the birthday complex

Das Stück „the birthday complex“ ergab sich aus einer Spielerei. Der eingesetzte Akkordionklang veranlasste meinen Nachbarn das Genre des Stückes als Cajun Musik, eine Spielart der Countrymusik aus Louisiana, zu bezeichnen. Anläßlich meines nun schon einige Monate zurückliegenden Geburtstages, gönnte ich mir den Erwerb eines neuen Softwaresynthesizers für mein Musikprogramm (DAW) – man ahnt es schon – mit dem Namen complex. Dieser ist einem sogenannten Modularen Synthesizer nachempfunden. Modulare Synthesizer bestehen – wie der Name schon andeutet – aus unterschiedlichen Modulen, die zusammengeschaltet und verkabelt unterschiedliche Klänge erzeugen. In den letzten Jahren erfreuen sich analoge modulare Synthesizer wieder recht großer Beliebtheit, fast täglich werden neue Module herausgebracht, die in einem Rack zu komplexen Strukturen zusammengeschaltet werden können. Modulare Synthesizer werden auch als Software angeboten. Wer das mal ausprobieren möchte, lädt sich das VCV Rack herunter.

Hier sieht man Steve Pocaro der Gruppe Toto auf der Suche nach neuen Klängen im Jahre 1982.

Als ein Komplex wird in der Psychologie auch eine assoziative und psychoenergetische Einheit von Bildern und Vorstellungen, Gefühlen und Gedanken verstanden und dies kann man ja auch auf ein Musikstück übertragen, was mit einer Idee beginnend, sich zu einem komplexen Gebilde entwickelt.

the birthday complex

Das Beitragsbild zeigt die damals noch unverputzte Verkabelung unseres Hausflures und erinnert an die Strippen eines modularen Synthesizer.

mr. room

Hans Zimmer gehört mittlerweile zu den bekanntesten Komponisten des letzten Jahrzehnts. Er hat seine Musik mit zahlreichen Filmmusiken bekannt gemacht. Wie schon der berühmte klassische Komponist Joseph Haydn hat er einen Mitarbeiterstab aus bis zu zwanzig Musikern, die ihm bei der Ausarbeitung seiner Kompostion zur Seite stehen. Die Anzahl der Aufträge, die er zu bearbeiten hat, ließen sich alleine auch gar nicht stemmen. Eine der bekanntesten Zusammenarbeiten ist die Musik zu Fluch der Karibik, die inzwischen von fast alle Schulorchestern in ganz Deutschland gespielt wurde und die Eltern bei Schulkonzerten fragen lässt, ob es auch noch andere Musik gibt, die gespielt werden könnte. Als Komponist von Fluch der Karibik liest man immer den Namen Klaus Badelt. Klaus Badelt gehörte dem Mitarbeiterstab Hans Zimmers an. Hans Zimmer war während der Kompostion zu Fluch der Karibik durch Verträge rechtlich an andere Aufträge gebunden und durfte seinen Namen nicht als Hauptkomponist nennen. Stattdessen wurde Klaus Badelt, der zusammen mit Hans Zimmer an Fluch der Karibik arbeitete, als Hauptkomponist eingesetzt.

mr. room

Das vorliegende ninimalistische Stück (Kategorie simple) Stück „mr. room“ – in Anspielung an „Zimmer“ – startete als Idee als ein sogenanntes soundalike, was es dann aber nur in Ansätzen wurde. Zimmer verwendet gerne für seine Komposition die“ Four Chord Technik“, d.h. 4 Akkorde sind wiederholend zu hören und werden durch geschickte Instrumentation zu einem Stück verdichtet. [Vergleiche bitte den Beitrag 4 chords dazu.] Man höre dazu gerne das Stück Time aus dem Film Inception, wo Zimmer diese Technik mit Bravur anwendet. Zimmer gelingt es mit profanen kompositorischen Mitteln einen eigenen Sound zu kreieren, der als sogenannter Zimmersound bekannt ist, nicht zuletzt deswegen, weil er Klangfarben eines digitalen Film-Orchesters unvergleichlich zusammenstellen kann. Eine schöne Betrachtung und warum Zimmer die Hollywoodfilmusik verändert hat findet man hier auf Youtube [ab 06:13].

Das vorliegende Beitragsstück verwendet Klänge von Handglocken, die spitfire audio in ihrer Labs Serie neuerdings zur Verfügung stellen. Sie passten gut zu der Melodie, die jeweils in der Wiederholung des ersten Teils in der Solo Violine auftaucht und die Grundidee des Stückes lieferte. Das Beitragsbild zeigt ein Gebäude an einem kleinen Havelnebenarm in Rathenow in Brandenburg, der die Altstadt umfließt. Ich habe mich gefragt, was in dieser Räumlichkeit wohl früher gemacht wurde. Wer hat darin gelebt, gearbeitet, gedacht und geschwitzt oder gefroren?

we are dancer (we create the dream)

Bevor ich mich jetzt für zwei Wochen verabschiede und einen kleinen Sommerurlaub im Kreise der Familie antrete, möchte ich gerne noch ein Stückchen mit euch teilen.

Manchmal ist es witzig selber zu beobachten wie der kreative Prozess von statten geht. Ursprünglich war das folgende Stück ganz anders geplant und dann sah ich in der Mediathek des ZDF einen Film eines jungen Filmemachers mit dem Titel Smile. Da geht es um eine junge weibliche Protagonistin, die unbedingt auf einer EDM Location einen DJ treffen möchte, den sie zuvor auf einem anderen Event kenngelernt hatte. Die Location nennt sich „Heimat“. Schon zu Beginn des Filmes wird eine Stimme eingeblendet, die anscheinend zu der jungen Frau spricht und ihr Versprechungen für ihre weitere Entwicklung offenbart.

Diese Stimme faszinierte mich sofort und kurzerhand fand sie Eingang in mein neues Stück und war dann auch namensgebend. Verwendung findet ein neuer Softwaresyntheziser, der auf physical modeling beruht und den elektronischen Klängen etwas natürlich Akustisches verleiht, daher auch der Name des Synthis Akoustic. Unterlegt wird die Sequenz mit sehr harmonischen Geigenakkorden.

Hier nochmal der Hinweis, dass einige meiner Stücke auch bei youtube unter dem Namen Mr.Falkbossa zu finden sind.

we are dancer (we create the dream)

Das Beitragsbild steuerte abermals meine Tochter bei, der ich dieses Motiv in Auftrag gegeben hatte. Es zeigt eine Heckenrose im Abendlicht nahe der Autobahn A49.

zingaro requiem

Vor einigen Wochen schenke mir ein guter Freund zum Geburtstag ein Buch mit dem Titel „Der Mensch im Tier – Warum Tiere uns im Denken, Fühlen und Verhalten oft so ähnlich sind“ von Norbert Sachser. Dem Klappentext ist zu entnehmen, dass uns der Autor eine Revolution in der menschlichen Betrachtung der Verhaltensweise der Tiere verspricht. Ehrlich gesagt, kann ich die Aufregung nicht verstehen: Auf einmal gilt es als etwas Besonderes, wenn dem Tier Persönlichkeit und Individualität zugesprochen wird. Jeder Haustierbesitzer weiß dies doch schon längst, lediglich die Wissenschaft hatte sich lange gegen ein Bild des Tieres gewehrt, das vielleicht als zu stark anthromorphisiert daher kam. Ich persönlich war schon immer der Meinung, Tiere habe eine Persönlichkeit und Individualität, aber man darf – auch meine Meinung – nicht den Fehler machen, diese Persönlichkeit zu stark mit der menschlichen Persönlichkeit gleich zu setzten. So haben ein Hund oder eine Katze durchaus ganz individuelle Geisteszüge, dies heißt aber noch lange nicht, dass er oder sie sich wie ein Mensch verhalten. Das Faß, ob es sich um Geist oder Seele handelt, will ich heute an dieser Stelle nicht aufmachen. [Vielleicht ist es sogar manchmal eher andersherum: Der Mensch verhält sich manchmal wie eine Katze oder wie ein Hund, oder?]

In den 80er Jahren habe ich mal Biologie studiert. Die Ethologie damals hatte ein stark mechanistisches Bild des Verhaltens der Tiere: Tiere haben keine Gefühle und nur eingeschränkte Schmerzempfindlichkeit; Instinkte beherrschen das Tier und Verhaltensreaktion sind weitestgehend angeboren; ausgelöst werden Sie durch Schlüsselreize. Das Reiz- Reaktionskonzept hat in der modellhaften Betrachtung durchaus seine Berechtigung, darf aber nicht überbewertet werden. Fische galten lange als dumm und stumm. Heute weiß man, dass es durchaus soziale, lernfähige Tiere sind, die stark miteinander kommunizieren. Vögel sind noch lernfähiger und haben darüber hinaus sogar erstaunliche kognitive Fähigkeiten.

Wenn an der Evolutionstheorie etwas „dran“ ist, dann kann ja der menschliche Geist auch nicht vom Himmel gefallen sein, sondern muss sich gemäß der Evolution entwickelt haben, demnach hat der menschliche Geist und die Verarbeitung von Gefühlen ihren biologischen Vorläufer bei den Tieren gefunden. Und klar muss dann auch sein, dass Tiere wie Katzen und Hunde auch in ihrer Persönlichkeit und Individualität weiter entwickelt sind, als eine Ameise oder ein Frosch.

In unserem Haushalt lebten zuletzt zwei Katzen. Ein Kater namens Zingaro ist vor einigen Tagen tödlich verunglückt, hat er sich doch in einem Schäferzaun verfangen und ist daran gestorben. Unsere familiäre Trauer war bzw. ist groß. Zingaro, was übrigens mit „Zigeuner“ übersetzt werden kann, war ein hochgeschätztes Mitglied der Familie. Wir und insbesondere meine Kinder und Frau hatten ein sehr enges Verhältnis zu diesem Tier. Keiner von uns in der Familie wäre auf die Idee gekommen, dass Zingaro keine eigene Persönlichkeit und Individualität (hätte) und keiner wäre auf die Idee gekommen, dass er keine Gefühle hätte.

zingaro requiem

Die Trauer war so groß, dass ich ein kleines Stück komponiert habe, was ich Zingaro in Gedenken widmen möchte und mir geholfen hat, meine Gefühle zu verarbeiten. Ich habe es Requiem genannt, obwohl es im strengen musikalischen Sinne kein Requiem ist, weil dafür weder die musikalische noch die religiöse Form stimmt. In der weiteren Bedeutung kann das Stück allerdings als Requiem durchgehen, weil es wahrhaftig eine Trauermusik ist. Die Partitur von Zingaro Requiem kann hier heruntergeladen werden. Es ist ein minimalistisches Stück mit einer ostinaten Pianostimme, die die gleiche Figur durch verschiedene Akkorde beibehält. Hinzu kommen einfache Streicher- und Hornstimmen, später ein Chor, die sich allmählich verdichten. Kurz vor dem Ende des Stückes begleitet eine Flöte im hohen Register das Ostinato. Als Soundquelle diente mir u.a. abermals die Klänge der Lab-Serie von Spitfire Audio.

Das Beitragsbild stammt von meiner Tochter und zeigt natürlich Zingaro.

i dont want this groove to ever ends (soundalike)

Als ich vor einigen Wochen mit unseren Kindern eine Kletterhalle in Nordhessen besuchte, fand ich Gelegenheit, während die Kinder kletterten, einen Kaffee zu trinken. Zunächst merkte ich nicht, dass ich leicht zu wippen begann, dann allmählich brachte ich diese kleine ideomotorische Ertüchtigung in Zusammenhang mit Musik, die im Aufenthaltsraum zu hören war. Ich bin sofort zum freundlichen Mitarbeiter der Kletterhalle vorgedrungen und habe mir den Link zur Quelle der Musik mit dem Titel I Dont Want This Groove To Ever Ends von LTJ Xperience mit immerhin mehr als 6 Millionen Klicks aushändigen lassen, der sich in einer YouTube Playlist befand.

Wow, was für ein groove! Und schnell merkte ich: Hier hat jemand konsequent den groove in den Vordergrund gestellt, es gibt keine Songstruktur, wie Verse und Chorus oder Ähnliches, sondern eine viertaktige Sequenz ist mit kleinen Variationen über sechs Minuten einfach durchgehend zu hören. Viele Musiker oder DJ bzw. Komponisten der elektronischen Popmusik kämpfen mit der sogenannten 4 or 8 bar loop hell. Zeugnis davon geben z.B. diese Forumsdiskussion, oder diese Diskussion und dieser Artikel ab. Bei dem Entkommen der „loop hell“ geht es darum nicht in der Schleife von 4 bis 8 Takten gefangen zu bleiben, sondern eine „groovige“ Idee im Sinne einer künstlerischen Weiterverarbeitung des musikalischen Material entwickelnd weiter zu spinnen. Der DJ des oben verlinkten Stückes machte sich aber darum keine Sorgen. Und genau dies habe ich aufgegriffen. Befreit von der Sorge habe ich es gewagt und selber im Sinne eines soundalike eine eigene Schleife im gleichen Tempo des Referenzstückes (bpm 102) mit leichten Variationen anzubieten und gänzlich auf Strukturen wie Verse, Chorus, Bridge und Soli zu verzichten. Es hat einen riesigen Spaß gemacht und ich werde nach dem gleichen Prinzip bestimmt noch den einen oder anderen „groove“, der nicht mehr enden soll, hier veröffentlichen.

i dont want this groove to ever ends (soundalike)

Das Beitragsbild zeigt ein funktionierendes Klein-Grammophon, welches ich vor etlichen Jahren in Duisburg bei einer lieben Verwandten fand. Leider kann ich die passende Soundaufnahme dazu nicht mehr finden. Das Grammophon passt zum house Sound, spielte doch zu Beginn der housemusic der Plattenteller eine entscheidende Rolle.

Ich habe mit diesem Song begonnen meine Songs auch auf Youtube unter Mr.Falkbossa zu distribuieren, um meine digitale Skalierung zu erweitern. Die Anzahl der Klicks macht mir dazu Mut.

sometime summertime

Jetzt ist es – endlich – wieder so weit. Die Sommerferien haben begonnen. Passend dazu zeigt das Beitragsbild eine Abendimpression eines fast erntereifen Feldes, während der leichte laue Abendwind darüber streicht. Gut vorstellbar wäre ein Ausritt mit dem Pferd. Dies Bild schafft die Verbindung zum Song, den ich fast in das Genre world country einordnen würde. Ich habe einige Spuren mit der Gitarre eingespielt und der Klang erinnert mich ein bisschen an Country Music. In einem speziellen Forum poste ich auch meine Stücke. Dort wünscht man sich die jeweilige Zuordnung des präsentierten Stückes zu einem Genre.

Aber das schöne, friedliche Bild trübt. So schön ein warmer, sonnenreicher Sommer auch bisweilen ist, so unheimlich sind die Dürremeldungen der letzten beiden Jahre. Bekannt ist die aktuelle Dürrekarte der Republik, die das dramatische Ausmaß zeigt. In vielen Gebieten der Landes haben die Regenmengen bei weitem nicht ausgereicht, den Grundwasserspiegel wieder annähernd zu füllen. Schnell wird der Klimawandel für dieses Phänomen ausgemacht. Wir bleiben genau wie letzte Woche noch ein bisschen beim Thema. Meine Meinung dazu: Natürlich gibt es Klimawandel. Klimawandel aber hat es schon immer gegeben. Die Frage ist nur: Wie groß ist der anthropogene Anteil daran? Was den Menschen seitens der Politik dazu angeboten wird, erscheint mir in vielen Teilen viel zu undifferenziert und unwissenschaftlich und „veräppelt“ nur wieder den normalen Bürger. Als Stichwort möchte ich dazu nur mal den weltweiten CO2 Emmisionshandel mit Zertifikaten nennen. Das ganze wird uns als Klimaziele verkauft und verändert letztendlich nur die Geldströme der Wirtschaft. Neue Märkte für noch mehr Konsum werden künstlich geschaffen und gehen an dem Problem komplett vorbei. Wo der menschliche Einfluß viel direkter nachweisbar ist – und dies treibt mich eigentlich mehr um – ist die Vergiftung der Welt. Zum Beispiel werden Felder regelmäßig mit Gift besprüht und wenige Woche danach werden Erzeugnisse dieser Felder als Lebensmittel verkauft. Ein Außerirdischer, der dies betrachten würde, müsste zu dem Schluß kommen, dass der Mensch völlig verrückt sei. Ein weiteres Stichwort zur Vergiftung der Welt ist das Thema Mikroplastik. Doch dazu werde ich mich mit einem zukünftigen Beitrag beschäftigen.

sometime summertime

we live in a strange world feat. greta thurnberg

We live in a strange world, so prononcierte Greta Thurnberg bei der Goldenen Kamera Verleihung 2019. Es ist schon verwunderlich, dass gerade die Wesen unserer Erde, die nachweislich in der Lage sind in einer metareflexiven Weise über den den Untergang der Welt nachdenken zu können, auch diejenigen sind, die den Untergang höchstwahrscheinlich auslösen oder zumindest gewaltig beschleunigen werden.

Vielleicht habe ich das Glück den Untergang nicht mehr zu erleben, aber um das Leben meiner Kinder mache ich mir echte große Sorgen. Ein Lichtschein am Horizont ist die Tatsache, dass sich – auch meine – Kinder durchaus bewusst sind, dass Ihnen die Zukunft gehört und sie haben begonnen ihre Politiklustlosigkeit des letzten Jahrzehnts abzulegen und Initiativen gegründet, die in den letzten Monaten in der Republik schon Erstaunliches bewirkt haben. Sie beteiligen sich auch an einer Regionalgruppe der europaweiten friday for future Bewegung, die ja von Greta angestoßen wurde. Erst heute, fand wieder eine Freitagsdemonstration statt. Plötzlich ist das Thema Klimawandel und Umweltzerstörung, Nachhaltigkeit und Müllvermeidung ein Thema aller Strömungen und Parteien. Jutta Ditfurth, eine ehemalige Politikerin der Grünen und im damaligen sogenannten Fundi-Flügel verortet, hat einmal in einem Interview gesagt, dass letztendlich alle maßgeblichen politischen Veränderungen in der Bundesrepublik durch die APO (Außerparlamentarische Opposition) bewirkt wurden. Auch konnte ich beobachten, dass Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung anfangen Dinge in ihrem Alltag zu ändern, denn sie haben erkannt, dass man nur dann etwas ändern kann, wenn man persönlich handelt. Gut so! Das heutige Stück möchte diese Gedanken musikalisch unterstreichen.

we live in a strange world feat. greta thurnberg

Das Stück „we live in a strange world“ bedient sich der Worte Greta Thurnbergs, die durch ihr hartnäckiges Handel zum Thema Klimawandel eine ganze Generation wachgerüttelt hat.

Das Beitragsbild zeigt eine Sammlung von Elektroschrott in einem Container einer Kasseler Berufsschule. Es ist erschreckend, was alles weggeschmissen wird und dann irgendwo in Afrika landet. Jeder ist aufgerufen etwas zur Nachhaltigkeit beizutragen. Muss es jedes Jahr ein neues Smartphone sein? Wie lange kann ich mein „altes“ Gerät noch nutzen? Wann muss ich wirklich Dinge neu kaufen und Altes in den Müll schmeißen?

signaltower of hope

Als 1992 anlässlich der dokumenta IX der afrikanische Künstlers Mo Edoga seinen Signalturm der Hoffnung aus Schwemmhölzern auf dem Friederichplatz in Kassel errichtete, ahnte keiner, dass das letzte Stück Holz dieses vergänglichen Kunstwerkes seit 1992 hier in unserem Dorf vor dem Hause steht und uns in den warmen Monaten des Jahres als ausgezeichnete Bank dienlich ist. Die Kinder entdeckten das Kunstwerk in Kassel schnell als außergewöhnliche Klettergelegenheit, was den Veranstaltern und der Stadt Kassel nicht gefiel. Der Signalturm wurde zunächst wegen der Sicherheit abgesperrt und sollte dann abtransportiert werden. Unsere damalige WG durfte sich bedienen und wir konnten mit dem Holz des Kunstwerkes einen Winter lang die Öfen des Fachwerkhauses heizen. Ein ganz großer Holzblock aus Eichenholz, blieb übrig. Ich finde, es wurde jetzt mal Zeit diesem außergewöhnlichen Stück Eichenholz ein Musikstück zu widmen. Dabei habe ich überwiegend Klänge benutzt, die an Xylophone, also an Selbsttöner (Idiophone), die mittels Holz Klänge erzeugen, erinnern.

signaltower of hope

Das Beitragsbild zeigt das erwähnte Stück Eichenholz vor dem Haus. Da es der alljährlichen Witterung ausgesetzt ist, hat der Zahn der Zeit am unbehandelten Holz teilweise schon erhebliche Spuren hinterlassen.

mahavishnu is coming

1971 machte das frisch gegründete Mahavishnu Orchestra um den englischen Gitarristen John McLaughlin auf sich aufmerksam und unterstrich die Bedeutung der aufkommenden Jazz/Rock Ära. Das Orchester wurde in einer kompletten Neubesetzung 1975 formiert und dann noch einmal 1981, konnte aber an die erstmaligen Erfolge nicht komplett anknüpfen. Nach wie vor werden aber die Stücke – gerade der ersten Besetzung – aufgeführt. Bemerkenswert sind die Umsetzungen des Wieners Radio String Quartetts, die die Kompositionen ihrer Gewaltigkeit entrissen haben und auf ihre wahre Essenz zurückführen konnten. John hat dies selber bemerkt und mehrfach gelobt. Neulich stieß ich beispielsweise auf ein YouTube Video, bei dem John selber mit einer amerikanischen Formation die alten Kompositionen letztes Jahr wiederbelebte. Dabei bemerkte ich, wie gut mir gerade die Komposition gefallen hatten. In nebulöser Erinnerung war mir das zweite Stück Dawn (06:42) des ersten Albums The Inner Mounting Flame geblieben. Das heutige Beitragsstück versucht als sogenanntes soundalike ein bisschen die Art und Weise der Mahavishnu Kompositionen aufzugreifen. Dabei konkurriert die aufsteigende Melodie- mit der absteigenden Basslinie. Das Leadsheet verwendet dabei den kürzlich in CC Lizenz veröffentlichen Musikfont Pori, der sich jetzt auch in der Notationsoftware Sibelius verwenden lässt.

John wurde als Anhänger des Gurus Sri Chinmoy, dem übrigens damals auch Carlos Santana angehörte, der Name Mahavishnu verliehen, so erklärt sich der Name der Gruppe. Mahavishnu bedeutet Vishnu in einer besonders großartigen Form. Vishnu wiederum ist ein Aspekt des Göttlichen. Im Vedanta ist Vishnu ein Teil der Trinität, Brahma, Vishnu und Shiva. Brahma – der Schöpfer, Vishnu – der Erhalter, Shiva – der Zerstörer. Im Vaishnavismus ist Vishnu der wichtigste aller Götter. Vaishnavismus ist eine Hauptströmung des indischen Hinduismus. John wurde laut eigener Angaben fünf Jahre direkt von Sri Chinmoy unterwiesen und findet nach wie vor dankbare Worte für den Spiritualisten.

Das Beitragsbild zeigt die Schönheit der Natur in Form der Frühjahrsblüte einer Zierkirsche unseres Dorfplatzes – also letztendlich auch ein Aspekt des Göttlichen.

kalimbaba and the fourty sufis

Zugegeben, ein etwas merkwürdiger Titel, der dem Märchen aus 1000 und eine Nacht „Ali Baba und die vierzig Räuber“ entlehnt ist, welches ja hinlänglich bekannt sein sollte. Der Titel rührt daher, dass ich den Song mit einer Kalimbasequenz begonnen habe. Das Kalimba wird hierzulande auch als „Daumenklavier“ bezeichnet; dieser Name verrät uns ein bisschen über die Spielweise dieses Instruments. Als ich neulich meine kleine Enkelin besuchte, fand ich zufällig ein Kalimba in ihrem Musikinstrumentenkorb und machte ein Photo für diesen Beitrag, welches mit der Software prisma verändert wurde. Ich war der Meinung, es fehlen ein bisschen vokale Klänge, daher benutzte ich das sample von einem Sufi. Sufis sind Anhänger des islamischen Sufismus und werden auch Derwisch genannt. Zu ihrer spirituellen Praxis gehören die Kreistänze, die dem Derwisch ermöglichen bestimmte Zustände zu erreichen, um ihrem Transformationsziel näher zu kommen. In der sufistischen Tradition spielt dabei die Intuition eine große Rolle.

Intuition wiederum ist auch ein wichtiger Bestandteil des Erfindungsreichtum Musikschaffender. Während ich an diesem Stück arbeitete, fragte ich mich, welchen Anteil eigentlich Komposition und welchen Anteil Improvisation hat. Moderne elektronische Musik wird meistens nicht herkömmlich komponiert, also Note für Note „auf dem Papier“, sondern der Musiker spielt ein bisschen mit seinem Instrumentarium herum – er improvisiert – und setzt dann intuitiv einzelne Teile zusammen. Dabei entstehen Abschnitte während des Improvisieren, aber auch in den Schaffenspausen, wenn ihm neue Ideen in den Sinn kommen. Zumindest ist es mir so bei diesem Stück so widerfahren. Wen das interessiert, der kann bei diesem blog darüber etwas nachlesen. Wenn du jetzt das Stück hörst, scheu dich nicht, dich dabei tanzend im Kreis zu drehen!

kalimbaba and the fourty sufis

falling down

Auf den Titel „falling down“ brachten mich die spärlichen Melodien des Stückes, ist doch manchmal eine herabplätschernde Pianolinie auszumachen. Erst später fiel mir auf, dass falling down ja auch ein Filmtitel mit Michael Douglas in der Hauptrolle aus dem Jahre 1993 ist. Er spielt in diesem Film einen Geschäftsmann, dem immer mehr in der Gesellschaft auf den Zeiger geht und zunehmend radikale Methoden anwendet, um diesen Umstand sorge zu tragen. Wenn man sich manche gesellschaftliche Entwicklungen heutzutage anschaut – ich meine damit insbesondere wie mit dem Lebewesen Planet Erde umgegangen wird -, dann kann man sich gut vorstellen, wenn man aufgrund eines Ohnmachtsgefühles zu radikalen Methoden greifen möchte. Ich finde zwar, dies kann nicht der richtige Weg sein, allerdings ein Stück weit verständlich ist dies (leider) doch für mich.

Doch dies ist nicht das Thema heute. Ich bin in der letzten Woche auf ein PlugIn für meine Musiksoftware aufmerksam geworden, welches mich sehr fasziniert. Dieses PlugIn lädt Klänge, teilt diese in rhythmus- und tempogerechte „Häppchen“, sogenannte samples und gibt diese auf Tastendruck in neu gewünschter Reihenfolge wieder. Diesen Vorgang nennt man Resample, also ein Samplen der Sample. Herausgekommen ist ein schönes Stück mit einer ganz eigenen Atmosphäre, die mich an meinen sehr guten Freund P. erinnert hat. Ich widme dieses Stück P.

falling down

Das Betragsbild hat diesmal meine Tochter beigesteuert, die das Bild im Mai 2018 fotografierte. Der sanfte Flug einzelner Samen einer Pusteblume passt meiner Meinung nach sehr gut zu den Klängen des Stückes.

silversurfer solutions

Silver Surfer kommt in zwei Bedeutungen daher. Einmal bezeichnet Silver Surfer eine Figur aus dem Marvel Universum und ist Kennern der Comics bekannt. Der Silver Surfer steht im Zusammenhang mit den Fantastic Four, wo er als Bösewicht aus dem Universum mit seinem intergalaktischen Surfbrett aufgetreten ist. Die Kenner der Netzkultur wissen hingegen auch, dass Silver Surfer liebevoll ältere Semester bezeichnen, die schon ergraut sind. Silver Surfer spielen in der Netzkultur eine bedeutende Rolle, sind sie einerseits oft gut betucht und kauffreudig im Onlinehandel unterwegs, haben Zeit sich im Netz aufzuhalten und besuchen häufig Gesundheits- und Reiseseiten. Ich selber darf mich getrost auch als Silver Surfer bezeichnen, mancher geht sogar noch weiter und bezeichnet unsereins als Silberrücken.

Neulich hatte ich das Vergnügen bei einer Fortbildung teilzunehmen. Ich wurde doch wahrhaftig gefragt, warum ich mir dies in meinem Alter noch antue. Und außerdem hätte doch der Staat, der diese Fortbildung bezahlt hat, in meinem Fall keinen rechten Nutzen mehr davon, werde ich doch in einigen Jahren aus dem Staatsdienst ausscheiden. Das habe ich aber getrost weggelächelt und behaupte, jedes Jahr im Dienst kann noch ein gutes und aktives Jahr sein. Und ehrlich gesagt habe ich überhaupt noch nicht den Spass an Fort- und Weiterbildung verloren.

Die besagte Fortbildung – und jetzt kommen wir zum eigentlichen Thema – beschäftigte sich mit der lösungsfokussierten Gesprächsführung. In den 90er Jahren zunächst für therapeutische Zwecke entwickelt, hat sich der lösungsfokussierte Geprächsansatz längst für andere Felder wie zum Beispiel die Wirtschaft und die Pädagogik weiterentwickelt. Wir hatten das Glück eine ausgezeichnete Trainerin vorzufinden, die für die Schweizer solution sufers arbeitet und Gruppen anleitet. Der Grundgedanke der lösungsfokussierten Gesprächsführung ist nach der möglichen Zukunft zu fragen, ohne sich im Inhalt zu vertiefen, geschweige denn durch sogenannte Warum-Fragen im Problem herumzustochern. Als Methode dient das aufmerksame Zuhören, damit aus dem Gehörten sogenannte Triggerfragen entwickelt werden können, die den Gesprächspartner aufgrund seiner eigenen Ressourcen in der jeweiligen Situation weiterbringen können. Die Methode erscheint zunächst verblüffend einfach, sie ist allerdings sehr wirkungsvoll!

Bei dem heutigen Stück habe ich einige der erwähnten Triggerfragen aus dem Netz bei den solution surfers aus der Schweiz kopiert und durch eine schon einmal erwähnte text to speech Lösungen geschickt, um Sprachdateien zu erzeugen, die im Stück verarbeitet worden sind. So gesehen ist dies dann auch eine „solution“, um das Stück des Silver Surfers (ich selber) mit Vokals zu versehen. So kann man auch den Titel des heutigen Beitrages ableiten.

Das Beitragsbild zeigt – mal wieder – ein paar Wolken. Könnte man Wolken nicht auch als Silver Surfer bezeichnen, wie sie als immer wieder neuformierte Gebilde in der Luft schweben? Das Foto wurde im Januar 2019 aufgenommen.

so far away

Jedes Jahr fahren wir mit unseren drei Musikklassen der Schule – Jahrgang 5 bis 7 – am Ende des Schulhalbjahres auf eine Musikfreizeit. Diesmal ging es zum Knüllköpfchen. Da haben wir dann drei Tage Zeit ausführlich an Stücken zu arbeiten. Die Freizeit beschließen wir mit einem Abschlusskonzert. Zwischendurch werden Instrumente umgeräumt und man muss manchmal auch ein wenig warten, weil die nächste Phase noch nicht begonnen werden kann, denn einer der Mitspieler muss zum Beispiel noch etwas holen oder ähnliches. In einer dieser spontan entstandenen Pausen klimperte ich ein wenig auf dem Klavier herum und hatte gerade einen Doppelsound aufliegen – Klavier mit Streichern. Aus dieser Idee entstand dies kleine, extrem minimalistische Stück, was ich dann sofort festgehalten habe. Es besteht im ersten und zweiten Teil nur aus drei Harmonien: F – Dm – Am und dann Bb – C – D, die stets im gleichen Arpeggio vorgetragen werden.

Das Stück So Far Away (Dieser Link führt zu einer „online klingenden“ Partitur) wird am 17.02.2019 in Bad Wildungen uraufgeführt. (Zum Begriff Uraufführung hatte ich mal diesen Artikel empfohlen). Hier kann man die Partitur von So Far Away downloaden. Mit dem Titel ist natürlich eine Sehnsucht gemeint. Um welche Sehnsucht es sich handelt, bleibt ungewiss. Aber Sehnsucht bedeutet gleichzeitig auch immer Entfernung bzw. eine Distanz, entweder ausgedrückt in Kilometern oder in einer zeitlichen Entfernung wie z.B. die Vorstellung, die man von der Zukunft hat; dass in der Zukunft etwas eintrifft, was man sich wünscht. Allerdings ist nicht immer klar, was man sich genau wünscht, allein das Gefühl der Sehnsucht ist auch manchmal schön. Der Pianoklang wird aus einer Mischung von zwei Klaviersounds mit unterlegten Streichern erzeugt, während mir abermals für die Solostreicher die Spitfire Frozen-Strings-Library gute Dienste leistete. Überschwängliche Verwendung von Hallprogrammen verstärken den Eindruck der Entfernung der Klänge. Das kürzlich in meinem Dorf aufgenommene Beitragsfoto zeigt ein wundervolles Abendlicht. Als ich dieses Licht gesehen habe, stoppte ich sofort meine Fahrt und bin sofort begeistert aus meinem Auto ausgestiegen, um den Moment einzufangen. Man merkt, dass die Tage doch wieder etwas länger werden. Die Weite des Himmels passt ausgezeichnet zu dem Titel des Stückes. Die Bildaufnahme wurde mit dem Programm Sketcher verändert.

sad will lead the way

Neulich probierte ich ein wenig mit der Playerfunktion in meiner Digital Audi Workstation (DAW) herum, um eine Akkordfolge zu erzeugen und stieß auf die hier veröffentlichte Melodie, die mir dazu passend zu den Harmonien erschien. Das Stück hört sich ein bisschen traurig an, allein mir wollte kein passender Titel einfallen. Kein Problem, gibt es doch unzählige Song-Title-Generatoren im Netz, die einem da schnell weiterhelfen können. Auch der heutige Titel ist nach Eingabe des Wortes „sad“ aus einem solchen Generator „herausgepurzelt“. Gibt man nun dem Netz die Suchanfrage nach der saddest songs list, wird man auch erstaunlicherweise schnell fündig, wie hier zum Beispiel. Je nach Geschmack des Sammlers fällt diese Liste natürlich sehr unterschiedlich aus. Welchen Platz würde mein Song in dieser Liste bekommen, was meint ihr?

sad will lead the way

Hier das Stück in herkömmlicher Notation.

Das Beitragsbild zeigt das hier in den Landen weiterverbreitete Schilfrohrgras Phragmites australis und wurde im Gegenlicht bei einem Spaziergang 2019 aufgenommen.

go(o)d morning

Diese kleine Akkordfolge „besuchte“ mich eines schönen Morgens in den letzten zwei Wochen, als ich ein bisschen rufgeklimpert habe. Es handelt sich abermals um eine der „4 bar chords“ Geschichten, die ja hier auch schon mal Thema waren und dem ein eigener Beitrag gewidmet wurde. Diesmal liegt die simple Folge: C Am Fma7 Db zugrunde. Das kleine typografische Wortspiel ergibt sich aus der Tatsache, dass der Hacker GOD – so berichteten zumindest die Medien – für das letzte große Datenleak verantwortlich gewesen sein soll. Hier passt auch gut das Beitragsphoto, welches Gehackte Stühle auf dem 35 CCC in Leibzig am Ende des Jahres 2018 zeigt und von mir dort aufgenommen wurde. Auf dem Chaos Communication Congress ging es ja bekanntermaßen auch um die Herausforderungen unserer sogennanten modernen Mediengesellschaft, die sich immer mehr eingestehen muss, dass die Geister, die sie rief, immer weniger kontrollieren kann. Wir müssen uns fragen, ob wir jeden medialen Trend mitmachen wollen, aber zumindest müssen wir versuchen „schlau“ zu agieren. Schlau agieren setzt eine gewisse Entspannung des Denkens voraus, dieser kleine Song mag dazu helfen. Hört selbst!

go(o)d morning

m.f.b cut

2006 fand am 02. September eine Museumsnacht in Kassel unter dem Motto „Sterne“ statt. Zu diesem Anlass gründeten wir das Trio M.F.B. Die Buchstaben stehen einfach für die Nachnamen der Mitspieler. Abends, als es schon dunkel war, spielten wir vor einer hübsch illuminierten Kulisse direkt vor dem Staatstheater mit drei Computern, die über eine MIDI Clock so verbunden waren, dass sich unsere Musiksoftware im Tempo synchronisierten. Wir benutzen Motive des Kasseler Minimal Komponisten Dr. Ulli Götte, in dessen Minimal Orchester wir jahrelang zusammengespielt hatten. Jörg & Michael spielen noch immer in diesem Orchester. Wir hatten für diesen Auftritt mehrfach geprobt, aber trotzdem war das Ergebnis jedesmal ein anderes, allein doch die Improvisationsanteile immens waren.

m.f.b. music to go

Hier sieht man das Cover der nach dem Auftritt herausgegebenen CD, die ein Live-Mitschnitt war. Der musikalische Beitrag ist eine Mischung aus verschiedenen Stücken der CD. Das Beitragsbild wurde 2004 im Jemen aufgenommen und war Bestandteil des CD Covers.

indian waterdrops

Zu dem Stück „indian waterdrops“ brachten mich zwei Dinge. Zum einen erinnerte ich mich daran, meine Gitarre mal (wieder) in einer offenen Stimmung (open tuning) zu stimmen. Verwendung findet die Stimmung „Open D“ mit den Tönen D – A – D – F# – A – D. Zum anderen stieß ich bei Youtube auf eine Reihe von indischen Musikern: An der Sitar die Tochter von Ravi Shankar Anoushka Shankar , an der Flöte den unvergleichlichen Rakesh Chaurasia und an der Sarod, ein Instrument was mir bis dato noch nie aufgefallen war, Debasmita Bhattacharya. Letzteres Instrument inspirierte mich meine Gitarre in der offenen Stimmung mit einem Bottleneck zu spielen, um den Klang der Sarod im entferntesten nachzuahmen. Den Titel bekam das Stück aufgrund des Synthesizer-Sounds, der entfernt an Wassertropfen erinnert.

indian waterdrops

Das Beitragsbild wurde 2004 bei einer Reise in den Jemen aufgenommen, eine Zeit, die es noch zuließ, in den Jemen zu reisen. Das Farbenspiel des arabischen Fenster hat mich stark beeindruckt.

advent orison

Es heißt ja immer so schön „Jetzt beginnt die besinnliche Zeit!“, die Zeit des Advents. „Advent“ meint ja die Zeit des Wartens oder die Zeit der Ankunft. Auf welche Ankunft warten wir? Und ich frage mich dann, was ist eigentlich mit „besinnlicher“ Zeit gemeint? Ich wundere mich jedes Jahr, wie schnell die Zeit vergangen ist und rufe aus „Was, schon wieder Weihnachten?“ Und jedes Jahr der gleiche Trubel. Immer wieder die gleichen Lieder. Selbst die Familie möchte an ganz bestimmten Bräuchen festhalten. Eigentlich habe ich zunächst meistens gar keine Lust auf Weihnachten. Es wird zwar immer so getan, dass es sich um ein „besinnliches“ Fest handelt, aber im Vordergrund steht doch der Kommerz. Wie viel wird wann wie verkauft? Welche Lichterkette ist noch prunkvoller als die des Nachbarn? Wer hat die teuersten und die meisten Geschenke gekauft? Daran habe ich keinen Spass! Und die heuchlerische Vermischung mit dem Christentum. Jesus sei geboren, die heiligen drei Könige und das ganze Trallala. Und nur, weil die Christen die Wintersonnenwende für ihre Zwecke ausgenutzt haben. Im Nachhinein freue ich mich dann meistens doch. Die Familie hat schön gefeiert, Verwandte und Freunde kamen zu Besuch, es wurde schön gekocht und gegessen und man hat ein bisschen Zeit für sich und die Familie, wenn man sich diese nimmt.

So auch gestern, als ich ein bisschen Musik gemacht habe und nur kurz etwas ausprobieren wollte. Da entstand dieses kleine Stück, was mich persönlich besinnlich macht und mir hilft, mich ein bisschen zurückzunehmen und durchzuatmen, mich zu beruhigen! Daher hat es auch den Namen „advent orison“  bekommen, meine besinnliche Zeit. Orison ist eine altes Wort für so etwas wie Gebet. Musikalisch handelt es sich um ein diatonische – also einer bestimmten Tonleiter folgende – Akkordfolge, die wie die alte Tradition heterophoner Musik (Mehrstimmgkeit) des Organum aus dem Mittelalter mit allerlei anderen Klängen und verschiedenen Oktaven die Akkordtöne parallel verdoppelt, um das Frequenzspektrum nach oben und unten zu bereichern. Hinzu kommen die Synthesizer Arpeggios, die das ganze Stück untermalen und eine indische Sängerei einer Samplelibrary, die mir ihre Stimme geliehen hat.

advent orison

Das Beitragsbild zeigt eine verfremdete Aufnahme unserer Lichterkette im Flur mit einer Schale in der die Geschenktütchen für die Kinder lagerten, die am Nikolaustag an die Tür klopfen, ein Gedicht aufsagen und sich kleine Geschenke, bestehend vor allen Dingen aus Süßigkeiten, wünschen.

sleeping stone

Wer kennt nicht das Spiel Werwolf, welches sich bei Jugendlichen einer großen Beliebtheit erfreut. Ich hatte die Freude einmal im Jahr mit einer Gruppe unterwegs zu sein, die genau dieses Spiel abends zum Ausklang des Tages spielte. Immer wenn der Erzähler, der bei dem Spiel die einzelnen Runden moderiert, die Formel „Das Dorf schläft ein!“ intonierte, fiel ich wie von einem geheimen hypnotischen Befehl getrieben in einen leichten Dämmerzustand. Schnell hatte ich den Indianernamen „Schlafender Stein“ bekommen und brauchte mich seitdem auch nicht mehr bemühen, diesen Namen wieder los zu werden. Man beachte bei dem Namen „Schlafender Stein“ diese schöne Tautologie. Nicht das der Stein schon an sich – in sich ruhen bzw. schlafen würde. Anlass genug für ein kleines, ruhiges und minimalistisches „Kling-Klang-Stück“. Die sonore Männerstimme spendete Amal. Amal arbeitet bei der indischen Windows-Hotline, die mich ab und zu ungefragt, aber stets freundlich, anruft, um mir zu verkünden, dass mein Windows-Computer verseucht sei und er mir sofort helfen könnte, obwohl ich gar nicht mit einem Windows-Computer arbeite. Ich fragte ihn, ob er mir ein tiefes „Om“ aufsingen könne und wir wurden uns sofort einig, wie man hören kann.

sleeping stone

Den ruhenden Stein, der mit Moos bewachsen ist, habe ich 2017 bei einer kleines Wanderung in den Bergen der Vogesen – in der Nähe der Moselquelle – aufgenommen. Diese Gegend ist für Wanderung wärmstens zu empfehlen.

my foolish heart is dark?

Das dieser Song etwas mit dem berühmte Song My Foolish Heart – hier im Link eine wundervolle Version des Jazzpianisten Bill Evans – zu schaffen haben könnte, konnte ich nicht ahnen, als ich heute morgen mit einer kleinen minimalistischen Pianosequenz mit dem Klang aus der LAB Serie von spitfireaudio begann. Aber manchmal passieren Dinge unerwartet und man ordnet sie dem Zufall zu. Ob es Zufälle gibt oder aber Schicksal, lässt sich wohl niemals vollends ergründen. Auf jeden Fall fand ich die Übersetzung des Textes zu „My Foolish Heart“ interessant. Das Stück ist ein sehr bekannter Jazzstandard und unzählige Mal gecovert worden. Diese Seite zählt alleine 108 Versionen. Gesungen wird die kurze  Gesangspassage von einer in London ansässigen Sängerin namens Elisa Le Bon. Elisa tauchte natürlich nicht persönlich – warum eigentlich nicht? – bei mir im Studio auf, sondern man kann ihre Stimme bei einer Sample-Library-Bude, so möchte ich es nennen, ausleihen. Diese Libraries finden sich  zur Zeit vermehrt im Netz. Neulich flatterte mir ein gutes Angebot ins Haus, welches ich seither manchmal benutzte. Die andere Stimme habe ich mir bei freesoundorg besorgt. Diese Quelle ist immer wieder lohnend, wenn man zu bestimmten Orten, Ländern und Schlagwörtern Klänge sucht, die nicht kommerziell produziert sind und dadurch oft eine gewissen Authenzität haben.

 

my foolish heart is dark?

 

Das Beitragsbild, welches ich dieses Jahr aufgenommen hab, zeigt eine Kartoffel, die ich im Feld fand. Amüsiert hat mich die Herzform der Kartoffel.