zeitvergeht

zeitvergeht

Wie die Zeit vergeht merkte ich kürzlich, als ein geschätzter Kollege sich mit einer kleinen Feier in den Ruhestand verabschiedete, hatten wir doch 25 Jahre an der gleichen Stätte gewirkt. Am gleichem Tag – kurz vor der Feier – wurde ich gebeten bei einem kleinen Beitrag für den Kollegen mitzuwirken. Gegenstand der kurzen Aufführung war das Gedicht von Konrad Balder Schäuffelen „Zeit“, was mir bis dahin noch gänzlich unbekannt war. Konrad Bilder Schäuffelen wirkte als Psychotherapeut, allerdings arbeitete er auch als Künstler und Poet und bediente hierbei die sogenannte konkrete Poesie. Er schien ein sehr interessanter Mann zu sein, schrieb er zum Beispiel seine Dissertation als Mediziner zum Thema „Cerebrale Dekompensationserscheinungen unter der Behandlung mit Phenothiazinen und Tofranil“.

Das Gedicht, welches wir vorsprachen, hatte folgenden Text:

Konrad Balder Schäffelen Zeitvergeht

Das Stück „zeitvergeht“ nutzt die Möglichkeit sich im Internet auf sogenannten text to speech Seiten Texte vorlesen zu lassen und dies mit verschiedenen Stimmen. Das Stück beginnt mit einer deutschsprachigen Stimme, gefolgt und collagiert von einer portugiesischen, us-amerikanischen und einer russischen Stimme. Das Ergebnis, wenn ein portugiesischer Sprecher deutsche Texte vorliest, ist meiner Meinung nach witzig.

Um das ganze ein wenig zu dramatisieren werden die Stimmen mit einer Omnibus-Akkordfolge – eine Akkordfolge, die in Halbtönen (chromatisch) voranschreitet, welche mit verschiedenen orchestralen Klangfarben wiederholt wird, unterlegt.

Das Beitragsbild zeigt eingelagerte Äpfel, die diesen schönen schrumpeligen – und damit einen ZEITVERGEHENDEN – Zustand nach acht Monaten eingenommen hatten.

 

lotus eat

Ich habe für diesen Beitrag ein Beitragsbild meiner Nachbarin Conny ausgewählt, welches sie an ihrem Gartenteich vor ein paar Jahren fotografierte. Zu sehen ist eine Seerose, die der indischen Lotusblume phänotypisch sehr ähnlich, botanisch aber nicht verwandt ist; trotzdem, bringt uns die Lotusblume zu dem Stück „lotus eat“. Das Stück „lotus eat“ erinnert mich an das Stück Lotus Feet des großen Gitarristen John McLaughlin. Ich habe in mein Stück auch brav zwei musikalische Zitate eingearbeitet. Er nahm es in den 1970er Jahren gleich zweimal auf. Weil noch ein Vertrag mit der Plattenfirma CBS zu erfüllen war, musste Johns Mahavishnu Orchestra zumindest unter dem Namen noch eine Platte veröffentlichen, obwohl er künstlerisch und spirituell schon bei der indisch/britischen Fusionband Shakti angekommen war, für die er das Stück komponierte. Gleichwohl gefällt mir die Mahavishnu Version, auf der LP Inner Worlds ausgezeichnet, denn ich liebe den Gitarrensound, den John McLaughlin erstmalig mit einem Prototyp eines Oberheim Gitarrensynthesizers erzeugte gerade bei dem Stück „Lotus Feet“.

Lotus Feet steht in der hinduistischen Tradition für einen devoten Zustand sich dem Göttlichen zu nähern. Bisweilen wird „Lotus Feet“ aber auch für die chinesische Tradition der Fußschnürung, die jahrhundertelang ein Symbol für die Unterdrückung der Frauen im hinterasiatischen Raum stand. Der Titel „lotus eat“ erinnert an sogenannte  Lotophagen (Lotuseater) in der Odyssee von Homer der griechischen Mythologie, denen zur Betäubung ein Trunk aus Lotuspflanzenknollen serviert wurde.

Das Stück basiert auf eine als Zufallspattern generierte Playersequenz mit einem Idiophonklang (Selbstklinger wie z.B. Glocken). Darum gesellen sich allerlei Perkussionsinstrumente unterlegt mit einem Padsound (Liegeklang). Das melodische Element ließ mich auf Grund des flötenartigen Klanges – wie anfangs erwähnt – an das Stück Lotus Feet denken.

lotus eat

pianologie one

Nein, bei dem abgebildeten Piano handelt es sich NICHT um DIE Pianoklänge, die man im Audifile hört. Das Piano stand eine zeitlang auf dem Hof der Ölmühle in Dorla, die ganz nebenbei gesagt, sehr wohl schmeckendes Öl aus regionalen Saaten produziert.

„Pianologie one“ ist nach stringologie one ein weiteres Stück der „Ologie-Reihe“. Auch hier kommen drei Pattern-Automaten (Arpeggiatoren)  zum Tragen, die „live“ gefüttert ein minimalistisches Geflecht ergeben. Das Stück wurde einmalig aufgenommen und ist NICHT ein Stück eines durchlaufenden Sequenzers. Den Arpeggiatoren liegt jeweils eine 12/8 Matrix  zu Grunde. Beim ersten Arpeggiator lautet der Rhythmus • + • • + • • + • • • + , wobei die Punkte einen gespielten Ton symbolisieren, hingegen das Pluszeichen eine Pause in gleicher Länge bedeutet. Der zweite Arpeggiator hat den Rhythmus • • • + • + • • + • • +, der dritte gibt den gleichen Rhythmus wieder. Das erste Piano ist um eine Oktave nach oben versetzt, das dritte Piano eine Oktave erniedrigt.

Das Wort „piano“ für das Klavier ist eigentlich eine Abkürzung der Bezeichnung „Pianoforte“. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Klavieranschlagsmechanik so stark verbessert, dass es problemlos möglich wurde, leise (piano) und laute (forte) Klänge differenziert und ohne große Mühe dem Klavier zu entlocken. Das Wort „Piano“ für das Klavier ist daher als eine Abkürzung zu verstehen und nennt nur die halbe Wahrheit. Heutzutage ist man ja nicht mehr auf die Mechanik der Klangerzeugung angewiesen, denn der Computer bietet eine Vielzahl von digitalen Pianos, die zuvor aufgenommen wurden.

pianologie one

wibble do one

Dieses Jahr findet wieder ein Bundeskongress des „Bundes für Musikunterricht – BMU“ diesmal in Hannover statt. Fünf Tage lang wird es mannigfaltige Veranstaltungen rund um das Thema „Bildung • Musik • Kultur: Am Puls der Zeit“ geben. Ich werde eine Veranstaltung zum Thema Live Coding mit Sonic Pi anbieten, weil es mich fasziniert, mit wie viel wenig Programmierung (code) schon sehr spannende akustische Ergebnisse erzielt werden können. Um den Kurs ein wenig vorzubereiten, habe ich vor einigen Tagen Beispiele durchforstet und ausprobiert. Ein Beispiel habe ich gefunden, welches ich um ein paar Zeilen und Änderungen ergänzt habe. Es klingt richtig schön avant­gar­dis­tisch oder nach sogenannter Neuer Musik und ergibt sich aus drei Klängen (samples), die unterschiedlich lang und in verschiedenen Tonhöhen zusammentreffen. Hier ist der Programmcode – der einfach in sonic pi eingefügt werden kann – abgebildet:

#wibble do
live_loop :wibble do
sample :ambi_piano, rate: rrand(0.6, 1.4), amp:1
sleep rand(4)
end
live_loop :glass do
sample :ambi_glass_hum, rate: rand(0.8), amp:0.6, attack: 0.5, release: 0.75, cutoff: rrand(60, 110)
sleep rand(8)
end
live_loop :lunar do
sample :misc_cineboom, rate: rand(1), amp:0.3, attack: 0.5, release: 0.75, cutoff: rrand(60, 110)
sleep rand(16)
end

wibble do one

Das Beitragsbild ist ein Blick im Parthenon der Bücher von Marta Minujín, der bei der Dokumenta XIV 2017 auf dem Friedrichplatz begehbar ausgestellt war.

 

boom do

Bei dem Stück „boom do (mx)“ handelt es sich um einen langen EDM Song, der das Subgenre „dark minimal“ bedient. Er ist extrem minimalistisch, werden doch bestimmte Parameter nur langsam graduell verändert. Die sogenannte Wave-Darstellung des Tracks zeigt schön die allmähliche Verdichtung des Stückes.

Die Grundwelle wurde abermals mit der Laufzeitumgebung  sonic pi „berechnet“, wobei verschiede Parameter „live“ verändert wurden. Hinzugemischt habe ich zwei grains, die im Sinne von UKOs ein ganz bisschen Abwechslung erzeugen.

boom do

Das Beitragsbild zeigt eine Bildschirmaufnahme eines Zeitpunktes des laufenden Stückes, indem die Frequenzen des Tracks als sogenannte Lissajous Wellen dargestellt werden, die auf den gleichnamigen Physiker zurückgehen.

humandrive

Mit dem Stück „humandrive“ möchte ich mein Unbehagen über die Aufkündigung des nuclear deals der U.S.A mit dem Iran aufmerksam machen. Ich vertrete die Meinung, dass der moderne Kapitalismus genügend unmilitärische Möglichkeiten bereit hält, um einem Staat die Entwicklung in militärische Atomtechnik zu unterbinden. Es ist nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die Großmächte einen weltumspannenden Krieg anzettelten.  Zu hören ist die Ankündigung des aktuellen amerikanischen Präsidenten Donald Trump das Iran-Atom-Abkommen aufzukündigen und die Antwort des momentanen Iranischen Präsidenten Hansan Ruhani.

humandrive

In der ehemaligen Bunkeranlage (auch Bunkerstadt genannt) des deutschen Reiches im zweiten Weltkrieg bei Wünsdorf in Brandenburg stellte sich bei mir auch ein Unbehagen ein. Sie diente vor allen Dingen als Nachrichtenzentrale für die gesamte Kriegsmaschinerie des deutschen Reiches während des zweiten Weltkrieges. Nachdem die sowjetischen Besatzungsmächte nach dem zweiten Weltkrieg die Anlage für ihre Zwecke nutzten und dann aus der Bundesrepublik abzogen, schlugen alle Versuche fehl, die Bunkeranlage restlos zu beseitigen, weil sie so derartig robust aufgebaut war, dass sie den Abrissarbeiten trotzte. Das Beitragsbild zeigt eine alte Rohrpost in dieser Anlage, von der man aber heute nicht sicher weiß, wie diese betrieben wurde – so hieß es zumindest bei einer Führung durch die große unterirdische Anlage.

warm up three (whats going on)

Das Stück „warm up three (whats going on) habe ich für meine BigBand geschrieben. Bevor wir bei unseren Proben an unseren Stücken arbeiten, wird mindestens ein „warm up“ gespielt. Dabei geht es zum Beispiel darum Intonation zu praktizieren oder Improvisation zu üben oder einfach nur an ein kollektives Spielerlebnis zu schaffen. Eine Gruppe spielt die notierten Motive, während die andere Section versucht, die Motive in einem Echo in veränderten Rhythmen wiederzugeben. „Warm up three“ bietet den Spielern die Möglichkeit Imitation von Motiven zu üben und andererseits die skalenbasierte Improvisation auszuprobieren. Nachher viel mir auf, dass mich die Akkordfolge stark an das Stück „Whats Going On“ vom Soulmeister Marvin Gay erinnert. Auch bei diesem Stück werden Major 7 Akkorde in Rückungen verwendet, die eine typische Stimmung erzeugen. Das „lead sheet“ kann hier heruntergeladen werden:

Warm Up Three (Whats Going On)

Das Beitragsbild wurde 2012 von mir im Süden Mallorcas  aufgenommen.

 

the piano player

Heute mal ein kleines Stückchen (snapshot) ohne viele Worte, weil es zu dem Stückchen eigentlich nicht viel zu erzählen gibt. Ich habe mich zwar wieder von einem Beitrag aus dem großen Netzt beeinflussen lassen, aber dies war gar nicht so geplant. Egal, einfach mal hören.

the piano player

Passend zum fast textlosen Beitrag hat auch das Beitragsbild eigentlich gar keinen Bezug zum Song. Ich finde nur die Stimmung des Bildes – ein Regenbogen im Habichtswald – passend zum Stück.

max random

Bei dem Elektro-Stück „max random“ habe ich mich abermals durch einen Beitrag aus dem Internet inspirieren lassen. Nicht nur YouTube ist eine unendliche Quelle guter Ideen, sondern auch auf Instagram kann man inspirierende Beiträge finden, wie der Beitrag Randomized Melodies von Propellerhead. Kurz gesagt geht es darum, einen Matrix Player zufällige Tonfolgen herauszulocken, die dann so gefiltert werden, dass die Tonhöhen in eine bestimmte Tonart passen. Dies geschieht bei dem vorliegenden Stück mit dem metallisch klingenden Grundpattern. Die unterschiedlich gefilterte Tonfolge wird flankiert von sogenannten SFX-Klängen, auch „textures“ genannt. SFX steht für S = sounds und FX = lautmalerisch für Effekte, so ist es im Internet nachzulesen. Der Name des Stückes ergibt sich wegen der Verwendung der Zufallsfolgen (= random) und der Verwendung des Matrix Players, der dies ermöglicht.

max random

Das ganze Stück Stück klingt sehr elektrisch, daher erscheint mir das Beitragsbild passend, welches ich in einer Sandgrube aufgenommen habe. Die Baggerschaufel sieht aus wie ein angriffslustiger Roboter, der entfernt an die besonders in den U.S.A. beliebten sogenannten Robot Wars erinnert.

cityIncityOut

cityIncityOut

Was passiert eigentlich, wenn man mindestens 30 Klänge auf einmal abspielt? Genau, es entsteht ein großer Krach. Vielleicht nicht so ganz wie beim bekannten Urknall, aber immerhin. So geschehen beim Stück „cityIncityOut“. Und dies war eigentlich ein Zufallsprodukt. Kommen alle Frequenzen des hörbaren Spektrums auf einmal zu Gehör, entsteht ein großflächiges Rauschen. Wenn diese Frequenzen nur kurz gleichzeitig erklingen, gibt es einen lauten Knall.

Vor vielen Jahren hatten wir die Gelegenheit mit mehreren computerinteressierten Kollegen mehrere Tage zusammen zu sitzen und uns unter anderem mit sogenannten „soundwalks“ zu beschäftigen. Bei einem „soundwalk“ spaziert man schweigend durch die Landschaft und lauscht den Klängen, die während des Spaziergangs zu hören sind. Man kann natürlich die Klänge der Umgebung mit einem Aufnahmegerät aufnehmen. Wir nahmen auch Klänge der Stadt Kassel auf. Geleitet und theoretisch unterfüttert wurden diese „soudwalks“ von dem WDR Reporter, Klangökologen und Hochschulprofessor Hans Ulrich Werner. Hier gibt es einen interessanten Artikel zu seinem Beschäftigungsfeld.

Die aufgenommen Klänge überspielten wir auf unsere Rechner, um sie zu collagieren und akustisch auszuwerten. Als ich den Sampler mit den Stadtklängen lud, passierte, dass unterschiedlich lange Klänge auf einen Tastendruck gemeinsam erklangen, aber zu unterschiedlichen Zeiten endeten. Dieser zufällige Effekt wird in dem Stück zunächst rückwärts (reverse) wiedergeben und dann vorwärts in der ursprünglichen Abspielrichtung. Unterlegt werden die Klänge von einer digital verfremdeten Aufnahme von Schritten über einen Kiesweg. Grafisch lässt sich das Stück so darstellen:

Das Beitragsbild zeigt eine Aufnahme eines Außenaustellungsplatzes der italienischen Künstlerin Lara Favaretto hinter dem alten Hauptbahnhof in Kassel während der dokumenta 13, die verschiedene Altmetallteile sorgfältig zu einem Ensemble zusammengestellt hatte.

 

always on simply

Das Stück „always on“ kommt hier in einer „minimal“ Version daher (simply). Geplant ist eine zweite Version mit Stimme und Drums. Aber dazu irgendwann mehr. Das Stück beinhaltet sogenannte UKOs. Wir wissen ja alle, was UFOs sind, aber UKOs? UKO steht für „Unbekanntes Klang Objekt“ und ist ein Begriff der schweizerischen Musikwissenschaftlerin Barbara Flückiger, die in ihrem Buch „Sound Design: Die virtuelle Klangwelt des Films“ (Marburg, 2001) den Begriff prägte. Insbesondere meinte Sie damit bestimmte Teile – besser Klangschichten – einer Filmmusik, die sich nicht direkt akustisch zuordnen lassen:

„UKO: ‚unidentifizierbares Klangobjekt‘,
 dessen Quelle weder im Bild sichtbar ist noch
aus dem Kontext erkennbar wird.“

Heutzutage wird es einem ja relativ leicht gemacht Sounds von bestimmten elektronischen Klangerzeugern zu verwenden und so einzustellen, dass man den Klang nicht mehr direkt zuordnen kann. Dies gibt einem Stück etwas Unvorhersehbares, vielleicht Geheimnisvolles.

always on (simply)

Das Beitragsbild zeigt eine aktuelle Ausstellung in Berlin in der Bekini-Galerie. Farbige Scheiben werfen bunte Flächen auf den Boden. Ich finde diesen Eindruck ganz passend zu der Musik.

sky so blue so clear

Man will es ja kaum glauben. Heute ist ein wunderschöner Tag; kein Wölkchen am Himmel. Der Himmel ist kristallklar und einfach nur blau, wie das Beitragsbild augenscheinlich bezeugt. Es handelt um ein „wirkliches“ Foto ohne jegliche spätere Bearbeitung. Das Stück „sky so blue so clear“ passt hier gut ins Bild. Eine einfache Akkordfolge im tonalen Bereich unterstützt durch zwei verschiedene Grainsamples (Granularsynthese), die dem ganzen Stück ein wenig Mysteriöses verleihen, gespickt mit einer kleinen Pianomelodie. In dem Beitrag chewbacca potato haben wir die Granulatsynthese ja schon einmal kurz kennengelernt. Dieses Stück wurde von einem Post auf Youtube inspiriert. Evenant zeigt in dem Video Harmony Fundamentals – Cinematic Music Tutorial wie sich einfache Akkorde zu einer Melodie finden lassen und brachte mich auf die Idee, die Melodie von einem Pianoklang übernehmen zu lassen.

sky so blue so clear

stringologie one

Das Stück „stringologie one“ arbeitet mit Hilfe von Arpeggiatoren, also auch wieder musikalische Automaten,  die jeweils Stringsounds (Geigenklänge) ansteuern. Aus dem Zusammenklang  von drei Violinen ergibt sich eine Stimmung, die mich an Steve Reichs Different Trains erinnert. Stringologie One ist eine „Live-Aufnahme“, die nicht „durchprogrammiert“ bzw. „sequenziert“ ist, sondern wurde „einmalig“ aufgenommen und stellt somit ein Unikat dar.

stringologie one

Das Beitragsbild bringt den Schreibtisch meiner Tochter. Die Aufnahme wurde mit der App Prisma verfremdet. In der Mitte zeigt es eine Art Flächenmuster. Flächenmuster werden manchmal herangezogen, um Minimal Music zu visualisieren. In genialer Art und Weise wurden Flächenmuster von M.C. Escher illustriert.

rana temporaria

Rana Temporaria ist die lateinische Bezeichnung für den – ursprünglich – in ganz Europa weit verbreiteten Grasfrosch. Diese Froschart ist vor allem deshalb gefährdet, weil ganz einfach die Lebensräume für Amphibien in Deutschlang durch Landversiegelung stark zurückgehen. Mir hat neulich jemand erzählt, dass in der Bundesrepublik täglich eine Fläche von ca. 94 Fußballfeldern  versiegelt werden. Dies wollte ich zunächst gar nicht glauben. Das kann man aber beim Umweltinstitut München e.V. im Flyer „Naturnahe Gärten“ nachlesen. Das heutige Beitragsaudio ist sozusagen eine RAW-Datei. Sie ist ungeschnitten und unbearbeitet. Aufgenommen wurden die Grasfrösche am 04.05.2014 in einer ehemaligen Sandgrube unweit von Gudensberg Obervorschütz nahe des Golfparkes.

Bemerkenswert erscheint mir, dass gerade ehemalige Industriegebiete teilweise zu den letzten Refugien aussterbender Amphibien zählen. Dies klingt nach ein wenig Ironie. Das „Froschkonzert“ ist ein soundscape im eigentlichen Sinne, so wie es der bereits im Beitrag Cityscape Peru erwähnte kanadische Komponist und Klangökologe R. Murray Schafer in seinen Arbeiten ausführte. Er war der Auffassung, dass man die Bevölkerung nicht mit Appellen und Verboten zu mehr Klangsensibilät bewegen könnte, sondern ihnen Möglichkeiten aufzeigen sollte, wie man sich mit den Klängen der unmittelbaren Umgebung tiefergehend auseinandersetzten kann. Dazu hat er ein  wertvolles und sehr praktisches Buch mit über 100 Übungen und dem Titel Anstiftung zum Hören herausgebracht. Als ich vor einigen Jahren an der Kasseler Uni einen Lehrauftrag an der Fakultät ästhetische Erziehung zum Thema „Vom Soundscape zum Sounddesign“ hatte, habe ich nach diesem Vorbild einige Übungen übernommen und eigene hinzugefügt, die man hier nachlesen kann: Anstiftung zum Hören -Studentenversion.

rana temporaria

Der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky schrieb  1931 in: ›Der Mensch – Die Weltbühne‹ mal folgenden bemerkenswerten Satz:

Der Mensch hat, neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören.

In relativer Nähe zum Froschkonzert – ca. 1,5 km Luftlinie – verläuft die Autobahn (A) 49. In der Woche stellt die Lärmbelastung schon eine große Beeinträchtigung der Lebensqualität dar. Hier ein kleiner Eindruck von vorbeifahrenden Autos. Allerdings ist die Aufnahme während eines Sonntages entstanden, also am Wochenende, während das Verkehrsaufkommen im Vergleich zu einem Werktag doch deutlich geringer ist.

die gärten von dorlan

Zum Abschluss der Dorlan Trilogie ist nun das Stück „Die Gärten von Dorlan“ an der Reihe. Die zugrunde liegende Akkordfolge ist diesmal etwas komplexer. Auch hier bin ich wieder Ryan Leach sehr dankbar, der mir durch seine Reihe Getting to Know Altered Chords eine wunderbare Inspirationsquelle gegeben hat. Die Machart des Stückes ist wie bei den beiden anderen Stücken der Trilogie wieder gleich. Die Akkorde werden wieder nach oben und nach unten gerückt. Die Akkordfolge lautet:

C – Dm7b5/C – C – Dm7b5/C – Am – D – Gm – Gm/Bb – F – Bmb7/b5

Die Melodie entfaltet mehr Aufbruchstimmung und ist im Ganzen positiver, weniger geheimnisvoll als die vorherigen Stückchen. Vielleicht werde ich in Zukunft noch die Noten für die Stücke herausbringen. Und vielleicht findet sich ja mal ein Fantasyfilm, auf den diese Musik passen würde. Aber wer weiß das schon?

die gärten von dorlan

Das Beitragsbild zeigt eine Aufnahme meines Vorgartens im Frühling, die auch auch wieder mit Sketcher verfremdet wurde.

die felder von dorlan

Heute möchte ich das zweite Stück der „Dorlan Trilogie“ zum Besten geben. Auch bei diesem Stück habe ich mich von einem Beitrag von Ryan Leach inspirieren lassen. Dazu kann man sich auch gerne nochmal den vorherigen Beitrag Die Wälder von Dorlan durchlesen. Ryan schlägt die Akkordverbindung

C – Ab – F – C

vor. Harmonisch kann man das auch wieder als eine „Modal Interchange Kadenz“ auffassen. Das Stück bedient sich – wie auch schon das Vorgängerstück – des gleichen Kompositionsprinzips. Die Akkordfolge wird ein ein paar Halbtöne nach oben „gerückt“, anschließend dann ein paar Halbtöne nach unten. Das Thema wird von verschiedenen Instrumentengruppen aufgegriffen, teilweise werden die mittleren Streicher durch hohe Streicher ergänzt.

die felder von dorlan 

Das Beitragsbild zeigt ein Feld zwischen Dorla und Lohne. Weil dort teilweise ein Biobauer seine Felder bewirtschaftet, konnte sich eine Gruppe von Mohnblumen untermischen. Auch dieses Bild wurde wieder mit der Programm Sketcher verfremdet.

 

die wälder von dorlan

Auf der Suche nach interessanten Akkordverbindungen bin ich auf einen Beitrag von Ryan Leach gestolpert, seines Zeichens ein junger Filmmusikkomponist. In diesem Beitrag führt Ryan aus, wie Akkordverbindungen basierend auf Terzverbindungen klingen können. Die klassische Harmonielehre handelt dies unter dem Thema Mediantik  ab. Angelsächsische Literatur verbucht dies bisweilen unter dem Begriff „modal interchange“. Zum Thema modal interchange möchte ich auf dieses sehr gelungene YouTube Video von Native Construct hinweisen, welches äußerst gut gemacht ist.

Ich wollte einfach ausprobieren, wie zum Beispiel die vorgeschlagene Verbindung

Em – Gm – Em – Cm

klingt und heraus kam dieses kleine Stück. Die Akkordverbindung wird einmal um eine große Terz nach oben und dann um eine kleine Terz nach unter „gerückt“. Das Stück endet wieder in der ursprünglichen Tonart. Man könnte sich die Musik für eine Verfilmung eines Fantasyromans vorstellen, daher hat es auch den Phantasienamen „Die Wälder von Dorlan“ bekommen. Dieser Roman muss allerdings noch geschrieben werden. Das Stück ist Teil der DORLAN TRILOGIE. Die zwei weiteren Stücke – „Die Felder von Dorlan“ sowie das Stück „Die Gärten von Dorlan“ – werden in den nächsten Wochen veröffentlicht.

die wälder von dorlan

Das Beitragsbild zeigt den Buchenwald des Naturparks Hainich im thüringischen Werratal und wurde vom Baumkronenpfad aus aufgenommen und anschließend mit dem Programm Sketcher bearbeitet, welches digitalen Photos einen Maleffekt verpasst.

zeitspiel – spielzeit

2007 gab es in unserer Schule ein Theaterprojekt unter der Regie zweier wunderbarer Kolleginnen mit dem Titel „ZEIT SPIELE ZEIT“.  Das besondere war die Tatsache, dass die Zuschauer auf Drehstühlen in der Mitte der Spielstätte platznahmen, während drei Bühnen – links, vorne und rechts – aufgebaut waren. Auf jeder Bühne wurden Ausschnitte aus unterschiedlichen Theaterstücken zum Besten gegeben. Ein Stück – „Was wo?“ – basierte auf den Arbeiten des irischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Samuel Beckett, andere waren zum Beispiel: „Der kleine Prinz“, „Der Junge, der die Zeit kaufen wollte“ von Gabrielle Münnix, oder auch „Die innere Stimme“ nach Asta Gröting und andere. Zwischen den einzelnen Aufführungen der Stücke überbrückte eine Theatermusik die einzelnen (Umbau)pausen. Die Theatermusik entstand als Projekt mit einer Gruppe junger Leute, die sich zur Aufgabe gemacht hatte Klänge aufzunehmen, die Anklänge zum Thema „Zeit“ zusammentrugen. Es wurden unter anderem Tischtennisbälle, Metronome, Handyklingeltöne, Telefone und Wassergläser verwendet. Zwei von diesen Stücken gebe ich hier wieder. Die Nummer in den Klammern geben den jeweilige BPM bzw. das Metrum wieder. Der Rollenzettel gibt genauere Auskunft über die Titel der Stücke und den beteiligten Personen.

bewegt (97)

jazz (57)

arabische nächte

Das Beitragsbild stammt diesmal von meiner Tochter, die neuerdings unter die Hobbyfotografen gegangen ist. Es zeigt den Sternenhimmel nahe der Stadt Gudensberg. Es passt sehr schön zu dem Stück „Arabische Nächte“. Die Idee zu dem Stück kommt auch von meiner Tochter. Sie hatte sich beim Flöteüben vergriffen und dabei „purzelte“ ein Motiv heraus, was zu einer kleinen Komposition genutzt wurde. Ohne es zu wissen „fand“  meine Tochter eine „Scale“ (Tonleiter), die schon viele Namen bekommen hat: Sie wird phrygisch-dominante Tonleiter oder kurz Phrygisch-Dur), die orientalische, die spanische, die jüdische oder kombiniert die spanisch-phrygische Tonleiter genannt. Jazzer bezeichnen sie als HM5 (harmonic minor five). Im Grunde handelt es sich um eine harmonische Molltonleiter, die von der V. Stufe aus gespielt wird. Es entsteht die Intervallabfolge: 1 b2 3 4 5 b6 b7 8.

arabische nächte 

Hier kann man die Noten herunterladen: Arabische Nächte Flöte

a swell to help you sleep

Ich habe heute erfahren, dass der isländische Komponist Johann Johannsson plötzlich unerwartet im Alter von 48 Jahren gestorben ist, was mich sehr schockiert hat. Die Todesursache ist momentan noch unklar. Der Grammygewinner hatte zuletzt als innovativer Filmkomponist auf sich aufmerksam gemacht und ich hatte gehofft, noch einige Musik von ihm erwarten zu dürfen. In dem Beitrag door arrival hatte ich bereits davon berichtet.

Ich veröffentliche daher heute – etwas früher als ursprünglich geplant – das Stück „a swell to help you sleep“, weil es mich atmosphärisch an Arbeiten Johannssons erinnert und möchte ihm diese Soundscapearbeit widmen. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Code von Zach Mandeville, den er für die – auch schon mehrfach erwähnte -Laufzeitumgebung  sonic pi herausgeben hat. Zach will damit Menschen helfen durch Sounds besser einschlafen zu können. Ob dies für das vorliegende Sounddesign auch noch gelten mag, mag der Hörer gerne selber beurteilen. Ich habe diesen Code leicht verändert und dann in drei unterschiedliche Oktaven zeitlich leicht versetzt wiedergeben. Dazu kommen übereinander gelegte Stimmensamples.

a swell to help you sleep ex

Das Beitragsbild fängt eine Morgenstimmung an der Zuckerfabrik Wabern (Bezirk Hessen) ein, die direkt am Bahnhof gelegen ist. Es trifft die Stimmung des Stückes ganz gut, so meine ich.