the sound of silence

Compose 1 minute of sound about „Silence“, and describe your choices/idea. Ich interessieren mich momentan sehr für die vielfältigen und netten Competitions bei metapop. Anlässlich des Eufonia Festivals, welches just an diesem Wochenende in Berlin stattfindet, begegnet man auf der Seite eine Einladung zur producer competion mit dem Thema the sound of silence. Nun würde man ja direkt denken, eine Minute „sound“ und gleichzeitig „silence“, ein Widerspruch in sich, ein nicht lösbares Rätsel. [Mein Nachbar klärte mich darüber auf, dass man so etwas ein conundrum nennt, aber dies nur sei nur nebenbei erwähnt.] Wenn wir uns aber erinnern, wie in einem Film Stille dargestellt wird, müssen wir feststellen, dass Stille dort niemals mit NICHT-KLANG einhergeht, also es die totale Stille meistens nicht gibt. Vielmehr begegnet man einem Klang von Wassertropfen, den Sound von Wind, sehr tiefe lange Töne oder sogenannte UKOs (Zur Klärung dieses Begriffs bitte den Beitrag always on nachlesen), um nur einige Möglichkeiten zu nennen. Milosz Jeziorski hat sich in dem ausgezeichneten Beitrag music vs. silence mit dieser Thematik beschäftigt und gibt einige sehr interessante Gedanken dazu preis.

Ich fand die Idee auf jeden Fall sehr spannend und habe selbst eine Minute Stille erzeugt, die keine Stille ist, sondern doch deutlich ein sounddesign im Sinne Jeziorski. Ich bin sehr erstaunt wie vielfältig die Beiträge der Einsender sind und mit welchen Worten sie die Einsendungen beschreiben. Schaut bitte mal selbst bei dieser Seite von metapop nach. Ich habe als Ausgangsmaterial eine soundscape Aufnahme verwendet (sonntagmorgen) und diese mit dem schon mehrfach erwähnten Grain-Sampler verändert. Dazu gesellt sich u.a. auch eine Aufnahme mit Eiswürfeln in einem Weinglas (Beitrag holiday on ice). Die Klänge wurden mehrfach in ihrer zeitlichen Ausdehnung sowie in ihrer Tonhöhe verändert und erneut hinzugenommen (resample).

the sound of silence


Das Beitragsbild wurde vorletztes Jahr im Januar an einem Sonntagvormittag aufgenommen. An einem Sonntagmorgen stellt sich manchmal eine besondere Stille ein.

rostnomo

Rostnomo ist der Name eine Synthesizers, der zufällig Klänge erzeugt. Man drückt einen Knopf und schon zaubert das Gerät einen neuen Klang. Drei von diesen Instanzen habe ich benutzt um wiederum mit einer zufällig erzeugten Tonhöhenspur gefüttert, die Grundlage für den heutigen Beitrag zu erzeugen. Das ganze wurde dann resampelt, – also das sample nochmals gesampelt – mit Celloklängen ergänzt und erneut „resampelt“, wobei eine Spur in umgekehrter Reihenfolge zu hören ist. Hier wurde jetzt mein geliebter Spitfireaudio Labs Chor dazugekommen. Das ganze habe ich dann nochmals vom Webdienst Schnalz mastern lassen.

Wer seit einigen Monaten mein blog aufmerksam verfolgt, dem ist nicht verborgen geblieben, dass ich Sounds liebe, die eigentlich gar nicht den Gepflogenheiten der Musik Folge leisten. Musik im herkömmlichen Sinne hat in verschiedenen großen Anteilen Melodie, Harmonie, Rhythmus und Form, die nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten wie Tonart und Zusammenklang funktionieren. Aber auch Gewohnheiten können bestimmte Formmodelle wie zum Beispiel Verse-Chorus-Strukturen (Strophe & Refrain) ausbilden und gelten dann gemeinhin als Musik. Hierzu gibt es einen lesenswerten Artikel von dem Musipsychologen Karsten Schäfer, der die gleiche Auffassung vertritt.

Diese Stück hier besteht eigentlich nur aus Klang bzw. sogenannten Klangtrauben, die in der modernen klassischen Musik auch gerne als Cluster oder Texturen bezeichnet werden. Hört selber einmal hin und fragt euch: Ist dies Musik? Und wenn ihr zu einem Ergebnis gekommen seit, dann bitte, teilt mir das mit!

Das Beitragsbild zeigt die Zuckerfabrik in Wabern. Es handelt sich, wie ihr ja schon herausbekommen habt, um eines meiner Lieblingsmotive. Auch diesmal wurde es grafisch leicht verändert. Ich habe diese Motiv, was hier allerdings zu einer anderen Zeit an einem anderen Datum aufgenommen wurde, in einer anderen Form schon mal für den Beitrag a swell to help you sleep benutzt und lege euch diesen erneut warm ans Herz.

raceme

Das Stück „raceme“ erinnert mich an eine Klangtraube. Daher habe ich für das Beitragsbild eine Aufnahme des Blütenstandes der Pflanze Wilde Karde ausgewählt, die ich vor ein paar Wochen in einer Sandgrube fotografierte. „raceme“ ist der botanische Name für eine Traube bei Pflanzen  auf englisch. Die wilde Karde wird im Volksmund auch Hausdistel oder Rotdistel genannt.

raceme

Die Firma Spitfire Audio produziert fantastisch klingende Soundbibliotheken. In letzter Zeit bringen sie im LAB kostenlose Klänge heraus. Aus diesem Fundus habe ich mich für das Stück „raceme“ bedient und die Chor- sowie eine String-Bibliothek benutzt. Hinzu kommt meine Elektrogitarre, die hier dank bestimmter Effekte  eher wie eine klingende Säge daherkommt. Als UKO dienen diesmal synthetisch erzeugte Klänge, die abermals mit sonic pi herausgerechnet wurden. Zu UKOs habe ich ja schon etwas geschrieben. UKOs sind Unbekannte Klang Objekte. Man kann es hier in diesem Beitrag nochmal nachlesen: Always on simple. Es ist immer wieder erstaunlich, mit wie viel wenig „code“ man bemerkenswerte Klanggebilde mit sonic pi erstellen kann. Die errechneten Klänge wurden transponiert und zeitlich gedehnt.

Update: Mein Freund – ein begnadeter Musiker, Tontechniker und Filmkomponist – hat mir „auf die Schnelle“ eine alternative Tonmischung zu „raceme“ gezaubert.

racem alternative mix

Hier ist der Klang und der Programmcode des sonic pi Stückes:

16 times mod do II

use_bpm 65
use_debug false

with_fx :reverb do
16.times do
use_synth :mod_fm
play rrand(50, 60), cutoff: rrand(40, 80), attack: 0.5, release: rrand(0.1, 0.5), cutoff_max: 110
sleep 0.25
play rrand(60, 70)
sleep 0.75
end

16.times do
play rrand(70, 90)
sleep 0.25
play rrand(50, 60)
sleep 0.5
end

16.times do
play rrand(50, 60)
sleep 0.25
play rrand(60, 70)
sleep 0.25

4.times do
use_synth :mod_tri
play rrand(50, 60), cutoff: rrand(40, 80), release: rrand(0.1, 1), cutoff_max: 110
sleep 0.25
play rrand(60, 70)
sleep 0.015
end
end
end

physical

Man sollte es schon gemerkt haben: Mich faszinieren zufällig erzeugte Klangfolgen. Hierfür kann man sogenannte Player verwenden, die zufällige Spannungen errechnen und an Klangerzeuger abgeben. Auch heute geht es um das physical modeling. Im letzten Beitrag [how it works] kam diese Art der Klangerzeugung ja auch zum Einsatz, diesmal kombiniert mit Zufallsgeneratoren. Ich habe dieses Klangstück in drei Versionen aufgenommen.

Version 1 ist die sogenannte „stop & go Version“. Durch zufälliges abspielen, stoppen und wieder abspielen des Arrangenments ergeben sich die Pausen, die mit den langen Hallfahnen der generierten Klänge gefüllt sind.

physical (stop & go version)

Version 2  wird um langgehaltene Streicherklänge ergänzt, die chromatisch absteigen und die Pausen zusammenhalten.

physical (stop & go string version)

Version 3 ist ein „live mix“, was bedeutet, dass die Klänge während der Aufnahme gemischt wurden. [Achtung! Dieser Mix ist viel lauter als Version 1]

physical (live version)

Das Beitragsbild zeigt diesmal ein Kieswerk in der Nähe von Gudensberg. Das schwarz/weiß gehaltene Bild aus dem Jahre 2013 – schon wieder 2013 – betont das Industriedesign des Kieswerkes und passt sehr gut zu den metallischen Klängen der Aufnahmen.

trailer construct light

Es ist schon erstaunlich, was man heutzutage alles „zusammen fummeln“ kann. Nicht mehr der Musiker oder Interpret steht an erster Stelle, sondern der DJ, also ein Ingenieur, der sich aus einem Baukasten bedient und seine Klänge nach Können und Intuition zusammenstellt. Erst kürzlich sah ich einen Bericht in den Medien (Champion der Charts) aus dem hervorging, dass zur Zeit die Mehrzahl der Hits in den Charts von DJ platziert werden. Bei der Produktion von aufwendigen Kinofilmen, haben die Sounddesigner den Filmkomponisten den Rang abgelaufen. Der Artikel Die Rolle der Soundeffekte in der heutigen Popkultur beleuchtet das Thema.

Das Netz hat mir vor einigen Monaten ein samplepack (Klangsammlungspaket) angeboten und ich habe daraus ein kleines Sounddesignstück zusammengesetzt, welches die Kategorie „sfx“ bedient. In einem früheren Beitrag habe ich ja schon einmal kurz über sogenannte SFX-Sounds berichtet. Hier wird es auf die Spitze getrieben, denn die Aufgabe bestand darin, alle samples des Paketes zu verwenden. So sieht es aus, wenn die einzelnen Samples in der Musiksoftware angeordnet werden.

trailer construct light

Das Beitragsbild wurde im Herbst 2016 im Erlebnis Bergwerk Merkers in Thüringen aufgenommen. Das ehemalige Salzbergwerk dient jetzt nur noch touristischen Zwecken. Eine mehrstündige Tour führt durch verschieden Höhlen. Unter anderem sind auch Salzkristalle zu sehen, die schön farbig illuminiert werden.

holiday on ice

Jetzt gerade sind Sommerferien und weil dieses Jahr sich mal wieder ein richtiger Sommer eingestellt hat, so muss natürlich das eine oder andere gekühlte Getränk herhalten, um den Durst zu löschen. Manchmal kommt ein mit Eiswürfeln gekühlter Weißwein gerade recht. Davon zeugt das aktuelle Beitragsbild. Als kleines Kind sah ich hin und wieder Plakate zu der vielleicht bekannten Show Holiday On Ice, die dieses Jahr ihr 75jähriges Jubiläum feiert. Mich hatte die Ankündigung unglaublich fasziniert, mittlerweile haben sich meine Wünsche – was dieses Event betrifft – doch geändert. Aber für einen Songtitel soll es doch reichen.

Das mit Eiswürfel gefüllte Glas Weißwein klingt sehr schön. Aufgabe bei diesem sounddesign war es, keinen Rhythmus, keine Melodie und auch kein Harmonieschema zu verwenden, also alles dies außen vor zu lassen, was gemeinhin Musik ausmacht. Auch sollte auch nur ein einziges „sample“ (Klangprobe) verwendet werden, gleichwohl durften alle Verfremdungs- und Modulationsmöglichkeiten wie – die schon mehrfach erwähnte – Grainsynthese, Transponierung, Timeshifting, Aufteilung in Klangfragmente usw. erlaubt sein. Die Ausgangaufnahme stelle ich auch vor.

holiday on ice

weinglas mit eiswürfeln

boom do

Bei dem Stück „boom do (mx)“ handelt es sich um einen langen EDM Song, der das Subgenre „dark minimal“ bedient. Er ist extrem minimalistisch, werden doch bestimmte Parameter nur langsam graduell verändert. Die sogenannte Wave-Darstellung des Tracks zeigt schön die allmähliche Verdichtung des Stückes.

Die Grundwelle wurde abermals mit der Laufzeitumgebung  sonic pi „berechnet“, wobei verschiede Parameter „live“ verändert wurden. Hinzugemischt habe ich zwei grains, die im Sinne von UKOs ein ganz bisschen Abwechslung erzeugen.

boom do

Das Beitragsbild zeigt eine Bildschirmaufnahme eines Zeitpunktes des laufenden Stückes, indem die Frequenzen des Tracks als sogenannte Lissajous Wellen dargestellt werden, die auf den gleichnamigen Physiker zurückgehen.

max random

Bei dem Elektro-Stück „max random“ habe ich mich abermals durch einen Beitrag aus dem Internet inspirieren lassen. Nicht nur YouTube ist eine unendliche Quelle guter Ideen, sondern auch auf Instagram kann man inspirierende Beiträge finden, wie der Beitrag Randomized Melodies von Propellerhead. Kurz gesagt geht es darum, einen Matrix Player zufällige Tonfolgen herauszulocken, die dann so gefiltert werden, dass die Tonhöhen in eine bestimmte Tonart passen. Dies geschieht bei dem vorliegenden Stück mit dem metallisch klingenden Grundpattern. Die unterschiedlich gefilterte Tonfolge wird flankiert von sogenannten SFX-Klängen, auch „textures“ genannt. SFX steht für S = sounds und FX = lautmalerisch für Effekte, so ist es im Internet nachzulesen. Der Name des Stückes ergibt sich wegen der Verwendung der Zufallsfolgen (= random) und der Verwendung des Matrix Players, der dies ermöglicht.

max random

Das ganze Stück Stück klingt sehr elektrisch, daher erscheint mir das Beitragsbild passend, welches ich in einer Sandgrube aufgenommen habe. Die Baggerschaufel sieht aus wie ein angriffslustiger Roboter, der entfernt an die besonders in den U.S.A. beliebten sogenannten Robot Wars erinnert.