiben. Schaut bitte mal selbst bei dieser Seite von metapop nach. Ich habe als Ausgangsmaterial eine soundscape Aufnahme verwendet (sonntagmorgen) und diese mit dem schon mehrfach erwähnten Grain-Sampler verändert. Dazu gesellt sich u.a. auch eine Aufnahme mit Eiswürfeln in einem Weinglas (Beitrag holiday on ice). Die Klänge wurden mehrfach in ihrer zeitlichen Ausdehnung sowie in ihrer Tonhöhe verändert und erneut hinzugenommen (resample).

the sound of silence


Das Beitragsbild wurde vorletztes Jahr im Januar an einem Sonntagvormittag aufgenommen. An einem Sonntagmorgen stellt sich manchmal eine besondere Stille ein.

metropolis

Vorgestern flatterte eine Email ins Haus mit der freundlichen Aufforderung sich bei einer filmscore competion der Firma metapop zu beteiligen. Mit Unterstützung der Firma Native Instruments, die ja bekannt ist für ihre umfangreichen Sample Libraries, wurde ein einminütiger Filmtrailer des Films Metropolis aus dem Jahre 1927 sowie ein Ordner mit ein paar Sounds zur Verfügung gestellt . Die Aufgabe des Wettbewerbs besteht darin eine neue Filmmusik zum Trailer zu schreiben und mindestens einen Sound des Ordners zu verwenden. Ich persönlich habe sogar einige der angebotenen Klänge verwendet und mit meiner DAW Reason 11 Studio verarbeitet. Das Ergebnis zeigt der Youtube Film.

Der Film Metropolis ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Man kann ihn sogar auf Youtube anschauen, denn er wird mittlerweile als public domain (gemeinfrei) gelistet. Ich empfehle allen Interessierten sich dazu den Wikieintrag durchzulesen. Der Film ist der erste Film, der einen Eintrag in das Welterbe der UNESCO geschafft hat, noch bevor verloren gegangene Teile des Filmes 2008 in Argentinien gefunden wurden und die Rekonstruktion des Materials vollständig machten. Metropolis gilt als erster großer Science Fiction Film in Spielfilmlänge, beschränkt sich aber nicht auf Actionfilm Inhalte, sondern ist ein expressionistisches Werk zur Gesellschaftskritik möglicherweise aus einer marxistischen Sicht. Die Filmmusik des Komponisten Gottfried Huppertz gilt als legendär, es wird behauptet, dass Richard Wagner eine große Inspirationsquelle war. Hier kann man sich den originalen Klavierauszug anschauen. Die folgende Audiodatei ist etwas länger, als die Youtubeversion und daher hat sie das gelungenere Ende, da sie nicht – nicht wie in der Videoversion – abgeschnitten ist.

metropolis trailer


Das Beitragsbild zeigt ein Kunstwerk zu einer möglichen Maschine und passt daher ausgezeichnet zum Film Metropolis. Ich habe es 2018 beim Computer Communication Congress des Chaos Computer Clubs CCC (35C3) im sogenannten Sachsenpark aufgenommen. Da der Film Metropolis ja in S/W aufgenommen ist, muss das Beitragsbild natürlich auch in einer S/W Version gezeigt werden.

way to death II

Bleiben wir noch einmal bei der Ausstellungseröffnung, die ich im vorherigen Beitrag angekündigt habe. Bevor die Ausstellung offiziell eröffnet wurde, gab es in der Nähe der Ausstellungsräume eine Einführung zum Thema. Die Besucher trafen erst danach nach und nach ein und ich hatte mir zur Aufgabe gemacht, die Räume in eine unaufdringliche, hindoch nicht unbedingt unbeschwerte Klangtapete zu tauchen, um der Stimmung eine akustische Note zu verleihen. Dabei habe ich mich sogenannter generativer Klänge des im vorletzten Beitrags erwähnten modularen Klangerzeugers complex bedient, die ich mit verschiedenen Lautstärken ineinanderfließen ließ, um so eine klangliche Textur zu erzeugen.

way to death II


Das Beitragsbild zeigt Arbeiten der Künstlerin Christine Reinckens, die auch ausstellende Künstlerin der Ausstellung war.

angel fly

Ich ließ meinen Engel lange nicht los … , so dichtete Rainer Maria Rilke beginnend eines seiner bekanntesten Gedichte. Der Künstler Stephan Küster widmete diesem Gedicht eine Arbeit mit dem Titel „Engel flieg …“, wie weiter unten zu sehen ist.

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte in meinen Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.
Da hab ich ihm seinen Himmel gegeben, –
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt …

link

Am 19.09.2019 wird die Ausstellung Sehenden Auges • Künstler und der Tod in Melsungen um 18:00h eröffnet und ich habe die Ehre zusammen mit Sanne für musikalische Beträge zu sorgen. Eine Gedichtsvertonung des besagten Gedichts gesprochen von Stephan wird auch zum Besten gegeben. Da mir keine Aufnahme vorliegt, habe ich mir die Gedichtsrezitation von YouTube besorgt. Zu dieser Ausstellungseröffnung sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

angel fly …


Bei Besichtigung der Ausstellungsräume begegnete mir eine in den Boden eingelassene Panzerglasplatte, die darunter eine Installation um einen Schädel beherbergt.

we live in a strange world feat. greta thunberg

We live in a strange world, so prononcierte Greta Thunberg bei der Goldenen Kamera Verleihung 2019. Es ist schon verwunderlich, dass gerade die Wesen unserer Erde, die nachweislich in der Lage sind in einer metareflexiven Weise über den den Untergang der Welt nachdenken zu können, auch diejenigen sind, die den Untergang höchstwahrscheinlich auslösen oder zumindest gewaltig beschleunigen werden.

Vielleicht habe ich das Glück den Untergang nicht mehr zu erleben, aber um das Leben meiner Kinder mache ich mir echte große Sorgen. Ein Lichtschein am Horizont ist die Tatsache, dass sich – auch meine – Kinder durchaus bewusst sind, dass Ihnen die Zukunft gehört und sie haben begonnen ihre Politiklustlosigkeit des letzten Jahrzehnts abzulegen und Initiativen gegründet, die in den letzten Monaten in der Republik schon Erstaunliches bewirkt haben. Sie beteiligen sich auch an einer Regionalgruppe der europaweiten friday for future Bewegung, die ja von Greta angestoßen wurde. Erst heute, fand wieder eine Freitagsdemonstration statt. Plötzlich ist das Thema Klimawandel und Umweltzerstörung, Nachhaltigkeit und Müllvermeidung ein Thema aller Strömungen und Parteien. Jutta Ditfurth, eine ehemalige Politikerin der Grünen und im damaligen sogenannten Fundi-Flügel verortet, hat einmal in einem Interview gesagt, dass letztendlich alle maßgeblichen politischen Veränderungen in der Bundesrepublik durch die APO (Außerparlamentarische Opposition) bewirkt wurden. Auch konnte ich beobachten, dass Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung anfangen Dinge in ihrem Alltag zu ändern, denn sie haben erkannt, dass man nur dann etwas ändern kann, wenn man persönlich handelt. Gut so! Das heutige Stück möchte diese Gedanken musikalisch unterstreichen.

we live in a strange world feat. greta thunberg

Das Stück „we live in a strange world“ bedient sich der Worte Greta Thunbergs, die durch ihr hartnäckiges Handel zum Thema Klimawandel eine ganze Generation wachgerüttelt hat.

Das Beitragsbild zeigt eine Sammlung von Elektroschrott in einem Container einer Kasseler Berufsschule. Es ist erschreckend, was alles weggeschmissen wird und dann irgendwo in Afrika landet. Jeder ist aufgerufen etwas zur Nachhaltigkeit beizutragen. Muss es jedes Jahr ein neues Smartphone sein? Wie lange kann ich mein „altes“ Gerät noch nutzen? Wann muss ich wirklich Dinge neu kaufen und Altes in den Müll schmeißen?

rostnomo

Rostnomo ist der Name eine Synthesizers, der zufällig Klänge erzeugt. Man drückt einen Knopf und schon zaubert das Gerät einen neuen Klang. Drei von diesen Instanzen habe ich benutzt um wiederum mit einer zufällig erzeugten Tonhöhenspur gefüttert, die Grundlage für den heutigen Beitrag zu erzeugen. Das ganze wurde dann resampelt, – also das sample nochmals gesampelt – mit Celloklängen ergänzt und erneut „resampelt“, wobei eine Spur in umgekehrter Reihenfolge zu hören ist. Hier wurde jetzt mein geliebter Spitfireaudio Labs Chor dazugekommen. Das ganze habe ich dann nochmals vom Webdienst Schnalz mastern lassen.

Wer seit einigen Monaten mein blog aufmerksam verfolgt, dem ist nicht verborgen geblieben, dass ich Sounds liebe, die eigentlich gar nicht den Gepflogenheiten der Musik Folge leisten. Musik im herkömmlichen Sinne hat in verschiedenen großen Anteilen Melodie, Harmonie, Rhythmus und Form, die nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten wie Tonart und Zusammenklang funktionieren. Aber auch Gewohnheiten können bestimmte Formmodelle wie zum Beispiel Verse-Chorus-Strukturen (Strophe & Refrain) ausbilden und gelten dann gemeinhin als Musik. Hierzu gibt es einen lesenswerten Artikel von dem Musipsychologen Karsten Schäfer, der die gleiche Auffassung vertritt.

Diese Stück hier besteht eigentlich nur aus Klang bzw. sogenannten Klangtrauben, die in der modernen klassischen Musik auch gerne als Cluster oder Texturen bezeichnet werden. Hört selber einmal hin und fragt euch: Ist dies Musik? Und wenn ihr zu einem Ergebnis gekommen seit, dann bitte, teilt mir das mit!

Das Beitragsbild zeigt die Zuckerfabrik in Wabern. Es handelt sich, wie ihr ja schon herausbekommen habt, um eines meiner Lieblingsmotive. Auch diesmal wurde es grafisch leicht verändert. Ich habe diese Motiv, was hier allerdings zu einer anderen Zeit an einem anderen Datum aufgenommen wurde, in einer anderen Form schon mal für den Beitrag a swell to help you sleep benutzt und lege euch diesen erneut warm ans Herz.

absynth morph

Das legendäre Synthesizer Plugin der Firma Native Instruments Absynth wurde im Jahre 2000 erstmals vertrieben. Für die damalige Zeit war es sehr innovativ, vereinte es doch erstmals verschiedenste Möglichkeiten und Kombinationen von Klangsynthese in einem Gerät. Die Modulationsmöglichkeiten waren enorm und stießen sofort auf mein Interesse. Durch die Schnittstelle VST konnte der Synthesizer in allen gängigen DAWs eingesetzt werden. Ich hatte eine Demoversion für eine bestimmte Zeit zur Verfügung und experimentierte mit den Klangmöglichkeiten herum und nahm ein paar Klänge auf, die ich absynthmorph getauft habe. „Morph“ steht dabei für sich wandelnde akustische Texturen.

Vom Wort „absynth“ ist es nicht weit zu dem legendären Getränk „absinth“ mit Kultstatus, was es sogar geschafft hatte für über 80 Jahre verboten zu sein, bis man durch wissenschaftliche Untersuchungen nachweisen konnte, dass das Getränk keine anderen besonderen Wirkungen wie anderer sehr hochprozentiger Alkohol hat. Auf jeden Fall ist der Anteil an dem Stoff Thujon – von dem die besondere Wirkung wie zum Beispiel Halluzinationen ausgehen sollte – nur so gering, dass dies nachweislich nicht der Fall ist. Absinth wurde auch die grüne Fee genannt, kommt doch die Spirituose „grün“ daher, weil das verwendete Wermutkraut die Färbung verursacht. Über die besondere Geschichte des Absinth kann man sich aufgrund vieler Artikel schlau machen, auch der Wikipediaeintrag ist sehr aufschlußreich.

Ich habe heute drei variierende Audios im Angebot. Das erste Sounddesign bringt die erwähnten Absynthdateien mit einem Holzblockrhythmus und einigen Streicher- und Chorklängen zusammen. Das zweite Sounddesign verwendet ausschließlich die ursprünglichen Dateien, die ich vor vielen Jahren aufgenommen habe. Das dritte Sounddesign letztendlich ist ein Resample des Zweiten, angereichert mit einem Drumbeat und einem lustigen elektronischen Bass.

absynth mix

absynth morph

absynth resample

Das Beitragsbild habe ich neulich bei einer Frühjahrsgartenparty geknipst. Dort war die ca. 2 Meter große Figur ausstellig und wurde mit der Software Comic Life verfremdet.

yambient

Jedes Jahr erwartet uns fast pünktlich um 24:00h nachts das gleiche Schauspiel. Tonnenweise Feinstaub wird unter dem Vorwand böse Geister zu vertreiben in die Luft entlassen, weil wir angeblich Freude am Knallen, Zischen, Böllern und bunten Glitzereffekten haben. Sogar das Bundes Umweltamt weist darauf hin. Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich als Kind wirklich Freude an Silvester hatte, mich danach sehnte endlich Knaller loslassen und Raketen abschießen zu dürfen. Aber dies hat sich bei mir verändert. Eher fürchte ich mich vor den lauten Knallern und die Raketen üben schon lange nicht mehr die gleiche Faszination auf mich aus. Ich meine sogar, dass in den letzten Jahren die Raketen mit extra lauten Knalleffekten ausgestattet sind, die es früher in dieser Ausprägung nicht gegeben hat. Aber vielleicht täusche ich mich auch. Heute kam mir eine Petition zu Gehör, die die Silvesterknallerei abschaffen will. In der Begründung wurde behauptet, dass in der Silvesternacht genauso viel Feinstaub in die Luft entlassen wie im ganzen Jahr durch PKWs erzeugt wird. Diese Zahl erscheint mir etwas hoch. Doch die grundsätzliche Überlegung scheint in die richtige Richtung zu gehen. Auf der einen Seite werden in diesem Jahr innerstädtisch Fahrverbote verhängt, weil die Autos zu viel umweltbelastendes Material ausstoßen, aber zu Neujahr dürfen wir dieses Einsparungen wieder mit einem Schlag zu Nichte machen.
Das heutige Beitragsstück „yambient“ – dies Kunstwort ergibt sich aus „new year ambient“ – bringt einige der Knall- und Zischlaute zu Gehör, die über einer Textur, die ich mit einem sonic pi code habe errechnen lassen, erklingen, während eine getragene Melodie, erzeugt durch die frozen strings libraries von Spitfireaudio die ganze Textur melancholisch klingen lässt. Wir wissen nicht was das Neue Jahr bringen wird. Es stehen viele Herausforderungen an, denken wir an die politische Lage, die Vergiftung der Welt, die Umwelt und das tumorartige Wachstum des Neokapitalismus, aber wir wünschen uns gerade deswegen alle das Beste und hoffen abermals auf ein gutes Neues Jahr!

yambient

Das Beitragsbild habe ich aktuell heute morgen in der Neujahrsnacht in meinem Dorf aufgenommen.

Hier ist der sonic pi code, der als Grundlage von yambient verwendet wurde:

# Coded by Darin Wilson adapted by falk
#
# The piece consists of three long loops, each of which
# plays one of two randomly selected pitches. Each note
# has different attack, release and sleep values, so that
# they move in and out of phase with each other. This can
# play for quite awhile without repeating itself :)

use_synth :hollow
with_fx :reverb, mix: 1, room: 0.5 do
  
  live_loop :note1 do
    play choose([:D4,:E4]), pan: rrand(-1, 1), attack: 8, release: 7
    sleep rrand(6,10)
  end
   
  live_loop :note2 do
    play choose([:F2,:G4]), pan: rrand(-1, 1), attack: 10, release: 6
    sleep rrand(6, 8)
  end
  
  live_loop :note3 do
    play choose([:A1, :C5]), pan: rrand(-1, 1), attack: 12, release: 8
    sleep rrand(8, 12)
  end
end

raceme

Das Stück „raceme“ erinnert mich an eine Klangtraube. Daher habe ich für das Beitragsbild eine Aufnahme des Blütenstandes der Pflanze Wilde Karde ausgewählt, die ich vor ein paar Wochen in einer Sandgrube fotografierte. „raceme“ ist der botanische Name für eine Traube bei Pflanzen  auf englisch. Die wilde Karde wird im Volksmund auch Hausdistel oder Rotdistel genannt.

raceme

Die Firma Spitfire Audio produziert fantastisch klingende Soundbibliotheken. In letzter Zeit bringen sie im LAB kostenlose Klänge heraus. Aus diesem Fundus habe ich mich für das Stück „raceme“ bedient und die Chor- sowie eine String-Bibliothek benutzt. Hinzu kommt meine Elektrogitarre, die hier dank bestimmter Effekte  eher wie eine klingende Säge daherkommt. Als UKO dienen diesmal synthetisch erzeugte Klänge, die abermals mit sonic pi herausgerechnet wurden. Zu UKOs habe ich ja schon etwas geschrieben. UKOs sind Unbekannte Klang Objekte. Man kann es hier in diesem Beitrag nochmal nachlesen: Always on simple. Es ist immer wieder erstaunlich, mit wie viel wenig „code“ man bemerkenswerte Klanggebilde mit sonic pi erstellen kann. Die errechneten Klänge wurden transponiert und zeitlich gedehnt.

Update: Mein Freund – ein begnadeter Musiker, Tontechniker und Filmkomponist – hat mir „auf die Schnelle“ eine alternative Tonmischung zu „raceme“ gezaubert.

racem alternative mix

Hier ist der Klang und der Programmcode des sonic pi Stückes:

16 times mod do II

use_bpm 65
use_debug false

with_fx :reverb do
16.times do
use_synth :mod_fm
play rrand(50, 60), cutoff: rrand(40, 80), attack: 0.5, release: rrand(0.1, 0.5), cutoff_max: 110
sleep 0.25
play rrand(60, 70)
sleep 0.75
end

16.times do
play rrand(70, 90)
sleep 0.25
play rrand(50, 60)
sleep 0.5
end

16.times do
play rrand(50, 60)
sleep 0.25
play rrand(60, 70)
sleep 0.25

4.times do
use_synth :mod_tri
play rrand(50, 60), cutoff: rrand(40, 80), release: rrand(0.1, 1), cutoff_max: 110
sleep 0.25
play rrand(60, 70)
sleep 0.015
end
end
end

the future of music

Manchmal frage ich mich, wo die Reise der Musikgeschichte hin geht. Kann man sich eine Zukunftsmusik erträumen? Kann man sich vorstellen, wie die Musik in 10, 20, 50 Jahren klingen wird? Ich habe selten das Gefühl, wenn ich eine mir unbekannte Musik höre, diese Musik stößt eine Tür in eine ganz unbekannte Dimensionen auf. Ich entdecke immer wieder spannende, schöne, wohlklingende Musik, die ich noch nicht kannte, aber das Gefühl, hier handelt es sich um etwas ganz Neues, stellt sich selten ein. Das vorliegende Stück kennt keinen Rhythmus, keine Harmonie, keine Melodie und keine Form. Nur unbekannte Klänge. Ist dies die Zukunft der Musik?

the future of music

Dieses Stück ist aus einer Sessiondatei entstanden. Ich habe abermals den Grainsynthesizer mit einem eigenen Sample geladen und durch eine bestimmte Programmierungen die oben gehörten Klänge herausbekommen. Manchmal ist es nicht vorhersehbar, welche klanglichen Ergebnisse man erzielt. Im folgenden ist ein Ausschnitt aus der ursprünglichen Audiosession zu hören.

ohne hand und fuß

Das Beitragsbild anstand im Somer 2013 in Polen in der Nähe von Jelenia Góra (Hirschberg) am Fuße des Riesengebirges in Polen. Es erinnert mich an Bilder, die ich aus Zukunftsfilmen mit Endzeitcharakter kenne.

physical

Man sollte es schon gemerkt haben: Mich faszinieren zufällig erzeugte Klangfolgen. Hierfür kann man sogenannte Player verwenden, die zufällige Spannungen errechnen und an Klangerzeuger abgeben. Auch heute geht es um das physical modeling. Im letzten Beitrag [how it works] kam diese Art der Klangerzeugung ja auch zum Einsatz, diesmal kombiniert mit Zufallsgeneratoren. Ich habe dieses Klangstück in drei Versionen aufgenommen.

Version 1 ist die sogenannte „stop & go Version“. Durch zufälliges abspielen, stoppen und wieder abspielen des Arrangenments ergeben sich die Pausen, die mit den langen Hallfahnen der generierten Klänge gefüllt sind.

physical (stop & go version)

Version 2  wird um langgehaltene Streicherklänge ergänzt, die chromatisch absteigen und die Pausen zusammenhalten.

physical (stop & go string version)

Version 3 ist ein „live mix“, was bedeutet, dass die Klänge während der Aufnahme gemischt wurden. [Achtung! Dieser Mix ist viel lauter als Version 1]

physical (live version)

Das Beitragsbild zeigt diesmal ein Kieswerk in der Nähe von Gudensberg. Das schwarz/weiß gehaltene Bild aus dem Jahre 2013 – schon wieder 2013 – betont das Industriedesign des Kieswerkes und passt sehr gut zu den metallischen Klängen der Aufnahmen.

trailer construct light

Es ist schon erstaunlich, was man heutzutage alles „zusammen fummeln“ kann. Nicht mehr der Musiker oder Interpret steht an erster Stelle, sondern der DJ, also ein Ingenieur, der sich aus einem Baukasten bedient und seine Klänge nach Können und Intuition zusammenstellt. Erst kürzlich sah ich einen Bericht in den Medien (Champion der Charts) aus dem hervorging, dass zur Zeit die Mehrzahl der Hits in den Charts von DJ platziert werden. Bei der Produktion von aufwendigen Kinofilmen, haben die Sounddesigner den Filmkomponisten den Rang abgelaufen. Der Artikel Die Rolle der Soundeffekte in der heutigen Popkultur beleuchtet das Thema.

Das Netz hat mir vor einigen Monaten ein samplepack (Klangsammlungspaket) angeboten und ich habe daraus ein kleines Sounddesignstück zusammengesetzt, welches die Kategorie „sfx“ bedient. In einem früheren Beitrag habe ich ja schon einmal kurz über sogenannte SFX-Sounds berichtet. Hier wird es auf die Spitze getrieben, denn die Aufgabe bestand darin, alle samples des Paketes zu verwenden. So sieht es aus, wenn die einzelnen Samples in der Musiksoftware angeordnet werden.

trailer construct light

Das Beitragsbild wurde im Herbst 2016 im Erlebnis Bergwerk Merkers in Thüringen aufgenommen. Das ehemalige Salzbergwerk dient jetzt nur noch touristischen Zwecken. Eine mehrstündige Tour führt durch verschieden Höhlen. Unter anderem sind auch Salzkristalle zu sehen, die schön farbig illuminiert werden.

holiday on ice

Jetzt gerade sind Sommerferien und weil dieses Jahr sich mal wieder ein richtiger Sommer eingestellt hat, so muss natürlich das eine oder andere gekühlte Getränk herhalten, um den Durst zu löschen. Manchmal kommt ein mit Eiswürfeln gekühlter Weißwein gerade recht. Davon zeugt das aktuelle Beitragsbild. Als kleines Kind sah ich hin und wieder Plakate zu der vielleicht bekannten Show Holiday On Ice, die dieses Jahr ihr 75jähriges Jubiläum feiert. Mich hatte die Ankündigung unglaublich fasziniert, mittlerweile haben sich meine Wünsche – was dieses Event betrifft – doch geändert. Aber für einen Songtitel soll es doch reichen.

Das mit Eiswürfel gefüllte Glas Weißwein klingt sehr schön. Aufgabe bei diesem sounddesign war es, keinen Rhythmus, keine Melodie und auch kein Harmonieschema zu verwenden, also alles dies außen vor zu lassen, was gemeinhin Musik ausmacht. Auch sollte auch nur ein einziges „sample“ (Klangprobe) verwendet werden, gleichwohl durften alle Verfremdungs- und Modulationsmöglichkeiten wie – die schon mehrfach erwähnte – Grainsynthese, Transponierung, Timeshifting, Aufteilung in Klangfragmente usw. erlaubt sein. Die Ausgangaufnahme stelle ich auch vor.

holiday on ice

weinglas mit eiswürfeln

zeitvergeht

zeitvergeht

Wie die Zeit vergeht merkte ich kürzlich, als ein geschätzter Kollege sich mit einer kleinen Feier in den Ruhestand verabschiedete, hatten wir doch 25 Jahre an der gleichen Stätte gewirkt. Am gleichem Tag – kurz vor der Feier – wurde ich gebeten bei einem kleinen Beitrag für den Kollegen mitzuwirken. Gegenstand der kurzen Aufführung war das Gedicht von Konrad Balder Schäuffelen „Zeit“, was mir bis dahin noch gänzlich unbekannt war. Konrad Bilder Schäuffelen wirkte als Psychotherapeut, allerdings arbeitete er auch als Künstler und Poet und bediente hierbei die sogenannte konkrete Poesie. Er schien ein sehr interessanter Mann zu sein, schrieb er zum Beispiel seine Dissertation als Mediziner zum Thema „Cerebrale Dekompensationserscheinungen unter der Behandlung mit Phenothiazinen und Tofranil“.

Das Gedicht, welches wir vorsprachen, hatte folgenden Text:

Konrad Balder Schäffelen Zeitvergeht

Das Stück „zeitvergeht“ nutzt die Möglichkeit sich im Internet auf sogenannten text to speech Seiten Texte vorlesen zu lassen und dies mit verschiedenen Stimmen. Das Stück beginnt mit einer deutschsprachigen Stimme, gefolgt und collagiert von einer portugiesischen, us-amerikanischen und einer russischen Stimme. Das Ergebnis, wenn ein portugiesischer Sprecher deutsche Texte vorliest, ist meiner Meinung nach witzig.

Um das ganze ein wenig zu dramatisieren werden die Stimmen mit einer Omnibus-Akkordfolge – eine Akkordfolge, die in Halbtönen (chromatisch) voranschreitet, welche mit verschiedenen orchestralen Klangfarben wiederholt wird, unterlegt.

Das Beitragsbild zeigt eingelagerte Äpfel, die diesen schönen schrumpeligen – und damit einen ZEITVERGEHENDEN – Zustand nach acht Monaten eingenommen hatten.

 

cityIncityOut

cityIncityOut

Was passiert eigentlich, wenn man mindestens 30 Klänge auf einmal abspielt? Genau, es entsteht ein großer Krach. Vielleicht nicht so ganz wie beim bekannten Urknall, aber immerhin. So geschehen beim Stück „cityIncityOut“. Und dies war eigentlich ein Zufallsprodukt. Kommen alle Frequenzen des hörbaren Spektrums auf einmal zu Gehör, entsteht ein großflächiges Rauschen. Wenn diese Frequenzen nur kurz gleichzeitig erklingen, gibt es einen lauten Knall.

Vor vielen Jahren hatten wir die Gelegenheit mit mehreren computerinteressierten Kollegen mehrere Tage zusammen zu sitzen und uns unter anderem mit sogenannten „soundwalks“ zu beschäftigen. Bei einem „soundwalk“ spaziert man schweigend durch die Landschaft und lauscht den Klängen, die während des Spaziergangs zu hören sind. Man kann natürlich die Klänge der Umgebung mit einem Aufnahmegerät aufnehmen. Wir nahmen auch Klänge der Stadt Kassel auf. Geleitet und theoretisch unterfüttert wurden diese „soudwalks“ von dem WDR Reporter, Klangökologen und Hochschulprofessor Hans Ulrich Werner. Hier gibt es einen interessanten Artikel zu seinem Beschäftigungsfeld.

Die aufgenommen Klänge überspielten wir auf unsere Rechner, um sie zu collagieren und akustisch auszuwerten. Als ich den Sampler mit den Stadtklängen lud, passierte, dass unterschiedlich lange Klänge auf einen Tastendruck gemeinsam erklangen, aber zu unterschiedlichen Zeiten endeten. Dieser zufällige Effekt wird in dem Stück zunächst rückwärts (reverse) wiedergeben und dann vorwärts in der ursprünglichen Abspielrichtung. Unterlegt werden die Klänge von einer digital verfremdeten Aufnahme von Schritten über einen Kiesweg. Grafisch lässt sich das Stück so darstellen:

Das Beitragsbild zeigt eine Aufnahme eines Außenaustellungsplatzes der italienischen Künstlerin Lara Favaretto hinter dem alten Hauptbahnhof in Kassel während der dokumenta 13, die verschiedene Altmetallteile sorgfältig zu einem Ensemble zusammengestellt hatte.

 

always on simply

Das Stück „always on“ kommt hier in einer „minimal“ Version daher (simply). Geplant ist eine zweite Version mit Stimme und Drums. Aber dazu irgendwann mehr. Das Stück beinhaltet sogenannte UKOs. Wir wissen ja alle, was UFOs sind, aber UKOs? UKO steht für „Unbekanntes Klang Objekt“ und ist ein Begriff der schweizerischen Musikwissenschaftlerin Barbara Flückiger, die in ihrem Buch „Sound Design: Die virtuelle Klangwelt des Films“ (Marburg, 2001) den Begriff prägte. Insbesondere meinte Sie damit bestimmte Teile – besser Klangschichten – einer Filmmusik, die sich nicht direkt akustisch zuordnen lassen:

„UKO: ‚unidentifizierbares Klangobjekt‘,
 dessen Quelle weder im Bild sichtbar ist noch
aus dem Kontext erkennbar wird.“

Heutzutage wird es einem ja relativ leicht gemacht Sounds von bestimmten elektronischen Klangerzeugern zu verwenden und so einzustellen, dass man den Klang nicht mehr direkt zuordnen kann. Dies gibt einem Stück etwas Unvorhersehbares, vielleicht Geheimnisvolles.

always on (simply)

Das Beitragsbild zeigt eine aktuelle Ausstellung in Berlin in der Bekini-Galerie. Farbige Scheiben werfen bunte Flächen auf den Boden. Ich finde diesen Eindruck ganz passend zu der Musik.

zeitspiel – spielzeit

2007 gab es in unserer Schule ein Theaterprojekt unter der Regie zweier wunderbarer Kolleginnen mit dem Titel „ZEIT SPIELE ZEIT“.  Das besondere war die Tatsache, dass die Zuschauer auf Drehstühlen in der Mitte der Spielstätte platznahmen, während drei Bühnen – links, vorne und rechts – aufgebaut waren. Auf jeder Bühne wurden Ausschnitte aus unterschiedlichen Theaterstücken zum Besten gegeben. Ein Stück – „Was wo?“ – basierte auf den Arbeiten des irischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Samuel Beckett, andere waren zum Beispiel: „Der kleine Prinz“, „Der Junge, der die Zeit kaufen wollte“ von Gabrielle Münnix, oder auch „Die innere Stimme“ nach Asta Gröting und andere. Zwischen den einzelnen Aufführungen der Stücke überbrückte eine Theatermusik die einzelnen (Umbau)pausen. Die Theatermusik entstand als Projekt mit einer Gruppe junger Leute, die sich zur Aufgabe gemacht hatte Klänge aufzunehmen, die Anklänge zum Thema „Zeit“ zusammentrugen. Es wurden unter anderem Tischtennisbälle, Metronome, Handyklingeltöne, Telefone und Wassergläser verwendet. Zwei von diesen Stücken gebe ich hier wieder. Die Nummer in den Klammern geben den jeweilige BPM bzw. das Metrum wieder. Der Rollenzettel gibt genauere Auskunft über die Titel der Stücke und den beteiligten Personen.

bewegt (97)

jazz (57)

a swell to help you sleep

Ich habe heute erfahren, dass der isländische Komponist Johann Johannsson plötzlich unerwartet im Alter von 48 Jahren gestorben ist, was mich sehr schockiert hat. Die Todesursache ist momentan noch unklar. Der Grammygewinner hatte zuletzt als innovativer Filmkomponist auf sich aufmerksam gemacht und ich hatte gehofft, noch einige Musik von ihm erwarten zu dürfen. In dem Beitrag door arrival hatte ich bereits davon berichtet.

Ich veröffentliche daher heute – etwas früher als ursprünglich geplant – das Stück „a swell to help you sleep“, weil es mich atmosphärisch an Arbeiten Johannssons erinnert und möchte ihm diese Soundscapearbeit widmen. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Code von Zach Mandeville, den er für die – auch schon mehrfach erwähnte -Laufzeitumgebung  sonic pi herausgeben hat. Zach will damit Menschen helfen durch Sounds besser einschlafen zu können. Ob dies für das vorliegende Sounddesign auch noch gelten mag, mag der Hörer gerne selber beurteilen. Ich habe diesen Code leicht verändert und dann in drei unterschiedliche Oktaven zeitlich leicht versetzt wiedergeben. Dazu kommen übereinander gelegte Stimmensamples.

a swell to help you sleep ex

Das Beitragsbild fängt eine Morgenstimmung an der Zuckerfabrik Wabern (Bezirk Hessen) ein, die direkt am Bahnhof gelegen ist. Es trifft die Stimmung des Stückes ganz gut, so meine ich.

cityscape peru

Das Beitragsbild stammt von meinem Kunstpädagogen Kollegen Achim aus Kassel. Mit einer Gruppe Jugendlicher wandelte er 2006 zwecks Austausch in Peru und als passionierter Fotograf brachte er schöne Fotos mit. Eines dieser Fotos gefiel mir besonders gut.

Damit sich auch die Daheimgebliebenen ein „Bild“ machen konnten, wurde eine Ausstellung organisiert, die so aufgebaut war, dass alle Besucher einen kleinen Parcours durchlaufen mussten. Daher bat Achim mich, durch einen kleinen auditiven Beitrag, den Durchlauf sinnlicher zu gestalten. Herausgekommen ist eine „soundscape composition“ mit dem Titel „cityscape peru“.

Für diese „soundscape composition“ (soundscape = Kunstwort für Klanglandschaft) hatte ich mich seinerzeit abermals auf der Internetseite freesound.org bedient, bewußt Klänge aus Peru herausgesucht und zusammengestellt. Da es sich überwiegend um urbane Klänge handelt, wurde der Begriff „cityscape“ – in Anlehnung an „soundscape“ – geprägt.

cityscape peru 

Immer, wenn ein ursprünglicher „soundscape“ einer Manipulation wie Schnitt und technischer Veränderung, wie zum Beispiel hinzufügen von Hall, unterliegt, oder auch einzelne Teile neu zusammengestellt werden, handelt es sich im strengen Sinne schon um „sounddesign“.

Der 1933 geborene kanadische Komponist Raymund Murray Schafer gilt als einer der „soundscape“ Pioniere. In Vancouver rief er 1971 mit dem World Soundscape Project eine Art auditive Ontologie ins Leben. Ihm kam es besonders darauf an, dass Klänge einer Umgebung (acoustic environment) in einem Sinnzusammenhang bleiben und nannte die beteiligten Klänge „sound events“. Damit war er der Gründer der sogenannten acoustic ecology Bewegung. Wird mit „sound events“ gearbeitet, kann man von einer „soundscape composition“ sprechen.

Der 1910 in Frankreich geborene Komponist Pierre Schaeffer, bekannt für seine musique concrète, arbeitete auch gerne mit Klängen, die er aus Natur und Umgebung bezog. Er legte aber keinen Wert auf einen lokalen oder sinnstiftenden sozialen Zusammenhang der Klänge. Solche Klänge werden dann als „sound objects“ tituliert. Die Zusammenstellung solch verwendeter Klänge zu Kompositionen grenzt man dann als „soundobject composition“ ab.

Bemerkenswert finde ich, dass beide Komponisten SCHA[E]F[F]ER heißen.