raceme

Das Stück „raceme“ erinnert mich an eine Klangtraube. Daher habe ich für das Beitragsbild eine Aufnahme des Blütenstandes der Pflanze Wilde Karde ausgewählt, die ich vor ein paar Wochen in einer Sandgrube fotografierte. „raceme“ ist der botanische Name für eine Traube bei Pflanzen  auf englisch. Die wilde Karde wird im Volksmund auch Hausdistel oder Rotdistel genannt.

raceme

Die Firma Spitfire Audio produziert fantastisch klingende Soundbibliotheken. In letzter Zeit bringen sie im LAB kostenlose Klänge heraus. Aus diesem Fundus habe ich mich für das Stück „raceme“ bedient und die Chor- sowie eine String-Bibliothek benutzt. Hinzu kommt meine Elektrogitarre, die hier dank bestimmter Effekte  eher wie eine klingende Säge daherkommt. Als UKO dienen diesmal synthetisch erzeugte Klänge, die abermals mit sonic pi herausgerechnet wurden. Zu UKOs habe ich ja schon etwas geschrieben. UKOs sind Unbekannte Klang Objekte. Man kann es hier in diesem Beitrag nochmal nachlesen: Always on simple. Es ist immer wieder erstaunlich, mit wie viel wenig „code“ man bemerkenswerte Klanggebilde mit sonic pi erstellen kann. Die errechneten Klänge wurden transponiert und zeitlich gedehnt.

Update: Mein Freund – ein begnadeter Musiker, Tontechniker und Filmkomponist – hat mir „auf die Schnelle“ eine alternative Tonmischung zu „raceme“ gezaubert.

racem alternative mix

Hier ist der Klang und der Programmcode des sonic pi Stückes:

16 times mod do II

use_bpm 65
use_debug false

with_fx :reverb do
16.times do
use_synth :mod_fm
play rrand(50, 60), cutoff: rrand(40, 80), attack: 0.5, release: rrand(0.1, 0.5), cutoff_max: 110
sleep 0.25
play rrand(60, 70)
sleep 0.75
end

16.times do
play rrand(70, 90)
sleep 0.25
play rrand(50, 60)
sleep 0.5
end

16.times do
play rrand(50, 60)
sleep 0.25
play rrand(60, 70)
sleep 0.25

4.times do
use_synth :mod_tri
play rrand(50, 60), cutoff: rrand(40, 80), release: rrand(0.1, 1), cutoff_max: 110
sleep 0.25
play rrand(60, 70)
sleep 0.015
end
end
end

the future of music

Manchmal frage ich mich, wo die Reise der Musikgeschichte hin geht. Kann man sich eine Zukunftsmusik erträumen? Kann man sich vorstellen, wie die Musik in 10, 20, 50 Jahren klingen wird? Ich habe selten das Gefühl, wenn ich eine mir unbekannte Musik höre, diese Musik stößt eine Tür in eine ganz unbekannte Dimensionen auf. Ich entdecke immer wieder spannende, schöne, wohlklingende Musik, die ich noch nicht kannte, aber das Gefühl, hier handelt es sich um etwas ganz Neues, stellt sich selten ein. Das vorliegende Stück kennt keinen Rhythmus, keine Harmonie, keine Melodie und keine Form. Nur unbekannte Klänge. Ist dies die Zukunft der Musik?

the future of music

Dieses Stück ist aus einer Sessiondatei entstanden. Ich habe abermals den Grainsynthesizer mit einem eigenen Sample geladen und durch eine bestimmte Programmierungen die oben gehörten Klänge herausbekommen. Manchmal ist es nicht vorhersehbar, welche klanglichen Ergebnisse man erzielt. Im folgenden ist ein Ausschnitt aus der ursprünglichen Audiosession zu hören.

ohne hand und fuß

Das Beitragsbild anstand im Somer 2013 in Polen in der Nähe von Jelenia Góra (Hirschberg) am Fuße des Riesengebirges in Polen. Es erinnert mich an Bilder, die ich aus Zukunftsfilmen mit Endzeitcharakter kenne.

physical

Man sollte es schon gemerkt haben: Mich faszinieren zufällig erzeugte Klangfolgen. Hierfür kann man sogenannte Player verwenden, die zufällige Spannungen errechnen und an Klangerzeuger abgeben. Auch heute geht es um das physical modeling. Im letzten Beitrag [how it works] kam diese Art der Klangerzeugung ja auch zum Einsatz, diesmal kombiniert mit Zufallsgeneratoren. Ich habe dieses Klangstück in drei Versionen aufgenommen.

Version 1 ist die sogenannte „stop & go Version“. Durch zufälliges abspielen, stoppen und wieder abspielen des Arrangenments ergeben sich die Pausen, die mit den langen Hallfahnen der generierten Klänge gefüllt sind.

physical (stop & go version)

Version 2  wird um langgehaltene Streicherklänge ergänzt, die chromatisch absteigen und die Pausen zusammenhalten.

physical (stop & go string version)

Version 3 ist ein „live mix“, was bedeutet, dass die Klänge während der Aufnahme gemischt wurden. [Achtung! Dieser Mix ist viel lauter als Version 1]

physical (live version)

Das Beitragsbild zeigt diesmal ein Kieswerk in der Nähe von Gudensberg. Das schwarz/weiß gehaltene Bild aus dem Jahre 2013 – schon wieder 2013 – betont das Industriedesign des Kieswerkes und passt sehr gut zu den metallischen Klängen der Aufnahmen.

trailer construct light

Es ist schon erstaunlich, was man heutzutage alles „zusammen fummeln“ kann. Nicht mehr der Musiker oder Interpret steht an erster Stelle, sondern der DJ, also ein Ingenieur, der sich aus einem Baukasten bedient und seine Klänge nach Können und Intuition zusammenstellt. Erst kürzlich sah ich einen Bericht in den Medien (Champion der Charts) aus dem hervorging, dass zur Zeit die Mehrzahl der Hits in den Charts von DJ platziert werden. Bei der Produktion von aufwendigen Kinofilmen, haben die Sounddesigner den Filmkomponisten den Rang abgelaufen. Der Artikel Die Rolle der Soundeffekte in der heutigen Popkultur beleuchtet das Thema.

Das Netz hat mir vor einigen Monaten ein samplepack (Klangsammlungspaket) angeboten und ich habe daraus ein kleines Sounddesignstück zusammengesetzt, welches die Kategorie „sfx“ bedient. In einem früheren Beitrag habe ich ja schon einmal kurz über sogenannte SFX-Sounds berichtet. Hier wird es auf die Spitze getrieben, denn die Aufgabe bestand darin, alle samples des Paketes zu verwenden. So sieht es aus, wenn die einzelnen Samples in der Musiksoftware angeordnet werden.

trailer construct light

Das Beitragsbild wurde im Herbst 2016 im Erlebnis Bergwerk Merkers in Thüringen aufgenommen. Das ehemalige Salzbergwerk dient jetzt nur noch touristischen Zwecken. Eine mehrstündige Tour führt durch verschieden Höhlen. Unter anderem sind auch Salzkristalle zu sehen, die schön farbig illuminiert werden.

holiday on ice

Jetzt gerade sind Sommerferien und weil dieses Jahr sich mal wieder ein richtiger Sommer eingestellt hat, so muss natürlich das eine oder andere gekühlte Getränk herhalten, um den Durst zu löschen. Manchmal kommt ein mit Eiswürfeln gekühlter Weißwein gerade recht. Davon zeugt das aktuelle Beitragsbild. Als kleines Kind sah ich hin und wieder Plakate zu der vielleicht bekannten Show Holiday On Ice, die dieses Jahr ihr 75jähriges Jubiläum feiert. Mich hatte die Ankündigung unglaublich fasziniert, mittlerweile haben sich meine Wünsche – was dieses Event betrifft – doch geändert. Aber für einen Songtitel soll es doch reichen.

Das mit Eiswürfel gefüllte Glas Weißwein klingt sehr schön. Aufgabe bei diesem sounddesign war es, keinen Rhythmus, keine Melodie und auch kein Harmonieschema zu verwenden, also alles dies außen vor zu lassen, was gemeinhin Musik ausmacht. Auch sollte auch nur ein einziges „sample“ (Klangprobe) verwendet werden, gleichwohl durften alle Verfremdungs- und Modulationsmöglichkeiten wie – die schon mehrfach erwähnte – Grainsynthese, Transponierung, Timeshifting, Aufteilung in Klangfragmente usw. erlaubt sein. Die Ausgangaufnahme stelle ich auch vor.

holiday on ice

weinglas mit eiswürfeln

zeitvergeht

zeitvergeht

Wie die Zeit vergeht merkte ich kürzlich, als ein geschätzter Kollege sich mit einer kleinen Feier in den Ruhestand verabschiedete, hatten wir doch 25 Jahre an der gleichen Stätte gewirkt. Am gleichem Tag – kurz vor der Feier – wurde ich gebeten bei einem kleinen Beitrag für den Kollegen mitzuwirken. Gegenstand der kurzen Aufführung war das Gedicht von Konrad Balder Schäuffelen „Zeit“, was mir bis dahin noch gänzlich unbekannt war. Konrad Bilder Schäuffelen wirkte als Psychotherapeut, allerdings arbeitete er auch als Künstler und Poet und bediente hierbei die sogenannte konkrete Poesie. Er schien ein sehr interessanter Mann zu sein, schrieb er zum Beispiel seine Dissertation als Mediziner zum Thema „Cerebrale Dekompensationserscheinungen unter der Behandlung mit Phenothiazinen und Tofranil“.

Das Gedicht, welches wir vorsprachen, hatte folgenden Text:

Konrad Balder Schäffelen Zeitvergeht

Das Stück „zeitvergeht“ nutzt die Möglichkeit sich im Internet auf sogenannten text to speech Seiten Texte vorlesen zu lassen und dies mit verschiedenen Stimmen. Das Stück beginnt mit einer deutschsprachigen Stimme, gefolgt und collagiert von einer portugiesischen, us-amerikanischen und einer russischen Stimme. Das Ergebnis, wenn ein portugiesischer Sprecher deutsche Texte vorliest, ist meiner Meinung nach witzig.

Um das ganze ein wenig zu dramatisieren werden die Stimmen mit einer Omnibus-Akkordfolge – eine Akkordfolge, die in Halbtönen (chromatisch) voranschreitet, welche mit verschiedenen orchestralen Klangfarben wiederholt wird, unterlegt.

Das Beitragsbild zeigt eingelagerte Äpfel, die diesen schönen schrumpeligen – und damit einen ZEITVERGEHENDEN – Zustand nach acht Monaten eingenommen hatten.

 

cityIncityOut

cityIncityOut

Was passiert eigentlich, wenn man mindestens 30 Klänge auf einmal abspielt? Genau, es entsteht ein großer Krach. Vielleicht nicht so ganz wie beim bekannten Urknall, aber immerhin. So geschehen beim Stück „cityIncityOut“. Und dies war eigentlich ein Zufallsprodukt. Kommen alle Frequenzen des hörbaren Spektrums auf einmal zu Gehör, entsteht ein großflächiges Rauschen. Wenn diese Frequenzen nur kurz gleichzeitig erklingen, gibt es einen lauten Knall.

Vor vielen Jahren hatten wir die Gelegenheit mit mehreren computerinteressierten Kollegen mehrere Tage zusammen zu sitzen und uns unter anderem mit sogenannten „soundwalks“ zu beschäftigen. Bei einem „soundwalk“ spaziert man schweigend durch die Landschaft und lauscht den Klängen, die während des Spaziergangs zu hören sind. Man kann natürlich die Klänge der Umgebung mit einem Aufnahmegerät aufnehmen. Wir nahmen auch Klänge der Stadt Kassel auf. Geleitet und theoretisch unterfüttert wurden diese „soudwalks“ von dem WDR Reporter, Klangökologen und Hochschulprofessor Hans Ulrich Werner. Hier gibt es einen interessanten Artikel zu seinem Beschäftigungsfeld.

Die aufgenommen Klänge überspielten wir auf unsere Rechner, um sie zu collagieren und akustisch auszuwerten. Als ich den Sampler mit den Stadtklängen lud, passierte, dass unterschiedlich lange Klänge auf einen Tastendruck gemeinsam erklangen, aber zu unterschiedlichen Zeiten endeten. Dieser zufällige Effekt wird in dem Stück zunächst rückwärts (reverse) wiedergeben und dann vorwärts in der ursprünglichen Abspielrichtung. Unterlegt werden die Klänge von einer digital verfremdeten Aufnahme von Schritten über einen Kiesweg. Grafisch lässt sich das Stück so darstellen:

Das Beitragsbild zeigt eine Aufnahme eines Außenaustellungsplatzes der italienischen Künstlerin Lara Favaretto hinter dem alten Hauptbahnhof in Kassel während der dokumenta 13, die verschiedene Altmetallteile sorgfältig zu einem Ensemble zusammengestellt hatte.

 

always on simply

Das Stück „always on“ kommt hier in einer „minimal“ Version daher (simply). Geplant ist eine zweite Version mit Stimme und Drums. Aber dazu irgendwann mehr. Das Stück beinhaltet sogenannte UKOs. Wir wissen ja alle, was UFOs sind, aber UKOs? UKO steht für „Unbekanntes Klang Objekt“ und ist ein Begriff der schweizerischen Musikwissenschaftlerin Barbara Flückiger, die in ihrem Buch „Sound Design: Die virtuelle Klangwelt des Films“ (Marburg, 2001) den Begriff prägte. Insbesondere meinte Sie damit bestimmte Teile – besser Klangschichten – einer Filmmusik, die sich nicht direkt akustisch zuordnen lassen:

„UKO: ‚unidentifizierbares Klangobjekt‘,
 dessen Quelle weder im Bild sichtbar ist noch
aus dem Kontext erkennbar wird.“

Heutzutage wird es einem ja relativ leicht gemacht Sounds von bestimmten elektronischen Klangerzeugern zu verwenden und so einzustellen, dass man den Klang nicht mehr direkt zuordnen kann. Dies gibt einem Stück etwas Unvorhersehbares, vielleicht Geheimnisvolles.

always on (simply)

Das Beitragsbild zeigt eine aktuelle Ausstellung in Berlin in der Bekini-Galerie. Farbige Scheiben werfen bunte Flächen auf den Boden. Ich finde diesen Eindruck ganz passend zu der Musik.

zeitspiel – spielzeit

2007 gab es in unserer Schule ein Theaterprojekt unter der Regie zweier wunderbarer Kolleginnen mit dem Titel „ZEIT SPIELE ZEIT“.  Das besondere war die Tatsache, dass die Zuschauer auf Drehstühlen in der Mitte der Spielstätte platznahmen, während drei Bühnen – links, vorne und rechts – aufgebaut waren. Auf jeder Bühne wurden Ausschnitte aus unterschiedlichen Theaterstücken zum Besten gegeben. Ein Stück – „Was wo?“ – basierte auf den Arbeiten des irischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Samuel Beckett, andere waren zum Beispiel: „Der kleine Prinz“, „Der Junge, der die Zeit kaufen wollte“ von Gabrielle Münnix, oder auch „Die innere Stimme“ nach Asta Gröting und andere. Zwischen den einzelnen Aufführungen der Stücke überbrückte eine Theatermusik die einzelnen (Umbau)pausen. Die Theatermusik entstand als Projekt mit einer Gruppe junger Leute, die sich zur Aufgabe gemacht hatte Klänge aufzunehmen, die Anklänge zum Thema „Zeit“ zusammentrugen. Es wurden unter anderem Tischtennisbälle, Metronome, Handyklingeltöne, Telefone und Wassergläser verwendet. Zwei von diesen Stücken gebe ich hier wieder. Die Nummer in den Klammern geben den jeweilige BPM bzw. das Metrum wieder. Der Rollenzettel gibt genauere Auskunft über die Titel der Stücke und den beteiligten Personen.

bewegt (97)

jazz (57)

a swell to help you sleep

Ich habe heute erfahren, dass der isländische Komponist Johann Johannsson plötzlich unerwartet im Alter von 48 Jahren gestorben ist, was mich sehr schockiert hat. Die Todesursache ist momentan noch unklar. Der Grammygewinner hatte zuletzt als innovativer Filmkomponist auf sich aufmerksam gemacht und ich hatte gehofft, noch einige Musik von ihm erwarten zu dürfen. In dem Beitrag door arrival hatte ich bereits davon berichtet.

Ich veröffentliche daher heute – etwas früher als ursprünglich geplant – das Stück „a swell to help you sleep“, weil es mich atmosphärisch an Arbeiten Johannssons erinnert und möchte ihm diese Soundscapearbeit widmen. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Code von Zach Mandeville, den er für die – auch schon mehrfach erwähnte -Laufzeitumgebung  sonic pi herausgeben hat. Zach will damit Menschen helfen durch Sounds besser einschlafen zu können. Ob dies für das vorliegende Sounddesign auch noch gelten mag, mag der Hörer gerne selber beurteilen. Ich habe diesen Code leicht verändert und dann in drei unterschiedliche Oktaven zeitlich leicht versetzt wiedergeben. Dazu kommen übereinander gelegte Stimmensamples.

a swell to help you sleep ex

Das Beitragsbild fängt eine Morgenstimmung an der Zuckerfabrik Wabern (Bezirk Hessen) ein, die direkt am Bahnhof gelegen ist. Es trifft die Stimmung des Stückes ganz gut, so meine ich.

cityscape peru

Das Beitragsbild stammt von meinem Kunstpädagogen Kollegen Achim aus Kassel. Mit einer Gruppe Jugendlicher wandelte er 2006 zwecks Austausch in Peru und als passionierter Fotograf brachte er schöne Fotos mit. Eines dieser Fotos gefiel mir besonders gut.

Damit sich auch die Daheimgebliebenen ein „Bild“ machen konnten, wurde eine Ausstellung organisiert, die so aufgebaut war, dass alle Besucher einen kleinen Parcours durchlaufen mussten. Daher bat Achim mich, durch einen kleinen auditiven Beitrag, den Durchlauf sinnlicher zu gestalten. Herausgekommen ist eine „soundscape composition“ mit dem Titel „cityscape peru“.

Für diese „soundscape composition“ (soundscape = Kunstwort für Klanglandschaft) hatte ich mich seinerzeit abermals auf der Internetseite freesound.org bedient, bewußt Klänge aus Peru herausgesucht und zusammengestellt. Da es sich überwiegend um urbane Klänge handelt, wurde der Begriff „cityscape“ – in Anlehnung an „soundscape“ – geprägt.

cityscape peru 

Immer, wenn ein ursprünglicher „soundscape“ einer Manipulation wie Schnitt und technischer Veränderung, wie zum Beispiel hinzufügen von Hall, unterliegt, oder auch einzelne Teile neu zusammengestellt werden, handelt es sich im strengen Sinne schon um „sounddesign“.

Der 1933 geborene kanadische Komponist Raymund Murray Schafer gilt als einer der „soundscape“ Pioniere. In Vancouver rief er 1971 mit dem World Soundscape Project eine Art auditive Ontologie ins Leben. Ihm kam es besonders darauf an, dass Klänge einer Umgebung (acoustic environment) in einem Sinnzusammenhang bleiben und nannte die beteiligten Klänge „sound events“. Damit war er der Gründer der sogenannten acoustic ecology Bewegung. Wird mit „sound events“ gearbeitet, kann man von einer „soundscape composition“ sprechen.

Der 1910 in Frankreich geborene Komponist Pierre Schaeffer, bekannt für seine musique concrète, arbeitete auch gerne mit Klängen, die er aus Natur und Umgebung bezog. Er legte aber keinen Wert auf einen lokalen oder sinnstiftenden sozialen Zusammenhang der Klänge. Solche Klänge werden dann als „sound objects“ tituliert. Die Zusammenstellung solch verwendeter Klänge zu Kompositionen grenzt man dann als „soundobject composition“ ab.

Bemerkenswert finde ich, dass beide Komponisten SCHA[E]F[F]ER heißen.

minigong

Passend zum Weihnachtsfest hier ein kleines Sounddesign-Stück aus dem Album „Klong“ von 2016. Die beiden kleinen Tibetan-Cymbals schenkte mir eine sehr geschätzte Kollegin vor vielen, vielen Jahren (siehe Beitragsbild). Aus ein paar Anschlägen, die mit einem Sampler aufgenommen und verarbeitet wurden, entstand ein herrlich dumpfer Klingelton. Es gibt sogar schon Menschen, die diesen Klang als einen Klingelton für ihr Smartphone benutzen, okay zugegebenermaßen, es gibt einen Menschen, der ihn benutzt. Wer diesen Klang gerne als Klingelton benutzen möchte, schreibt mich kurz an.

minigong

 Brian Eno hat zum dem Thema mit dem Album January 07003: Bell Studies for the Clock of the Long Now eine bemerkenswerte Arbeit 2003 veröffentlicht. Wer Glockenklänge mag sollte sich dieses Album einmal anhören. Anhören kann man es sich auch bei Youtube.

chant on the beach

Das kann passieren: Man sitzt gemütlich während des Urlaubs am Strand, macht sich eine Dose Bier auf, kichert in sich hinein, döst so vor sich hin, hört die spielenden Kinder und das Meeresrauschen und erreicht dann fast einen meditativen Zustand. Plötzlich stellen sich weitere – unheimliche – Stimmen ein. So könnte es bei dem folgenden Stück gewesen sein.

chant on the beach

 

Das Stück „chant on the beach“ ist aus der „Randomizations-Reihe„. Die Randomizations-Stücke haben folgendes Format: Man gehe auf die interessante Seite von freesound.org. Dort stellen Benutzer aus der ganzen Welt ihre Aufnahmen (samples) zur Verfügung. Das Spiel besteht jetzt darin, aus den letzten 20 Klängen, die hoch geladen worden sind, spontan ein Klangstück zusammenzustellen, indem man den Beginn und Dauer des Klanges bestimmt. Hier werden weitere Stücke aus der Randomazitions-Reihe folgen.

Das Beitragsbild wurde im Oktober von mir an der Mittelmeerküste bei Izmir in der Türkei aufgenommen und ich finde, es passt ganz gut zu den Klängen.

door arrival

Ich versuchte durch Experimentieren herauszufinden, wie der isländische Komponist Johann Johannsson für seine fantastische – fast überirdische – Filmmusik zum Film Arrival Klänge erzeugt hat. Mir hat es besonders der Track Heptabod B angetan. Dabei kam dieses Soundfile heraus. Die ursprüngliche Aufnahme wird mit einem Sampler verlangsamt wiedergegeben und durch eine Reihe verschiedener Echo-Effekte manipuliert. Hört man sich das Ergebnis an, will man kaum glauben, dass es sich ursprünglich um eine knarrende Tür handelt.

door arrival

Jetzt der Originalklang der Tür. Das Bild zeigt eine alte Tür eines alten Bauernhauses des Fränkischen Heimatmuseums Fladungen in der Rhön. Diese Tür macht herrliche Geräusche.

knarrende tür fladungen

wie klingt weimar?

Wie klingt [eigentlich] Weimar? Können Städte einen eigenen, individuellen Klang haben? Und wenn ja, durch welche Klänge wird dieser Eindruck geprägt? Dieser Frage ging ich mit meinem Freund Olaf Pyras (Musiker und Klangsammler) im Sommer 2012 nach, als wir Klänge zur Vorbereitung unserer gleichnamigen Seminarreihe für den ersten gemeinsamen Bundeskongress der damaligen Schulmusikerverbände AfS und VDS (jetzt BMU – Bund für Musikunterricht) aufnahmen. Die Seminare wurden durch einen Artikel, der in der Zeitschrift „Musik und Unterricht 110“ erschien, dokumentiert. Hier kann der Artikel nachgelesen werden. Das Youtube-Video lässt die gesammelten Klänge in annähernd chronologischer Reihenfolge erklingen, während die passenden Bilder dazu angezeigt werden.

trump music – it is true

Da kann man sich ja über viele Dinge aufregen, die der amerikanische Präsident Trump von sich gibt oder versucht anders als sein Amtsvorgänger zu regeln. Aber besonders hatte mich aufgeregt, dass Trump in Form eines Kahlschlages versucht hatte grundsätzlich allen Bürgern bestimmter Länder mit muslimischem Hintergrund die Einreise zu verweigern. Das Stück „trump music – it is true“ ist eine auditive Auseinandersetzung mit den eben erwähnten Umständen. Daher werden auch „samples“ aus dem arabischen Raum verwendet. Diese „samples“ findet man auf der Seite „freesound.org„, die auf Open-Source-Basis einen reichhaltigen Schatz an Material zu Verfügung stellt. Die „Trump-Sprach-Schnipsel“ entstammen sogenannten „soundboards“, die im Internet zu finden sind. Hier findet sich ein Beispiel. Das Bild ist eine Collage aus vier Trumpportraits, die mit der wundervollen iPhone App Prisma verändert wurden.

trump music – it is true

chewbacca potato

Grainsynthesizer bieten neue Möglichkeiten. Propellerhead hat mit der Version 10 seiner DAW einen Grainsynthesizer ins Rack gestellt mit dem bezeichnenden Namen „grain“. Beim ersten „Herumspielen“ kam dieser kleine „snapshot“ heraus. Der Grainsynthesizer wurde mit Chewbaccasamples „gefüttert“. Das rhythmische Element ist eine „gerecyclete“ Aufnahme eines älteren Kartoffelroders bei der Kartoffelernte im Herbst 2016. Das Stück nimmt an der Reason 10 Challenge treil.

chewbacca potato

waldkuh

Bei meinen Workshops zum Umgang mit AUDACITY, gehört die Übung „Waldkuh“ zu meinen liebsten Übungen. Das Stück „Waldkuh“ ist eigentlich kein echter soundscape, es ist eher Sounddesign, denn Klänge werden gemischt, die ursprünglich aus unterschiedlichen Zeiten und aus unterschiedlichen Orten stammen. Bei dieser Übung lernt man, wie man mit einfachen Mitteln dadurch Raum erzeugen kann, dass man die sounds in ihrer Lautstärke und in ihrem Panorama (links – rechts) anordnet. Im Hintergrund läuft eine klangliche Textur, eine sogenannte „keynote“. Hier sind das die Waldvögel.

waldkuh

Das Bild mit der Waldkuh wurde mir freundlicherweise von Claudia Hinz zur Verfügung gestellt.