chicken song

Neulich verirrte sich abermals ein Huhn auf die Straße. Beheimatet beim unmittelbaren Nachbarn, gelingt es vereinzelten Tieren ihren Hof zu verlassen und ihre Neugierde und Neigung zur Futtersuche auf die nähere Umgebung auszuweiten. Wir haben auch schon gelegte Eier in unserem Vorgarten gefunden. Sie schmeckten köstlich.

Hühner geben interessante Geräusche bzw. Gesänge von sich. Die Mär vom dummen Huhn ist weit verbreitet, sollte aber längst Geschichte sein. Hühner können zum Beispiel auf die Entfernung bis zu hundert Menschen unterscheiden und sich an sie erinnern. Ich konnte dies selber erleben, als meine Kinder im Rahmen eines Schulprojektes drei kleine Küken zur Aufzucht mit nach Hause brachten. Nachdem die Tiere erwachsen waren und sie woanders untergebracht werden mussten, erkannten sie meine Tochter noch nach vielen Monaten, wenn sie besucht wurden.

Das Huhn des Beitragsbildes veranlasste mich aus Hühnergesängen ein kleines Stück zu basteln. Bei manchen Samples, die ich verwendet habe, bin ich mir nicht sicher, ob es sich wirklich um eine Originalaufnahme handelt, am Anfang und am Ende des Stückes hören wir auf jeden Fall eine solche.

Das Thema Hühner findet sich auch im Bereich der klassischen Musik wieder. Viele kennen die geniale Komposition von Modest Mussorgsky in seinem Werk Bilder einer Ausstellung mit dem Titel Ballett der Küchlein (Küken) in ihren Eierschalen und Camille Saint-Saëns Hühner und Hähne aus dem Karneval der Tiere.

Im Netz findet man schnell bei Youtube auch andere Stücke, die mit Hühnerklängen arbeiten und sich großer Beliebtheit erfreuen. Es handelt sich bei meinem Stück nicht um eine Coverversionen des von Pee Wee Ellis komponierten und von Jaco Pastorius gecoverte Stück the chicken, was durch die Coverversionen große Berühmtheit erlangt hat.

chicken song


do you hear me?

Ich glaubte eigentlich Präsident Putin rasselt nur mit dem Säbel und würde niemals einfach in die Ukraine einmarschieren. Ich wollte gerne glauben, was Frau Wagenknecht kürzlich noch zum Besten gegeben hatte, aber auch sie wurde eines Besseren belehrt, wie sie allerdings selber einräumte. Ich kann mich noch an die Rede von Putin im deutschen Bundestag im September 2001 erinnern und hätte es gut gefunden, Putin die Hand zu reichen. Ich weiß auch noch wie ich mir wünschte mit Russland zu einer umfassenden Versöhnung und Zusammenarbeit zu kommen. Aus vielerlei Gründen ist es ja anders gekommen – es ist Geschichte – und man weiß nicht, ob sich Putin möglicherweise durch Hass- und Rachegefühle in den letzten Jahren stark in Richtung eines Despoten verändert, oder ob er schon lange an seinem Expansionsplan gearbeitet hat. Der Einmarsch der Russen in die Ukraine stellt jedenfalls eine enorme Zäsur in der Nachkriegszeit für Europa dar. Plötzlich ist das militärische Kriegsdenken und alles was damit zusammenhängt wieder in den Köpfen. Deutschland wird über Nacht zu einer Miltitärmacht bzw. möchte jetzt schlagartig wieder dahin kommen. Schlimmer noch, ein Atomkrieg scheint wieder wahrscheinlicher zu werden.

In Großstätten hat man Bunkeranlagen errichtet, die das Überleben von nach einem atomaren Schlag mindestens für 20 Tage sichern sollen. Wenn aber alles für zehntausende von Jahren verstrahlt und zerstört ist, nützt dies reichlich wenig. Daher fehlt mir in diesem Zusammenhang das logische Verständnis für die Prepper-Bewegung. 2016 konnten wir die Bunkeranlage unter dem Kuhdamm in Berlin besichtigen. Von diesem Besuch stammt die Aufnahme eines Lichtschalters, die erstaunlicherweise den Nationalfarben der Ukraine entspricht und hier als Beitragsbild fungiert. Der besuchte Bunker dient nur noch musealen Zwecken.

Zu Recht nimmt ein beachtenswerter Anteil der europäischen Bevölkerung Anteil an dem Schicksal und solidarisiert sich mir der Ukraine. Dabei kommt heraus, dass anscheinend die Ukrainer den Europäer näher sind, als es die Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan waren bzw. sind. Ich gehöre zu den Menschen, die noch immer glauben wollen, dass es auch eine nichtmilitärische Kraft gibt, die Kriegshandlungen beeinflussen können und finde es durchaus nützlich und notwendig, wenn Menschen ihre Stimmen erheben, demonstrieren und für den Frieden werben, um geistig zu wirken. Die Ukrainer haben sich entschieden mit Waffen zu kämpfen und sich nicht kampflos dem Feind zu ergeben. Diese Entscheidung kann man nachvollziehen. Ich hätte aber einen waffenlosen Widerstand für sinnvoller gehalten, um die Tötung von Menschenleben und die Zerstörung von Städten zu vermeiden. Die Ukraine wird sowieso in absehbarer Zeit und möglicherweise zeitlich begrenzt an die Russen fallen, ob bis dahin die zahllosen Opfer und die grauenvollen Zerstörungen etwas ändern, wage ich zu bezweifeln.

Das Stück „do you hear me?“ solidarisiert sich mit allen, die ihre Stimme erheben und sich für Lösung der Konflikte mit nichtmilitärischen Mitteln einsetzen. Diese Stimmen sollen in Russland, im Kreml und in der ganzen Welt gehört werden.

do you hear me?


klüngelskerl

Wer kennt sie nicht, die Melodie, die ertönt, wenn Schrotthändler mit älteren Lieferwagen durch das Dorf fahren? Dann hört man schon von Ferne immer eine bestimmte Melodie, die als Klüngelskerl-Melodie bezeichnet wird und landbekannt ist. Gerade die letzten Tage hörte ich die Wagen fast täglich. Vornehmlich in Nordrhein-Westfalen wird ein fahrender Schrotthändler als Klüngelskerl bezeichnet.

Wer die Melodie komponierte, ist unklar. Da die Händler bisweilen sehr häufig durch die Ortschaften kurven, werden sie lokal als Plage empfunden und mancherorts Verbote ausgesprochen. Der Schrotthändler braucht einen Gewerbeschein und eine Betriebserlaubnis für seinen Lautsprecher. Verschiedene Zeitungsberichte geben darüber Auskunft.

Um der Melodie einen klanglich metallenen Anstrich zu verleihen, habe ich die Melodie mit rhythmisierten Samples der Schülerkomposition „metal dreams“ unterlegt, die 1994 den ersten Preis des Kompositionswettbewerbs zu Neuer Musik „ear sinn“ des Hessischen Rundfunks in Zusammenarbeit mit der DAK in der Kategorie Kompostion gewonnen hatte. Damals zogen wir zu einem Schrottplatz aus und fertigten aus den mitgebrachten Metallteilen verschiedenste Instrumente. Aus Aufnahmen der erzeugten Klänge arrangierten wir in einem der ersten Sampler der Marke Akai S612, die im Heimbereich erschwinglich waren, unser Teilnahmestück.

klüngelskerl


Hier die ursprüngliche Komposition „metal dreams“.

metal dreams


Das Beitragsbild zeigt einen Klüngelskerl-Lieferwagen, wie er bei uns im Sommer zu sehen und zu hören war.

the last speculoos

Es gibt immer diesen einen bestimmten Tag im Jahr, der bis zur Vorweihnachtszeit eine betrübliche Zensur hinterlässt. Ich lege mir einen ordentlichen Vorrat an Spekulatius einer ganz speziellen Sorte an, der dann natürlich irgendwann verbraucht ist. Der Tag definiert sich durch den Verzehr des letzten verfügbaren Spekulatius und löst bei mir eine betrübliche Stimmung aus. Die Komposition dieses Beitrags drückt diese Stimmung in Ansätzen aus.

Das Stück bringt eine kleine minimalistische Klavierkomposition in zwei Varianten. Einmal der reine Klavierklang und die zweite Version hat noch eine sogenannte Soundscape bzw. Ambient-Spur dazu gemischt, wodurch die Musik auf einmal in einer Yoga & Mediation Playlist auftauchen könnte. Wenn es um den reinen Klavierklang geht, dann wäre dies ein klassisches Instrumentalstück. Mische ich Ambient Klänge dazu, dann verwandelt sich das ganze in etwas Meditatives und es wird sozusagen funktionale Gebrauchsmusik. Ähnliche Überlegungen wurden schon in dem Beitrag water therapy vorgebracht. Wo bei wir bei der Frage währen, was denn die Einteilung in sogenannte Ernste-Musik und Unterhaltungs-Musik rechtfertigt, die die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA), vornimmt. Man könnte sagen, dies ist eine dämliche Einteilung. Wirtschaftlich ist dies aber von großer Bedeutung für die KomponistInnen, denn für ernste Musik bekommt der Künstler viel mehr Ausschüttung, als für Unterhaltungsmusik. Einerseits würde eine Aufführung einer ernsten Komposition z.B. im Radio eine größere Ausschüttung nach sich ziehen, andererseits wird ernste Musik viel weniger als Unterhaltungsmusik im Radio gespielt.

Das Stück „the last speculoos“ basiert auf einer simplen Akkordfolge, die Jonny May in einer seiner Klavier Instruktionen vorgeschlagen hat. Interessanterweise kategorisiert er die Akkordfolge der Tonart C zugehörig und beziffert die Akkordfolge basierend auf dem Dreiklang C in sogenannter Stufenschreibweise. Dabei würde der Gm Dreiklang auf der V Stufe in C Dur normalerweise gar nicht auftauchen, ganz zu schweigen von einem Bb Dreiklang. Hier müsste man schon etwas mehr ausholen, um die Verwandtschaft dieser Klänge in Beziehung zu der Tonart C Dur zu setzen. Die Jazzer bezeichnen so etwas als modal interchange. Bezieht man allerdings die Klänge auf die Tonart F Dur, ergibt sich eine übliche Zuordnung zu den Stufen der Tonart.

the last speculoos (classic edit)

the last speculoos (yoga edit)


Das Beitragsbild zeigt wahrhaftig den letzten von mir mit Genuss verspeisten Spekulatius dieses Winters, allerdings ins All befördert …

chipstuned

Kartoffelchips sind die beliebtesten salzigen Knabberartikel der Deutschen. Im Jahr 2021 wurden ca. 125.000 Tonnen Chips produziert. Im Durchschnitt werden ca. 900g Knabberartikel pro Kopf der Bevölkerung konsumiert, dies wären dann fast fünf Tüten Chips im Jahr. Klingt erstmal wenig. Da man aber bedenken muss, dass manche gar keine Chips zu sich nehmen, sieht die Statistik für einzelne Personen schon wieder ganz anders aus.

Der Titel des heutigen Beitrages ist ein kleines Wortspiel: Aus „chiptune“ wurde „chipstuned“. Chiptune steht ja bekanntermaßen für eine Musikrichtung, ein Genre, welches 8-bit Klänge älterer Spielhöllenautomaten und längst totgeglaubter Heimcomputer als Klangideal verwendet. Chiptune Musik hat weltweit eine große Fangemeinde vor allen Dingen in Japan und USA sowie in der Gamer-Szene. Ich möchte an dieser Stelle gerne an meinen ersten Ausflug zu diesem Genre erinnern: little chiptune.

Das Stück chipstuned bedient sich solcher Klänge und erinnert auch an die oben angesprochene Musikszene. Geholfen hat mir dabei der neue Bassline Generator meiner Musiksoftware reasonstudio, mit dem man spielerisch schnell zu bestimmten Effekten und Linien kommt. Fehlen darf auch nicht der Klang von gerade verzehrten Chips, der hier als Intro und Outro dient. Ganze Sounddesigner-Mannschaften werden von großen Lebensmittelfirmen beauftragt, den passenden Klang beim Öffnen von Chipspackungen und beim Verzehren von Chips zu erzeugen. Dazu gibt es einen schönen Beitrag vom Deutschlandfunk Nova.

chipstuned


Passend zum Thema heute ein paar Kartoffelchips drapiert auf einem Keyboard.

indian horns

Neulich bin ich in der SZ-Rubrik Bester Dinge auf einen bemerkenswerten Artikel gestoßen. Der indische Verkehrsminister hat verkündet, dass die Autohupen in seinem Land mit Klängen indischer Instrumente ersetzt werden sollen. Dies würde das Klangbild indischer Großstätte erheblich verändern. Bekannterweise wird in asiatischen Ländern erheblich mehr gehupt, als es bei uns üblich ist.

Ganz abwegig ist dieser Gadankie wirklich nicht. Namhafte europäische Autohersteller sind aktuell dabei ihre soundbrandings der wachsenden Elektroautoflotten auditiv völlig neu aufzustellen. BMW hat sich dabei sogar die kompetente Unterstützung eines Hans Zimmer eingekauft, der mit vollem Einsatz an dieser Idee mitarbeitet.

Ich biete heute zwei Soundscapes im Vergleich an. Das erste Stück lässt eine Zufallswahl von Hupenklängen diverser Autos über einer Verkehrstextur erklingen. Beim zweiten Soundscape werden die Hupenklänge von Klängen indischer Instrumente ersetzt. Vielleicht erhält man eine Idee der Vision des indischen Verkehrsministers.

indian horns (horn version)

indian horns (instrument version)


Das Beitragsbild ist eine verfremdete Aufnahme von verschiedenen Spielzeugsautos mit einem Hintergrund eines Straßenspielteppichs. Leider war ich noch nie in Indien und hatte noch keine Gelegenheit, dort den Verkehr zu fotografieren.

water therapy

Die Musikwissenschaftler beschäftigen sich unter anderem damit Musik zu kategorisieren. Je nach Betrachtungswinkel gibt es unterschiedliche Systeme mit denen man unterschiedliche Aussagen treffen kann. Zu Zeiten der sogenannten Wiener Klassik im 19. Jahrhundert wurde gerne zwischen absoluter und programmatischer Musik unterschieden, später kam die Kategorie der funktionalen Musik dazu.

Die absolute Musik lebt in sich selbst und dient keinem Zweck. Die Musik spricht für sich, wie beispielsweise Sinfonien Mozarts. Der programmatischen Musik unterstellt man ein Programm, ein Bild oder eine Geschichte an der die Musik angelehnt ist. Man denke da zum Beispiel an Edvard Griegs Peer Gynt Suite. Die funktionale Musik dient einem bestimmten Zweck. Filmmusik gehört in großen Teilen bestimmt zu dieser Gruppe, auch wenn Grenzen fließend sind. Suche ich Musik bei bestimmten Streaming-Diensten, kann ich zum Beispiel die Kategorie „Yoga & Meditation“ auswählen. Es gibt Musiker, die ganz genau für solche Zwecke ihre Musik produzieren. Dies gibt es schon seit den 30er Jahren, als sogenannte MUZAK Musik für bestimmte Zwecke produziert wurde; beispielsweise für Aufzüge und Supermärkte.

Das Stück „water therapy“ würde auch in die Kategorie „Yoga & Mediation“ passen, zumindest fast, und bedient wieder meine sogenannte mambial-music.

water therapy


Das Beitragsbild zeigt ein selbstgemaltes Bild meiner Tochter, welches gut zum Stücke-Titel passt.

the number is not available

Es gibt bestimmte Entwicklungen, die werden als sogenannte Sprunginnovationen bezeichnet. Sprunginnovationen sind meistens bestimmte Erfindungen, die einen enormen Wandel in der Gesellschaft hervorbringen können. Die Erfindung des Buchdrucks ist eine der bekanntesten aus dieser Liste und es wird auch keiner bezweifeln, dass die Erfindung des Telefons mit dem Vorläufer des Telegraphen eine solche Innovation darstellte, konnten die Menschen sozusagen nunmehr mit ihrer Stimme auf Reisen gehen. Vorher war die Infomationsvermittlung nicht schneller als das schnellste Pferd mit Reiter, wenn man mal von Rauchzeichen, Brieftauben, Lichtzeichen und der Kommunikation mittels der Pfeifsprache El Silbo auf Gomera absieht. Die Integration des Telefons in einen Hosentaschen großen Mikrocomputer in Forms eines Smartphones stellt eine weitere Sprunginnovation dar.

Rafael Laguna, der Chef der relativ neuen Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND verrät in einem sehr lesenswertem Interview, warum die Gesellschaft die liebevoll bezeichneten HIPOS – was für „High Potentials“ steht – braucht und welche Anreize diese bekommen müssen. Dabei entlarvt er die selbstverliebten Eigenansichten der Hipster aus dem Silicon Valley – denn nicht jede gepriesene Innovation ist auch gleichzeitig eine Sprunginnovation – und berichtet über eine Liste des „The Atlantic“ der 100 wichtigsten Sprunginnovationen, die aufgrund von Befragungen zusammen getragen wurde.

Das heutige sounddesign stellt die wunderbaren Geräusche des Telefons in den Mittelpunkt, die mit der Benutzung die auditive Welt in diesem Bereich maßgeblich geprägt haben. Es sind Geräusche, die das Telefon beim Wählen von sich gibt bzw. gab und die wundervollen Signale, die uns akustisch anzeigen, ob wir auf den Verbindungsaufbau warten oder der Teilnehmer als besetzt markiert wird bis hin zu automatisierten Ansagen. Die Geräusche wurden auch diesmal wieder auf der Seite freesound.org mit einer einfachen Suche nach telephon ring zusammengetragen und mittels generativen Prozessen und Zufallsgeneratoren miteinander verknüpft. Hierzu die Wortwolke auf der freesound.org Seite.

the number is not available


Das heutige passende Beitragsbild habe ich abermals im Freilichtmuseum Hessenpark in einem Gewächshaus „gefunden“.

bladerunner quadragrainic world

In einem Forum tauchte neulich die Frage auf, wie man denn für einen neuen Song einen geeigneten Namen finden könnte. Über einen Titel-Generator hatten wir ja schonmal gesprochen. Dies kann man bei dem Beitrag sad will lead the way nachlesen. Für einige der letzten Songs habe ich einfach den Namen eines Sounds, den ich verwendet habe, ausgewählt. Und man muss wirklich konstatieren, dass die Sound-Bastler in dieser Hinsicht sehr kreativ sind. Auch für das heutige Stück habe ich den Namen eines Sounds benutzt, der für das vorliegende Stück charakteristisch ist.

Den heutige musikalische Beitrag zu meinem in baldiger Zukunft zu veröffentlichen Bladerunner Album würde in der aktuellen Jugendsprache als „episch“ bezeichnet werden. Viele Jugendliche sind sich der eigentlichen Bedeutung des Wortes nicht bewusst, sondern bei ihnen wird das Wort eher für „dramatisch“ oder „opulent“ benutzt. Dabei bezeichnet episch mehr die ausführliche Länge eines erzählenden Werkes und grenzt ursprünglich gegen das Drama, also eine Handlung auf einer Bühne, ab, wobei der ausschweifende Charakter durchaus gemeint sein kann.

Mein Stück heute ist auch eher episch im eigentlichen Sinne und unterstreicht durch die schleppende Akkordfolge mit sphärischen Stringsounds und einer klassischen erweiterten Kadenzform durch die Folge C D Em | Am G F#m Em | G F#m Em | diesen Charakter. Ich kann mir das Stück sehr gut als finalen Song meines virtuellen Bladerunner Nachfolgefilms vorstellen, der bis in den Abspann hineinreicht.

bladerunner quadragrainic world


Auch diesmal habe ich den Ausflug ins Erfurter Danakil benutzt und aus dem Wüsten-Abschnitt der Stätte ein passendes Bild für das heutige Stück und die Bladerunner Thematik ausgewählt.

mercury voyager

Im Jahr 1977 startete die NASA zwei Voyager Sonden, um weit von der Erde entfernte Planeten unseres Sonnensystems wie Saturn, Jupiter (die beiden Riesen), Uranus und Neptun zu erkunden. Es sollte eine der erfolgreichsten Missionen der NASA werden. Noch heute besteht Kontakt zu den Sonden, die faktisch unser Sonnensystem verlassen haben. Dabei muss man bedenken, dass die Grenze, wo unserer Sonnensystem eigentlich endet, natürlich reine Abmachungssache ist. Man kann aber zumindest sagen, dass die Sonden über die Umlaufbahn des Planeten Pluto, der ja gemäß des bestehenden Protokolls eigentlich nicht mehr als Planet eingestuft wird, hinaus geflogen sind und neben einer anderen Sonde damit zwei Objekte sind , die von Menschenhand geschaffen sich am weitesten von der Erde entfernt haben. Wer mehr darüber erfahren möchte, schaut sich diesen sehr gut gemachten Artikel vom Wissenschaftsjounalisten Friedrich List an. Hier sieht man auch eine Reihe von Aufnahmen, die die beiden Sonden zur Erde gefunkt haben.

Die Voyager Sonden erlangten Berühmtheit, weil sie jeweils eine goldene Schallplatte – golden record – dabei haben, die Zeugnis von der Existenz und Kultur der Menschheit geben soll, falls diese jemals mal von intelligenten außerirdischen Bewohner gefunden würde. Dazu wurde von einem schlauen Team ein einfach zu entschlüsselnder Code erfunden und damit Musik, Bilder, Texte und gesprochene Textnachrichten in mannigfaltigen Sprachen codiert. Man hat seitens der Musik unter anderem Bach, Beethoven, Mozart, sowie eine Aufnahme von Chuck Berry beigelegt, neben einer Reihe von Volksmusik verschiedenster Völker der Erde. Mich wundert, dass keine Jazzmusik in der Auswahl zu finden ist.

Die Audiobotschaften – Grußworte in 55 Sprachen, die frei gewählt werden durften, hat das Duo Falkfest 2002 bei dem Stück mercury vojager im Stil eines 4 to the floor beats verwendet und an die Mission erinnert. Der Name mercury voyager stammt von einem amerikanischem Auto, welches die für die damalige Zeit typischen „Raketen-Flügel“ hatte. Übrigens hieß das erste Weltraumprogramm der NASA auch mercury. Mercury war ursprünglich ein beliebter Name für große Segelschiffe verschiedenster Flotten.

mercury voyager


Das Beitragsbild ist diesmal ausnahmsweise keine eigene Fotografie, sondern eine zur freien Verwendung herausgegebene Abbildung der erwähnten goldenen Scheibe (golden record).

appearance of disappearance

Neulich stieß ich auf einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung mit einem für mich interessanten Inhalt: Ein Album mit australischen Vogelstimmen mit dem Namen Songs of Disappearance verdrängte namhafte Interpreten, unter anderem ABBA von den ersten Plätzen der australischen Charts. Dies ist ungewöhnlich, bemerkenswert und als Liebhaber diverser Soundscapes für mich eine große Freude. Es geht hier um Aufnahmen von Vogelstimmen, die über einen Zeitraum von 40 Jahren gesammelt wurden. Darunter sind etliche Klänge von Vögeln zu finden, die im Begriff sind auszusterben bzw. schon ausgestorben sind. So erklärt sich auch der Titel des Albums. Die Klänge sind sehr ungewöhnlich und bizarr und erinnern teilweise eher an Affen oder Hunde.

Ich habe mir erlaubt einige der Stimmen zu montieren und über einen Klangteppich, den ich aus verschiedenen australischen Grillenarten zusammengestellt habe, die ich abermals bei freesound.org gefunden habe, zu legen. Ich möchte durch diesen Soundscape der Aktion eine zusätzliche Aufmerksamkeit geben und allen denjenigen, die sich für den Erhalt der Artenvielfalt einsetzten, Nachdruck verleihen.

appearance of disappearance


Das Beitragsbild erinnert entfernt an den australische Dschungel. Ich habe es in diesem Sommer im Regenwaldhaus der BUGA Erfurt – dem sogenannten Danakil – aufgenommen und leicht verfremdet.

windy christmas

Auch dieses Jahr gibt es zur Weihnachtszeit eine passende Klanglandschaft in Form eines soundscapes bzw. sounddesignes, sozusagen ein Xmasscape, wenn man es so nennen darf. Dieses kleine Stück suggeriert eine raue Winterlandschaft mit ordentlich frostigem Wind und Schnee, oder zumindest Raureif, wie das Beitragsbild zeigt. Ein Foto, das ich aktuell heute aufgenommen habe, denn wir hatten heute morgen eine verzauberte Winterlandschaft pünktlich zum Winteranfang, der heute mit der längsten Nacht des Jahres – die sogenannte Wintersonnenwende -eingeläutet wurde. Womit wir wieder beim Thema sind. Die Windgeräusche werden durch allerlei Glocken und sogenannte Chimes ergänzt, die uns an eine weihnachtliche Kulisse erinnern.

windy christmas


screenshot windy christmas

Gleichzeitig möchte ich mich für eure Treue beim Verfolgen dieses blogs bedanken und hoffe, dass ihr auch nächstes Jahr wieder zahlreich dabei sein werdet. Ich wünsche Allen eine gesegnete Weihnachtszeit, einen guten Rutsch und ein schönes Fest gepaart mit ein paar Erholungstagen, trotz aller Herausforderungen, die diese Zeit so bietet.

bladerunner ominaus forest

Der Titel aus der beliebten bladerunner Serie „ominaus forest“ passt durchaus in diese außergewöhnliche Zeit. „Ominaus“ lässt sich mit „unheilvoll“ übersetzen. Sollten wir nicht gerade jetzt eher eine „heilvolle“ Zeit erleben? Eine Zeit der Besinnung und des adventlichen Frohlockens? Irgendwie ist die Stimmung aber leicht getrübt. Ich persönlich darf mich nicht beschweren, vielmehr merke ich kraft meiner sensorischen Fähigkeiten, manche würden dies als Gespür bezeichnen, dass dieses Weihnachten irgendwie auch nicht mit einer Leichtigkeit daher kommt und sich ein bisschen schwerer anfühlt als sonst.

Freude macht es mir allerdings immer Musik machen zu können und zu dürfen. Mir fällt gerade auf, dass Musik machen einen hohen Grad der persönlichen Freiheit ausmacht. Wir haben ja gerade auch das Freiheitsthema in unserer Gesellschaft. Hier wird viel diskutiert. Musik zu spielen und zu kreieren – ich sage ja, man erfindet keine Musik, man findet sie nur – ist eine fantastische Ausdrucksform. Ich kann sozusagen machen, was ich will, nur meine Fähigkeiten und meine Phantasie begrenzen mich. Die Fähigkeiten kann man schärfen, indem man übt. Die Phantasie braucht Inspiration. Dazu muss man mit offenen Sinnen durchs Leben gehen, auch wenn der Zeitgeist manchmal betrüblich wirken kann.

Dieser bladerunner Beitrag – man lese bitte hier nach: Bladerunner Serie – bekommt seinen Titel auch wieder aufgrund eines Sound-Namens und ist absolut passend. Das Klangstück ist eine Reise, bei der es viel zu entdecken gibt. Klänge einer unbekannten Welt mit einem geheimnisvollen Wald, der durchschritten wird.

ominaus forest


Das Bild entstand zufällig bei einem Spaziergang in Erfurt diesen Jahres. Rein farblich passt es wunderbar zur Serie.

the gleam of hope

Es ist mal wieder Zeit die Gitarre auszupacken. Herausgekommen ist eine Hymne, ein kleines, meditatives Stück. Man muss es sich unbedingt über eine richtige Anlage, zumindest über einen Kopfhörer, anhören. Mir ist es nicht gelungen den Mix so einzustellen, dass es sich über einen Smartphone-Lautsprecher einigermaßen vernünftig anhört. Es hängt mit den Frequenzen der Begleitung zusammen, die anscheinend einen kleinen Smartphone-Lautsprecher überfordern. Über eine Anlage hört sich das Stück sehr schön an.

Gerade als ich dabei war dieses Stück zu komponieren, erfuhr ich vom Tod eines guten alten Freundes, der unerwartet und plötzlich verstorben ist. In der Hoffnung, dass er sich jetzt an einem friedlicheren Ort aufhält, widme ich ihm dieses Stück, um die Erinnerung an ihn zu ehren. Daher ist auch der Titel des Stückes entsprechend gewählt.

the gleam of hope


Die Fotografie stammt vom Singliser See in Borken (Hessen). Mein Freund besuchte den See, wann immer er dazu die letzten Wochen seines Lebens Zeit hatte.

onko mark

Und wir bleiben direkt beim Thema „sound challenge“, ein Format , welches ich ja bekanntlich sehr liebe. Wiederum hat die niederländische Klangschmiede Oenkenstein aufgerufen ein Stück zu kreieren, welches ihren neu erschienenen Klangerzeuger mit einem Mark Roads E-Piano-Klang verwendet. Oenkenstein schreibt bezeichnenderweise „roads“. Das Fender Rhodes Piano ist legendär und prägte außerordentlich die Klangwelt der Popmusik – besonders der 70er Jahre. Jazzgrößen, die sich in den 70er Jahren der Jazz-Rock-Musik bzw. Fusion-Musik widmeten, haben fantastische klangliche Zeugnisse dieser Zeit abgegeben. Denken wir beispielsweise an das Stück Red Baron von Billy Cobham mit dem unvergleichlichen E-Piano Spieler Jan Hammer, oder an Chick Corea mit seinem legendären Stück Spain. Weitere Vertreter sind Herbie Hancock und George Duke, aber auch die Pianistin Patrice Rushen mit ihrem langen E-Piano Solo in dem Stück Before the Dawn möchte ich hier anführen. Und alle spielten das Fender Rhodes.

Die Regeln der Challenge sehen lediglich vor, das mindestens eine Tonspur von dem erwähnten Klangerzeuger stammt. Ein Forums-User wünschte sich ein jazziges Stück, dies wollte ich beachten. Alles andere ist erlaubt, was mit der Software reasonstudio möglich ist. Ich habe mich entschieden den Klang des E-Pianos in den Vordergrund zu stellen und ein 70er Jahre „Feeling“ zu erzeugen.

UPDATE: Erstaunlicherweise hat das Stück „onko mark“ den 1. Platz bei der competition belegt! Ich freue mich sehr. Man sollte allerdings auch dazu sagen, dass es nur sehr wenig Einsendungen gab!

onko mark


Das heutige Beitragsbild wurde im Herbst im Freilichtmuseum Hessenpark fotografiert und zeigt den Arbeitsplatz einer Druckerei, die in den 80er Jahren geschlossen wurde. Weil das Stück „onko mark“ ja auch „retro“ ist, passt das.

tako hammer

Der Name dieses Beitragstückes „Tako Hammer“ habe ich einer Soundpatchsammlung aus dem reasonstudio Forum übernommen. Der User loopeydoug war so freundlich eine Klangsammlung für den virtuellen FM-Synthesizer Algoritm mit den Forumsmenschen zu teilen. Wer dieses blog regelmäßig liest, weiß ja, dass ich gerne bei sogenannten Challenges mitmische. Ich finde es motivierend eine musikalische Aufgabe in Form von sogenannten Regeln zu bekommen, die man dann umsetzen mag. Im heutigen Fall habe ich mir meine persönliche Challenge gesucht, indem die Aufgabe darin bestand, einen Song zu komponieren, der ausschließlich bestimmte Klänge einens Instruments verwendet. Herausgekommen ist mal wieder ein fast meditatives „mambial“ Stück mit asiatischen Anklängen, welches durchaus auch zu meinem letzten Album go east gepasst hätte. [Hinweis des Schreiberlings: mambial ist eine Neuschöpfung für einen Musikstil bzw. ein Genre. mambial setzt sich zusammen aus „ambient“ und „minimal“.]

Zu Beginn des Stückes breiten sich flächenartige Quinten aus, welche in der Wiederholung dann mit einigen Sequenzen unterstützt werden, die der Komposition einen gewissen Rhythmus verleihen. Ein Kommentar auf Youtube lautete: lovely rich sound!

Die verwendeten Töne sind einer einzigen Tonleiter (scale) entnommen, je nachdem in welchen Kontext man sie stellt – hier: auf welchen Grundton sie bezogen werden – ergibt sich eine andere musikalische Relation und Stimmung. Die erste Scala wird als Hindu bezeichnet (es gibt noch viele andere Namen für diese Tonleiter), die zweite als Lydian Dominant Scale. Es ist im Grunde eine melodische Molltonleiter, nur jeweils mit einer anderen Tonstufe beginnend.

tako hammer


Das Betragsbild habe ich im Sommer bei Sonnenaufgang beim Blick aus dem Schlafzimmer aufgenommen. Durch das digitale Rauschen sieht es fast wie ein Aquarellgemälde aus.

no one knows what the future holds

Eigentlich dachte ich ja, wir würden doch allmählich von der Coronathematik Abschied nehmen können, doch wie uns die Medien spiegeln, ist die Bundesrepublik weit davon entfernt. Die Diskussionen nehmen kein Ende und die Frequenz der streithaften Auseinandersetzungen steigt sogar. Die täglich produzierten Zahlen verheißen kein schnelles Ende der Pandemie.

Ein Lockdown-Szenario soll unter allen Umständen vermieden werden, und jetzt spaltet sich die Gesellschaft in Geimpfte und Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen. Diese beiden Gruppen finden immer weniger zusammen. Zwar soll es keine staatlich verordnete Impfpflicht geben, aber man wird den Eindruck nicht los, dass es eine Impfpflicht durch die „Hintertür“ gibt, dass die Nichtgeimpften immer mehr ausgeschlossen werden. Allerdings kann ab heute wieder kostenlos ein Schnelltest-Zertifikat erworben werden.

Die Impfgegner werden von Geimpften immer mehr angefeindet, und schließlich und endlich weiß ich persönlich manchmal nicht mehr, was ich eigentlich zu der ganzen Gemengelage denken soll. Ich merke, wie dies meine Stimmung beeinflusst und ich mich am liebsten mit der ganzen Thematik nicht mehr auseinanderzusetzen müsste. Hinzukommt, dass die Zukunft ungewiss bleibt und natürlich – wie schon immer – nicht vorhersagbar ist, wie auch der Titel des heutigen Stückes beschreibt.

Ein Licht am Ende des Tunnels verspricht die sofortige Booster-Aktion. Dazu bitte das Foto ausdrucken, auf den Boden legen und links unten auf den Fußschalter treten. Fertig!

Das heutige Beitragsstück ist eine gelungene Mischung von klassischer Minimalmusik à la Phil Glas und Steve Reich: Die anfängliche Piano-Sequenz, die das ganze Stück begleitet und die Pattern des Synthesizers ergänzt mit den Kalimbas gepaart mit einem Xylophon-Klang sowie der Piano-Melodie, die klangliche Anleihen an Harold Budds und Brian Enos Piano-Klänge in der Ambient Serie erkennen lassen; letztgenannte sind absolute Schätze der klassischen Ambientmusik. Demnach könnte man bei dem heutigen Stück von „mambial music“ sprechen, wenn man denn ein neues Genre eröffnen möchte.

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no one knows what the future holds


Das Beitragsbild ist zufällig entstanden, steht aber symbolisch für die zwei angesprochenen Gruppen, die sich gegenüber stehen.

klankologie one

Die Firma Oenkenstein Audio beendet heute ihre klank-challange. Es wurde dazu aufgerufen mit ausschließlichen Klängen des neuen virtuellen Instruments Klank (singing bowls) einen track einzuschicken und vielleicht einen kleinen Preis zu gewinnen. Mit Klank kann man diverse metallische und gläserne Klangerzeuger abrufen und für die eigenen Stücke verwenden.

Das Stück klankologie one ist eine Fortsetzung der „Ologie-Reihe“, die ja z.B. bei den Stücken pianologie one, pianologie two, pianologie three und stringologie one zu hören war und sich sehr ähnlicher Kompositionsweise bedient. Dabei hört sich das Ergebnis immer stark nach klassischer minimal music an. Pianologie one zählt unerwarteterweise zu den meist „gestreamten“ Stücken meiner Musik. Rhythmische Pattern als Grundlage für einen Arpeggiator werden nacheinander gehalten und aufeinander gestapelt, während im Laufe des Stückes die Töne zyklisch ausgetauscht werden.

klankologie one


Eine Klangschale wird normalerweise kurz angeschlagen, dann hat sie einen sehr hohen glockenartigen Ton, sie wird aber auch überlichweise mit einem Holzstab am Rand „gerührt“ bis ein stetiger Grundton zu hören ist, der ein wenig weicher klingt. Ein Kissen verhindert, dass der Reibeton abgedämpft wird und frei zur Entfaltung kommen kann. Ich habe früher eine Zeit lang die abgebildete Klangschale benutzt, um einen bewussten Unterrichtsstundenbeginn zu setzten und als akustischen Trigger, um wieder an ruhige Phasen des Unterrichtens zu erinnern.

glockenton


reibeton


Das Beitragsbild zeigt diesmal meine Klangschale in einem Herbstlaubambiente.

panda randa surfing

Japanische Gärten sollen dem wandelnden Besucher Kontemplation und wohlmöglich Meditation ermöglichen, dazu haben sie einige typische gartenarchitektonische Merkmale ausgebildet. Auffällig zum Beispiel ist der besondere Heckenschnitt, die Verwendung von Steinen, sowie die Strenge eines japanischen Gartens, der meist mit einer bestimmten Art von Bescheidenheit gepaart ist. Eine spezielle Ausprägung ist der japanische Zengarten, der geharkte Kiesflächen als Gestaltungselement verwendet.

Eine kleine Zwischenbemerkung: Ich wage mal die These, dass die neuerdings sehr beliebten Grauskies- bzw. Schotter-Vorgärten aus dem Baummarkt eine zumindest entfernte und unbewusste Anlehnung an die Zengärten sind um das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung befriedigen sollen, nicht zuletzt, weil dann weniger gegärtnert werden muss. In vielen Gemeinden wird gerade überlegt, diese Art von Vorgärten grundsätzlich zu verbieten, obwohl dies eigentlich schon der Fall ist; zumindest in Bayern: Es wurde darauf hingewiesen, dass man nicht verbieten muss, was eigentlich schon verboten ist, denn 1. besteht die Pflicht Vorgärten grün zu gestalten und 2. dürfen keine Vorgärten versiegelt sein, was unweigerlich durch Folienunterbringung unter den grauen Kies oder Schotter geschieht.

panda randa surfing


Das heutige Stück – auch irgendwie meditativ – hätte es eigentlich noch in das go east Album schaffen können, allein, das Album wurde schon vorher herausgegeben. Ich werkelte mit einem PlugIn herum, welches Teile der Kompositionen generativ erzeugt und dabei verschiedenste Parameter dem Zufall überlassen werden dürfen. Eine Grundeinstellung dazu, die namentlich abgerufen werden können, lieferte den Namen des heutigen Stückes. Dieses PlugIn kombinierte ich mit Klangerzeugern, die sich auf belebte und unbelebte Natursounds spezialisiert haben, hier: Wasser und Vögel.

Schnell wurden dazu weitere Linien und eine sich wiederholende Basssequenz gefunden und mit einer Solovioline und gepaart am Ende des Stückes mit einem sogenannten Plugsound, der gitarrenähnlich daherkommt.

Ein wenig passend zur Stimmung des Stückes habe ich ein Bild im japanischen Garten in Erfurt aufgenommen, der unlängst zum Teil der diesjährigen Bundesgartenschau wurde. Er ist im Egapark zu finden, den es schon lange vor der Bindesgartenschau gab.

arab freesound

Heute gibt es mal wieder ein richtig schönes sounddesign. Diesmal mit Klängen, die ich auf einer meiner Lieblingsseiten gefunden habe: freesound.org. Hierbei bin ich wieder in schon bekannter Manier vorgegangen:

Man öffne die Seite freesound.org und gebe einen Suchbegriff ein. Hier gab ich den Begriff „arab“ ein. Die Klänge, die dann angezeigt werden, klicke man nach Gutdünken und Intuition an, so dass ein Geflecht von Klängen entsteht. Gleichzeitig nimmt man mit Möglichkeiten eines digital loopback das Audio auf, will meinen, man speichert das Ergebnis auf der Festplatte seines Computers.

arab freesound


Ich habe mich vor einigen Jahren ausführlicher mit dieser Vorgehensweise beschäftigt und hatte auch schon mal eine Arbeit mit dem Titel chant on the beach hier veröffentlicht.

Das heutige Beitragsbild wurde 2014 im Herbst in Izmir in der Türkei aufgenommen. Ich finde es ganz passend zum heutigen sounddesign.

bladerunner city night

Am nächtsen Album bladerunner wird weiterhin „schwer“ gearbeitet. Diesmal gilt es seine Audioanlage ein bisschen aufzudrehen, das Telefon abzuschalten, sich zurückzulehnen, die Augen zu schließen, entspannen, ruhig einzuatmen und dem neusten Audiobeitrag der bladerunner series zu lauschen. Um so mehr du dich darauf einlassen kannst, um so tiefer kannst du abtauchen in die geheimnisvolle Welt der sibyllinischen Klangskulpturen und stenotopen Kometenklänge. Ein Hörerlebnis erster Güte ist garantiert, so meine ich es zumindest.

Das Stück ist diesmal ungewöhnlich lang geraten, sehr lang, nicht zu lang, angemessen halt. Es besteht auch sechs Teilen, die jeweils durch eine kurze Pause getrennt sind. Grundlage bietet die sogenannte keynote, bestehend aus einem rhythmischen swellsound, der durchgehend zu hören ist und die minimalistisch rhythmische Grundlage liefert. In jedem Teil kommt eine Textur dazu mit Ausnahme des fünften Abschnittes, der etwas ausgedünnt gestaltet ist. Die Klänge lieferten diesmal weitesgehend die neuen Combinator 2 Klänge der Reason Studio Musiksoftware Version 12.

bladerunner city night


Das Beitragsbild zeigt einen Ansicht aus Frankfurt am Main in der Nähe des Bahnhofviertels, die in ein surreales Nachtambiente mit Hilfe des Programms Pixelmator Pro umgewandelt wurde.

find butterfly

Vor ein paar Wochen fragten wir uns, ob es denn eigentlich noch Schmetterlinge gibt. Es waren keine zu sehen. Ich sagte, man müsse noch etwas abwarten, das Frühjahr hat dieses Jahr fast mit einer Verzögerung von drei bis vier Wochen eingesetzt und der Lebenszyklus der Schmetterlinge ist stark von den Durchnittstemperaturen abhängig.

Und wahrhaftig, dann ungefähr Mitte August, der Sommer zeigte sich langsam, tauchten sie auf. Es waren an einem speziellen Ort hier im Dorf auffällig viele, die sich unter anderem an einem sogenannten Schmetterlingsstrauch weideten. Wie man ja weiß, brauchen bestimmte Arten auch bestimmte Pflanzen ums sich ernähren. Auch die Schmetterlingsraupen haben sich auf bestimmte Pflanzen als Nahrungsgrundlage spezialisiert.

Der Eindruck zur Zeit ist, dass es weniger Schmetterlinge werden. Und dies ist ja auch kein Wunder, nimmt doch die Landversiegelung unaufhaltsam zu und die Artendiversität ab. Die Schmetterlingsarten, die man dann sieht, sind im Wesentlichen die häufigen Arten: Tagpfauenauge, kleiner Fuchs, Admiral, Diestelfalter und der Rapsweißling, manchmal noch einen Zitrusfalter, obwohl es weltweit ungefähr 150.000 Arten gibt. Andere Arten habe ich die letzten Jahre nur wenige gesehen. Der Schwalbenschwanz ist mir nur ganz selten begegnet.

Wenn man den Flug dieser wunderbaren Tiere beobachtet, fällt einem die Schönheit dieser Tiere auf. Bemerkenswert ist ihr sanfter, lautloser Flug. Ich habe mich schon immer gefragt, wo der Name „Butterfly“ herkommen mag. Ich denke, es ist der Flug, so sanft wie Butter? Eine andere Erklärung besagt, Schmetterlinge haben früher gerne Gefäße im Zusammenhang mit Sahne und Butterherstellung angeflogen und bekamen daher den Namen Butterfliege.

Das heutige Stück ist auch zuckersüß wie Nektar und sanft wie Butter. Es ist in einer kürzeren Version auf meinem letzten Album go east erschienen. Nun habe ich das Ende nochmal etwas verändert. Das besondere an dem Stück ist die Klangquelle des Rhythmus. Ich habe meine geliebte Campingmetalltasse, die mir seit über 25 Jahren täglich meinen Kaffee zuführt mit ein bisschen Wasser gefüllt und mit meinen Fingern bearbeitet, dies aufgenommen und gesampelt und dann zu einem Rhythmus weiterverarbeitet.

find butterfly


Das Beitragsbild zeigt ein Tagpfauenauge auf einer bevorzugten Nektarpflanze hier in meinem Dorf.

sanaa

Wie bereits angekündigt möchte noch jeweils einen Beitrag zu den zwei Stücken schreiben, die zwar auf dem Album go east veröffentlicht wurden, aber bisher noch nicht in das blog geschafft haben. Ja richtig, es muss heißen das blog und nicht der blog, denn es ist ja DAS Tagebuch, sozusagen.

2004 hatten wir das große Glück in den Jemen reisen zu dürfen. Ein Freundin hatte einen Job für die Entwicklungshilfe in der Hauptstadt des Jemen Sanaa beim Waterresearch-Programm angenommen, ihr Lebensgefährte wanderte mit aus und wir wurden eingeladen, sie besuchen zu kommen. Es war eine hoffnungsvolle Zeit für den Jemen. Das Land war gerade dabei sich zu öffnen und es wurden Versuche unternommen Demokratisierungsprozesse einzuleiten. Wie sich herausstellte, betraf dies aber eigentlich nur die Hauptstadt, denn die Strukturen auf dem Lande ließen sich auf keinen Fall von heute auf morgen verändern, auch wenn der Westen dies gerne gesehen hätte.

Wir wurden herzlich willkommen geheißen, denn weil die rot-grüne Schröder-Fischer Regierung die Beteiligung beim zweiten Irakkrieg (auch dritter Golfkrieg genannt) – vielleicht auch aus wahlpolitischen Gründen – verweigerte, wurden deutsche Touristen hoch angesehen und wir hatten unsere damaligen einjährige Tochter mit einer sehr blonden Haarpracht dabei, was die Einheimischen bewunderten.

Es ist zwar aus den Medien verschwunden, aber dem Jemen geht es in vielerlei Hinsicht sehr schlecht, ist er seit vielen Jahren der Schauplatz eines gräßlichen Stellvertreterkrieges Saudi-Arabiens mit dem Iran. Die ohnehin schon schlechten Bedingungen haben sich noch weiter verschlechtert, dem Jemen geht dramatisch das Wasser aus, Lebensmittel werden nicht produziert, außer der Volksdroge Kat, was die letzten Wasserreserven aufbraucht. Die Bevölkerung stirbt an Hunger und entsetzlichen Krankheiten. Erstaunlich ist, dass die Medien eine zeitlang von weltpolitischen Brennpunkten berichten und dann erlischt das mediale Interesse. Zur Zeit liest man nur Nachrichten aus Afghanistan, der Jemen kommt in der Berichterstattung nicht mehr vor.

2004 war wie gesagt eine Zeit, wo man noch einigermaßen beruhigt in das Land einreisen konnte und durch unsere Freunde von Ort, konnte wir das Land natürlich auf andere Art und Weise bereisen, als wenn wir ohne Kontakte einfach nur einen „normalen“ Urlaub versucht hätten. Der Jemen erlangte mal kurzfristig mehr westliche Aufmerksamkeit, als z.B. Günter Grass z.B. auf Einladung der Regierung einer Kulturaustauschtagung beiwohnte und die berühmte Stadt Shibam mit ihren mehrstöckigen Lehmbauten besuchte.

Nach wie vor bekommt das Land Jemen von der Bundesrepublik Deutschland viel Geld überwiesen. Es war mal Schwerpunktland der Entwicklungshilfe.

sanaa


Die Audiodatei dieses Beitrags verwendet die Originalaufnahme eines Muezzins, die ich damals mit einem Minidisc (MD) Recorder aufnahm. MD Recorder erlaubten in Gegensatz zu aufnahmefähigen Walkmans auf Kompaktkasettenbasis erstmals für den interessierten Laien digitale Aufnahmen auf einer kleinen Scheibe (Minidisk), die viel weniger rauschten, als die analogen Aufnahmegeräte.

Der mit flächigen Klangbildern ergänzte Soundscape zeichnet ein düsteres Bild, was zur aktuellen Lage im Jemen passt und dazu beitragen soll, den Jemen nicht zu vergessen.

Das Beitragsbild wurde 2004 in Sanaa aufgenommen und zeigt eine bizarre einzigartige Wolkenformation.

interview

Ende Juli diesen Jahres hatte ich die große Ehre ein Interview den Machern vom Fischer & Co Radio aus Bad Wildungen geben zu dürfen. Ich hatte Gelegenheit über eine Stunde einschließlich von Musiktiteln über meine Arbeit als Audioblogger, mein blog und über meine Arbeit als Musiker zu berichten. Christiane und Marvin, die beiden Radiomoderatoren haben mir Fragen gestellt und die Sendung ging am 07.08.2021 über den Äther. Diese Sendung liegt mittlerweile auch als Podcast vor.

Jeder der ein bisschen mehr über „falkbossa“ und elektronische Musik erfahren möchte ist herzlich eingeladen die Sendung zu hören. Und, schaut doch mal beim Fischer & Co Radio aus Bad Wildungen vorbei.

go east

Das aktuelle Album go east ist soeben erschienen und kann praktisch bei allen bekannten Streamingdiensten wie youtube music, spotify, apple music, amazon und deezer usw. gehört werden. Ihr müsst einfach nur falkbossa eingeben und ihr werdet fündig. Bei dem Album handelt es sich vor allen Dingen um Arbeiten des letzen Jahres, die einen Anklang zur asiatischen Musik haben, sei es Japan, der vordere Orient, China und Indien. Viele von den Stücken sind sehr ruhig gehalten und gehen in Richtung meditativer Ambientklänge. Lasst euch überraschen und mitnehmen auf eine erstaunliche Reise.

Das Album beinhaltet zwei bisher noch unveröffentlichte Stücke (sanaa und find butterfly), die ich die nächsten Wochen in einem Beitrag vorstellen werde.

Das Betragsbild zeigt das aktuelle Albumcover. Es handelt sich um die Aufnahme einer japanischen Zierkirsche. Leider musste dieser Baum im letzten Jahr gefällt werden, da er erkrankt war. Ich werde ihn vermissen. Das Bild hatte schon bei dem Beitrag mahavishnu is coming Verwendung gefunden.