summer compression

Wer hätte gedacht, dass sich dieses Jahr über Deutschland ein fast tropischer Sommer einnistet? Gestern zeigte die Temperaturanzeige des Autos sogar 37° an. Der Titel „summer compression“ ist der Tatsache geschuldet, dass wir erstens einen „richtigen“ Sommer haben und uns alle einen kalten Wickel wünschen (vgl. „Kompresse“) und zweitens, dass ich mal wieder nach langer Zeit meine Elektrogitarre herausgekramt und den Klang mit einer ganz starken Kompression versehen habe. Der Gitarrenklang erinnert ein bisschen an die Arbeiten von David Torn, der hiermit ans Herz gelegt sei. Das kleine Stückchen wird begleitet von Schlagzeugen mit Besenklängen („brush“), was der ganzen Sache direkt eine jazzige, beruhigende Note verleiht. Die Idee dazu bekam ich aus diesem Video: Getting Started with the Dual Polar Pitch Shifter.

summer compression

Das Beitragsbild wurde unlängst auf dem Woblitzsee (Mecklenburgische Seenplatte) von einem Flossboot am abendlichen Ankerplatz aufgenommen und passt gut zu der Stimmung des Stückes.

cinematic sign

cinematic sign

Die  Komposition „cinematic sign“ wurde ursprünglich mit der Absicht begonnen ein Stück für eine fiktive Filmszene zu komponieren. Zum Schluss kam aber doch eher ein EDM Stück heraus. Ich finde erstaunlich wie ein bisschen Rhythmus, Beat & Bass den Charakter eines Stückes komplett verändern kann.

Der Begriff EDM (Electronic Dance Music) als Oberbegriff für jegliche elektronische Tanz- bzw. Popmusik hat sich noch nicht ganz durchgesetzt. Es gibt noch einige Stimmen die behaupten, dass EDM nur eine weitere Genrebezeichnung auf gleicher Ebene wie zum Beispiel „techno“ oder „house“ ist. Das „Netz“ ist voll von diesen Diskussionen; hier mal ein Link zu einer Thematisierung. Ich persönlich sehe das anders und halte die Verwendung des Begriffs EDM als Oberbegriff für gelungen. Eine Zeit lang habe ich versucht ein bisschen Licht ins Dunkel der Bezeichnungen und Genres der elektronischen Popmusik zu bringen und mein persönliches Ergebnis in Form einer Übersicht zusammengestellt. Die dabei herausgekommene Grafik soll (eigentlich) eine Vereinfachung der Lage darstellen, aber dieser Vorsatz scheint nicht unbedingt gelungen. Die Grafik wurde mit dem Programm OmniGraffle erstellt.

EDM Grafic

Das Beitragsbild habe ich im Oktober 2014 zu Hause in einer Abendlichtsituation aufgenommen. Das Bild wurde nicht verfremdet.

holiday on ice

Jetzt gerade sind Sommerferien und weil dieses Jahr sich mal wieder ein richtiger Sommer eingestellt hat, so muss natürlich das eine oder andere gekühlte Getränk herhalten, um den Durst zu löschen. Manchmal kommt ein mit Eiswürfeln gekühlter Weißwein gerade recht. Davon zeugt das aktuelle Beitragsbild. Als kleines Kind sah ich hin und wieder Plakate zu der vielleicht bekannten Show Holiday On Ice, die dieses Jahr ihr 75jähriges Jubiläum feiert. Mich hatte die Ankündigung unglaublich fasziniert, mittlerweile haben sich meine Wünsche – was dieses Event betrifft – doch geändert. Aber für einen Songtitel soll es doch reichen.

Das mit Eiswürfel gefüllte Glas Weißwein klingt sehr schön. Aufgabe bei diesem sounddesign war es, keinen Rhythmus, keine Melodie und auch kein Harmonieschema zu verwenden, also alles dies außen vor zu lassen, was gemeinhin Musik ausmacht. Auch sollte auch nur ein einziges „sample“ (Klangprobe) verwendet werden, gleichwohl durften alle Verfremdungs- und Modulationsmöglichkeiten wie – die schon mehrfach erwähnte – Grainsynthese, Transponierung, Timeshifting, Aufteilung in Klangfragmente usw. erlaubt sein. Die Ausgangaufnahme stelle ich auch vor.

holiday on ice

weinglas mit eiswürfeln

zeitvergeht

zeitvergeht

Wie die Zeit vergeht merkte ich kürzlich, als ein geschätzter Kollege sich mit einer kleinen Feier in den Ruhestand verabschiedete, hatten wir doch 25 Jahre an der gleichen Stätte gewirkt. Am gleichem Tag – kurz vor der Feier – wurde ich gebeten bei einem kleinen Beitrag für den Kollegen mitzuwirken. Gegenstand der kurzen Aufführung war das Gedicht von Konrad Balder Schäuffelen „Zeit“, was mir bis dahin noch gänzlich unbekannt war. Konrad Bilder Schäuffelen wirkte als Psychotherapeut, allerdings arbeitete er auch als Künstler und Poet und bediente hierbei die sogenannte konkrete Poesie. Er schien ein sehr interessanter Mann zu sein, schrieb er zum Beispiel seine Dissertation als Mediziner zum Thema „Cerebrale Dekompensationserscheinungen unter der Behandlung mit Phenothiazinen und Tofranil“.

Das Gedicht, welches wir vorsprachen, hatte folgenden Text:

Konrad Balder Schäffelen Zeitvergeht

Das Stück „zeitvergeht“ nutzt die Möglichkeit sich im Internet auf sogenannten text to speech Seiten Texte vorlesen zu lassen und dies mit verschiedenen Stimmen. Das Stück beginnt mit einer deutschsprachigen Stimme, gefolgt und collagiert von einer portugiesischen, us-amerikanischen und einer russischen Stimme. Das Ergebnis, wenn ein portugiesischer Sprecher deutsche Texte vorliest, ist meiner Meinung nach witzig.

Um das ganze ein wenig zu dramatisieren werden die Stimmen mit einer Omnibus-Akkordfolge – eine Akkordfolge, die in Halbtönen (chromatisch) voranschreitet, welche mit verschiedenen orchestralen Klangfarben wiederholt wird, unterlegt.

Das Beitragsbild zeigt eingelagerte Äpfel, die diesen schönen schrumpeligen – und damit einen ZEITVERGEHENDEN – Zustand nach acht Monaten eingenommen hatten.

 

lotus eat

Ich habe für diesen Beitrag ein Beitragsbild meiner Nachbarin Conny ausgewählt, welches sie an ihrem Gartenteich vor ein paar Jahren fotografierte. Zu sehen ist eine Seerose, die der indischen Lotusblume phänotypisch sehr ähnlich, botanisch aber nicht verwandt ist; trotzdem, bringt uns die Lotusblume zu dem Stück „lotus eat“. Das Stück „lotus eat“ erinnert mich an das Stück Lotus Feet des großen Gitarristen John McLaughlin. Ich habe in mein Stück auch brav zwei musikalische Zitate eingearbeitet. Er nahm es in den 1970er Jahren gleich zweimal auf. Weil noch ein Vertrag mit der Plattenfirma CBS zu erfüllen war, musste Johns Mahavishnu Orchestra zumindest unter dem Namen noch eine Platte veröffentlichen, obwohl er künstlerisch und spirituell schon bei der indisch/britischen Fusionband Shakti angekommen war, für die er das Stück komponierte. Gleichwohl gefällt mir die Mahavishnu Version, auf der LP Inner Worlds ausgezeichnet, denn ich liebe den Gitarrensound, den John McLaughlin erstmalig mit einem Prototyp eines Oberheim Gitarrensynthesizers erzeugte gerade bei dem Stück „Lotus Feet“.

Lotus Feet steht in der hinduistischen Tradition für einen devoten Zustand sich dem Göttlichen zu nähern. Bisweilen wird „Lotus Feet“ aber auch für die chinesische Tradition der Fußschnürung, die jahrhundertelang ein Symbol für die Unterdrückung der Frauen im hinterasiatischen Raum stand. Der Titel „lotus eat“ erinnert an sogenannte  Lotophagen (Lotuseater) in der Odyssee von Homer der griechischen Mythologie, denen zur Betäubung ein Trunk aus Lotuspflanzenknollen serviert wurde.

Das Stück basiert auf eine als Zufallspattern generierte Playersequenz mit einem Idiophonklang (Selbstklinger wie z.B. Glocken). Darum gesellen sich allerlei Perkussionsinstrumente unterlegt mit einem Padsound (Liegeklang). Das melodische Element ließ mich auf Grund des flötenartigen Klanges – wie anfangs erwähnt – an das Stück Lotus Feet denken.

lotus eat