advent orison

Es heißt ja immer so schön „Jetzt beginnt die besinnliche Zeit!“, die Zeit des Advents. „Advent“ meint ja die Zeit des Wartens oder die Zeit der Ankunft. Auf welche Ankunft warte wir? Und ich frage mich dann, was ist eigentlich mit „besinnlicher“ Zeit gemeint? Ich wundere mich jedes Jahr, wie schnell die Zeit vergangen ist und rufe aus „Was, schon wieder Weihnachten?“ Und jedes Jahr der gleiche Trubel. Immer wieder die gleichen Lieder. Selbst die Familie möchte an ganz bestimmten Bräuchen festhalten. Eigentlich habe ich zunächst meistens gar keine Lust auf Weihnachten. Es wird zwar immer so getan, dass es sich um ein „besinnliches“ Fest handelt, aber im Vordergrund steht doch der Kommerz. Wie viel wird wann wie verkauft? Welches Lichterkette ist noch prunkvoller als die des Nachbarn? Wer hat die teuersten und die meisten Geschenke gekauft? Daran habe ich keinen Spass! Und die heuchlerische Vermischung mit dem Christentum. Jesus sei geboren, die heiligen drei Könige und das ganze Trallala. Und nur, weil die Christen die Wintersonnenwende für ihre Zwecke ausgenutzt haben. Im Nachhinein freue ich mich dann meistens doch. Die Familie hat schön gefeiert, Verwandte und Freunde kamen zu Besuch, es wurde schön gekocht und gegessen und man hat ein bisschen Zeit für sich und die Familie, wenn man sich diese nimmt.

So auch gestern, als ich ein bisschen Musik gemacht habe und nur kurz etwas ausprobieren wollte. Da entstand dieses kleine Stück, was mich persönlich besinnlich macht und mir hilft, mich ein bisschen zurückzunehmen und durchzuatmen, mich zu beruhigen! Daher hat es auch den Namen „advent orison“  bekommen, meine besinnliche Zeit. Orison ist eine altes Wort für so etwas wie Gebet. Musikalisch handelt es sich um ein diatonische – also einer bestimmten Tonleiter folgend – Akkordfolge, die wie die alte Tradition heterophoner Musik (Mehrstimmgkeit) des Organum aus dem Mittelalter mit allerlei anderen Klängen und verschiedenen Oktaven die Akkordtöne parallel verdoppelt, um das Frequenzspektrum nach oben und unten zu bereichern. Hinzu kommen die Synthesizer Arpeggios, die das ganze Stück untermalen und eine indische Sängerei einer Samplelibrary, die mir ihre Stimme geliehen hat.

advent orison

Das Beitragsbild zeigt eine verfremdete Aufnahme unserer Lichterkette im Flur mit einer Schale in der die Geschenktütchen für die Kinder lagerten, die am Nikolaustag an die Tür klopfen, ein Gedicht aufsagen und sich kleine Geschenke, bestehend vor allen Dingen aus Süßigkeiten, wünschen.

sleeping stone

Wer kennt nicht das Spiel Werwolf, welches sich bei Jugendlichen einer großen Beliebtheit erfreut. Ich hatte die Freude einmal im Jahr mit einer Gruppe unterwegs zu sein, die genau dieses Spiel abends zum Ausklang des Tages spielte. Immer wenn der Erzähler, der bei dem Spiel die einzelnen Runden moderiert, die Formel „Das Dorf schläft ein!“ intonierte, fiel ich wie von einem geheimen hypnotischen Befehl getrieben in einen leichten Dämmerzustand. Schnell hatte ich den Indianernamen „Schlafender Stein“ bekommen und brauchte mich seitdem auch nicht mehr bemühen, diesen Namen wieder los zu werden. Man beachte bei dem Namen „Schlafender Stein“ diese schöne Tautologie. Nicht das der Stein schon an sich – in sich ruhen bzw. schlafen würde. Anlass genug für ein kleines, ruhiges und minimalistisches „Kling-Klang-Stück“. Die sonore Männerstimme spendete Amal. Amal arbeitet bei der indischen Windows-Hotline, die mich ab und zu ungefragt, aber stets freundlich, anruft, um mir zu verkünden, dass mein Windows-Computer verseucht sei und er mir sofort helfen könnte, obwohl ich gar nicht mit einem Windows-Computer arbeite. Ich fragte ihn, ob er mir ein tiefes „Om“ aufsingen könne und wir wurden uns sofort einig, wie man hören kann.

sleeping stone

Den ruhenden Stein, der mit Moos bewachsen ist, habe ich 2017 bei einer kleines Wanderung in den Bergen der Vogesen – in der Nähe der Moselquelle – aufgenommen. Diese Gegend ist für Wanderung wärmstens zu empfehlen.

my foolish heart is dark?

Das dieser Song etwas mit dem berühmte Song My Foolish Heart – hier im Link eine wundervolle Version des Jazzpianisten Bill Evans – zu schaffen haben könnte, konnte ich nicht ahnen, als ich heute morgen mit einer kleinen minimalistischen Pianosequenz mit dem Klang aus der LAB Serie von spitfireaudio begann. Aber manchmal passieren Dinge unerwartet und man ordnet sie dem Zufall zu. Ob es Zufälle gibt oder aber Schicksal, lässt sich wohl niemals vollends ergründen. Auf jeden Fall fand ich die Übersetzung des Textes zu „My Foolish Heart“ interessant. Das Stück ist ein sehr bekannter Jazzstandard und unzählige Mal gecovert worden. Diese Seite zählt alleine 108 Versionen. Gesungen wird die kurze  Gesangspassage von einer in London ansässigen Sängerin namens Elisa Le Bon. Elisa tauchte natürlich nicht persönlich – warum eigentlich nicht? – bei mir im Studio auf, sondern man kann ihre Stimme bei einer Sample-Library-Bude, so möchte ich es nennen, ausleihen. Diese Libraries finden sich  zur Zeit vermehrt im Netz. Neulich flatterte mir ein gutes Angebot ins Haus, welches ich seither manchmal benutzte. Die andere Stimme habe ich mir bei freesoundorg besorgt. Diese Quelle ist immer wieder lohnend, wenn man zu bestimmten Orten, Ländern und Schlagwörtern Klänge sucht, die nicht kommerziell produziert sind und dadurch oft eine gewissen Authenzität haben.

 

my foolish heart is dark?

 

Das Beitragsbild, welches ich dieses Jahr aufgenommen hab, zeigt eine Kartoffel, die ich im Feld fand. Amüsiert hat mich die Herzform der Kartoffel.

monoemoticon one

„monoemoticon one“ ist ein Stück ohne Schlagzeug, wenngleich es natürlich auch Rhythmus hat, hier vor allen Dingen getragen von einem Synthesizerarpeggio. Der Name verrät, dass es hier nicht um Spannungskurven geht, sondern um den „Transport“ eines einzelnen durchgehenden Ausdrucks bzw. einer Emotion. Dies erinnert ein wenig an die Monochromes von Yves Klein in der bildenden Kunst. Ulrich Pontes schreibt zu Emotionen:

Emotionen machen das Leben lebenswert, sind zentraler Bestandteil unseres Seelenlebens. Aber sie sind noch mehr: mächtige Bewertungssysteme, die uns viele Situationen automatisch einschätzen lassen, so dass wir schnell und richtig reagieren können.

Dieser einzelne Ausdruck – diese eine Emotion – wird im Laufe des Stückes nur ein wenig verdichtet und durch die Sologitarre verstärkt. „monoemoticon one“ ist möglicherweise der Auftakt zu Stücken gleicher Machart in der Zukunft.

monoemoticon one

Der Emotionsforscher Robert Plutchik entwarf ein gängiges Modell der Emotionen. Zu welcher Emotion würde man das Stück „monoemoticon one“ zuordnen?

 

Das Beitragsbild zeigt meine Kellertür, die in einem mediterranen Blau monochromatisch gehalten ist. Das Bild wurde 2011 aufgenommen.

raceme

Das Stück „raceme“ erinnert mich an eine Klangtraube. Daher habe ich für das Beitragsbild eine Aufnahme des Blütenstandes der Pflanze Wilde Karde ausgewählt, die ich vor ein paar Wochen in einer Sandgrube fotografierte. „raceme“ ist der botanische Name für eine Traube bei Pflanzen  auf englisch. Die wilde Karde wird im Volksmund auch Hausdistel oder Rotdistel genannt.

raceme

Die Firma Spitfire Audio produziert fantastisch klingende Soundbibliotheken. In letzter Zeit bringen sie im LAB kostenlose Klänge heraus. Aus diesem Fundus habe ich mich für das Stück „raceme“ bedient und die Chor- sowie eine String-Bibliothek benutzt. Hinzu kommt meine Elektrogitarre, die hier dank bestimmter Effekte  eher wie eine klingende Säge daherkommt. Als UKO dienen diesmal synthetisch erzeugte Klänge, die abermals mit sonic pi herausgerechnet wurden. Zu UKOs habe ich ja schon etwas geschrieben. UKOs sind Unbekannte Klang Objekte. Man kann es hier in diesem Beitrag nochmal nachlesen: Always on simple. Es ist immer wieder erstaunlich, mit wie viel wenig „code“ man bemerkenswerte Klanggebilde mit sonic pi erstellen kann. Die errechneten Klänge wurden transponiert und zeitlich gedehnt.

Update: Mein Freund – ein begnadeter Musiker, Tontechniker und Filmkomponist – hat mir „auf die Schnelle“ eine alternative Tonmischung zu „raceme“ gezaubert.

racem alternative mix

Hier ist der Klang und der Programmcode des sonic pi Stückes:

16 times mod do II

use_bpm 65
use_debug false

with_fx :reverb do
16.times do
use_synth :mod_fm
play rrand(50, 60), cutoff: rrand(40, 80), attack: 0.5, release: rrand(0.1, 0.5), cutoff_max: 110
sleep 0.25
play rrand(60, 70)
sleep 0.75
end

16.times do
play rrand(70, 90)
sleep 0.25
play rrand(50, 60)
sleep 0.5
end

16.times do
play rrand(50, 60)
sleep 0.25
play rrand(60, 70)
sleep 0.25

4.times do
use_synth :mod_tri
play rrand(50, 60), cutoff: rrand(40, 80), release: rrand(0.1, 1), cutoff_max: 110
sleep 0.25
play rrand(60, 70)
sleep 0.015
end
end
end

hymn

Das Beitragsbild inspirierte mich zu einem hymnenartigen Stück. Das Bild wurde unlängst im Watt in der Nähe von Cuxhaven von einer guten Freundin aufgenommen, die es mir dankenswerterweise zur Verfügung stellt. Wie man nachlesen kann, ist die Hymne ein Lobpreisung bzw. ein Lobgesang und in der ursprünglichen griechischen Bedeutung des Wortes wahrhaftig ein Tongefüge. Na, dann habe ich ja alles richtig gemacht und preise sozusagen das Watt der Nordsee.

Das Stück basiert auf einer lydischen Tonleiter, die sich durch eine erhöhte Quarte (#4) von einer ionischen Tonleiter, besser bekannt als eine „normale“ Durtonleiter,  unterscheidet und verwendet viele metallische Klänge, die ich zur Zeit besonders liebe. Angereichert wird das Stück von einem sanft klingenden Pianoklang, weichen Streicherklängen und einer Elektrogitarre, die ein bisschen soliert.

hymn

zeyno

Die CD „remember the easter island“ kam 1992 heraus. Das Stück „zeyno“ war einer Kasseler Künstlerin – Zeyno Arcan – gleichen Namens gewidmet, die meinen Musikerferund Jörg und mich gebeten hatte, für eine ihrer Ausstellungen die Hintergrundmusik aufzuführen. Aufgrund dieser Zusammenarbeit gründeten für das Duo „falkfest“, welches uns über 15 Jahre zusammenhalten sollte. Warum ich mich in dieser Zeit für die Osterinsel – früher dachte ich immer, es wären DIE OsterinselN, es ist aber nur eine Insel – interessierte, weiß ich nicht mehr genau. Irgendwo vielen mir die Schriftzeichen der Rapa Nui Kultur auf und ich fing ein wenig nachzulesen, warum die Einwohner die riesigen Skulpturen aufstellten und dadurch eine ökologische Katastrophe erschufen. Ungefähr zu dieser Zeit kam auch der Film über das Schicksal der Osterinsel von Kevin Costner heraus. Er brachte zwar ein wenig Licht ins Dunkel, wiederholte aber im Nachgang der aufwendigen Dreharbeiten abermals eine neue Katastrophe für die Inselbewohner.

So sah das Cover der CD aus: 

Für die CD „remember the easter island“ spielten wir gleichzeitig mit einer Korg Wavestation – ein zur der Zeit revolutionärer Synthesizer – die Klänge ein. Ich bediente die Tasten, während Jörg, und dies war zu der Zeit wirklich ein bisschen innovativ, die Wavestation mit anschlagempfindlichen Pads und Trommelstöcken ansteuerte und so Signale lieferte, die von der Wavestation in Klänge umgesetzt wurden. Heraus kam eine Musik, die man in der Richtung Ambient und Chillout ansiedeln könnte. Ab ca. ab Minute 02:00 hört man ein Solo mit einem gitarrenartigen Klang. Wem es gefällt, der darf sich gerne melden und erhält von mir weitere Titel des Albums.

Das Betragsbild zeigt das CD Layout.

zeyno

 

how it works

Kürzlich fand ich eine Datei auf meinem Computer, die ich 2013 erstellt hatte und die mich zu dem heutigen Beitragsstück brachte. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr daran erinnern, unter welchen Umständen diese musikalische Skizze entstanden ist, geschweige denn wie der Titel zustande kam. Ich glaube, ich wollte etwas ausprobieren und mir mit dem Titel selber signalisieren, wie eine bestimmte Technik in der DAW zu bewerkstelligen ist. Trotzdem freute ich mich diese Vorlage gefunden zu haben. Ich habe der Rohfassung einen „break“, ein Gitarrensolo und eine Chromaphone Sequenz hinzugefügt. Chromaphone ist ein virtuelles Instrument, welches durch physical modeling Klänge erzeugt, die wie Röhreninstrumente, wie zum Beispiel Boomwhackers oder auch alle möglichen Arten von Malletinstrumenten, wie Xylophone oder Vibraphone, klingen. Dabei werden diese Klänge nicht wie sonst üblich bei virtuellen Instrumenten  zunächst digital aufgenommen, sondern durch einen Algorithmus erzeugt, was einerseits den Speicherbedarf der Klänge drastisch senkt, andererseits die Manipulationsmöglichkeiten der Klänge enorm erhöht. Das ganze Stück erinnert ein wenig an Joe Zawinuls Band Syndikat.

Für das Beitragsbild habe ich ein Bild aus dem Jahr 2013 herausgesucht. Ich fand die Farbe des Abendliches in Nordhessen beeindruckend.

summer compression

Wer hätte gedacht, dass sich dieses Jahr über Deutschland ein fast tropischer Sommer einnistet? Gestern zeigte die Temperaturanzeige des Autos sogar 37° an. Der Titel „summer compression“ ist der Tatsache geschuldet, dass wir erstens einen „richtigen“ Sommer haben und uns alle einen kalten Wickel wünschen (vgl. „Kompresse“) und zweitens, dass ich mal wieder nach langer Zeit meine Elektrogitarre herausgekramt und den Klang mit einer ganz starken Kompression versehen habe. Der Gitarrenklang erinnert ein bisschen an die Arbeiten von David Torn, der hiermit ans Herz gelegt sei. Das kleine Stückchen wird begleitet von Schlagzeugen mit Besenklängen („brush“), was der ganzen Sache direkt eine jazzige, beruhigende Note verleiht. Die Idee dazu bekam ich aus diesem Video: Getting Started with the Dual Polar Pitch Shifter.

summer compression

Das Beitragsbild wurde unlängst auf dem Woblitzsee (Mecklenburgische Seenplatte) von einem Flossboot am abendlichen Ankerplatz aufgenommen und passt gut zu der Stimmung des Stückes.

cinematic sign

cinematic sign

Die  Komposition „cinematic sign“ wurde ursprünglich mit der Absicht begonnen ein Stück für eine fiktive Filmszene zu komponieren. Zum Schluss kam aber doch eher ein EDM Stück heraus. Ich finde erstaunlich wie ein bisschen Rhythmus, Beat & Bass den Charakter eines Stückes komplett verändern kann.

Der Begriff EDM (Electronic Dance Music) als Oberbegriff für jegliche elektronische Tanz- bzw. Popmusik hat sich noch nicht ganz durchgesetzt. Es gibt noch einige Stimmen die behaupten, dass EDM nur eine weitere Genrebezeichnung auf gleicher Ebene wie zum Beispiel „techno“ oder „house“ ist. Das „Netz“ ist voll von diesen Diskussionen; hier mal ein Link zu einer Thematisierung. Ich persönlich sehe das anders und halte die Verwendung des Begriffs EDM als Oberbegriff für gelungen. Eine Zeit lang habe ich versucht ein bisschen Licht ins Dunkel der Bezeichnungen und Genres der elektronischen Popmusik zu bringen und mein persönliches Ergebnis in Form einer Übersicht zusammengestellt. Die dabei herausgekommene Grafik soll (eigentlich) eine Vereinfachung der Lage darstellen, aber dieser Vorsatz scheint nicht unbedingt gelungen. Die Grafik wurde mit dem Programm OmniGraffle erstellt.

EDM Grafic

Das Beitragsbild habe ich im Oktober 2014 zu Hause in einer Abendlichtsituation aufgenommen. Das Bild wurde nicht verfremdet.

lotus eat

Ich habe für diesen Beitrag ein Beitragsbild meiner Nachbarin Conny ausgewählt, welches sie an ihrem Gartenteich vor ein paar Jahren fotografierte. Zu sehen ist eine Seerose, die der indischen Lotusblume phänotypisch sehr ähnlich, botanisch aber nicht verwandt ist; trotzdem, bringt uns die Lotusblume zu dem Stück „lotus eat“. Das Stück „lotus eat“ erinnert mich an das Stück Lotus Feet des großen Gitarristen John McLaughlin. Ich habe in mein Stück auch brav zwei musikalische Zitate eingearbeitet. Er nahm es in den 1970er Jahren gleich zweimal auf. Weil noch ein Vertrag mit der Plattenfirma CBS zu erfüllen war, musste Johns Mahavishnu Orchestra zumindest unter dem Namen noch eine Platte veröffentlichen, obwohl er künstlerisch und spirituell schon bei der indisch/britischen Fusionband Shakti angekommen war, für die er das Stück komponierte. Gleichwohl gefällt mir die Mahavishnu Version, auf der LP Inner Worlds ausgezeichnet, denn ich liebe den Gitarrensound, den John McLaughlin erstmalig mit einem Prototyp eines Oberheim Gitarrensynthesizers erzeugte gerade bei dem Stück „Lotus Feet“.

Lotus Feet steht in der hinduistischen Tradition für einen devoten Zustand sich dem Göttlichen zu nähern. Bisweilen wird „Lotus Feet“ aber auch für die chinesische Tradition der Fußschnürung, die jahrhundertelang ein Symbol für die Unterdrückung der Frauen im hinterasiatischen Raum stand. Der Titel „lotus eat“ erinnert an sogenannte  Lotophagen (Lotuseater) in der Odyssee von Homer der griechischen Mythologie, denen zur Betäubung ein Trunk aus Lotuspflanzenknollen serviert wurde.

Das Stück basiert auf eine als Zufallspattern generierte Playersequenz mit einem Idiophonklang (Selbstklinger wie z.B. Glocken). Darum gesellen sich allerlei Perkussionsinstrumente unterlegt mit einem Padsound (Liegeklang). Das melodische Element ließ mich auf Grund des flötenartigen Klanges – wie anfangs erwähnt – an das Stück Lotus Feet denken.

lotus eat

pianologie one

Nein, bei dem abgebildeten Piano handelt es sich NICHT um DIE Pianoklänge, die man im Audifile hört. Das Piano stand eine zeitlang auf dem Hof der Ölmühle in Dorla, die ganz nebenbei gesagt, sehr wohl schmeckendes Öl aus regionalen Saaten produziert.

„Pianologie one“ ist nach stringologie one ein weiteres Stück der „Ologie-Reihe“. Auch hier kommen drei Pattern-Automaten (Arpeggiatoren)  zum Tragen, die „live“ gefüttert ein minimalistisches Geflecht ergeben. Das Stück wurde einmalig aufgenommen und ist NICHT ein Stück eines durchlaufenden Sequenzers. Den Arpeggiatoren liegt jeweils eine 12/8 Matrix  zu Grunde. Beim ersten Arpeggiator lautet der Rhythmus • + • • + • • + • • • + , wobei die Punkte einen gespielten Ton symbolisieren, hingegen das Pluszeichen eine Pause in gleicher Länge bedeutet. Der zweite Arpeggiator hat den Rhythmus • • • + • + • • + • • +, der dritte gibt den gleichen Rhythmus wieder. Das erste Piano ist um eine Oktave nach oben versetzt, das dritte Piano eine Oktave erniedrigt.

Das Wort „piano“ für das Klavier ist eigentlich eine Abkürzung der Bezeichnung „Pianoforte“. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Klavieranschlagsmechanik so stark verbessert, dass es problemlos möglich wurde, leise (piano) und laute (forte) Klänge differenziert und ohne große Mühe dem Klavier zu entlocken. Das Wort „Piano“ für das Klavier ist daher als eine Abkürzung zu verstehen und nennt nur die halbe Wahrheit. Heutzutage ist man ja nicht mehr auf die Mechanik der Klangerzeugung angewiesen, denn der Computer bietet eine Vielzahl von digitalen Pianos, die zuvor aufgenommen wurden.

pianologie one

boom do

Bei dem Stück „boom do (mx)“ handelt es sich um einen langen EDM Song, der das Subgenre „dark minimal“ bedient. Er ist extrem minimalistisch, werden doch bestimmte Parameter nur langsam graduell verändert. Die sogenannte Wave-Darstellung des Tracks zeigt schön die allmähliche Verdichtung des Stückes.

Die Grundwelle wurde abermals mit der Laufzeitumgebung  sonic pi „berechnet“, wobei verschiede Parameter „live“ verändert wurden. Hinzugemischt habe ich zwei grains, die im Sinne von UKOs ein ganz bisschen Abwechslung erzeugen.

boom do

Das Beitragsbild zeigt eine Bildschirmaufnahme eines Zeitpunktes des laufenden Stückes, indem die Frequenzen des Tracks als sogenannte Lissajous Wellen dargestellt werden, die auf den gleichnamigen Physiker zurückgehen.

humandrive

Mit dem Stück „humandrive“ möchte ich mein Unbehagen über die Aufkündigung des nuclear deals der U.S.A mit dem Iran aufmerksam machen. Ich vertrete die Meinung, dass der moderne Kapitalismus genügend unmilitärische Möglichkeiten bereit hält, um einem Staat die Entwicklung in militärische Atomtechnik zu unterbinden. Es ist nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die Großmächte einen weltumspannenden Krieg anzettelten.  Zu hören ist die Ankündigung des aktuellen amerikanischen Präsidenten Donald Trump das Iran-Atom-Abkommen aufzukündigen und die Antwort des momentanen Iranischen Präsidenten Hansan Ruhani.

humandrive

In der ehemaligen Bunkeranlage (auch Bunkerstadt genannt) des deutschen Reiches im zweiten Weltkrieg bei Wünsdorf in Brandenburg stellte sich bei mir auch ein Unbehagen ein. Sie diente vor allen Dingen als Nachrichtenzentrale für die gesamte Kriegsmaschinerie des deutschen Reiches während des zweiten Weltkrieges. Nachdem die sowjetischen Besatzungsmächte nach dem zweiten Weltkrieg die Anlage für ihre Zwecke nutzten und dann aus der Bundesrepublik abzogen, schlugen alle Versuche fehl, die Bunkeranlage restlos zu beseitigen, weil sie so derartig robust aufgebaut war, dass sie den Abrissarbeiten trotzte. Das Beitragsbild zeigt eine alte Rohrpost in dieser Anlage, von der man aber heute nicht sicher weiß, wie diese betrieben wurde – so hieß es zumindest bei einer Führung durch die große unterirdische Anlage.

warm up three (whats going on)

Das Stück „warm up three (whats going on) habe ich für meine BigBand geschrieben. Bevor wir bei unseren Proben an unseren Stücken arbeiten, wird mindestens ein „warm up“ gespielt. Dabei geht es zum Beispiel darum Intonation zu praktizieren oder Improvisation zu üben oder einfach nur an ein kollektives Spielerlebnis zu schaffen. Eine Gruppe spielt die notierten Motive, während die andere Section versucht, die Motive in einem Echo in veränderten Rhythmen wiederzugeben. „Warm up three“ bietet den Spielern die Möglichkeit Imitation von Motiven zu üben und andererseits die skalenbasierte Improvisation auszuprobieren. Nachher viel mir auf, dass mich die Akkordfolge stark an das Stück „Whats Going On“ vom Soulmeister Marvin Gay erinnert. Auch bei diesem Stück werden Major 7 Akkorde in Rückungen verwendet, die eine typische Stimmung erzeugen. Das „lead sheet“ kann hier heruntergeladen werden:

Warm Up Three (Whats Going On)

Das Beitragsbild wurde 2012 von mir im Süden Mallorcas  aufgenommen.

 

always on simply

Das Stück „always on“ kommt hier in einer „minimal“ Version daher (simply). Geplant ist eine zweite Version mit Stimme und Drums. Aber dazu irgendwann mehr. Das Stück beinhaltet sogenannte UKOs. Wir wissen ja alle, was UFOs sind, aber UKOs? UKO steht für „Unbekanntes Klang Objekt“ und ist ein Begriff der schweizerischen Musikwissenschaftlerin Barbara Flückiger, die in ihrem Buch „Sound Design: Die virtuelle Klangwelt des Films“ (Marburg, 2001) den Begriff prägte. Insbesondere meinte Sie damit bestimmte Teile – besser Klangschichten – einer Filmmusik, die sich nicht direkt akustisch zuordnen lassen:

„UKO: ‚unidentifizierbares Klangobjekt‘,
 dessen Quelle weder im Bild sichtbar ist noch
aus dem Kontext erkennbar wird.“

Heutzutage wird es einem ja relativ leicht gemacht Sounds von bestimmten elektronischen Klangerzeugern zu verwenden und so einzustellen, dass man den Klang nicht mehr direkt zuordnen kann. Dies gibt einem Stück etwas Unvorhersehbares, vielleicht Geheimnisvolles.

always on (simply)

Das Beitragsbild zeigt eine aktuelle Ausstellung in Berlin in der Bekini-Galerie. Farbige Scheiben werfen bunte Flächen auf den Boden. Ich finde diesen Eindruck ganz passend zu der Musik.

stringologie one

Das Stück „stringologie one“ arbeitet mit Hilfe von Arpeggiatoren, also auch wieder musikalische Automaten,  die jeweils Stringsounds (Geigenklänge) ansteuern. Aus dem Zusammenklang  von drei Violinen ergibt sich eine Stimmung, die mich an Steve Reichs Different Trains erinnert. Stringologie One ist eine „Live-Aufnahme“, die nicht „durchprogrammiert“ bzw. „sequenziert“ ist, sondern wurde „einmalig“ aufgenommen und stellt somit ein Unikat dar.

stringologie one

Das Beitragsbild bringt den Schreibtisch meiner Tochter. Die Aufnahme wurde mit der App Prisma verfremdet. In der Mitte zeigt es eine Art Flächenmuster. Flächenmuster werden manchmal herangezogen, um Minimal Music zu visualisieren. In genialer Art und Weise wurden Flächenmuster von M.C. Escher illustriert.

die gärten von dorlan

Zum Abschluss der Dorlan Trilogie ist nun das Stück „Die Gärten von Dorlan“ an der Reihe. Die zugrunde liegende Akkordfolge ist diesmal etwas komplexer. Auch hier bin ich wieder Ryan Leach sehr dankbar, der mir durch seine Reihe Getting to Know Altered Chords eine wunderbare Inspirationsquelle gegeben hat. Die Machart des Stückes ist wie bei den beiden anderen Stücken der Trilogie wieder gleich. Die Akkorde werden wieder nach oben und nach unten gerückt. Die Akkordfolge lautet:

C – Dm7b5/C – C – Dm7b5/C – Am – D – Gm – Gm/Bb – F – Bmb7/b5

Die Melodie entfaltet mehr Aufbruchstimmung und ist im Ganzen positiver, weniger geheimnisvoll als die vorherigen Stückchen. Vielleicht werde ich in Zukunft noch die Noten für die Stücke herausbringen. Und vielleicht findet sich ja mal ein Fantasyfilm, auf den diese Musik passen würde. Aber wer weiß das schon?

die gärten von dorlan

Das Beitragsbild zeigt eine Aufnahme meines Vorgartens im Frühling, die auch auch wieder mit Sketcher verfremdet wurde.

die felder von dorlan

Heute möchte ich das zweite Stück der „Dorlan Trilogie“ zum Besten geben. Auch bei diesem Stück habe ich mich von einem Beitrag von Ryan Leach inspirieren lassen. Dazu kann man sich auch gerne nochmal den vorherigen Beitrag Die Wälder von Dorlan durchlesen. Ryan schlägt die Akkordverbindung

C – Ab – F – C

vor. Harmonisch kann man das auch wieder als eine „Modal Interchange Kadenz“ auffassen. Das Stück bedient sich – wie auch schon das Vorgängerstück – des gleichen Kompositionsprinzips. Die Akkordfolge wird ein ein paar Halbtöne nach oben „gerückt“, anschließend dann ein paar Halbtöne nach unten. Das Thema wird von verschiedenen Instrumentengruppen aufgegriffen, teilweise werden die mittleren Streicher durch hohe Streicher ergänzt.

die felder von dorlan 

Das Beitragsbild zeigt ein Feld zwischen Dorla und Lohne. Weil dort teilweise ein Biobauer seine Felder bewirtschaftet, konnte sich eine Gruppe von Mohnblumen untermischen. Auch dieses Bild wurde wieder mit der Programm Sketcher verfremdet.