advent orison

Es heißt ja immer so schön „Jetzt beginnt die besinnliche Zeit!“, die Zeit des Advents. „Advent“ meint ja die Zeit des Wartens oder die Zeit der Ankunft. Auf welche Ankunft warte wir? Und ich frage mich dann, was ist eigentlich mit „besinnlicher“ Zeit gemeint? Ich wundere mich jedes Jahr, wie schnell die Zeit vergangen ist und rufe aus „Was, schon wieder Weihnachten?“ Und jedes Jahr der gleiche Trubel. Immer wieder die gleichen Lieder. Selbst die Familie möchte an ganz bestimmten Bräuchen festhalten. Eigentlich habe ich zunächst meistens gar keine Lust auf Weihnachten. Es wird zwar immer so getan, dass es sich um ein „besinnliches“ Fest handelt, aber im Vordergrund steht doch der Kommerz. Wie viel wird wann wie verkauft? Welches Lichterkette ist noch prunkvoller als die des Nachbarn? Wer hat die teuersten und die meisten Geschenke gekauft? Daran habe ich keinen Spass! Und die heuchlerische Vermischung mit dem Christentum. Jesus sei geboren, die heiligen drei Könige und das ganze Trallala. Und nur, weil die Christen die Wintersonnenwende für ihre Zwecke ausgenutzt haben. Im Nachhinein freue ich mich dann meistens doch. Die Familie hat schön gefeiert, Verwandte und Freunde kamen zu Besuch, es wurde schön gekocht und gegessen und man hat ein bisschen Zeit für sich und die Familie, wenn man sich diese nimmt.

So auch gestern, als ich ein bisschen Musik gemacht habe und nur kurz etwas ausprobieren wollte. Da entstand dieses kleine Stück, was mich persönlich besinnlich macht und mir hilft, mich ein bisschen zurückzunehmen und durchzuatmen, mich zu beruhigen! Daher hat es auch den Namen „advent orison“  bekommen, meine besinnliche Zeit. Orison ist eine altes Wort für so etwas wie Gebet. Musikalisch handelt es sich um ein diatonische – also einer bestimmten Tonleiter folgend – Akkordfolge, die wie die alte Tradition heterophoner Musik (Mehrstimmgkeit) des Organum aus dem Mittelalter mit allerlei anderen Klängen und verschiedenen Oktaven die Akkordtöne parallel verdoppelt, um das Frequenzspektrum nach oben und unten zu bereichern. Hinzu kommen die Synthesizer Arpeggios, die das ganze Stück untermalen und eine indische Sängerei einer Samplelibrary, die mir ihre Stimme geliehen hat.

advent orison

Das Beitragsbild zeigt eine verfremdete Aufnahme unserer Lichterkette im Flur mit einer Schale in der die Geschenktütchen für die Kinder lagerten, die am Nikolaustag an die Tür klopfen, ein Gedicht aufsagen und sich kleine Geschenke, bestehend vor allen Dingen aus Süßigkeiten, wünschen.

sleeping stone

Wer kennt nicht das Spiel Werwolf, welches sich bei Jugendlichen einer großen Beliebtheit erfreut. Ich hatte die Freude einmal im Jahr mit einer Gruppe unterwegs zu sein, die genau dieses Spiel abends zum Ausklang des Tages spielte. Immer wenn der Erzähler, der bei dem Spiel die einzelnen Runden moderiert, die Formel „Das Dorf schläft ein!“ intonierte, fiel ich wie von einem geheimen hypnotischen Befehl getrieben in einen leichten Dämmerzustand. Schnell hatte ich den Indianernamen „Schlafender Stein“ bekommen und brauchte mich seitdem auch nicht mehr bemühen, diesen Namen wieder los zu werden. Man beachte bei dem Namen „Schlafender Stein“ diese schöne Tautologie. Nicht das der Stein schon an sich – in sich ruhen bzw. schlafen würde. Anlass genug für ein kleines, ruhiges und minimalistisches „Kling-Klang-Stück“. Die sonore Männerstimme spendete Amal. Amal arbeitet bei der indischen Windows-Hotline, die mich ab und zu ungefragt, aber stets freundlich, anruft, um mir zu verkünden, dass mein Windows-Computer verseucht sei und er mir sofort helfen könnte, obwohl ich gar nicht mit einem Windows-Computer arbeite. Ich fragte ihn, ob er mir ein tiefes „Om“ aufsingen könne und wir wurden uns sofort einig, wie man hören kann.

sleeping stone

Den ruhenden Stein, der mit Moos bewachsen ist, habe ich 2017 bei einer kleines Wanderung in den Bergen der Vogesen – in der Nähe der Moselquelle – aufgenommen. Diese Gegend ist für Wanderung wärmstens zu empfehlen.

my foolish heart is dark?

Das dieser Song etwas mit dem berühmte Song My Foolish Heart – hier im Link eine wundervolle Version des Jazzpianisten Bill Evans – zu schaffen haben könnte, konnte ich nicht ahnen, als ich heute morgen mit einer kleinen minimalistischen Pianosequenz mit dem Klang aus der LAB Serie von spitfireaudio begann. Aber manchmal passieren Dinge unerwartet und man ordnet sie dem Zufall zu. Ob es Zufälle gibt oder aber Schicksal, lässt sich wohl niemals vollends ergründen. Auf jeden Fall fand ich die Übersetzung des Textes zu „My Foolish Heart“ interessant. Das Stück ist ein sehr bekannter Jazzstandard und unzählige Mal gecovert worden. Diese Seite zählt alleine 108 Versionen. Gesungen wird die kurze  Gesangspassage von einer in London ansässigen Sängerin namens Elisa Le Bon. Elisa tauchte natürlich nicht persönlich – warum eigentlich nicht? – bei mir im Studio auf, sondern man kann ihre Stimme bei einer Sample-Library-Bude, so möchte ich es nennen, ausleihen. Diese Libraries finden sich  zur Zeit vermehrt im Netz. Neulich flatterte mir ein gutes Angebot ins Haus, welches ich seither manchmal benutzte. Die andere Stimme habe ich mir bei freesoundorg besorgt. Diese Quelle ist immer wieder lohnend, wenn man zu bestimmten Orten, Ländern und Schlagwörtern Klänge sucht, die nicht kommerziell produziert sind und dadurch oft eine gewissen Authenzität haben.

 

my foolish heart is dark?

 

Das Beitragsbild, welches ich dieses Jahr aufgenommen hab, zeigt eine Kartoffel, die ich im Feld fand. Amüsiert hat mich die Herzform der Kartoffel.

monoemoticon one

„monoemoticon one“ ist ein Stück ohne Schlagzeug, wenngleich es natürlich auch Rhythmus hat, hier vor allen Dingen getragen von einem Synthesizerarpeggio. Der Name verrät, dass es hier nicht um Spannungskurven geht, sondern um den „Transport“ eines einzelnen durchgehenden Ausdrucks bzw. einer Emotion. Dies erinnert ein wenig an die Monochromes von Yves Klein in der bildenden Kunst. Ulrich Pontes schreibt zu Emotionen:

Emotionen machen das Leben lebenswert, sind zentraler Bestandteil unseres Seelenlebens. Aber sie sind noch mehr: mächtige Bewertungssysteme, die uns viele Situationen automatisch einschätzen lassen, so dass wir schnell und richtig reagieren können.

Dieser einzelne Ausdruck – diese eine Emotion – wird im Laufe des Stückes nur ein wenig verdichtet und durch die Sologitarre verstärkt. „monoemoticon one“ ist möglicherweise der Auftakt zu Stücken gleicher Machart in der Zukunft.

monoemoticon one

Der Emotionsforscher Robert Plutchik entwarf ein gängiges Modell der Emotionen. Zu welcher Emotion würde man das Stück „monoemoticon one“ zuordnen?

 

Das Beitragsbild zeigt meine Kellertür, die in einem mediterranen Blau monochromatisch gehalten ist. Das Bild wurde 2011 aufgenommen.

zeitvergeht

zeitvergeht

Wie die Zeit vergeht merkte ich kürzlich, als ein geschätzter Kollege sich mit einer kleinen Feier in den Ruhestand verabschiedete, hatten wir doch 25 Jahre an der gleichen Stätte gewirkt. Am gleichem Tag – kurz vor der Feier – wurde ich gebeten bei einem kleinen Beitrag für den Kollegen mitzuwirken. Gegenstand der kurzen Aufführung war das Gedicht von Konrad Balder Schäuffelen „Zeit“, was mir bis dahin noch gänzlich unbekannt war. Konrad Bilder Schäuffelen wirkte als Psychotherapeut, allerdings arbeitete er auch als Künstler und Poet und bediente hierbei die sogenannte konkrete Poesie. Er schien ein sehr interessanter Mann zu sein, schrieb er zum Beispiel seine Dissertation als Mediziner zum Thema „Cerebrale Dekompensationserscheinungen unter der Behandlung mit Phenothiazinen und Tofranil“.

Das Gedicht, welches wir vorsprachen, hatte folgenden Text:

Konrad Balder Schäffelen Zeitvergeht

Das Stück „zeitvergeht“ nutzt die Möglichkeit sich im Internet auf sogenannten text to speech Seiten Texte vorlesen zu lassen und dies mit verschiedenen Stimmen. Das Stück beginnt mit einer deutschsprachigen Stimme, gefolgt und collagiert von einer portugiesischen, us-amerikanischen und einer russischen Stimme. Das Ergebnis, wenn ein portugiesischer Sprecher deutsche Texte vorliest, ist meiner Meinung nach witzig.

Um das ganze ein wenig zu dramatisieren werden die Stimmen mit einer Omnibus-Akkordfolge – eine Akkordfolge, die in Halbtönen (chromatisch) voranschreitet, welche mit verschiedenen orchestralen Klangfarben wiederholt wird, unterlegt.

Das Beitragsbild zeigt eingelagerte Äpfel, die diesen schönen schrumpeligen – und damit einen ZEITVERGEHENDEN – Zustand nach acht Monaten eingenommen hatten.

 

humandrive

Mit dem Stück „humandrive“ möchte ich mein Unbehagen über die Aufkündigung des nuclear deals der U.S.A mit dem Iran aufmerksam machen. Ich vertrete die Meinung, dass der moderne Kapitalismus genügend unmilitärische Möglichkeiten bereit hält, um einem Staat die Entwicklung in militärische Atomtechnik zu unterbinden. Es ist nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die Großmächte einen weltumspannenden Krieg anzettelten.  Zu hören ist die Ankündigung des aktuellen amerikanischen Präsidenten Donald Trump das Iran-Atom-Abkommen aufzukündigen und die Antwort des momentanen Iranischen Präsidenten Hansan Ruhani.

humandrive

In der ehemaligen Bunkeranlage (auch Bunkerstadt genannt) des deutschen Reiches im zweiten Weltkrieg bei Wünsdorf in Brandenburg stellte sich bei mir auch ein Unbehagen ein. Sie diente vor allen Dingen als Nachrichtenzentrale für die gesamte Kriegsmaschinerie des deutschen Reiches während des zweiten Weltkrieges. Nachdem die sowjetischen Besatzungsmächte nach dem zweiten Weltkrieg die Anlage für ihre Zwecke nutzten und dann aus der Bundesrepublik abzogen, schlugen alle Versuche fehl, die Bunkeranlage restlos zu beseitigen, weil sie so derartig robust aufgebaut war, dass sie den Abrissarbeiten trotzte. Das Beitragsbild zeigt eine alte Rohrpost in dieser Anlage, von der man aber heute nicht sicher weiß, wie diese betrieben wurde – so hieß es zumindest bei einer Führung durch die große unterirdische Anlage.

wie schön wär es mit dir in panama

Bleiben wir thematisch noch in Mittel/Südamerika. Ich kenne kaum ein Kind, was nicht zuletzt wegen des Autors Janosch davon träumt, einmal Panama kennenzulernen. Und wenn ich dann noch dich zu dieser Reise mitnähme [hier habe ich extra den Konjunktiv I benutzt, weil der so schön ist], das wär so schön …

Von sonic pi habe ich ja schon gesprochen. Im Beitrag guitar do 3 kann man ein wenig dazu nachlesen. Diesmal habe ich die App so programmiert, dass aus einem Ordner mit gesprochenen Wörtern eben des Satzes „Wie schön wär es mit dir in Panama“ mittels Zufallbefehl Wörter ausgewählt und abgespielt werden. Interessant dabei ist zu hören, wie lange es dauert, bis zum ersten Mal das Wort „Panama“ auftaucht. Es scheint sich auch nicht um echte Zufallszahlen zu handeln, denn es kommt immer wieder die gleiche Reihenfolge heraus; so scheint es zumindest. Es kann ja selber ausprobiert werden.

wie schön wär es mit dir in panama

Hier noch der Code für dieses Sprechstück.

#wie schön wär es mit dir in panama
#coded by falk
live_loop :panama do
with_fx :reverb, room: 0.7, mix: 0.4 do
with_fx :pan, pan: rrand(-0.7, 0.7) do
samps = „/users/bossa/music/sonicsamples/sonic_panama“
sample samps, rrand_i(0, 7), rate: rrand(0.95, 1.1)
sleep rrand(0.7 ,1.30)
end
end
end
live_loop :panama2 do
with_fx :reverb, room: 0.7, mix: 0.5 do
with_fx :pan, pan: rrand(-1, 1) do
samps = „/users/bossa/music/sonicsamples/sonic_panama“
sample samps, rrand_i(0, 7), rate: rrand(0.75, 1.5)
sleep rrand(4 ,8)
end
end
end
live_loop :panama3 do
with_fx :reverb, room: 0.7, mix: 0.5 do
with_fx :pan, pan: rrand(-0.9, 0.9) do
samps = „/users/bossa/music/sonicsamples/sonic_panama“
sample samps, rrand_i(0, 7), rate: rrand(0.65, 1.6)
sleep rrand(5 ,9)
end
end
end

seven days (mx)

Mit dem Zitat „seven days“, hier gesprochen von Barak Obama, den man im Vergleich zu Donald Trump jetzt erst so richtig schätzen lernt, könnte man an die Schöpfungsgeschichte denken, denn da wird ja behauptet, die große Schöpferin hätte die Erde in sieben Tagen erschaffen. Für welche Zeiträume jetzt die 7 Tage stehen, ist nicht genau klar, aber es ist ein Wunder, dass der genetische Code mit seiner Vielfalt fantastisches materialisiert hat. Davon zeugt das Beitragsbild, aufgenommen 2010 im X-LAB Göttingen bei der Untersuchung von DNA durch die PCR (Polymerase-Chain-Reaction) sichtbar gemachte genetische „Bänder“.
Das elektronische Stück „seven days“ entstand auch 2010 und wurde für eine Zusammenarbeit mit Juri Halliday anläßlich der Kasseler Museumsnacht 2010 zusammengestellt. Juri Halliday hat damals als VJ (Video Jockey oder veejay) gearbeitet und sich für das einmalige Projekt mit mir zusammengetan. Leider wollte er mir kein Video zur Dokumentation zur Verfügung stellen. Es bleibt der Sound. MX steht für eine neu gemasterte Version. Wer das ganze Album hören möchte, meldet sich bitte.

seven days (mx)

„relauch“

Liebe Besucher, ganz der Jahreszeit und meiner regionalen Verknüpfung angemessen, freue ich mich ganz besonders und nach langjähriger Vorüberlegung (»grübel, schwitz, …“) den überfälligen »relauch« meines blogs präsentieren zu dürfen.

Ich werde in lockerer Folge – ich versuche jede Woche einen neuen Beitrag zu veröffentlichen – kleine aktuelle, ältere und ganz alte audiditive Beiträge ins große WWW stellen, um diese zu teilen. Dabei handelt es sich [fast] ausschließlich um Eigenkomposition.

BITTE, so tragt die frohe Botschaft, die so kurz vor Weihnachten eintraf, um die ganze Welt. DENN, bei 1.000 Klicks meiner Website werde ich mir selber 1€ auszahlen und davon gehen 34% als Spende an bedürftige und ins Alter gekommene Computermusiker. [Rolf hat sofort „HIER“ geschrien!] Um das zu unterstützen habe ich jetzt auch einen Spendenbutton in der Seitenleiste eingerichtet.

Und, liebe Leute, schreibt mir doch mal, wie euch die Seite und welche Stücke euch gefallen! Das würde mich sehr freuen! Ihr könnt diese Emailadresse benutzen:

sound[at]bossasworld.de (Die Zeichenfolge [at] durch das Emailzeichen ersetzen, ist klar!)

Besonders gerne Teile ich meine Arbeiten. Wenn du gerne die Stücke als MP3 Datei haben möchtest, oder du bestimmte Musiknoten meiner Beiträge brauchst, oder auch die Originaldateien meiner Reason DAW verwenden möchtest, so kontaktiere mich bitte unter der angegebenen Emailadresse.

Es gibt auch einen Spendenbutton in der Seitenleiste unter den Blogeinträgen.

Du kannst auch eine Auswahl meiner Stücke auf Soundcloud wiederfinden.

Immer wenn das kleine schwarze Dreieck auftaucht – also so etwas  ► – hat man ein Audio-Beispiel gefunden. Klickt man auf das kleine schwarze Dreieck, sollte etwas zu hören sein. Mir haben wirklich schon Menschen erzählt: „Deine Seite sieht gut aus, aber ich kann nichts hören!“ „Hast du denn das kleine schwarze Dreieck angeklickt?“ „Nee, wusste ich gar nicht!“

Das kann man hier direkt ausprobieren. Getreu des Mottos, welches ich 2017 für mich entdeckt habe:

„Ich höre am liebsten Audio!“  

der lauch

Kommentare sind auch herzlich willkommen. Die Seite „mich“ verrät eine E-Mailadresse. »Shit-Stürme« werden sofort demokratisch »dialysiert«.

spriller

Das Stück „spriller“ wurde in einer veränderten Fassung für einen Kunstfilm mit dem Titel „Das Gefühl“ des Künstlers/Designers/Zeichners  Steve Marshall für eine Arbeit an der Kunsthochschule Kassel 2004 verwendet.

Gleichzeitig diente „spriller“ als musikalische Untermalung für eine Gedichtsvertonung im Schillerjubiläumsjahr 2005 anläßlich des 250. Geburtstages des Dichters Friedrich Schiller für das Gedicht „Das Mädchen aus der Fremde“ aus dem Jahre 1796.

spriller