after the before

Als ich vor ein paar Wochen mit der Arbeit dieses Songs begann, war mir nicht klar, dass ich einer Intuition folgte. Wie mir später bewusst wurde, versuchte meine innere Welt etwas auszudrücken, was ich gar nicht in Worte fassen kann.

Es geht um mein jetziges Gefühlsleben im Spiegel der gegenwärtigen Ereignisse. Mit war nicht klar, wie sich die Welt verändert hat. Zwar hat man oberflächlich den Eindruck, der Lockdown wäre vorbei, aber es bleibt so ein Gefühl der Distanz zu den Dingen und den Lebewesen. Wir müssen alle noch bestimmte Regeln einhalten – das Maskentragen in Geschäften zum Beispiel, um nur eins zu nennen – und am meisten schmerzt wohl, dass man sich schwer tut, physische Herzlichkeiten auszudrücken.

Es ist jetzt nichts mehr so, wie es einmal vorher war. Dies drückt das Stück aus.

after the before


Ich habe ausgiebig vom Felt-Piano Gebrauch gemacht und die fantastische BBC Orchestra Library steuerte wertvolle Klänge bei. Das Piano wird generativ gesteuert und um tiefe Glockenklänge ergänzt, die teilweise extrem in ihrer Länge manipuliert worden sind. Man sollte das Stück mit einer richtigen Anlage hören, damit alles Frequenzbereiche gut herauskommen und ein deutliche Lautstärke wählen, dann entfaltet „after the before“ seine volle Wirkung.

Das Beitragsbild habe ich bei einem Metall Sammler in Norhessen aufgenommen. Die „Lady in Steel“ steht für Distanz und Unnahbarkeit.

schroedertest

Der Plan bestand darin ein neues Hall-Plugin zu testen. Dies wurde von der Firma Schroeder zur Verfügung gestellt. Um es auszuprobieren, tippte ich ein paar Noten in den Editor. Dabei entstand sozusagen zufällig ein kleines Motiv und innerhalb kurzer Zeit gesellten sich weitere Linien, Bassläufe und Akkorde hinzu und das Stück „schroedertest“ war geboren.

Beim Namen „Schroeder“ kam mir das bekannte Gedankenexperiment Schrödingers Katze in den Sinn, welches ich als Jugendlicher im Zusammenhang mit der gleichnamigen Romantrilogie von Robert Anton Wilsons kennengelernt – aber nie vollständig verstanden – hatte. Herr Wilsons immer wiederkehrendes Thema dabei ist laut Wikipedia die Relativität der Wahrheit, und dies versucht er unter anderem durch die Verwirrung seiner Leser zu erzielen, die sich dabei aber köstlich amüsieren konnten.

Bei Schrödingers Katze handelt es sich um ein Gedankenexperiment des Physikers Erwin Schrödinger aus dem Jahre 1935, der versuchte die Erkenntnisse der Quantenphysik über Erscheinungsformen und Wahrnehmung von Elementarteilchen auf die Makroebene und damit von uns sichtbaren Strukturen zu heben. Die Quantenphysik sagt aus, dass bestimmte Zustände von Elementarteilchen – also der Ort oder die Geschwindigkeit – NICHT gleichzeitig vorausgesagt werden können. Im Gedankenexperiment sollte ein Katze zusammen mit einer radioaktiven Apparatur in eine Kiste gesperrt sein und erst durch das Öffnen der Kiste – also im Auge des Betrachters – der tatsächliche Zustand der Katze – in diesem Fall, ob die Katze tod oder lebendig ist – festgelegt werden. Wer dazu etwas nachlesen möchte, kann dies auf den Seiten von Wikipedia tun oder hier eine etwas einfachere Erklärungen finden. Schrödinger wollte u.a. zeigen, wie schwierig es ist, sich die Postulate der Quantenphysik zugänglich zu machen. Bei diesen Postulaten geht es unter anderem auch darum, dass zwei Zustände ineinanderfließen können, ohne sich zu beeinflussen bzw. unverändert wieder aus der Reaktion hervorgehen können (SuperpositionInterferenz). Treffen zum Beispiel zwei Wellen genau aufeinander, ergibt sich eine resultierende Welle, solange, bis bildlich gesprochen die Wellen wieder ihre eigenen Wege gehen.

Dies alles hatte ich natürlich nicht direkt im Sinn, als das Stück Schroedertest erschien. Trotzdem hat es mich wieder angeregt darüber nachzudenken, was Musik eigentlich ist? Ist Musik nur eine Sammlung von Wellenlängen? Ist Musik auch dann noch Musik, wenn gar kein Zuhörer da ist, der die Musik hören kann? Also ist Musik nur dann existent, wenn es auch Betrachter (hier: Zuhörer) gibt?

schroedertest


Das Beitragsbild, welches 2019 in einem Garten in Münnerstadt aufgenommen wurde, soll an das bekannte Buch Das Tao der Physik von Friedhof Capra erinnern. Im 1975 erschienenen Buch schlägt Capra die Brücke der Erkenntnisse moderner Physik mit den Weisheiten des Ostens.

westworld

Und aller guten Dinge sind Drei. Auch diesmal lässt mich das Thema „tundra“ nicht los, allerdings in einem ganz anderen Zusammenhang. Wie man als aufmerksamer Leser dieses blogs schon mitbekommen hat, liebe ich es bisweilen an „competitions“ teilzunehmen. Diesmal schrieb die „Samplebude“ Spitfireaudio – hier schon vielfach erwähnt – die #westworldscoringcompetition2020  aus und ich beschloß schlagartig teilzunehmen. Ich montierte in Windeseile meine beiden letzten Tundrastücke unter den Trailer und fand diese moodtechnische Vorgehensweise durchaus machbar. Das Ergebnis findet sich bei Youtube.

UPDATE: Die Competition ist beendet und die Gewinner wurden gekührt. Es hatten sich 11.000 Einsender beteiligt! Die YouTube Kommentar-Gemeinde war nicht schlecht erstaunt, welche Filmmusik gewonnen hat und hat dies auch unmissverständlich in den Kommentarzeilen zum Ausdruck gebracht. Ich persönlich bin auch sehr erstaunt und wundere mich, hatte ich doch einen ganz anderen Beitrag als Gewinner vermutet. Man kann dieses Youtubevideo zu Bekanntgabe der Gewinner aufrufen.

Der Begriff Westworld traf mich sehr mindestens in zweierlei Hinsicht.

1. Der Film Westworld aus dem Jahre 1973 hatte mich als Jugendlicher enorm fasziniert. Der Aspekt, dass geniale Technik nicht mehr zu beherrschen ist, hat man sie einmal erschaffen, beeindruckte mich nachhaltig, genauso wie der ganze Plot des Films. 2016 wurde eine Serie mit dem gleichen Titel produziert und erfreute sich in Amerika großer Beliebtheit. Anscheinend kommt 2020 die Season 3 dieser Serie heraus.

2. In dem Namen Westworld steckt ja, der sogenannte Westen, die westliche Welt. Jahrzehntelang hat der Westen, gespeist aus den besten Jahren der USA, den Ton angeben und arrogant behauptet, dass der Neokapitalismus die einzig richtige Staatsform sei und die den anderen Staaten imperialistisch aufgedrückt werden müsste. In den letzten Tagen stellt sich heraus, dass dieses Modell höchst krankhaft bis morbide ist. Blicke in die Zukunft könnten sehr düster ausfallen. Amerika ist ein Scherbenhaufen, hat weder Staatsfinanzen noch den selbsterschaffenen Rassismus im Griff und wird überdies noch von einem verwirrten Narzissten geführt.

Das Beitragsbild zeigt diesmal schon eher eine Tundralandschaft als die beiden Beitragsbilder der letzten Einträge, aber die Gräser, die hier abgebildet sind, sind zu saftig, zu gut genährt, als das hier eine wahrhaftige Tundra-Graslandschaft abgebildet sein könnte.