lost in the cavern

Wie ich durch einen Dialog in einer interessanten Fernsehserie – undone – erfahren habe, pflegen die Kogi Indianer aus Kolumbien eine uns zunächst sehr befremdlich vorkommende Tradition. Wenn man mehr über dieses uralte Volk erfahren hat, kann man es einordnen. Die Weisheitshüter der Kogi heißen Mamos und Sakas. Einige ihrer Babys kommen in eine dunkle Höhle, erhalten besondere Nahrung und werden bestens versorgt und ausgebildet. Erst im Alter von 9 bzw. 18 Jahren erblicken Sie zum ersten Mal das Licht der Welt. Bevor sie aus der Höhle gelassen werden erzählt man ihnen von der Natur mit Pflanzen, Tieren und Geistern. Ihre Sinne werden unglaublich gestärkt. Wenn sie dann in die Außenwelt entlassen werden, sind sie in der Lage, die Umwelt und Natur regelrecht zu spüren, ihre Lebendigkeit zu erkennen und wahrzunehmen. Danach handeln sie. Die Kogi beanspruchen für sich das uralte Wissen der Welt im Gegensatz zu allen anderen Völkern bewahrt zu haben und öffneten sich erst 1990 ein wenig anderen Völkern. Sie prophezeien eine baldige und düstere Zukunft. Wer jetzt darüber mehr wissen möchte, liest bitte diesen Artikel. Vielleicht muss die Menschheit erst wieder durch eine Zeit der dunklen Höhle gehen, damit sie erkennt, wie es gelingen kann, die Welt zu retten.

Und dies spüre ich in der letzten Zeit immer mal wieder. Jahrzehntelang gehörte ich zu den Menschen, die immer an eine besserer Zukunft geglaubt haben und sah in diese sehr optimistisch. Die Ereignisse in den letzten Jahren und die Häufigkeit von katastrophalen Ereignissen betrüben meine inneren Gefühle. Das heutige Beitragsstück ist im Grunde der Ausdruck meiner inneren Welt, die ich versuche durch das Musizieren „derational“ zu ergründen. Es verwundert nicht, dass hier ein relativ düsteres Klangstück herausgekommen ist, was diese Stimmung wiedergibt. Immerhin habe ich meine Gitarre mal wieder zur Hand genommen.

Interessanterweise lautet der Name eines Klanges, der in diesem Stück Verwendung findet „lost in the cavern“ und dies passt zu den Kogi Indianern und deren Geschichte.

lost in the cavern


Das Beitragsbild wurde 2019 in der Burgruine Hanstein in Thüringen aufgenommen. Sie gilt als eine der schönsten Burgruinen Deutschlands.

the forestmaker

Ich wurde diese Woche spontan zu einem Dokumentarfilm in einem Programmkino eingeladen. Der dargebotene Film unter Regie keines geringeren als Volker Schlöndorff wirft einen facettenreichen Blick auf das Afrika der Sahelzone. Der junge australische Agrarwissenschaftler Tony Rinaudo kommt mit seiner Familie 1981 in den Niger und hilft etlichen LandwirtInnen bei der Aufforstung der verkarsteten Landschaften. Nach vielen Jahren des Misserfolgs kann er endlich Afrikaner für seine natürlichen Beschattungsprojekte gewinnen und hilft die Lebensgrundlage vieler Menschen deutlich zu verbessern. Für sein Engagement erhält er 2018 den alternativen Nobelpreis. Er kehrt dann Jahre später zurück in den Niger und in die Sahelzone. Dort trifft er alte Bekannte und Freunde wieder. Darüber berichtet der Film. Der Film DER WALDMACHER hat mich sehr beeindruckt und ich möchte hier eine Empfehlung aussprechen.

Ganz unter dem Eindruck des Filmes habe ein kleines Stückchen komponiert, welches verschiedene afrikanische Instrumente, wie Kora, Bolon, Balafon, Dunun und Calabash verwendet. Vorletzte Woche habe ich mit einem befreundeten Musiker einen sogenannten Sampleday veranstaltet. Ein Sampleday ist ein Tag, bei dem man gemeinsam Klänge aufnimmt und diese dann weiterverarbeitet. Dazu in Zukunft in einem anderen Beitrag mehr. Der Klang eines afrikanischen Instrumentes, eine Art Harfe, man nennt diese Adungu , dient in diesem Stück als Bassklang und eine Abbildung dieses Instrumentes liefert auch das Beitragsbild.

Gleichzeitig wurde in dieser Woche ein neues Instrument meiner Musiksoftware reasonstudio eingeführt. Es handelt sich um einen sogenannten Vocoder, der Stimmen mit einer Trägerfrequenz vereint und interessante vokale Spielarten zulässt. Dieser Vocoder kommt für verschiedene afrikanische Gesänge bei dem Stück zum Einsatz und ich widme natürlich das Stück dem bemerkenswerten Mann Tony Rinaudo, auch bekannt als der Waldmacher.

the forestmaker


bladerunner mournful heart

Mit schwermütigem Herz – wie der Titel verrät – beende ich die Bladerunner Serie, die nunmehr aus neun Titel besteht. In den nächsten Wochen werde ich die Stücke zu einem neuen Album zusammengefasst auf den gängigen Streamingdiensten veröffentlichen. Der Titel beschreibt einerseits den leichten Schwermut, den ich bei der Beendigung dieser Konzeptarbeit habe und andererseits auch wieder einem Soundnamen eines virtuellen Instrumentes, welches letztendlich namengebend war. Andererseits gibt der Titel die Stimmung des Stückes ziemlich gut wieder und dies passt wiederum zu der Idee der fiktiven Filmmusik zu einer Bladerunner Fortsetzung, die noch nicht produziert wurde.

Das Stück beginnt mit nichttonalen Klangspuren, die von Flächenklängen abgelöst und dann von einer perkussiven Sequenz untermalt werden. Gelegentlich deuten sich Motive an, die ihrerseits durch einen Chor eine klangliche Tiefe erlangen. Das Stück endet mit den gleichen Sounds, die auch den Anfang bildeten.

bladerunner mournful heart


Das Beitragsbild basiert auch auch diesmal wieder auf einer Aufnahme innerhalb des Erfurter Danakils, wo eine Wüstenlandschaft museal abgebildet wurde.

when dark turns light

Das Osterfest gilt als das höchste Fest der Christen. Wie auch zum Weihnachtsfest vermischen sich nichtchristliche mit christlichen Bräuchen. (Letztes Jahr habe ich auch zur Osterzeit dazu einige Gedanke in dem Blogbeitrag go east[er] dargelegt.) In mancher Hinsicht wird allerdings ein gemeinsamer Gedanke gepflegt. Der Gedanke der möglichen Transformation. Im Christentum stirbt zunächst der Sohn Gottes am Karfreitag und wird dann am Ostersonntag als unsterbliche Seele wiedergeboren. Das Beispiel Jesu Christus soll die Möglichkeit aufzeigen, dass sich der Mensch in einen höheren Zustand verwandeln kann. Dieser Gedanke der Transformation wohnt vielen Religionen und anderen Geschichten inne. Vor ein paar Tagen stieß ich auf einen Artikel im Internet bei ntv, der sich mit der Bedeutung und den kulturellen Bräuchen des Osterfestes beschäftigt. Interessant war in diesem Zusammenhang zu lesen, dass der Brauch des Osterhasens erst im 17. Jahrhundert aufkam und demnach relativ jung ist, hingegen die Eiersymbolik schon bis auf das Urchristentum zurückgeht bzw. in nichtchristlichen Traditionen schon sehr lange eine bestimmte Bedeutung hatte.

Musik kann bisweilen auch spirituelle Gefühle bedienen oder sogar spirituelle Beschäftigungen unterstützen bzw. begleiten. Insbesondere die indische Musiktraditionen haben eine besondere Wirkung auf mich. Musikalische Schnittstellen zwischen indischer und westlicher Musik haben mich schon immer sehr fasziniert und ich möchte diesmal auf das Stück des letzten Mahavishnu Orchestras when blue turns gold aus dem Jahre 1984 verweisen, was diesmal als Referenzstück fungiert. Referenzstücke sind für mich Stücke, auf die sich manche meiner Kompositionen beziehen, die ich sozusagen im Hinterkopf habe, wenn ich an bestimmten Ideen arbeite oder mich während der Entdeckung von Motiven an ganz bestimmte Stimmungen erinnern. Referenzstücke begleiten mich mit großem Anteil bei meinem kreativen Prozess, der oft intuitiv funktioniert.

when dark turns light


Das Beitragsbild zeiht eine Dämmerungssituation am frühen Morgen an meinem Wohnungsort.

colored market

Dem geneigte Leser dieses Blogs ist es nicht entgangen, dass ich eine Vorliebe für Wheather Reports Stück black market habe. Von Zeit zu Zeit versuche ich mich der Stimmung dieses Stück ein wenig musikalisch zu nähern. Black market beginnt mit einem Soundscape eines afrikanischen Marktes. Ich habe bei meinem heutigen Beitragsstück die Nebelhörner des in Soundscape-Kreisen berühmten Stückes Horns & Whistles der Vancouver Soundmark-Reihe als Einleitung und am Ende benutzt, um der Form gerecht zu werden.

Der Soundscape ist ein akustisches Zeitzeugnis längst vergangener auditiver Eindrücke, denn durch moderne Navigationsmöglichkeiten, wie zum Beispiel die Verwendung von GPS Systemen, braucht es keine Nebelhörner mehr, um Schiffe durch Nebelbänke zu navigieren.

Das Stück hat ein variantenreiches Hauptthema, welches durch verschiedenen Synchronläufe umrahmt wird. Die Motivlinien werden durch die Mischung von Saxophon-Klängen und einer vocoderartigen Spur organisch. Bei Interesse sind weitere „Market“-Stücke nachzuhören: yellow market und grey market. Das Stück erinnert ein wenig an Stücke des Soloalbums von Joe Zawinul Dialects.

colored market


Das Betragsbild wurde 2012 während eines Besuches eines mallorquinischen Marktes aufgenommen und mit einen Sketchprogramm analogisiert.

feel the funk

Als ich kürzlich bei einem Ebaykleinanzeiger-Verkäufer aufkreuzte, um einen Kauf abzuschließen, fotografierte ich einen verrosteten Oldtimer, der laut Angaben des Verkäufers eigens zu Deko-Zwecken in dem Vorgarten platziert wurde. Ich kann nicht sagen, um welche Automarke es sich handelt, aber man wird direkt an ältere Zeiten erinnert, wenn man dieses Ausstellungsstück betrachtet.

Musik aus früheren Zeiten werden gerne heute als Retro bezeichnet. Als ich einen guten alten Freund vor zwei Wochen besuchte, erzählte er mir von dem dänischen Film Der Rausch, der einige Aufmerksamkeit erregt hat. Mehrere abgehalfterte Lehrer erklimmen pädagogische Höhenflüge, indem sie sich bewusst mit kontrollierten Dosen von Alkohol in dienliche Stimmungen versetzten und ernten mit dieser Methode vor allen Dingen auch bei ihren Schülern erstaunliche Erfolge. Teilweise wird während des Films die Musik der Funk-Fusion Band The Meters verwendet. Mein Freund spielte mir aus einer CD Kompilation mehrere Stücke der Gruppe vor und ich bin extrem begeistert von dieser Musik. Das Stück Cissy Strut ist wohl sehr bekannt und ist auf ihrem ersten Album 1969 erschienen. Wie ich finde ein extrem wegweisendes Werk, was für seine Zeit als unglaublich innovativ einzustufen ist. Irgendwie ist diese Gruppe bisher weitestgehend unter meinem Radar geblieben und ich habe mich dank meines Freundes sehr gefreut, diese Gruppe finden zu dürfen.

Wenige Tage später fand ich auf meiner Festplatte eine Aufnahmesession mit mir selbst aus dem Jahr 2018, die eigentlich auch ein Retrofunk-Stück ist. Ergänzt mit ein paar Gesangslinien habe ich es fertig gemischt und diesem Beitrag zugeordnet. Viel Spass beim Hören!

feel the funk


silent djembe • quiet africa

Ich war sehr erstaunt als ich vor einigen Wochen im Flur eines Freundes dieses ungewöhnliche Instrument entdeckte. Eine „silent djembe“ war mir noch nicht untergekommen. Normalerweise ist das Ziegen-Fell einer Djembe Trommel an der Spielfläche rasiert, damit der klare Trommelklang besser wirken kann. Hier war es anders. Schnell entwickelte sich der Gedanke ein Stück zu diesem Thema zu komponieren und in Form des Albums „quiet africa“ auszubauen. Dabei kamen dann doch aber Djembe mit dem gewohnten Fell zum Einsatz.

Drum & Hand Free Stock Photo - Public Domain Pictures

Africa ist natürlich gar nicht „ruhig“ und „still“, wenn man die afrikanische Zivilisation betrachtet. Besonders was ist die Entwicklung des Rhythmus allgemein betrifft, hat es afrikanische Musik zu besonderer Ausprägung gebracht. Wie auf keinen anderen Kontinent ist afrikanische Musik sehr oft ohne Bewegung und Tanz für die Afrikaner schlichtweg nicht vorstellbar. Wenn ich mit meinen Schülern über die Elemente der Musik spreche, verdeutlichte ich gerne die Verbindung des Elements Rhythmus mit dem afrikanischen Kontinent, obwohl ich mir natürlich klar darüber bin, dass es sich hier nur um ein vereinfachtes Stereotyp handelt, an dem allerdings ein bisschen etwas dran ist. Gleichwohl könnte man die kunstvolle Melodik dem asiatischen Raum und die meisterschaftliche Verwendung der Harmonie dem europäischen Kontinent zuordnen.

silent djembe • quiet africa

chicken song

Neulich verirrte sich abermals ein Huhn auf die Straße. Beheimatet beim unmittelbaren Nachbarn, gelingt es vereinzelten Tieren ihren Hof zu verlassen und ihre Neugierde und Neigung zur Futtersuche auf die nähere Umgebung auszuweiten. Wir haben auch schon gelegte Eier in unserem Vorgarten gefunden. Sie schmeckten köstlich.

Hühner geben interessante Geräusche bzw. Gesänge von sich. Die Mär vom dummen Huhn ist weit verbreitet, sollte aber längst Geschichte sein. Hühner können zum Beispiel auf die Entfernung bis zu hundert Menschen unterscheiden und sich an sie erinnern. Ich konnte dies selber erleben, als meine Kinder im Rahmen eines Schulprojektes drei kleine Küken zur Aufzucht mit nach Hause brachten. Nachdem die Tiere erwachsen waren und sie woanders untergebracht werden mussten, erkannten sie meine Tochter noch nach vielen Monaten, wenn sie besucht wurden.

Das Huhn des Beitragsbildes veranlasste mich aus Hühnergesängen ein kleines Stück zu basteln. Bei manchen Samples, die ich verwendet habe, bin ich mir nicht sicher, ob es sich wirklich um eine Originalaufnahme handelt, am Anfang und am Ende des Stückes hören wir auf jeden Fall eine solche.

Das Thema Hühner findet sich auch im Bereich der klassischen Musik wieder. Viele kennen die geniale Komposition von Modest Mussorgsky in seinem Werk Bilder einer Ausstellung mit dem Titel Ballett der Küchlein (Küken) in ihren Eierschalen und Camille Saint-Saëns Hühner und Hähne aus dem Karneval der Tiere.

Im Netz findet man schnell bei Youtube auch andere Stücke, die mit Hühnerklängen arbeiten und sich großer Beliebtheit erfreuen. Es handelt sich bei meinem Stück nicht um eine Coverversionen des von Pee Wee Ellis komponierten und von Jaco Pastorius gecoverte Stück the chicken, was durch die Coverversionen große Berühmtheit erlangt hat.

chicken song


do you hear me?

Ich glaubte eigentlich Präsident Putin rasselt nur mit dem Säbel und würde niemals einfach in die Ukraine einmarschieren. Ich wollte gerne glauben, was Frau Wagenknecht kürzlich noch zum Besten gegeben hatte, aber auch sie wurde eines Besseren belehrt, wie sie allerdings selber einräumte. Ich kann mich noch an die Rede von Putin im deutschen Bundestag im September 2001 erinnern und hätte es gut gefunden, Putin die Hand zu reichen. Ich weiß auch noch wie ich mir wünschte mit Russland zu einer umfassenden Versöhnung und Zusammenarbeit zu kommen. Aus vielerlei Gründen ist es ja anders gekommen – es ist Geschichte – und man weiß nicht, ob sich Putin möglicherweise durch Hass- und Rachegefühle in den letzten Jahren stark in Richtung eines Despoten verändert, oder ob er schon lange an seinem Expansionsplan gearbeitet hat. Der Einmarsch der Russen in die Ukraine stellt jedenfalls eine enorme Zäsur in der Nachkriegszeit für Europa dar. Plötzlich ist das militärische Kriegsdenken und alles was damit zusammenhängt wieder in den Köpfen. Deutschland wird über Nacht zu einer Miltitärmacht bzw. möchte jetzt schlagartig wieder dahin kommen. Schlimmer noch, ein Atomkrieg scheint wieder wahrscheinlicher zu werden.

In Großstätten hat man Bunkeranlagen errichtet, die das Überleben von nach einem atomaren Schlag mindestens für 20 Tage sichern sollen. Wenn aber alles für zehntausende von Jahren verstrahlt und zerstört ist, nützt dies reichlich wenig. Daher fehlt mir in diesem Zusammenhang das logische Verständnis für die Prepper-Bewegung. 2016 konnten wir die Bunkeranlage unter dem Kuhdamm in Berlin besichtigen. Von diesem Besuch stammt die Aufnahme eines Lichtschalters, die erstaunlicherweise den Nationalfarben der Ukraine entspricht und hier als Beitragsbild fungiert. Der besuchte Bunker dient nur noch musealen Zwecken.

Zu Recht nimmt ein beachtenswerter Anteil der europäischen Bevölkerung Anteil an dem Schicksal und solidarisiert sich mir der Ukraine. Dabei kommt heraus, dass anscheinend die Ukrainer den Europäer näher sind, als es die Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan waren bzw. sind. Ich gehöre zu den Menschen, die noch immer glauben wollen, dass es auch eine nichtmilitärische Kraft gibt, die Kriegshandlungen beeinflussen können und finde es durchaus nützlich und notwendig, wenn Menschen ihre Stimmen erheben, demonstrieren und für den Frieden werben, um geistig zu wirken. Die Ukrainer haben sich entschieden mit Waffen zu kämpfen und sich nicht kampflos dem Feind zu ergeben. Diese Entscheidung kann man nachvollziehen. Ich hätte aber einen waffenlosen Widerstand für sinnvoller gehalten, um die Tötung von Menschenleben und die Zerstörung von Städten zu vermeiden. Die Ukraine wird sowieso in absehbarer Zeit und möglicherweise zeitlich begrenzt an die Russen fallen, ob bis dahin die zahllosen Opfer und die grauenvollen Zerstörungen etwas ändern, wage ich zu bezweifeln.

Das Stück „do you hear me?“ solidarisiert sich mit allen, die ihre Stimme erheben und sich für Lösung der Konflikte mit nichtmilitärischen Mitteln einsetzen. Diese Stimmen sollen in Russland, im Kreml und in der ganzen Welt gehört werden.

do you hear me?


klüngelskerl

Wer kennt sie nicht, die Melodie, die ertönt, wenn Schrotthändler mit älteren Lieferwagen durch das Dorf fahren? Dann hört man schon von Ferne immer eine bestimmte Melodie, die als Klüngelskerl-Melodie bezeichnet wird und landbekannt ist. Gerade die letzten Tage hörte ich die Wagen fast täglich. Vornehmlich in Nordrhein-Westfalen wird ein fahrender Schrotthändler als Klüngelskerl bezeichnet.

Wer die Melodie komponierte, ist unklar. Da die Händler bisweilen sehr häufig durch die Ortschaften kurven, werden sie lokal als Plage empfunden und mancherorts Verbote ausgesprochen. Der Schrotthändler braucht einen Gewerbeschein und eine Betriebserlaubnis für seinen Lautsprecher. Verschiedene Zeitungsberichte geben darüber Auskunft.

Um der Melodie einen klanglich metallenen Anstrich zu verleihen, habe ich die Melodie mit rhythmisierten Samples der Schülerkomposition „metal dreams“ unterlegt, die 1994 den ersten Preis des Kompositionswettbewerbs zu Neuer Musik „ear sinn“ des Hessischen Rundfunks in Zusammenarbeit mit der DAK in der Kategorie Kompostion gewonnen hatte. Damals zogen wir zu einem Schrottplatz aus und fertigten aus den mitgebrachten Metallteilen verschiedenste Instrumente. Aus Aufnahmen der erzeugten Klänge arrangierten wir in einem der ersten Sampler der Marke Akai S612, die im Heimbereich erschwinglich waren, unser Teilnahmestück.

klüngelskerl


Hier die ursprüngliche Komposition „metal dreams“.

metal dreams


Das Beitragsbild zeigt einen Klüngelskerl-Lieferwagen, wie er bei uns im Sommer zu sehen und zu hören war.

water therapy

Die Musikwissenschaftler beschäftigen sich unter anderem damit Musik zu kategorisieren. Je nach Betrachtungswinkel gibt es unterschiedliche Systeme mit denen man unterschiedliche Aussagen treffen kann. Zu Zeiten der sogenannten Wiener Klassik im 19. Jahrhundert wurde gerne zwischen absoluter und programmatischer Musik unterschieden, später kam die Kategorie der funktionalen Musik dazu.

Die absolute Musik lebt in sich selbst und dient keinem Zweck. Die Musik spricht für sich, wie beispielsweise Sinfonien Mozarts. Der programmatischen Musik unterstellt man ein Programm, ein Bild oder eine Geschichte an der die Musik angelehnt ist. Man denke da zum Beispiel an Edvard Griegs Peer Gynt Suite. Die funktionale Musik dient einem bestimmten Zweck. Filmmusik gehört in großen Teilen bestimmt zu dieser Gruppe, auch wenn Grenzen fließend sind. Suche ich Musik bei bestimmten Streaming-Diensten, kann ich zum Beispiel die Kategorie „Yoga & Meditation“ auswählen. Es gibt Musiker, die ganz genau für solche Zwecke ihre Musik produzieren. Dies gibt es schon seit den 30er Jahren, als sogenannte MUZAK Musik für bestimmte Zwecke produziert wurde; beispielsweise für Aufzüge und Supermärkte.

Das Stück „water therapy“ würde auch in die Kategorie „Yoga & Mediation“ passen, zumindest fast, und bedient wieder meine sogenannte mambial-music.

water therapy


Das Beitragsbild zeigt ein selbstgemaltes Bild meiner Tochter, welches gut zum Stücke-Titel passt.

bladerunner quadragrainic world

In einem Forum tauchte neulich die Frage auf, wie man denn für einen neuen Song einen geeigneten Namen finden könnte. Über einen Titel-Generator hatten wir ja schonmal gesprochen. Dies kann man bei dem Beitrag sad will lead the way nachlesen. Für einige der letzten Songs habe ich einfach den Namen eines Sounds, den ich verwendet habe, ausgewählt. Und man muss wirklich konstatieren, dass die Sound-Bastler in dieser Hinsicht sehr kreativ sind. Auch für das heutige Stück habe ich den Namen eines Sounds benutzt, der für das vorliegende Stück charakteristisch ist.

Den heutige musikalische Beitrag zu meinem in baldiger Zukunft zu veröffentlichen Bladerunner Album würde in der aktuellen Jugendsprache als „episch“ bezeichnet werden. Viele Jugendliche sind sich der eigentlichen Bedeutung des Wortes nicht bewusst, sondern bei ihnen wird das Wort eher für „dramatisch“ oder „opulent“ benutzt. Dabei bezeichnet episch mehr die ausführliche Länge eines erzählenden Werkes und grenzt ursprünglich gegen das Drama, also eine Handlung auf einer Bühne, ab, wobei der ausschweifende Charakter durchaus gemeint sein kann.

Mein Stück heute ist auch eher episch im eigentlichen Sinne und unterstreicht durch die schleppende Akkordfolge mit sphärischen Stringsounds und einer klassischen erweiterten Kadenzform durch die Folge C D Em | Am G F#m Em | G F#m Em | diesen Charakter. Ich kann mir das Stück sehr gut als finalen Song meines virtuellen Bladerunner Nachfolgefilms vorstellen, der bis in den Abspann hineinreicht.

bladerunner quadragrainic world


Auch diesmal habe ich den Ausflug ins Erfurter Danakil benutzt und aus dem Wüsten-Abschnitt der Stätte ein passendes Bild für das heutige Stück und die Bladerunner Thematik ausgewählt.

mercury voyager

Im Jahr 1977 startete die NASA zwei Voyager Sonden, um weit von der Erde entfernte Planeten unseres Sonnensystems wie Saturn, Jupiter (die beiden Riesen), Uranus und Neptun zu erkunden. Es sollte eine der erfolgreichsten Missionen der NASA werden. Noch heute besteht Kontakt zu den Sonden, die faktisch unser Sonnensystem verlassen haben. Dabei muss man bedenken, dass die Grenze, wo unserer Sonnensystem eigentlich endet, natürlich reine Abmachungssache ist. Man kann aber zumindest sagen, dass die Sonden über die Umlaufbahn des Planeten Pluto, der ja gemäß des bestehenden Protokolls eigentlich nicht mehr als Planet eingestuft wird, hinaus geflogen sind und neben einer anderen Sonde damit zwei Objekte sind , die von Menschenhand geschaffen sich am weitesten von der Erde entfernt haben. Wer mehr darüber erfahren möchte, schaut sich diesen sehr gut gemachten Artikel vom Wissenschaftsjounalisten Friedrich List an. Hier sieht man auch eine Reihe von Aufnahmen, die die beiden Sonden zur Erde gefunkt haben.

Die Voyager Sonden erlangten Berühmtheit, weil sie jeweils eine goldene Schallplatte – golden record – dabei haben, die Zeugnis von der Existenz und Kultur der Menschheit geben soll, falls diese jemals mal von intelligenten außerirdischen Bewohner gefunden würde. Dazu wurde von einem schlauen Team ein einfach zu entschlüsselnder Code erfunden und damit Musik, Bilder, Texte und gesprochene Textnachrichten in mannigfaltigen Sprachen codiert. Man hat seitens der Musik unter anderem Bach, Beethoven, Mozart, sowie eine Aufnahme von Chuck Berry beigelegt, neben einer Reihe von Volksmusik verschiedenster Völker der Erde. Mich wundert, dass keine Jazzmusik in der Auswahl zu finden ist.

Die Audiobotschaften – Grußworte in 55 Sprachen, die frei gewählt werden durften, hat das Duo Falkfest 2002 bei dem Stück mercury vojager im Stil eines 4 to the floor beats verwendet und an die Mission erinnert. Der Name mercury voyager stammt von einem amerikanischem Auto, welches die für die damalige Zeit typischen „Raketen-Flügel“ hatte. Übrigens hieß das erste Weltraumprogramm der NASA auch mercury. Mercury war ursprünglich ein beliebter Name für große Segelschiffe verschiedenster Flotten.

mercury voyager


Das Beitragsbild ist diesmal ausnahmsweise keine eigene Fotografie, sondern eine zur freien Verwendung herausgegebene Abbildung der erwähnten goldenen Scheibe (golden record).

the gleam of hope

Es ist mal wieder Zeit die Gitarre auszupacken. Herausgekommen ist eine Hymne, ein kleines, meditatives Stück. Man muss es sich unbedingt über eine richtige Anlage, zumindest über einen Kopfhörer, anhören. Mir ist es nicht gelungen den Mix so einzustellen, dass es sich über einen Smartphone-Lautsprecher einigermaßen vernünftig anhört. Es hängt mit den Frequenzen der Begleitung zusammen, die anscheinend einen kleinen Smartphone-Lautsprecher überfordern. Über eine Anlage hört sich das Stück sehr schön an.

Gerade als ich dabei war dieses Stück zu komponieren, erfuhr ich vom Tod eines guten alten Freundes, der unerwartet und plötzlich verstorben ist. In der Hoffnung, dass er sich jetzt an einem friedlicheren Ort aufhält, widme ich ihm dieses Stück, um die Erinnerung an ihn zu ehren. Daher ist auch der Titel des Stückes entsprechend gewählt.

the gleam of hope


Die Fotografie stammt vom Singliser See in Borken (Hessen). Mein Freund besuchte den See, wann immer er dazu die letzten Wochen seines Lebens Zeit hatte.

onko mark

Und wir bleiben direkt beim Thema „sound challenge“, ein Format , welches ich ja bekanntlich sehr liebe. Wiederum hat die niederländische Klangschmiede Oenkenstein aufgerufen ein Stück zu kreieren, welches ihren neu erschienenen Klangerzeuger mit einem Mark Roads E-Piano-Klang verwendet. Oenkenstein schreibt bezeichnenderweise „roads“. Das Fender Rhodes Piano ist legendär und prägte außerordentlich die Klangwelt der Popmusik – besonders der 70er Jahre. Jazzgrößen, die sich in den 70er Jahren der Jazz-Rock-Musik bzw. Fusion-Musik widmeten, haben fantastische klangliche Zeugnisse dieser Zeit abgegeben. Denken wir beispielsweise an das Stück Red Baron von Billy Cobham mit dem unvergleichlichen E-Piano Spieler Jan Hammer, oder an Chick Corea mit seinem legendären Stück Spain. Weitere Vertreter sind Herbie Hancock und George Duke, aber auch die Pianistin Patrice Rushen mit ihrem langen E-Piano Solo in dem Stück Before the Dawn möchte ich hier anführen. Und alle spielten das Fender Rhodes.

Die Regeln der Challenge sehen lediglich vor, das mindestens eine Tonspur von dem erwähnten Klangerzeuger stammt. Ein Forums-User wünschte sich ein jazziges Stück, dies wollte ich beachten. Alles andere ist erlaubt, was mit der Software reasonstudio möglich ist. Ich habe mich entschieden den Klang des E-Pianos in den Vordergrund zu stellen und ein 70er Jahre „Feeling“ zu erzeugen.

UPDATE: Erstaunlicherweise hat das Stück „onko mark“ den 1. Platz bei der competition belegt! Ich freue mich sehr. Man sollte allerdings auch dazu sagen, dass es nur sehr wenig Einsendungen gab!

onko mark


Das heutige Beitragsbild wurde im Herbst im Freilichtmuseum Hessenpark fotografiert und zeigt den Arbeitsplatz einer Druckerei, die in den 80er Jahren geschlossen wurde. Weil das Stück „onko mark“ ja auch „retro“ ist, passt das.

tako hammer

Der Name dieses Beitragstückes „Tako Hammer“ habe ich einer Soundpatchsammlung aus dem reasonstudio Forum übernommen. Der User loopeydoug war so freundlich eine Klangsammlung für den virtuellen FM-Synthesizer Algoritm mit den Forumsmenschen zu teilen. Wer dieses blog regelmäßig liest, weiß ja, dass ich gerne bei sogenannten Challenges mitmische. Ich finde es motivierend eine musikalische Aufgabe in Form von sogenannten Regeln zu bekommen, die man dann umsetzen mag. Im heutigen Fall habe ich mir meine persönliche Challenge gesucht, indem die Aufgabe darin bestand, einen Song zu komponieren, der ausschließlich bestimmte Klänge einens Instruments verwendet. Herausgekommen ist mal wieder ein fast meditatives „mambial“ Stück mit asiatischen Anklängen, welches durchaus auch zu meinem letzten Album go east gepasst hätte. [Hinweis des Schreiberlings: mambial ist eine Neuschöpfung für einen Musikstil bzw. ein Genre. mambial setzt sich zusammen aus „ambient“ und „minimal“.]

Zu Beginn des Stückes breiten sich flächenartige Quinten aus, welche in der Wiederholung dann mit einigen Sequenzen unterstützt werden, die der Komposition einen gewissen Rhythmus verleihen. Ein Kommentar auf Youtube lautete: lovely rich sound!

Die verwendeten Töne sind einer einzigen Tonleiter (scale) entnommen, je nachdem in welchen Kontext man sie stellt – hier: auf welchen Grundton sie bezogen werden – ergibt sich eine andere musikalische Relation und Stimmung. Die erste Scala wird als Hindu bezeichnet (es gibt noch viele andere Namen für diese Tonleiter), die zweite als Lydian Dominant Scale. Es ist im Grunde eine melodische Molltonleiter, nur jeweils mit einer anderen Tonstufe beginnend.

tako hammer


Das Betragsbild habe ich im Sommer bei Sonnenaufgang beim Blick aus dem Schlafzimmer aufgenommen. Durch das digitale Rauschen sieht es fast wie ein Aquarellgemälde aus.

no one knows what the future holds

Eigentlich dachte ich ja, wir würden doch allmählich von der Coronathematik Abschied nehmen können, doch wie uns die Medien spiegeln, ist die Bundesrepublik weit davon entfernt. Die Diskussionen nehmen kein Ende und die Frequenz der streithaften Auseinandersetzungen steigt sogar. Die täglich produzierten Zahlen verheißen kein schnelles Ende der Pandemie.

Ein Lockdown-Szenario soll unter allen Umständen vermieden werden, und jetzt spaltet sich die Gesellschaft in Geimpfte und Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen. Diese beiden Gruppen finden immer weniger zusammen. Zwar soll es keine staatlich verordnete Impfpflicht geben, aber man wird den Eindruck nicht los, dass es eine Impfpflicht durch die „Hintertür“ gibt, dass die Nichtgeimpften immer mehr ausgeschlossen werden. Allerdings kann ab heute wieder kostenlos ein Schnelltest-Zertifikat erworben werden.

Die Impfgegner werden von Geimpften immer mehr angefeindet, und schließlich und endlich weiß ich persönlich manchmal nicht mehr, was ich eigentlich zu der ganzen Gemengelage denken soll. Ich merke, wie dies meine Stimmung beeinflusst und ich mich am liebsten mit der ganzen Thematik nicht mehr auseinanderzusetzen müsste. Hinzukommt, dass die Zukunft ungewiss bleibt und natürlich – wie schon immer – nicht vorhersagbar ist, wie auch der Titel des heutigen Stückes beschreibt.

Ein Licht am Ende des Tunnels verspricht die sofortige Booster-Aktion. Dazu bitte das Foto ausdrucken, auf den Boden legen und links unten auf den Fußschalter treten. Fertig!

Das heutige Beitragsstück ist eine gelungene Mischung von klassischer Minimalmusik à la Phil Glas und Steve Reich: Die anfängliche Piano-Sequenz, die das ganze Stück begleitet und die Pattern des Synthesizers ergänzt mit den Kalimbas gepaart mit einem Xylophon-Klang sowie der Piano-Melodie, die klangliche Anleihen an Harold Budds und Brian Enos Piano-Klänge in der Ambient Serie erkennen lassen; letztgenannte sind absolute Schätze der klassischen Ambientmusik. Demnach könnte man bei dem heutigen Stück von „mambial music“ sprechen, wenn man denn ein neues Genre eröffnen möchte.

download

no one knows what the future holds


Das Beitragsbild ist zufällig entstanden, steht aber symbolisch für die zwei angesprochenen Gruppen, die sich gegenüber stehen.

klankologie one

Die Firma Oenkenstein Audio beendet heute ihre klank-challange. Es wurde dazu aufgerufen mit ausschließlichen Klängen des neuen virtuellen Instruments Klank (singing bowls) einen track einzuschicken und vielleicht einen kleinen Preis zu gewinnen. Mit Klank kann man diverse metallische und gläserne Klangerzeuger abrufen und für die eigenen Stücke verwenden.

Das Stück klankologie one ist eine Fortsetzung der „Ologie-Reihe“, die ja z.B. bei den Stücken pianologie one, pianologie two, pianologie three und stringologie one zu hören war und sich sehr ähnlicher Kompositionsweise bedient. Dabei hört sich das Ergebnis immer stark nach klassischer minimal music an. Pianologie one zählt unerwarteterweise zu den meist „gestreamten“ Stücken meiner Musik. Rhythmische Pattern als Grundlage für einen Arpeggiator werden nacheinander gehalten und aufeinander gestapelt, während im Laufe des Stückes die Töne zyklisch ausgetauscht werden.

klankologie one


Eine Klangschale wird normalerweise kurz angeschlagen, dann hat sie einen sehr hohen glockenartigen Ton, sie wird aber auch überlichweise mit einem Holzstab am Rand „gerührt“ bis ein stetiger Grundton zu hören ist, der ein wenig weicher klingt. Ein Kissen verhindert, dass der Reibeton abgedämpft wird und frei zur Entfaltung kommen kann. Ich habe früher eine Zeit lang die abgebildete Klangschale benutzt, um einen bewussten Unterrichtsstundenbeginn zu setzten und als akustischen Trigger, um wieder an ruhige Phasen des Unterrichtens zu erinnern.

glockenton


reibeton


Das Beitragsbild zeigt diesmal meine Klangschale in einem Herbstlaubambiente.

panda randa surfing

Japanische Gärten sollen dem wandelnden Besucher Kontemplation und wohlmöglich Meditation ermöglichen, dazu haben sie einige typische gartenarchitektonische Merkmale ausgebildet. Auffällig zum Beispiel ist der besondere Heckenschnitt, die Verwendung von Steinen, sowie die Strenge eines japanischen Gartens, der meist mit einer bestimmten Art von Bescheidenheit gepaart ist. Eine spezielle Ausprägung ist der japanische Zengarten, der geharkte Kiesflächen als Gestaltungselement verwendet.

Eine kleine Zwischenbemerkung: Ich wage mal die These, dass die neuerdings sehr beliebten Grauskies- bzw. Schotter-Vorgärten aus dem Baummarkt eine zumindest entfernte und unbewusste Anlehnung an die Zengärten sind um das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung befriedigen sollen, nicht zuletzt, weil dann weniger gegärtnert werden muss. In vielen Gemeinden wird gerade überlegt, diese Art von Vorgärten grundsätzlich zu verbieten, obwohl dies eigentlich schon der Fall ist; zumindest in Bayern: Es wurde darauf hingewiesen, dass man nicht verbieten muss, was eigentlich schon verboten ist, denn 1. besteht die Pflicht Vorgärten grün zu gestalten und 2. dürfen keine Vorgärten versiegelt sein, was unweigerlich durch Folienunterbringung unter den grauen Kies oder Schotter geschieht.

panda randa surfing


Das heutige Stück – auch irgendwie meditativ – hätte es eigentlich noch in das go east Album schaffen können, allein, das Album wurde schon vorher herausgegeben. Ich werkelte mit einem PlugIn herum, welches Teile der Kompositionen generativ erzeugt und dabei verschiedenste Parameter dem Zufall überlassen werden dürfen. Eine Grundeinstellung dazu, die namentlich abgerufen werden können, lieferte den Namen des heutigen Stückes. Dieses PlugIn kombinierte ich mit Klangerzeugern, die sich auf belebte und unbelebte Natursounds spezialisiert haben, hier: Wasser und Vögel.

Schnell wurden dazu weitere Linien und eine sich wiederholende Basssequenz gefunden und mit einer Solovioline und gepaart am Ende des Stückes mit einem sogenannten Plugsound, der gitarrenähnlich daherkommt.

Ein wenig passend zur Stimmung des Stückes habe ich ein Bild im japanischen Garten in Erfurt aufgenommen, der unlängst zum Teil der diesjährigen Bundesgartenschau wurde. Er ist im Egapark zu finden, den es schon lange vor der Bindesgartenschau gab.

bladerunner city night

Am nächtsen Album bladerunner wird weiterhin „schwer“ gearbeitet. Diesmal gilt es seine Audioanlage ein bisschen aufzudrehen, das Telefon abzuschalten, sich zurückzulehnen, die Augen zu schließen, entspannen, ruhig einzuatmen und dem neusten Audiobeitrag der bladerunner series zu lauschen. Um so mehr du dich darauf einlassen kannst, um so tiefer kannst du abtauchen in die geheimnisvolle Welt der sibyllinischen Klangskulpturen und stenotopen Kometenklänge. Ein Hörerlebnis erster Güte ist garantiert, so meine ich es zumindest.

Das Stück ist diesmal ungewöhnlich lang geraten, sehr lang, nicht zu lang, angemessen halt. Es besteht auch sechs Teilen, die jeweils durch eine kurze Pause getrennt sind. Grundlage bietet die sogenannte keynote, bestehend aus einem rhythmischen swellsound, der durchgehend zu hören ist und die minimalistisch rhythmische Grundlage liefert. In jedem Teil kommt eine Textur dazu mit Ausnahme des fünften Abschnittes, der etwas ausgedünnt gestaltet ist. Die Klänge lieferten diesmal weitesgehend die neuen Combinator 2 Klänge der Reason Studio Musiksoftware Version 12.

bladerunner city night


Das Beitragsbild zeigt einen Ansicht aus Frankfurt am Main in der Nähe des Bahnhofviertels, die in ein surreales Nachtambiente mit Hilfe des Programms Pixelmator Pro umgewandelt wurde.

find butterfly

Vor ein paar Wochen fragten wir uns, ob es denn eigentlich noch Schmetterlinge gibt. Es waren keine zu sehen. Ich sagte, man müsse noch etwas abwarten, das Frühjahr hat dieses Jahr fast mit einer Verzögerung von drei bis vier Wochen eingesetzt und der Lebenszyklus der Schmetterlinge ist stark von den Durchnittstemperaturen abhängig.

Und wahrhaftig, dann ungefähr Mitte August, der Sommer zeigte sich langsam, tauchten sie auf. Es waren an einem speziellen Ort hier im Dorf auffällig viele, die sich unter anderem an einem sogenannten Schmetterlingsstrauch weideten. Wie man ja weiß, brauchen bestimmte Arten auch bestimmte Pflanzen ums sich ernähren. Auch die Schmetterlingsraupen haben sich auf bestimmte Pflanzen als Nahrungsgrundlage spezialisiert.

Der Eindruck zur Zeit ist, dass es weniger Schmetterlinge werden. Und dies ist ja auch kein Wunder, nimmt doch die Landversiegelung unaufhaltsam zu und die Artendiversität ab. Die Schmetterlingsarten, die man dann sieht, sind im Wesentlichen die häufigen Arten: Tagpfauenauge, kleiner Fuchs, Admiral, Diestelfalter und der Rapsweißling, manchmal noch einen Zitrusfalter, obwohl es weltweit ungefähr 150.000 Arten gibt. Andere Arten habe ich die letzten Jahre nur wenige gesehen. Der Schwalbenschwanz ist mir nur ganz selten begegnet.

Wenn man den Flug dieser wunderbaren Tiere beobachtet, fällt einem die Schönheit dieser Tiere auf. Bemerkenswert ist ihr sanfter, lautloser Flug. Ich habe mich schon immer gefragt, wo der Name „Butterfly“ herkommen mag. Ich denke, es ist der Flug, so sanft wie Butter? Eine andere Erklärung besagt, Schmetterlinge haben früher gerne Gefäße im Zusammenhang mit Sahne und Butterherstellung angeflogen und bekamen daher den Namen Butterfliege.

Das heutige Stück ist auch zuckersüß wie Nektar und sanft wie Butter. Es ist in einer kürzeren Version auf meinem letzten Album go east erschienen. Nun habe ich das Ende nochmal etwas verändert. Das besondere an dem Stück ist die Klangquelle des Rhythmus. Ich habe meine geliebte Campingmetalltasse, die mir seit über 25 Jahren täglich meinen Kaffee zuführt mit ein bisschen Wasser gefüllt und mit meinen Fingern bearbeitet, dies aufgenommen und gesampelt und dann zu einem Rhythmus weiterverarbeitet.

find butterfly


Das Beitragsbild zeigt ein Tagpfauenauge auf einer bevorzugten Nektarpflanze hier in meinem Dorf.

go east

Das aktuelle Album go east ist soeben erschienen und kann praktisch bei allen bekannten Streamingdiensten wie youtube music, spotify, apple music, amazon und deezer usw. gehört werden. Ihr müsst einfach nur falkbossa eingeben und ihr werdet fündig. Bei dem Album handelt es sich vor allen Dingen um Arbeiten des letzen Jahres, die einen Anklang zur asiatischen Musik haben, sei es Japan, der vordere Orient, China und Indien. Viele von den Stücken sind sehr ruhig gehalten und gehen in Richtung meditativer Ambientklänge. Lasst euch überraschen und mitnehmen auf eine erstaunliche Reise.

Das Album beinhaltet zwei bisher noch unveröffentlichte Stücke (sanaa und find butterfly), die ich die nächsten Wochen in einem Beitrag vorstellen werde.

Das Betragsbild zeigt das aktuelle Albumcover. Es handelt sich um die Aufnahme einer japanischen Zierkirsche. Leider musste dieser Baum im letzten Jahr gefällt werden, da er erkrankt war. Ich werde ihn vermissen. Das Bild hatte schon bei dem Beitrag mahavishnu is coming Verwendung gefunden.

crazy blues

Manchmal ist es überraschend, wenn man sich Dateien auf der Festplatte anschaut, die deutlich in der Vergangenheit liegen und deren Inhalt man fast vergessen hat. Nach dem Öffnen derselben dämmert die Erinnerung. So ist es mir ergangen beim heutigen Beitragsstück. Im Grunde eine Session mit mir selber, ohne großen kompositorischen Plan, aber mit einer ganz persönlichen Stimmung. Von der Songstruktur lässt es vielleicht mit der Hilfe einer Übersicht von John Atkinson einordnen. Überhaupt lohnt es sich seine Seite aufzusuchen!

Mein Bruder forderte mehr authentische Instrumente, in Form von Gitarre und einem Basssample ohne elektronische Schnörkel, versuche ich dieser Bitte nachzukommen. Außerdem wurde die Gitarre auch streckenweise mit einem Bottleneck gespielt. Dazu rufe man sich bitte das Stück indian waterdrops in Erinnerung; ich habe vor ein paar Monaten mit einem Bottleneck experimentiert.

Das Gitarrensolo ist einem älteren Stück entnommen. Preisrätsel: Wer herausbekommt, bei welchem Stück – dieses blogs – dieses Solo schon einmal verwendet wurde, der erhält kostenlos ein CD zugeschickt. Also, wenn das kein Anreiz ist!

crazy blues


Das Bild habe ich unlängst mal wieder beim selbsternannten Kulturgutrecycling – eher ein Schrotthandel – in Niedenstein aufgenommen. Es ist immer wieder kurios, was man da alles findet. Ich sehe hier einen alten Projektor, so eine Art Epidiaskop. Siehe dazu auch den Beitrag after the before, dessen Beitragsbild ein anderes Bild aus dem Handel zeigt.

the earl of midi

Als ich ein paar alte Aufnahmen einer meiner ersten Popgruppe Funktaxi (dazu in einem weiteren Betrag in Zukunft mehr) in meinem Archiv suchte, stieß ich auf eine längst verschollene gedachte Masterkompaktkasette mit Aufnahmen meiner ersten mit einem Softwaresequenzer aufgenommenen Stücke. Der Computer – wir schreiben das Jahr 1983 – war der zur dieser Zeit berühmte und weit verbreitete Commodore 64, der erste richtige Homecomputer. Dieser Computer erhielt seine Bezeichnung aufgrund der Tatsache, dass er lediglich 64 KB RAM Arbeitsspeicher hatte. Aus heutiger Sicht eine verschwindend geringe Kapazität. Um so erstaunlicher war die Tatsache, dass findige Programmierer trotz des sehr begrenzten Speicherplatzes erstaunlich gut funktionierende Programme zu Wege brachten.

Zusammen mit einem Mitbewohner aus einer Studenten-WG kauften wir uns das erste in Deutschland erhältliche MIDI Interface für den Commodore 64 aus dem Hause des Synthesizerstudios Bonn. Dieses Midi Interface ermöglichte erstmals den legendären und zur damaligen Zeit total zukunftsweisenden Yamaha DX7 Synthesizer an den Computer anzuschließen und mit Schaltsignalen zur Erzeugung von Musik zu versorgen. MIDI wurde zum führenden Standart um elektronische Musikgeräte miteinander zu verbinden und existiert immer noch. Im Bundle des Interfaces wurde eine Sequenzersoftware mitgeliefert, die es ermöglichte gespielte Tonfolgen aufzunehmen und zu quantisieren. Das Edieren der Aufnahmen war möglich. Zu sehen waren Zahlenkolonnen mit weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund – für den VC 64 benötigte man als Monitor einen damaligen Fernseher, die an die frühen Computer erinnerten. Was heute längst als selbstverständlich gilt, war vor 35 Jahren enorm innovativ. Das Bild zeigt vertretend für die angesprochene Software eine Software, die für den Commodore 64 Vorläufer – ein CBM 8032 – programmiert war.

the earl of midi • minimal 1


the earl of midi • minimal 2

Ich durfte mir den DX7 ausleihen und spielte meine allerersten Stücke mit einer MIDI Sequenzersoftware ein. Weil zu damaligen Zeit noch kein Computer, CD Recorder oder sonstiges digitales Gerät zur Klangaufnahme zur Verfügung stand, nahmen wir die sogenannten Masterstücke auf teuren Kompaktkasetten auf. Zu dieser Zeit gab es für uns noch keine Möglichkeit bestimmte Stücke im Computer abzuspeichern. Die Möglichkeit der Datenspeicherung sollte für uns erst im darauffolgenden Jahr ermöglicht werden.

Das Beitragsbild habe ich bei einem Besuch im Wortreich Museum in Bad Hersfeld mitgenommen. Das Museum ist ein sogenanntes „Mitmachen-Museum“. Man darf anfassen und ausprobieren. Im Prinzip handelt es sich um einen analogen Sequenzer, ähnlich der Funktionalität einer Spieluhr, nur viel größer dimensioniert und aus Holz.

bladerunner planetary anomaly

Mein Nachbar machte mich darauf aufmerksam, dass unlängst eine Dokumentation mit dem Titel Auf den Spuren von Blade Runner auf Arte TV zu sehen war. Die sehenswerte Dokumentation beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, ob die mögliche Zukunft des Jahres 2021 im Entstehungsjahres des Filmes (1982) vorausgesehen wurde. Erschreckender Weise war die dystopische Sichtweise der Zukunft in vielerlei Hinsicht zutreffend, schaut man sich beispielsweise das heutige Stadtbild von Los Angeles an. Viele Arbeitslose in LA kampieren auf den Bürgersteigen der Straßen inmitten von Hochhäusern mit Eigentumswohnungen der reichen Bevölkerungsteile.

Außerdem geht die Dokumentation der Frage auf den Grund, wie sich der Film Blade Runner von Ridley Scott, der sich einen Namen mit dem SciFi-Film Alien machte, von einem Kassenflop zu einem Kultfilm entwickelte.

Bei der Zusammenstellung der Sounds hat mir mein Freund P. geholfen, der zwei Gitarrenspuren beisteuerte und der Collage noch weitere Dimensionen hinzugefügt hat. Kennern der Filmmusik ist das viermal auftauchende musikalische Zitat des ersten Teils des Hauptthemas der originalen Filmmusik des griechischen Komponisten Vangelis nicht entgangen.

bladerunner planetary anomaly


Das Bild wurde passend zum verwendeten Reasonstudio Soundpack, welches hier namensgebend war, in seinen Farbwerten verschoben und zeigt eigentlich den Edersee aus Sicht des Waldecker Schlosses.